Die Antwort gibt Gott nicht Karfreitag. Die Antwort gibt Gott Ostern.

Sonntag Reminiszere

28. Februar 2021

"Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren." | Röm 5,8

„Du lernst aber auch gar nichts.“ Manchmal helfen alles Reden und Erklären nichts, kein Vorbild und keine Predigt. Alles Mühen ist umsonst.

Kinder haben ihren eignen Kopf. Man redet und redet, aber sie werden nur noch bockiger. Es fällt schwer, da nicht die Geduld zu verlieren. So geht es Gott mit seinen Menschen, zeigt der Sonntag Reminiszere. Sie sind wie der umhegte Weinberg, der nur saure Trauben hervorbringt, und wie die Weingärtner, die in Abwesenheit des gütigen Eigentümers den Weinberg in Besitz nehmen und seinen Sohn töten. Wir verachten oft Gottes Willen, meinen zu glauben und handeln doch herzlos und kalt.

Sollte Gott da nicht die Geduld verlieren? In den Erzählungen vom Volk Israel in der Wüste scheint es fast so. Aber: Gott hat doch wieder Erbarmen. In Jesus zeigt sich Gottes Geduld ganz und gar: Er kommt zu den Sündern und leidet für sie – zur Hoffnung für alle Welt.


Musik zum Beginn

Präludium in C - A. Hesse

Orgel: Dr. Birgit Kordt

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde:             der Himmel und Erde gemacht hat.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit uns allen.

Aus Psalm 25

Nach Dir, Herr, verlangt mich.
Mein Gott, ich hoffe auf dich ;

lass mich nicht zuschanden werden,
dass meine Feinde nicht frohlocken über mich.

Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret ;
aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter.

Herr, zeige mir deine Wege
und lehre mich deine Steige !

Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich !
Denn du bist der Gott, der mir hilft ;
täglich harre ich auf dich.

Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit
und an deine Güte,
die von Ewigkeit her gewesen sind.

Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend
und meiner Übertretungen,

gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit,
Herr, um deiner Güte willen !

Der Herr ist gut und gerecht ;
darum weist er Sündern den Weg.

Er leitet die Elenden recht
und lehrt die Elenden seinen Weg.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.        

Tagesgebet

Hier sind wir, Gott,
voller guter Absichten und auch mit unseren Ecken und Kanten.
Voller Sehnsucht nach Liebe und oft selbst nicht liebevoll genug.
Was wir erhoffen: Trost oder Heilung,
einen Fingerzeig in die richtige Richtung,
Gemeinschaft, Beruhigung
oder eine neue Perspektive – du weißt es.
Schenke uns heute Morgen,
was uns, was dieser Welt guttut.
Und wenn es etwas anderes ist, als wir erwarten,
dann mache uns ganz Ohr und unser Herz weit – in Jesu Namen!

Amen.

Lesung aus dem Johannesevangelium (3. Kapitel)

14Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden,

15auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

16Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

17Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

18Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er hat nicht geglaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.

19Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.

20Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden.

21Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

Lied: Sonne der Gerechtigkeit

Präludium in C - A. Hesse

Orgel: Dr. Birgit Kordt

Predigt zu Jesaja 5, 1-7

Predigt von Markus Wessel, Hagen

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Sie kennen meinen Garten nicht. Ich mag ihn, aber für die meisten ist es kein schöner Anblick. Mein Garten macht nämlich, was er will. Meine gärtnerischen Fähigkeiten beschränken sich auf ausreißen, absägen und kompostieren – wenn ich mal Zeit dafür habe. Dementsprechend wachsen an jeder Ecke pflanzen, die ich da nicht hingesetzt habe. Ich liebe Brombeeren – doch diese Dornenhecke in meinem Garten  würde jeden Prinzen von Dornröschen fernhalten.

Jesaja könnte meinen Garten gekannt haben. Eine Strophe in seinem Lied über den unfruchtbaren Weinberg könnte er direkt mit Blick auf die Disteln und Brombeeren und Brennnesseln geschrieben haben, die in meinem Garten machen, was sie wollen.

Ein Lied von meinem Freund will ich euch singen. Es ist das Lied von meinem Freund und seinem Weinberg: Mein Freund hatte einen Weinberg auf einem fruchtbaren Hügel. Er grub ihn um, entfernte die Steine und bepflanzte ihn mit den besten Weinstöcken. Mittendrin baute er einen Wachturm. Auch eine Kelter zum Pressen der Trauben hob er aus. Dann wartete er auf eine gute Traubenernte, aber der Weinberg brachte nur schlechte Beeren hervor.

Jetzt urteilt selbst, ihr Einwohner von Jerusalem und ihr Leute von Juda! Wer ist im Recht – ich oder mein Weinberg? Habe ich irgendetwas vergessen? Was hätte ich für meinen Weinberg noch tun sollen? Ich konnte doch erwarten, dass er gute Trauben trägt. Warum hat er nur schlechte Beeren hervorgebracht?

Ich will euch sagen, was ich mit meinem Weinberg tun werde: Die Hecke um ihn herum werde ich entfernen und seine Schutzmauer niederreißen. Dann werden die Tiere ihn kahl fressen und zertrampeln. Ich werde ihn völlig verwildern lassen: Die Reben werden nicht mehr beschnitten und der Boden nicht mehr gehackt. Dornen und Disteln werden ihn überwuchern. Den Wolken werde ich verbieten, ihn mit Regen zu bewässern.

Wer ist dieser Weinberg? Der Weinberg des Herrn Zebaot, das sind die Bewohner von Israel. Die Leute von Juda, sie sind sein Lieblingsgarten. Der Herr wartete auf Rechtsspruch, doch seht her, da war Rechtsbruch. Er wartete auf Gerechtigkeit, doch hört nur, wie der Rechtlose schreit.

Wie passt dieses Lied zu dem barmherzigen Gott, zu dem ich so gerne aufschaue? Der Weinberg ist ein beliebtes Bild in der Bibel. Weinberge stehen im Licht. Gesunde Reben wurzeln sehr tief in der Erde. Die Weinstöcke müssen gut umsorgt und gepflegt werden. Alles, was stört wird sorgfältig entfernt, damit Trauben wachsen und Wein daraus werden kann.

Es wirkt so lieblos, fast grausam, unbarmherzig, wie der Winzer mit seinen Weinstöcken umgeht, als sie so gar nicht gedeihen wollen. Es fällt auf, dass in diesem Weinberg der Ertrag nicht stimmt. Aus unerklärlichem Grund wachsen hier keine guten Früchte.

Der Winzer (Gott) hat alles getan, damit die Reben (sein Volk) gut gedeihen können und doch wird nichts Gutes daraus. Die Weinstöcke bleiben oberflächlich, sie wurzeln nicht in der guten Erde. Gute Gründe oder Ausreden dafür gibt es nicht.

Es ist, wie es ist. – Wird nun Gottes wütende Strafe alles vernichten, was bis dahin gewachsen ist?

Der Liedermacher Jesaja besingt in seinem traurigen Lied etwas anderes. Er besingt, was geschähe, wenn Gott sich zurückziehen würde: Der Weinberg würde verwildern.

Diese Pflänzchen der Gerechtigkeit, die Gott in seinen Lieblingsgarten gesetzt hat .. irgendwie wollen sie nicht richtig wachsen. Die Wurzeln scheinen nicht tief genug zu gehen, es fehlt die Basis. Die Weinstöcke mühen sich, bilden auch Trauben und Reben aber ohne die tiefergehende Nahrung bleiben sie kraftlos und sauer.

Sinn und Unsinn einer theologischen Rede vom Zorn des barmherzigen Gottes auszuloten, dazu fordert das Weinberg-Lied an diesem Sonntag heraus. Einen Sinn kann diese Rede nicht haben, das ist klar zu benennen: Sie kann nicht als schwarze Pädagogik dienen. Mit Drohgebärden Angst hervorzurufen und uns mittels dieser Angst zum Handeln zu motivieren – das wäre Unsinn. Denn »wir haben Frieden mit Gott«. Gott sei Dank!

Aber an der Passion Gottes Anteil zu nehmen, sich von seiner leidenschaftlichen Liebe zu seinen Geschöpfen inspirieren, ja anstecken zu lassen, dazu allerdings mag dieses passionierte Liebeslied im Jesajabuch uns bewegen. „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen,“  heißt es bei Paulus. Und mit dieser Liebe auch seine Leidenschaft. In unseren besten Momenten.

Es gibt heiligen Zorn. Damals wie heute. Über Unrecht, Gier und Korruption. Über Kinder in Armut und über Bildungssysteme, die soziale Ungleichheit verstärken. Über Flüchtlingslager, in denen Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen hausen. Und über so manches mehr.

Gerechtigkeit ist der Nährboden für eine gute Ernte. Diese Gerechtigkeit ist da, sie ist erreichbar. Licht gibt der kleinen Pflanze die Möglichkeit, mit ihren Wurzeln doch noch die nährreichen Bodenregionen zu erreichen. Wir könnten ja mit dem, was wir von Gottes Botschaft verstanden haben, versuchen, der kleinen Pflanze Gerechtigkeit eine weitere Chance zu geben.

Nicht Angst, sondern Liebe und Leidenschaft – und in diesem Sinne durchaus auch Wut – sind es, die das Lied vom Weinberg im Idealfall freisetzt. Vor allem aber zielt es auf eines ab: Auf die Änderung der angeprangerten Zustände. Auf Engagement für Gerechtigkeit und auf die Linderung von Not – aus der Kraft der Liebe Gottes heraus.

Noch einmal Paulus. Zum Abschluss.

Gehört es nicht zum Wesen unseres christlichen Glaubens, dass wir uns „der Hoffnung rühmen“? Wir können uns von diesem leidvollen Liebeslied Gottes bei Jesaja anrühren, inspirieren und zum Engagement bewegen lassen, ja, und das alles mit hartnäckiger Hoffnung obendrein! Und zwar mit der Hoffnung darauf, dass die letzte Zeile göttlicher Liebeslyrik für unsere Welt einst anders lauten wird:

Wo ist der Rechtsbruch? Siehe da: Rechtsspruch!

Wo ist die Schlechtigkeit? Siehe da: Dank für Gerechtigkeit!

Mein Garten - Ich kann die Brombeertrauben zwar sehen, aber ich kann sie nicht ernten. Das finde ich nicht so gut. Ich mag meinen Garten und noch ist es nicht zu spät, mich nochmal darum zu kümmern.

Und der Friede Gottes, der höher ist, als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

Musikalisches Zwischenspiel

I Will Sing of My Redeemer - Jerry Ray

Piano: Dr. Birgit Kordt

Fürbitten

Du bist barmherzig, ewiger Gott.
Deine Barmherzigkeit rettet. 
Deine Barmherzigkeit heilt.
Deine Barmherzigkeit beschützt.

Erinnere dich an deine Barmherzigkeit
und rette deine Schöpfung.
Erinnere dich, ewiger Gott,
an die traumatisierten Kinder in den Flüchtlingslagern.
Erinnere dich an die Menschen,
die kein Zuhause haben.
Erinnere dich an die Mutigen,
die den Gewaltherrschern widerstehen.
Du bist barmherzig, ewiger Gott.
Erhöre uns und rette uns.

Erinnere dich an deine Barmherzigkeit
und heile die Kranken.
Erinnere dich, ewiger Gott,
an die Kranken auf den Intensivstationen
und auch an die Genesenden.
Erinnere dich an die,
die alles für die Kranken und Hinfälligen tun.
Erinnere dich an die Trauernden
und hülle die in deine Liebe,
die ohne Umarmung Abschied nehmen mussten.
Du bist barmherzig, ewiger Gott.
Erhöre uns und heile uns.

Erinnere dich an deine Barmherzigkeit
und beschütze, die dir vertrauen.
Erinnere dich an die Verfolgten in aller Welt.
Erinnere dich an unsere Geschwister in Indien
und an die Frauen von Vanuatu.
Erinnere dich an die Verzweifelten und die,
die um ihre Existenz fürchtenden.
Erinnere dich an unsere Gemeinde und an alle,
für die wir Verantwortung haben.
Du bist barmherzig, ewiger Gott.
Berühre uns mit deiner Barmherzigkeit
und verwandle diese Welt
durch die Liebe Jesu
heute und an jedem neuen Tag.
Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden.

Amen.

Musik zum Ausgang

Der Herr segne und behüte dich - Peter C. Lutkin

Interpretin: Dr. Birgit Kordt