Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres

"Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen." | Mt 5,9

Musik zum Eingang

Meditation on a Spiritual - Mark L. Williams

Interpretin: Dr. Birgit Kordt

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde:             der Himmel und Erde gemacht hat.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit uns allen.

Gebet nach dem neunzigsten Psalm

Gebet nach dem neunzigsten Psalm
Gott du bist unsere heimat von generation zu generation
ehe die berge wurden und die meere
ehe unser kleiner blauer planet
auf dem sich das leben durch liebe und vereinigung ausbreitet
von dir geboren wurde nach langer schwangerschaft
warst du schon vor allem da und wartetest auf uns
du lässt menschen sterben und rufst neue zum leben
kommt wieder ihr kinder von adam und eva

Du lässt kulturen zugrunde gehen
wenn sie sich von dir trennen
und rufst andere ins leben

Was uns tausendjährig scheint und unaufhebbar
die blutige gewalt
ist dir eine kurze nachtwache
auch tyrannen brechen erschöpft zusammen
wirtschaftskonzerne lösen sich auf
und das wissen unfehlbarer parteien
wird zum schnee vom vergangenen Jahr

Es blühte die sklaverei und war profitreich
aber am abend deines tages war sie verdorrt
es kletterten die erträge der rüstung bis in den himmel
aber dein zorn läßt sie zugrundegehen
und dein grimm wird den geraubten wohlstand vernichten
unsere ausplünderung der armen machst du offenkundig
unsere gut verschleierten verbrechen stellst du ins licht
so fährt unsere zeit schnell dahin in angst vor der wahrheit
wir verbringen unsere Jahre wie auf dem drogentrip

In andern ländern werden viele nicht einmal vier
hier treiben wirs achtzig Jahre und länger
aber die freude ist schal geworden
es schleppen die apparate uns weiter
wer schenkt dir schon glauben armer gott
ohne atombomben und ohne banken
und wer fürchtet sich schon wenn deine fische sterben
erinnere uns dass wir klein sind
kurzfristig hier auf geliehener erde wohnend
lehr uns dass wir sterben müssen
keine zeit haben für all den hass
...
Lehr uns die tage zählen
an denen wir an dich denken
und dich wieder rufen

Dreh dein gesicht zu uns gott
komm zu denen die nach dir ausschau halten
mach uns satt am morgen von deinem licht
daß wir musik machen und kein tag ohne freude sei
freu uns doch wieder gott nach all den jahren der leere
im land der plünderer
da blut an unsern bankpalästen klebt
bring uns brot und rosen mit gott
deinen glanz steck den kindern ins haar
sei hell über uns mach uns leicht
zu kommen und zu gehen
und hilf deine weit bewahren
und treib das werk unserer hände voran
die gute arbeit der befreiung

(Dorothee Sölle, 1990)

Sündenbekenntnis

Ein Sonntagmorgen im November. Erinnerungen werden wach:an Schweres im eigenen Leben, an Schweres im Leben von anderen.

An das, was uns angetan wurde, aber auch an das, was wir anderen angetan haben.

Wir bringen mit, was in unseren Seelen schlummert und bitten:

Gott, erbarme dich!

Gnadenzuspruch

So spricht Gott: Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe. Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung. (Jer 29,11)

Kollektengebet

Gott im Himmel wie auf Erden,

wir halten Ausschau nach dir in den tristen Tagen dieses Novembermonats.

Wir blicken auf unser Leben, auf das, was uns ängstigt und traurig macht.

Auf das, was wir verloren haben und auf das, was wir nicht festhalten konnten.

Sei uns nicht ferne in der Dunkelheit. Lass uns auch in schweren Tagen an der Hoffnung festhalten, dass dein Reich heute schon mitten unter uns ist. Das bitten wir durch Jesus Christus , unsern Bruder und Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

Lesung aus dem Lukasevangelium (17, 20-24)

Die Pharisäer fragten Jesus:
»Wann kommt das Reich Gottes?«

Jesus antwortete ihnen:
»Das Reich Gottes kommt nicht so,
dass man es an äußeren Anzeichen erkennen kann.
Man wird auch nicht sagen:
›Schau her, hier ist es!‹
Oder: ›Dort ist es!<
‹Denn seht doch: Das Reich Gottes ist schon da –mitten unter euch.«
Dann sagte Jesus zu den Jüngern:
»Es werden besondere Tage kommen:
Dann werdet ihr euch danach sehnen,
einen einzigen Tag
unter der Herrschaft des Menschensohns zu erleben –
aber ihr werdet ihn nicht erleben.
Die Leute werden zu euch sagen:
›Seht doch, dort!‹,
oder: ›Seht doch, hier!‹
Dann geht nicht hin, lauft ihnen nicht nach.
Denn wenn der Menschensohn an seinem Tag kommt,
wird es sein wie bei einem Blitz:
Unübersehbar leuchtet er auf
vom einen Ende des Himmels bis zum anderen.«

Halleluja

Wir danken dir, Gott, wir danken dir und verkündigen deine Wunder, dass dein Namen so nahe ist. Halleluja.

Predigt

von Pfarrerin Hirschberg-Sonnemann

Pfarrerin Hirschberg-Sonnemann

Gnade sei mit Euch und Friede von den der da ist und der da war und der da kommt.

Amen.

 

... der da kommt. Wann kommt Jesus? Wie kommt Jesus?  Und was passiert dann mit uns, mit unserer Welt? Was kommt wenn das Ende kommt? Worauf gehe ich zu, wenn ich gehe? Stirbt die Erde irgndwann wie wir auch sterben und bricht es dann an - das Reich Gottes ...?

Wir sagen der Tod ist das Nach-Hause-Kommen in Gottes Reich - dort, die Bibel denkt es auch anders: Das Reich Gottes kommt in unsere Wirklichkeit - hier.

Habe ich dann Anteil, auch ohne meinen Tod, am ewigen Reich ?

Eine Predigt versucht oft Antworten, mir sind nach der vergangenen Woche  viele Fragen geblieben. Abschiede haben die vergangene Woche bestimmt und die Suche nach Trost.

Trost aus dem Evangelium des Sonntages bei Lukas  im  17. Kapitel :

Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes? Antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten kann;

Man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es! Oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.

Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, in der ihr begehren werdet, zu sehen einen der Tage des Menschensohnes, und werdet ihn nicht sehen.

Und sie werden zu euch sagen: Siehe, da! Oder: Siehe, hier! Gehet nicht hin und laufet ihnen nicht nach!

Denn wie der Blitz aufleuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein.

Wann kommt das Reich Gottes?

Wann wird die Welt sein, wie sie doch eigentlich bestimmt war, paradiesischer, wenigstens ein bisschen. Ohne viel zu frühes Sterben auf der Strasse, ohne Pandemie, ohne Viren die mutieren und aufgrund derer Menschen unmenschlich zueinander werden.

Ohne die Verachtung einander und die Anmassung andere richten zu wollen oder der Vernichtung preiszugeben.

Ein schwarzes Tuch mit Glassplittern durchzog gestern die Dortmuder Innenstadt- erinnernde Mahnung an die Reichsprogromnacht, während in Leipzig Menschen nicht nur friedlich für ein  Recht auf das Ende schützender Einschränkungen demonstrierten und ein amerikanischer Mann seine Kränkung Verschwörung nannte.

Wann kommt das Reich Gottes endlich – wann Gerechtigkeit und Sinn? Die Pharisäer, die Jesus fragen, suchen auch nach einer Antwort. Denn es schon  im jüdischen Glauben gab es unterschiedliche Vorstellungen und große Fragen.

Wann und wie kommt das Gottesreich?
Wann wird die Welt Gott–gewollt?

Wir dürfen uns die Antwort aussuchen .

Antwort A – im Blitz

Denn wie der Blitz aufleuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein.

Auch wenn ich mir oft ein deutliches Zeichen Gottes wünsche , macht mir der Blitz auch Angst. Vor Augen  in den Tagen der Reformation Martin Luther, dessen Erfahrung eines Gewitters auf dem freien Feld sein Leben  veränderte .

Hell und klar –  ein Blitz überstrahlt alle Dunkelheit, verändert den Himmel und manchmal das Leben.

Uns fällt in diesem Jahr  die Veränderung unserer Gewohnheiten so schwer – wie wird es nur sein, wenn das Reich Gottes alles verändert?

Jesus  sagt nicht wann. Überall da, wo wir es vermuten, ist es nicht: Und sie werden zu euch sagen: Siehe, da! Oder: Siehe, hier! Gehet nicht hin und laufet ihnen nicht nach!

Das Reich Gottes ist nicht zu sehen, jetzt noch nicht zu sehen.

Irgendwann wird es sein, wie ein Blitz –das ist schwer für mich zu denken,  zu glauben.

 

Antwort B- unter uns.

Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten kann;

Man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es! Oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.

Das ist leichter,  bekannter  und macht nicht so viel Angst : ein kleineres,  berechenbares Geschehen: das Reich Gottes in uns. Oft beschrieben als Reich der Liebe das „kommt nach und nach“.

Zählen und zählen und zählen .... so hiess es in der amerikanischen Wahl.

Eine allmähliche Umgestaltung der Welt – das macht weniger Angst und ist besser vorzustellen. Eine Evolution zum Guten – das wäre wunder-bar.

Man muss den Dingen
Die eigene, stille,
ungestörte Entwicklung lassen, die tief von innen kommt,

 

Antwort A und B stehen nebeneinander , Jesus beschreibt ein ruhiges Geschehen. Wir müssen nicht suchen, nicht hin und her laufen, nicht beobachten. Es ist mitten unter uns und dann irgendwann – der Blitz.

Da stehe ich mit meinen Fragen.

 

Jesus  sagt: Das Reich Gottes  ist nicht anzusehen, zu finden, aber es ist zu spüren, in uns.

Luther übersetzt , es ist inwendig –  inwendig, denke ich, in unseren Wänden. Also auch da, wo wir verzweifelt oder leise trauern, nicht verstehen, nicht glauben können. In unseren Wänden, wenn wir aufhören zu suchen . Wenn wir fühlen, allein und miteinander.  

Wir finden es nicht wenn wir durch die Welt zu gehen, in ihr beobachten: „Guck mal hier ist ein bißchen Reich Gottes “, denn dann verzweifeln wir an Vielem, was wir sehen.

Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten kann;

Man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es! Oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.

Und sie werden zu euch sagen: Siehe, da! Oder: Siehe, hier! Gehet nicht hin und laufet ihnen nicht nach!

Denn wie der Blitz aufleuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein.

 

Mit dem Beobachten aufhören, nicht laufen –

Spüren. Es ist schon da.

Ich versuche Jesu Antwort zu verstehen und ahne: Ein Telefonat, dass über Tage trägt, Trost durch Musik, die Wärme der Herbstsonne.

Vielleicht ist das Reich Gottes auch in den Fragen, in der Traurigkeit.Vielleicht sogar in der Sinnlosigkeit.  

Ich höre wie Jesus versucht, uns Angst zu nehmen. Seht, Gottes Reich ist nicht unbekannt, ungewohnt, Gott ist doch schon da . Ich spüre Jesus Sicherheit. Ich werde da sein , ganz plötzlich und hell; von einem Ende des Himmels zum Anderen .

Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen
des Frühlings steht,
ohne Angst, dass dahinter kein Sommer kommen könnte.
Er kommt doch!

 

Wann kommt das Reich Gottes?

Jesus beantwortet die Frage der Pharisäer zweifach. Jetzt schon und irgendwann. Ich höre ihn und es wird ruhiger in mir trotz aller Traurigkeit und vielem Nicht-Verstehen. Inwendig – denke ich, es ist da, auch in meinen Fragen .

Man muss den Dingen
Die eigene, stille,
ungestörte Entwicklung lassen, die tief von innen kommt,

und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann; alles ist austragen -
und dann
Gebären...

Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen
des Frühlings steht,
ohne Angst,

dass dahinter kein Sommer kommen könnte.
Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen, die da sind,
als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
so sorglos still und weit ...

Man muss Geduld haben,
gegen das Ungelöste im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben, wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben. Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,

eines fremden Tages in die Antwort hinein.

( R. Maria Rilke)

 

Und die Gnade Gottes, die höher ist als all unsere Vernunft, die bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus. Jesus. Amen.

Fürbittengebet

Lebendiger Gott!
Du veränderst mein Leben.
Wie gut, dass es Dich gibt!

Ich möchte nicht verharren
an der Oberfläche der großen Aufregungen fern und nah,
und nicht erstarren
in der Tiefe meiner Ängste und Sorgen.

Ich möchte mich nicht abfindenmit Krankheit, Unrecht und Leidund nicht abfinden lassenmit falschen Versprechungen und Lügen.

Lebendiger Gott,
Du veränderst mein Leben.
Ich kann neu anfangen!

So gebe ich Dir in der Stille alles worum ich bitte:Menschen lege ich Dir ans Herz und Deine Welt.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Sendung und Segen

Geht nun hin in diesen Tag, in die vor uns liegende Woche
als Gesegnete Gottes.

Geht – und nehmt mit Euch
den Frieden Christi, die Liebe Gottes
und die Stärkung des Heiligen Geistes
in aller Anfechtung und Freude.

 

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden.

Amen.

 

Musik zum Ausgang

Aus meines Herzens Grunde - Bearb: Joh. Christoph Bach

Interpretin: Dr. Birgit Kordt