Die Antwort gibt Gott nicht Karfreitag. Die Antwort gibt Gott Ostern.

Sonntag Palmarum

28. März 2021

"Der Menschensohn
muss erhöht werden,
auf dass alle, die an ihn glauben,
das ewige Leben haben." | Joh 3,14b.15


Musik zum Beginn

Gott Hört dein Gebet - Bearb.: C. Kandert

Piano: Dr. Birgit Kordt

(c) Meribah - churchphoto.de


Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde:             der Himmel und Erde gemacht hat.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit uns allen.

Nach Psalm 24:

Macht die Tore weit
und die Türen in der Welt auf.

Lasst sie neu einziehen in die Welt: die Achtung.
Ist Gott nicht zu uns gekommen,
unscheinbar und verachtet, in einem Kind,
und später auf einem Esel
damit wir die Achtung neu lernen?

Macht die Tore weit
und die Türen in der Welt auf.

Lasst sie neu einziehen in die Welt: die Hoffnung.
Hat Gott sie nicht neu entzündet unter uns;
ein Licht, das sich ausbreitet?

Macht die Tore weit
und die Türen in der Welt auf.

Lasst sie neu einziehen in die Welt: die Gerechtigkeit.
Vor Falschheit und Trug aber
haltet die Türen fest verschlossen.

Macht die Tore weit
und die Türen in der Welt auf.

Lasst Menschen neu zueinander finden.
Ja, dass Menschen sich menschlich begegnen,
dazu brecht die Riegel ab
und baut die Schlösser aus.

Macht die Tore weit
und die Türen in der Welt auf,
und ihr werdet Gottes Segen empfangen.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.        

Kyriegebet

Wir sind an diesem Morgen wie wir sind: mit den schmerzenden Enttäuschungen der letzten Tage, mit unserer Traurigkeit , mit den wundgeschlagenen Hoffnungen unseres Lebens, mit verborgenen Wünschen und geheimer Sehnsucht, mit uneingestandener Angst vor dem Versagen, mit Furcht im Blick auf die Zukunft. So sind wir und bitten um Gottes Hilfe und Erbarmen:

Kyrie eleison.

Tagesgebet

Dein Weg zu uns, Gott, ist durch Jesus gekommen –

Das war

Kein lauter und erfolgreicher Weg,

keiner der kommt aus dem Gefühl etwas zu sagen zu haben,

sondern ein Weg, der geprägt ist vom Verlieren, Verraten,

dein Weg nicht aus Macht und Einfluss orientiert.

und trotzdem : der Weg, richtig und klar.

Hilf uns, diesen Weg zu finden, stärke uns,

ihn zu gehen im Heiligen Geist.

Amen.

 

Lesung aus dem Johannesevangelium (12. Kapitel)

Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien:

Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht: »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.« Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte.

Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott

obwohl die Welt so ist,

wie sie ist, –

obwohl die Kirche so wirkt,

wie sie wirkt.

Ich glaube an Gott,

weil ich leide

an dem,

was wir Menschen uns gegenseitig antun,

weil ich erfahre,

dass Leben bedroht ist.

 

Ich glaube an Gott,

damit ich erschüttert werde

in meinem Alltag,

damit wir gemeinsam

die Kraft finden

zum Aufstehen.

 

Ich glaube an Gott,

auch wenn ich Gott nicht ganz

erkennen kann.

Denn Jesu Leben zeigt mir

die Richtung.

Unterwegs

hoffe ich darauf,

dass Gottes Geist mir immer wieder

aufhilft

und mich festhält

in der Gemeinschaft

der Schwestern und Brüder.

 

Ja, ich glaube an Gott.

 

Ich glaube, hilf meinem Unglauben.

Lied: Herr, du sprichst zu uns vom Leben

Herr, du sprichst zu uns vom Leben

Piano: Dr. Birgit Kordt

aus: Lieder zwischen Himmel und Erde, tvd-Verlag

Predigttext - Hebräerbrief

Der Glaube ist eine feste Zuversicht dessen, was man hofft,
und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.

In diesem Glauben haben die Alten Gottes Zeugnis empfangen.

Darum auch wir : Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben,
lasst uns ablegen alles, was uns beschwert,
und die Sünde, die uns umstrickt.
Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist,
und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens,
der, obwohl er hätte Freude haben können,
das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete
und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.

Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich
von den Sündern erduldet hat,
dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.¶

Predigt

Predigt von Pfarrerin Katrin Hirschberg-Sonnemann

Gelesen von Markus Wessel

„Wer ist der König der Ehre? Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Streit“, so die Worte des 24. Psalms nicht allein im Advent.

Liebe Gemeinde,
es ist Palmsonntag, Jesus zieht in Jerusalem ein. Die Menschen denken: er zieht ein wie ein König, noch mehr auf dem Esel – wie der Vorhergesagte, der Messias.
Jubelrufe, Palmzweige, Aufregung. Vielleicht haben sie gedacht: so ist es richtig. Und Jesu Freunde spürten: jetzt haben alle begriffen, wer er ist. Er ist der König, stark und mächtig. Jetzt nimmt er es auf mit den Herrschenden, im Streit.

Aber Jesus weiß, dass er es in der Welt nicht mit ihnen aufnehmen kann. Er wird unterliegen, sterben. Er weiß es als Einziger.
Und vielleicht gibt es hier an diesem Tag schon die Gebete des Gründonnerstages: „Lass es vorbeigehen an mir, Vater.“
Wie kraft- und streitvoll ist Jesus jetzt noch – dort auf dem Eselfohlen mit dem Wissen, ausgeliefert zu sein?
Ich stelle mir vor, wie Jesus gefühlt haben könnte- mit
Angst vor dem, was da auf ihn zukommen sollte. Angst um sein
Leben, er wollte bestimmt noch nicht sterben mit 33.

Der nach dem wir Christen heißen, weil wir den Christus,, den König aller Könige in ihm erkennen, der war in seinem Leben als Jesus mächtig im Streit.
Er war klar in seinen Aussagen, ungewöhnlich im Lebensstil, unangepasst in seinen Beziehungen, er war nicht zu kontrollieren, nicht zu binden, immer unterwegs und nur seinem Gott und Vater treu.
Für mich ein Vorbild, zum Aufsehen, gerade weil er nicht konform war.

Es gibt viele Aussagen von Jesus, die uns bis heute fremd sind:
„Das da ist nicht meine Mutter, nicht meine Brüder. Hier – das sind meine Mutter und Brüder.“
„Ich bin nicht gekommen um Frieden zu bringen sondern das Schwert.“
„Füchse haben Gruben, Vögel Nester, aber der Menschensohn keinen festen Ort, an dem er den Kopf hinlegt.“
„Eher kommt ein Kamel durchs Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel.“
Und:. „Lasst die Toten ihre Toten begraben und folge mir nach.“

Der historische Jesus -so hieß es zu meinen Studienzeiten- sagte Worte, die nicht nett, nicht angepasst sind und weder in schöne stimmungsvolle Gottesdienste passen noch professionell aufbereitet Menschen in die Kirchen oder vor die Bildschirme locken.

Da ist mehr loderndes Feuer als Osterkerze. Vielleicht gerade deshalb wollten Jesus in Jerusalem viele Menschen sehen, weil sie die Sensation und das Ungewöhnliche spüren. Den Herrn, mächtig im Streit.


Aus dem 12. Kapitel des Hebräerbriefes:
„Darum auch wir: weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Gedenkt an den, der soviel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, damit ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.“


„Lasst uns ablegen alles, was uns beschwert.“ Ich ärgere mich über diese Aufforderung. Wenn das so einfach wäre.
Wir tragen das Beschwerliche doch mit uns herum. Wir würden uns verleugnen, wenn wir unser Kreuz einfach so ablegen wollten. Jesus ist doch auch sehenden Auges nach Jerusalem gekommen, weil er seinen Weg zu Ende gehen wollte.
Wir sollen zu Jesus aufsehen, sagt der Autor des Hebräerbriefs, zu dem,
„der das Kreuz erduldete, obwohl er doch Freude hätte haben können“.
Das hört sich nach einem freudlosen Leben an und wenig attraktiv.
Wenn Jesus leidend und freudlos durch sein irdisches Leben gegangen wäre, hätte er sicher keine Menschen befreit, verändert und entzündet.
Ich kann zu Jesus aufsehen, weil er so intensiv lebte- nicht leidend sondern mit Leidenschaft, weil er sich aufgelehnt hat gegen unmenschliche Machtstrukturen, Egoismus und religiöse hierarchische Willkür. Dabei war er kein Fanatiker im Streit und auch nicht dogmatisch. Sein Feuer war Liebe und das war ihm abzuspüren.
Er hat anderen die Chance gegeben, Gesicht und Würde in Auseinandersetzungen nicht zu verlieren. Und es ging ihm immer um Leben – um das Leben der Schwächsten. Das hat seinen Aufstand extrem unterschieden von dem unserer coronabestimmten Tage.

Ich kann zu Jesus aufsehen, weil er das Leben in seiner ganzen Trag-weite angenommen hat „ in guten und in schlechten Tagen.“ Jesus hat für uns
Menschen gelebt und geliebt. Und darum hat er sein Kreuz auf sich
genommen und ist für unser ewiges Leben gestorben.
Sein Kreuz ist für mich zum Aufsehen.

Ich versuche die Zeilen des Hebräerbriefes anders zu hören.
Vielleicht geht es darum, dass wir Beschwerliches und leidend Erfahrenes aufheben. Dass wir es Mitnehmen, an seinen Platz in unserem Leben stellen, es dort ablegen ohne dass uns die Schwere erdrückt.
Denn Schweres, dass ich einfach mit mir nehme, weil es zu mir gehört wie meine nicht wirklich perfekte Nase oder Figur, verliert seine Macht und Bedeutung. So kann ich zustimmen: „Lasst uns ablegen, was uns beschwert“.

Jesus, der Herr war mächtig im Streit aber vor allem in der Liebe.
Er, dessen Liebe uns in guten und schlechten Tagen galt und gilt, hat abgelegt was uns beschwert.
Jesus wird sein Kreuz verlassen. Deshalb sehen zu ihm auf und irgendwann – ich hoffe darauf – jubeln auch wir ihm entgegen und legen Palmzweige auf seinen Weg zu uns.

„Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe.“
Amen.

Musikalisches Zwischenspiel

My Saviour - Bearb.: Susan W. Henry

Piano: Dr. Birgit Kordt

Fürbitten

Du kommst im Namen Gottes – gewaltlos.
Du lieferst dich Menschen aus und gibst dein Leben hin.
So vollendest du Gottes Willen.

Versöhnende Kraft geht von dir aus:
Wir brauchen nicht mehr auf Macht und Gewalt zu setzen,
denn du machst uns Hoffnung, dass Sanftmut und Liebe
die Welt bewahren werden.

Vor dir denken wir an Frauen und Männer,
die öffentliche Verantwortung tragen.
Lass sie den Versuchungen der Macht widerstehen
und für das Recht und das Wohl anderer eintreten.

Vor dir denken wir an alle,
die Menschenhänden ausgeliefert sind:
rassisch Verfolgte, politische Gefangene,
Menschen, die um ihres Glaubens willen mundtot gemacht werden.
Wehre dem Unrecht und der Gewalttat.

Vor dir denken wir an Not und Elend mitten unter uns:
an Menschen, die keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen,
an alle, die vergessen und abgeschrieben sind.

Gib uns Augen, die sehen, und Ohren, die hören,
einen Mund, der zur rechten Zeit redet und schweigt,
und Hände, die helfen.

Vor dir denken wir an alle die verzweifelt sind,
weil sie nicht mehr weiter wissen mit ihrem Leben

Wir denken an all die Traurigen,
die Abschied nehmen mussten von einem Menschen,
der in Ihrem Leben lieb und wichtig war.
Wir denken an die Menschen auf den Intensivstationen,
die, die helfen und die die Hilfe zum Atmen und Leben brauchen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden.

Amen.

Musik zum Ausgang

Von Gott will ich nicht lassen - Joh. G. Walther

Orgel: Dr. Birgit Kordt