Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Gottesdienst Karfreitag - 10. April 2020

Prädikant Matthias Mladek

Audio-Gottesdienst

ERÖFFNUNG UND ANRUFUNG

Begrüßung und Hinweise

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. 

Mit dem biblischen Votum für den Karfreitag – den Tag der Kreuzigung des Herrn – grüße ich Sie herzlich. Mein Name ist Matthias Mladek (Prädikant).

Es tut gut, wenn wir uns bewusst machen, dass auch diese Form der Andacht  in Gottes Namen geschieht. Und so lade ich Sie ein, eine Kerze anzuzünden und dabei das Eingangsvotum zu sprechen:

Eingangsvotum

Im Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.
Amen.      

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalmgebet: Psalm 22, 2-20

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,
und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.

Aber du bist heilig,
der du thronst über den Lobgesängen Israels.

Unsere Väter hofften auf dich;
und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.

Zu dir schrien sie und wurden errettet,
sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,
ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.

Alle, die mich sehen, verspotten mich,
sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:

»Er klage es dem Herrn, der helfe ihm heraus
und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.«

Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;
denn es ist hier kein Helfer.

Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe,
und meine Zunge klebt mir am Gaumen,
und du legst mich in des Todes Staub.

Sie teilen meine Kleider unter sich
und werfen das Los um mein Gewand.

Aber du, Herr, sei nicht ferne;
meine Stärke, eile, mir zu helfen!

Amen

VERKÜNDIGUNG

Evangelium und Predigttext:

Johannes 19, 16-30

Da überantwortete er ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde. Sie nahmen ihn aber, und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.

Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten.

Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.

Predigt

Liebe Gemeinde,

für mich ist das gerade nur noch ganz schwer zu ertragen, diese deutliche, detailgetreue Schilderung von Sterben. Diese nahezu minutiöse Wiedergabe der Geschehnisse am Karfreitag, davon, was sich auf dem Berg Golgatha ereignet hat...

Zu viel Tod und Sterben liegt in dieser schlimmen Zeit. Zu viel verzichten müssen. Zu sehr eingeschränkt sein, als dass es mir – als dass es uns - noch gelingen könnte, das Thema Tod und Sterben wie gewohnt aus unserer Mitte zu verdrängen....

Die Nachrichten sind voll von den neuesten Opferzahlen. Manchmal so scheint es, ist ein echter Wettstreit der Nationen entstanden, wer Corona mit wie vielen Todesopfern übersteht...

Am Karfreitag sind wir aufgefordert, Jesu Leiden zu bedenken und auf das Kreuz zu schauen, das er sich für uns aufgeladen hat.

Und wir nutzen die Passionszeit auch dafür, unser eigenes Leben in den Blick zu nehmen. Unser Leben und das was uns zum Kreuz wird, was uns leiden lässt. Noch nie, so denke ich, war das Kreuz im Leben vieler von uns, so sehr spürbar, wie in diesen Wochen.

Da ist die Angst, die so schleichend ihren Platz bei uns gefunden hat. Da ist die Trauer, weil liebe Menschen krank geworden sind, unter Umständen mit dem Tod ringen, oder diesen Kampf gar verloren haben oder verlieren werden.

Da ist die Mutlosigkeit, weil die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise spürbar werden. Kurzarbeit, Auftragsrückgang, Schließungen bedrohen die Existenz.

Da ist Streit und Genervtsein, weil wir uns in der eigenen Familie plötzlich nicht mehr aus dem Weg gehen können. Alle Aktivitäten sind eingestellt und wir begegnen uns plötzlich ständig. Das hatten wir fast verlernt.

Da ist die Einsamkeit, die jetzt immer schmerzlicher wird. Enkelkinder die uns nicht besuchen dürfen. Die Treffen der Frauenhilfe die nicht stattfinden. Die Gespräche im Supermarkt, die wir uns nicht mehr  zu führen trauen. Und die Umarmung vor unseren Gottesdiensten, das „schön Dich zusehen“, das wir im Moment nicht haben. Das alles lässt uns leiden...

Und auch ohne Corona ist nicht alles schön gewesen. Auch wenn vieles von dem, was uns zuvor belastet hat, ein Stück weit in den Hintergrund getreten zu sein scheint, bin ich überzeugt: Jede und jeder von uns leidet an der ein oder anderen Situation. Der Volksmund sagt da gern: „Jeder hat sein Kreuz zu tragen“.

Hat wirklich jeder sein Kreuz zu tragen? Haben Sie wirklich Ihr Kreuz zu tragen? Liegt da wirklich ein zentnerschweres Kreuz, eine unerträgliche Last auf meinen oder auf Ihren Schultern?

Ich bin davon überzeugt: Nein, ich muss kein Kreuz mehr tragen, Jesus trug es für mich! Für uns alle! Er hat die Last nach Golgatha getragen, damit wir durch ihn entlastet werden.

Wenn wir in der Passionszeit und am Karfreitag eines erkennen sollen und können, dann das: Alles was uns an Lasten auferlegt ist, alle Ängste die wir empfinden, Jesus kennt sie. Er hat sie am eigenen Leib erfahren. Alle Trauer, die wir empfinden und allen Schmerz, der uns trifft, Jesus kennt auch das aus eigener Erfahrung.

Und nur deshalb kann und will er uns so trösten, wie kein Mensch uns trösten kann. Genau deshalb kann ich all mein Leid vor ihn bringen. Können wir unsere Sorgen und Ängste getrost bei ihm abladen. Er trägt unser Kreuz – zu mindestens aber trägt er es mit uns. Stärkt uns und begleitet uns, egal wie schwer die Zeiten gerade auch erscheinen.

 

Durch Jesus haben wir gelernt, wie wichtig es ist, unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst. Seine unermessliche Liebe zu uns, spiegelt sich wieder, wenn wir gerade jetzt nicht die Nähe zu einander suchen. Wenn wir es aushalten, die Freunde nicht zu treffen und die Eltern nur anzurufen...

"Halten wir heute voneinander Abstand - damit wir uns morgen wieder umarmen können." hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gesagt. Ganz ehrlich? Ich finde diese Worte großartig!

Denn sie hören nicht mit dem „Halten wir heute voneinander Abstand“ auf. Sie enden nicht bei dem, was heute nicht geht, was heute verboten ist. Nein, diese Worte gehen weiter und öffnen den hoffnungsvollen Blick, auf das was kommt: „damit wir uns morgen wieder umarmen können“.

Ja...

Diese Worte machen Hoffnung, dass es nach Corona wieder ein Leben geben wird, das den Begriff „normal“ verdient. Ein Leben, in dem wir Nähe wieder körperlich spüren dürfen. Wo eine Umarmung, ein Händedruck wieder Ausdruck unserer Freundschaft unserer Verbundenheit, unserer Gemeinschaft im Glauben ist.

Wo wir Gottesdienste wieder in räumlicher Gemeinschaft in unseren Kirchen feiern können, anstatt nur vereint im Herzen aber in den eigenen vier Wänden, am Computer, Radio oder Fernsehen.

Und auch das zeigt uns die Passionszeit, erkennen und wissen wir am Karfreitag: Nach jeder Passionszeit, 3 Tage nach jedem Karfreitag kommt Ostern! Und durch jedes Dunkel hindurch, scheint uns der Himmel hell.

Denn genau dafür ist Jesus am Kreuz gestorben, dass all unser Leid seinen Schrecken verliert und der Tod uns nicht mehr ängstigen muss.

So wünsche ich uns Kraft, Gesundheit und Mut in der vor uns liegenden Zeit. Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott uns fest in seiner Hand.

Amen

 

Und der Friede Gottes, welcher Höhe ist als all unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus, unserem Bruder.

Amen

Lied "Herr, stärke mich Dein Leiden zu bedenken" (EG 91)

Gebet zum Karfreitag

mit Worten aus dem Lied
"Herr, stärke mich Dein Leiden zu bedenken"
von Christian Fürchtegott Gellert (1757)

Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken, mich in das Meer der Liebe zu versenken, die dich bewog, von aller Schuld des Bösen uns zu erlösen.

Jesus Christus,

Du hast Dich beleidigen lassen,

für uns,

tröste uns in dieser schweren Zeit

Gott ist die Lieb und läßt die Welt erlösen.
Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken
am Kreuz erblicken.

Jesus Christus,

Du hast Dich schlagen lassen,

für uns,

hilf uns in dieser schweren Zeit.

Ich will nicht Haß mit gleichem Haß vergelten,
wenn man mich schilt, nicht rächend wiederschelten,
du Heiliger, du Herr und Haupt der Glieder,
schaltst auch nicht wieder.

Jesus Christus,

Du hast geduldig ertragen,

für uns,

begleite uns in dieser schweren Zeit

Da du dich selbst für mich dahingegeben,
wie könnt ich noch nach meinem Willen leben?
Und nicht vielmehr, weil ich dir angehöre,
zu deiner Ehre.

Jesus Christus,

Du bist für uns am Kreuz gestorben,

für uns,

segne uns in dieser schweren Zeit

Amen

Vater Unser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

SENDUNG UND SEGEN

Gehet hin im Frieden des Herrn!

Segen

Gott segne dich und behüte dich.

Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.

Amen

Musik zum Ausklang

O Haupt voll Blut und Wunden (EG 85)


Evangelium und Predigttext

Liedtext EG 91

1. Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken,
mich in das Meer der Liebe zu versenken,
die dich bewog, von aller Schuld des Bösen
uns zu erlösen.

4. Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen;
Gott ist die Lieb und lässt die Welt erlösen.
Dies kann mein Geist mit Schrecken und Entzücken
am Kreuz erblicken.

5. Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden
ein Ärgernis und eine Torheit werden:
so sei’s doch mir, trotz allen frechen Spottes,
die Weisheit Gottes.