Die Antwort gibt Gott nicht Karfreitag. Die Antwort gibt Gott Ostern.

Sonntag Okuli

7. März 2021

Musik zum Beginn

Du meine Seele singe - bearb.: M. Gundlach

Piano: Dr. Birgit Kordt


Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde:             der Himmel und Erde gemacht hat.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit uns allen.

Aus Psalm 119

Wie ein Licht leuchtet mir dein Wort, Gott,

wohin ich auch gehe,

auf allen meinen Wegen leitet es mich.

-

Jeden Tag neu suchen meine Augen – dich.

 

An meinen Vorsatz will ich mich halten,

mit dir zu leben, Gott,

mit allem, was du für richtig hälst.

-

Jeden Tag neu suchen meine Augen – dich.

 

Schlimm erginge es mir,

wenn du mich nicht immer wieder, bei dir leben ließest,

Gott, wie du es versprochen hast.

-

Jeden Tag neu suchen meine Augen – dich.

Nimm mein Gebet an,

laß mich verstehen, was du von mir willst.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.        

Kyriegebet - (Worte von Dietrich Bonhoeffer)

Gott, zu dir rufe ich in der Frühe des Tages,

hilf mir beten

und meine Gedanken sammeln zu dir;

ich kann es nicht allein.

In mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht;

ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht;

ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe;

ich bin unruhig, aber bei dir ist der Friede;

in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld;

ich verstehe deine Wege nicht,

aber du weißt den Weg für mich.

Kyrie eleison

Tagesgebet

Ewiger Gott,
führe mich zurück in die Oase deines Wortes.

Hole mich heraus aus der Wüste der Traurigkeit.

Lehre mich die Sprache, in der ich dich verstehe.

In die Oase deines Wortes führe mich zurück,
dass ich bei dir sei und dich preise in Ewigkeit.

Amen.

Lesung aus dem Lukasevangelium (9. Kapitel)

Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.

Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!

Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind.

Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Lied: Befiehl du deine Wege

Befiehl du deine Wege - (Bearb.: Gundlach)

Interpretin: Dr. Birgit Kordt

Predigt zum Epheserbrief

von Pfarrerin Katrin Hirschberg-Sonnemann

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde,

Ich mag Sonderbriefmarken. Sie erinnern an das, was über unseren Alltag hinaus wichtig ist. Jetzt gerade gibt es eine Briefmarke „50 Jahre die Sendung mit der Maus“, oder die Erinnerung an das Beethovenjubiläum.

Und: „Chai- Auf das Leben! 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.“

Eine kleine, hoffentlich unter Schutz wachsende und selbstverständlich werdende Pflanze jüdischen Lebens hat überlebt in unserem Land, dessen Schuld der Preisgabe und Vernichtung nie selbstverständlich werden darf.

Die für mich unvorstellbare Grausamkeit ist fassbar geworden an einem Haufen von Schuhen.

Ich war 16 und wir sind mit Anderen eine Woche in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Stutthof gewesen, haben dort geholfen bei Gartenarbeiten und Instandsetzungen, und wir haben damals die Schuhe oder Schuhsohlen der Gefangenen sortiert. Es waren ganz verschiedene Schuhe, Männergrößen, Frauengrößen .... und viele Kinderschuhe.

Zu wieviel Dunkelheit sind wir Menschen fähig? Was tun wir einander an?

Eph 5, 1-2, 7-9

1 Nehmt euch daher Gott selbst zum Vorbild; ihr seid doch seine geliebten Kinder! 2 Konkret heißt das: Alles, was ihr tut, soll von der Liebe bestimmt sein. Denn auch Christus hat uns seine Liebe erwiesen und hat sein Leben für uns hingegeben wie eine Opfergabe, deren Duft vom Altar zu Gott aufsteigt und an der er Freude hat.

7 Darum hütet euch, mit solchen Leuten gemeinsame Sache zu machen! 8 Früher gehörtet ihr selbst zur Finsternis, doch jetzt gehört ihr zum Licht, weil ihr mit dem Herrn verbunden seid. Verhaltet euch so, wie Menschen des Lichts sich verhalten. 9 Ihr wisst doch: Die Frucht, die vom Licht hervorgebracht wird, besteht in allem, was gut, gerecht und wahr ist.

Die Frage danach, warum wir Menschen einander Unvorstellbares antaten und Menschen jüdischen Glaubens dies erleiden mussten aus Rassenwahn und Menschenverachtung, stellt sich heute nicht weniger als damals. Gerade wenn bei uns solche Stimmen wieder laut werden. Und ich denke oft, dass die Frage, warum Gott nicht eingreift und dem Morden und Leiden in der Welt ein Ende setzt – zurücktritt hinter der Erkenntnis, dass wir Menschen es sind, die Dunkelheit hervorbringen.

Als ich vor den Kinderschuhen in Stutthof stand gab es keine Erklärung für solch einen Alptraum – nur das Wissen, dass es nie mehr geschehen darf.

Menschen des Lichts sind wir doch. Ihr wisst doch: Die Frucht, die vom Licht hervorgebracht wird, besteht in allem, was gut, gerecht und wahr ist.

In Psalm 25, 15 heißt es: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen. (...) Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöten. (...) errette mich; laß mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich.“ Mit den Worten dieses Psalms werden auch die Juden und Jüdinnen in den KZs gebetet haben – mit den Augen auf dem Herrn.

Vielleicht fängt es mit den Augen an. Wie wir auf unsere Mitmenschen sehen, wie wir sie sehen.

Der Autor des Epheserbriefes schreibt:

Nehmt euch daher Gott selbst zum Vorbild.

Auf ihn sehen, sein Bild vor Augen. Das ist eine ganz bestimmte Art zu sehen: Konkret heißt das: Alles, was ihr tut, soll von der Liebe bestimmt sein.

Und noch konkreter: das besteht in allem, was gut, gerecht und wahr ist.

Gut, gerecht und wahr – Zwischen den Predigttextzeilen wird noch genauer ausgeführt, was bei gut und gerecht erwartet wird – es scheint um unfehlbares Verhalten und Leben zu gehen.

-

Ich habe die Schuhe in Stutthof wieder vor Augen – wo nimmt diese unvorstellbare Gewalt ihren Anfang?

Wenn wir Gott aus den Augen verlieren.

Nur auf uns, unser zu großes oder zu kleines und deshalb immer vor anderen zu verteidigendes Ego sehen. Nur das vor Augen haben.

Wir haben den Blick verloren – Oculi heißt unser Sonntag, wie im Psalm: oculi nostri ad dominum deum. Unsere Augen sehen auf Gott, den Herrn.

Der Autor des Epheserbriefes weiß: Den Blick auf Gott zu verlieren, verdunkelt.

Aus dem Sichtverlust folgen dunkle Worte und Taten.

Den furchtbaren Taten des Holocaust gingen furchtbare Worte voraus. Absolute Dunkelkeit.

Die Briefmarke „Chai – auf das Leben“ ist hell, gelbe hebräische Zeichen mischen sich mit Rot und Blau der Schrift. Lebens-, Lichtfarben.

Vielleicht, denke ich bei mir - in Erinnerung an bittere Gespräche: Vielleicht stelle ich mir Farben vor bei den Worten, die wir einander sagen: Sind die Sätze hell: grün, blau, gelb oder orange? Oder dunkel - grau, braun, schwarz? Schwingt ein Pastell-Ton mit – bleu oder rosé, oder sind es schroffe, unvermischte Farben?

Ich stelle mir viele Worte und Sätze im Raum vor bei einem Gespräch: Bleibt es hell bei einem guten Gespräch, auch dann, wenn Kritik oder ein anderer Standpunkt geäußert wird? Oder wird es düster, sind Worte wie Gewitterwolken, die sich zusammenballen, so dass die Sprechenden einander nicht mehr erkennen können?

Kinder des Lichts sind wir – so übersetzt Luther. Kinder lernen durch Nachahmen, sehen immer wieder hin auf die, die Vater und Mutter sind, auf die Bewegung des Tuns und des Sprechens. Sie ahmen Laute nach wie Bewegungen.

Nehmt euch daher Gott selbst zum Vorbild; ihr seid doch seine geliebten Kinder!

Jesus, dessen Lebensschuhe wir in der Passionszeit immer noch einmal besonders in der Hand haben und uns an ihn erinnern, Jesus wusste, dass Glaube nie fertig ist. Reden und Tun als Glaubende und Glaubender ist auch nie fertig.

Deshalb sind Kinder für ihn klar im Vorteil. Sie lernen noch. Als Glaubende lernen wir immer.

Deshalb ist Hinsehen wichtig: nicht auf uns selbst – unsere Bedürfnisse, unsere Unsicherheiten und unsere Verletzungen. Auch nicht auf den anderen – in Sorge vor seiner Reaktion oder Ablehnung und auch nicht in immerwährender Erfüllung seiner Wünsche.

Das erste Hinsehen gilt immer Gott, Jesus: Um nachahmen zu können, die Worte richtig zu formen im Mund und unser Tun ins Licht zu stellen.

Das geht nicht allein.

Die Kinderschuhe in der Erinnerung in der Hand , spüre ich die Dunkelheit; erst der Worten, dann der Taten. Es fängt mit dem Blick an, dem gott-losen.

7 Darum hütet euch, mit solchen Leuten gemeinsame Sache zu machen! 8 Früher gehörtet ihr selbst zur Finsternis, doch jetzt gehört ihr zum Licht, weil ihr mit dem Herrn verbunden seid. Verhaltet euch so, wie Menschen des Lichts sich verhalten.

Kleine Kinder erkennen die Liebe ihrer Eltern zuerst an ihren Augen, wie sie angesehen, wahrgenommen werden.

Die Erfahrung des liebevollen Blickes geht allem voraus - er lässt ihre Kinderwelt hell und sicher werden. Der Klang liebevoller Worte und das Tun sorgender, liebevoller Taten folgen diesem Blick.

Ansehen mit liebenden Augen ist immer das erste.

Ich sehe auf meinen Brief, den ich gerade geschrieben habe und in dem hoffentlich viele helle, bunte Worte enthalten sind, und klebe die Briefmarke darauf:

„Chai – auf das Leben!“ denke ich.

 

„Zu dir, Lebendiger,

steigt meine Seele.

Dir vertraue ich:

Dass du da bist.

Dich verlange ich

einst zu sehen.

Durch die Nacht hin

Sehen deine Augen

mich.

Von meinem Elend

wend dich nicht ab.

Mein Vertrauen

beschäme es nicht.

Auf dich warte ich

Lebenslang.

Jeden Tag neu

suchen meine Augen

dich.(...) “

( Psalm 25, Huub Oosterhuis)

Amen.

Musikalisches Zwischenspiel

Ein Licht in dir geborgen - Ruhama

Piano: Dr. Birgit Kordt

Fürbitten

Gnädiger Gott:
Gib uns Augen für die Menschen neben uns, damit wir ihre Freude teilen, mit ihnen trauern, für sie beten um Frieden und Hoffnung.

Barmherziger Gott:
Gib uns Augen für die Menschen neben uns, deren Geld nicht reicht, die um jeden Euro kämpfen müssen, lass uns den Blick nicht vor ihnen verschließen, sondern lass uns sehen, wie wir helfen können und es auch tun.

Treusorgender Gott:
Gib uns Augen für die Menschen neben uns, die in ihrem Leben keinen Sinn mehr sehen, dass wir mit ihnen nach neuen Wegen suchen, dass wir sie begleiten und ihnen helfen, hoffnungsvoll und sicher in eine gute Zukunft zu gehen.

Starker Gott: Gib uns Augen für die Menschen, die Verantwortung tragen auf dieser Erde, die um Frieden ringen, die nach Gerechtigkeit suchen, dass wir ihre Politik unterstützen, für sie beten, ihnen unsere Sympathie zusichern im gemeinsamen Ringen um eine bessere Welt.

Liebender Gott: Gib uns Augen für den Weg, den Du in Deinem Sohn Jesus Christus gegangen bist. Dir wollen wir nachfolgen, einander so begegnen, wie Du es tatest, der Liebe Raum geben wie Du es uns gezeigt hast und Dein Reich herbeisehnen, das mit Dir schon längst begonnen hat.

Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden.

Amen.

Musik zum Ausgang

Passionslied - Gordon Jensen

Piano: Dr. Birgit Kordt