Wir wünschen allen ein gutes und gesegnetes Jahr 2021.

Pfingstmontag, 1. Juni 2020

"Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth."

Sach 4,6b

Eingangsmusik

Wer nur den lieben Gott lässt walten - Joh.-G. Walther

Orgel: Dr. Birgit Kordt

Tagesgebet

Gott, Du gießt Deinen Geist aus über die Menschen.
Dein Lebenshauch will Frieden stiften.

Stelle auch uns in den frischen Wind Deines Heiligen Geistes.
Gib deinem Friedenswort täglich neue Kraft und neuen Schwung.

Begeistere uns für ein Leben aus Glauben.
Schenke uns Glauben, Hoffnung und Liebe
durch Jesus Christus und den Heiligen Geist.
Amen.

Ein Psalm der Freude: Psalm 118

Du bist mein Lied, bist meine Macht,
ich singe dir vor Freude.
Dein Tag durchbricht die Todesnacht,
dein Tag, ja, Gott, ist heute. 

Und weil ich aus dir leben kann,
danke ich dir und fange an,
von deinem Tun zu künden. 

Du bist mein Lied, bist meine Macht,
hast mich schon oft gerettet,
aus Krankheit Heilung mir gebracht,
in Not mich sanft gebettet.

Auch wenn ich stöhne unter Last,
die du mir nicht erlassen hast,
so blieb ich doch am Leben.

Du bist mein Licht, bist meine Macht,
tust Wunder ohnegleichen,
hast Leidenschaft in mir entfacht
mit deinen Liebeszeichen.

So fügst du den verworfnen Stein
auch in mein Herz als Eckstein ein -
er soll mich tragen, halten. 

Du bist mein Lied, bist meine Macht,
das will ich weitergeben.
Du bist die Sonne, die mir lacht,
so kann ich fröhlich leben. 

Schon ist dein Tag - und wird zugleich:
bis du, Gott, kommst mit deinem Reich,
lass, was ich tu, gelingen.

(Eugen Eckert)

Predigt zu Joh. 20, 19-23

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Es hat schon vieles gegeben in meinem Leben, aber dass eine ganze Gesellschaft einfach angehalten wird, ist auch für mich neu.

Full stopp.-Punkt.-Aus.-Home Office.-Keinen Kontakt mehr.-Nur noch das engste soziale Umfeld.- Zack.-Tür zu.

Endlich Ruhe.

Gerade bin ich aus dem laufenden Betrieb als Leiter des Referats für Kinder und Jugendarbeit herausgerissen worden: „Markus, wir haben keine andere Wahl. Du musst jetzt erst einmal nach Hause.“

Ich nicke. Klar. Das ist logisch. Corona ist ein gefährliches Biest. Ich kann nicht immer nur dafür sorgen, dass andere nicht in Gefahr geraten, sich anstecken. Es geht, auch für mich, ums Überleben. Also raffe ich meine Sachen zusammen und mache mich auf den Weg – nach Hause.

Endlich Ruhe.

Und schon packt mich meine Unruhe: Was kann ich tun? Untätig rumsitzen ist nicht so meins.

Daran muss ich denken, als den Predigttext für Pfingstmontag lese (Joh. 20, 19-23):

Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.

Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist!

Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

...

Tatsächlich hat mein persönlicher Shutdown eine ganz ähnliche Komponente, wie die Situation der Jünger in der Erzählung aus dem Johannesevangelium. Es war und ist Gefahr rund umher. Angst, Sorge, Hilflosigkeit, Abschottung, - ein wenig das Gefühl von Sicherheit in den eigenen vier Wänden.

Gleichzeitig aber auch das Spüren von abgerissenen Sozialkontakten. Mit jedem Tag wächst das Bewusstsein dafür, in welcher wundervollen Freiheit wir leben. Ich bekomme mit, wie sehr es mir fehlt, Freunde in den Arm zu nehmen oder meine Mutter.

Draußen rottet sich ein Mob zusammen. Hassverzerrte Gesichter schreien Journalisten grundlos an. Journalisten, die aufmerksam die Veränderungen dokumentieren und kommentieren, für uns verständlich aufbereiten wollen.

Verschwörungstheorien werden aufgestellt und in scheinbarem Protest herausgeschrien. Ein Recht des Volks in der Demokratie ist das, aber es tut weh, den Hass durch den Fernseher mit ansehen zu müssen. Ich muss mit ansehen, wie Antidemokraten sich die berechtigten Sorgen vieler Menschen zunutze machen, um ihre Machtgelüste zu befriedigen.

Ich bin immer noch hinter verschlossenen Türen, - weil das so wichtig ist. Dabei würde ich so gerne rausgehen und rufen: „Werdet endlich vernünftig! Fangt an zu denken, was den Menschen gut tut. Die wahre Macht liegt nicht im Hass sondern im Frieden.“

Ich bin so dankbar für die einfache Ehrlichkeit eines alten Mannes, der, als er die Frage eines Journalisten beantworten will, von einem Mitdemonstranten dafür angeschrien wird und der dann nachdenklich und freundlich sagt: „Ich will das so nicht.“ – Was für ein mutiges Friedenswort.

„Friede sei mit euch!“, sagt Jesus, als er den Raum betritt, in dem die Jünger sich nach seiner Kreuzigung eingeschlossen hatten. Der Alltagsgruß in Israel.

Etwas kraftlos geworden dieser Gruß, eben durch den Alltag, aber doch ein Kraftwort. Vorsichtshalber sagt Jesus es deshalb gleich noch einmal für alle, die es nicht fassen können oder wollen: „Friede sei mit euch!“

Im Johannesevangelium ist dies der Moment, wo Jesus aktiv und neu als Auferstandener ins Weltgeschehen eingreift. Maria Magdalena und zwei Jünger sind zuerst zum Grab gegangen, um zu sehen, was mit Jesus geschehen war.

Nun kommt Jesus zu ihnen. Verschlossene Türen sind kein Hindernis für Gottes gutes Wort.

Als „Faktencheck“ dafür, dass die Jünger es wirklich mit Jesus zu tun haben, zeigt dieser unaufgefordert die Wunden, die ihm von Folter und Kreuzigung geblieben sind. Nicht aus Selbstmitleid oder vorwurfsvoll, nein, Jesus will zeigen, dass seine Wunden, dass Schuld und Tod zwar Spuren und Narben hinterlassen haben, sie sind aber letztendlich besiegt. Das ist ein Spiegel für unser Leben: Das letzte Wort hat Gott, der alles wandelt. Das Leiden ist gelitten, er hat den Tod überwunden.

So spürten seine Jünger etwas von dem Leben, das nicht zerstört, von einer Güte, die durch den Tod nicht vernichtet, von einem Frieden, der durch keine Gewalt der Welt genommen werden kann.

Zu diesem Frieden gehört, dass er nicht verschreckt hinter verschlossenen Türen bleibt, denn da würde er klein gehalten. Dieser Friede muss raus in die Welt, muss tanzen und blühen, lachen und Musik machen.

Dieser Friede kann warten, bis wir wieder als große Gemeinschaft zusammenkommen, aber dann will er ein Kraftwort sein, das von uns in Gottes Namen gesprochen wird.

Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!

Der Atem Gottes. Zu Beginn der Welt hat Gott uns das Leben eingehaucht. Nun, so scheint es, ist Gott abermals am Schöpferwerk. So erfuhr es Johannes und so erzählt er es: Gott hat das erste und das letzte Wort. Seine Schöpfung ist Friedensschöpfung.

So sollen wir Kraft schöpfen, denn Frieden ist in Gottes Mund ein Kraftwort für uns. Ein Wort zum Weitersagen und zum Weitermachen.

Kraftvoll wird es, wenn wir mit den Unzulänglichkeiten anderer geduldig und großzügig umgehen, wenn wir Fehler machen und Fehler verzeihen.

Kraft wird aus Gottes Wort, wenn der gute Wille, alles zu verzeihen in dem Wort, das ich spreche mitschwingt. Um gute Worte zu denken und zu sagen, brauchen wir Gottes langen Atem. Gottes Wort ist der Lebenshauch der Gemeinde und der Gemeinschaft. Mit Frieden im Gepäck, sollen wir Gottes Wort weitersagen.

Heißt das jetzt: Sofort alle Türen aufreißen und rausrennen, Kontakt suchen?

Das „sofort“ kommt in dem Bibeltext nicht vor. Kein: „Und sie rissen sofort alle Türen auf, rannten hinaus und verbreiteten Gottes Wort.“ Schade.

Aber wahrscheinlich haben die Jünger es doch richtig gemacht und sich ein wenig Zeit genommen, um zu begreifen und zu planen, haben sich gegenseitig darin bestärkt, dass Jesus tatsächlich bei ihnen vorgesprochen hat, haben Pläne geschmiedet, wie sie den neuen Auftrag am besten erfüllen können, haben, gewissermaßen, erst mal HomeOffice gemacht.

Aus seiner Grabkammer ist Jesus noch mal zu uns Menschen gegangen und hat uns an unseren Auftrag erinnert: Gottes gutes Wort zu sagen. – Auch denjenigen Gottes gutes Wort zu sagen, die grundlos wütend und verletzend sind.

Für sie ist „Friede sei mit euch!“ besonders wichtig.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

Fürbittengebet

Wir danken dir für den guten Geist,
der in deinem Wort steckt:
für die neue Sicht auf Leben und Welt, die es öffnet,
für die Hoffnung auf Veränderung, die es nährt,
für die Phantasie zu Worten und Taten, die es weckt.

Du schärfst den Blick für Gewalt und Zwang,
aber auch für Wege, sie zu überwinden.
Geist der Sanftmut, wehe und wirke,
wo Menschen dich brauchen.

Du weckst die Sehnsucht, sich zu verständigen,
und verleihst Gegnern Mut,
einander die Hand zu reichen.
Geist des Friedens, wehe und wirke,
wo Menschen dich brauchen.

Du gibst ein Gespür für Bedrückte und Geknickte
und schenkst Geduld, mit ihnen zu leben.
Geist des Trostes, wehe und wirke,
wo Menschen dich brauchen.

Du reizt zum Widerspruch gegen Lüge und Trug
und weckst die Kühnheit, Dreisten entgegenzutreten.
Geist der Wahrheit, wehe und wirke,
wo Menschen dich brauchen.

Du hilfst zur Orientierung in schwierigen Verhältnissen
und zeigst Wege hindurch und hinaus.
Geist der Weisheit, wehe und wirke,
wo Menschen dich brauchen.

Wir danken dir für den guten Geist,
der in deinem Wort steckt.
Heiliger Geist, wehe und wirke.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Zum Abschied sage ich euch:
Schalom! Friede sei mit euch!

Frieden sollt ihr bringen, wohin ihr auch kommt.
In Frieden sollt ihr gehen, wenn ihr scheidet.

Gott segne eure Herzen und Münder,
dass ihr spürt und sagt, was den Menschen dient.
Er segne eure Augen und Hände,
dass ihr seht und tut, was den Frieden mehrt.

Der Herr, euer Gott, segne euren Weg.
Ein Weg des Friedens soll es sein.
Er geleite euch zum Ziel eurer Reise.

Den Frieden Christi möget ihr finden
an diesem und an jedem Tag.

Amen.

Musik zum Ausgang

Dialogue (Dandrieu)

Orgel: Dr. Birgit Kordt


Gerhard Schöne - "Der Laden"


O komm, du Geist der Wahrheit - EG 136

1. O komm, du Geist der Wahrheit,
und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit,
verbanne Trug und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer,
rühr Herz und Lippen an,
dass jeglicher getreuer
den Herrn bekennen kann.

3. Unglaub und Torheit brüsten
sich frecher jetzt als je;
darum musst du uns rüsten
mit Waffen aus der Höh.
Du musst uns Kraft verleihen,
Geduld und Glaubenstreu
und musst uns ganz befreien
von aller Menschenscheu.

4. Es gilt ein frei Geständnis
in dieser unsrer Zeit,
ein offenes Bekenntnis
bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben,
trotz allem Heidentum
zu preisen und zu loben
das Evangelium.

7. Du Heilger Geist, bereite
ein Pfingstfest nah und fern;
mit deiner Kraft begleite
das Zeugnis von dem Herrn.
O öffne du die Herzen
der Welt und uns den Mund,
dass wir in Freud und Schmerzen
das Heil ihr machen kund.

Text: Philipp Spitta (1827) 1833


Lied: Den Segen Gottes sehn