Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Jahreslosung 2021

"Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist."


Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weiter gibt, während jene wartet, bis sie erfüllt ist. Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter...

Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen und habe nicht den Wunsch freigiebiger zu sein als Gott. Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird zur See. Die Schale schämt sich nicht, nicht überströmender zu sein als die Quelle...

Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst. Wenn du nämlich mit dir selbst schlecht umgehst, wem bist du dann gut? Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle, wenn nicht, schone dich.

 

Bernhard von Clairvaux (1090-1153)


Jahreswechsel

Von guten Mächten wunderbar geborgen

Interpretin: Dr. Birgit Kordt

Weihnachtspsalm - von Hanns-Dieter Hüsch

Ich setze auf die Liebe
Das ist das Thema
Den Hass aus der Welt zu entfernen
Bis wir bereit sind zu lernen
Dass Macht Gewalt Rache und Sieg
Nichts anderes bedeuten als ewiger Krieg
Auf Erden und dann auf den Sternen

Ich setzte auf die Liebe
Wenn Sturm mich in die Knie zwingt
Und Angst in meinen Schläfen buchstabiert
Ein dunkler Abend mir die Sinne trübt
Ein Freund im andern Lager singt
Ein junger Mensch den Kopf verliert
Ein alter Mensch den Abschied übt

Ich setze auf die Liebe
Das ist das Thema
Den Hass aus der Welt zu vertreiben
Ihn immer neu zu beschreiben
Die einen sagen es läge am Geld
Die andern sagen es wäre die Welt
Sie läg in den falschen Händen

Jeder weiß besser woran es liegt
Doch es hat noch keiner den Hass besiegt
Ohne ihn selbst zu beenden
Er kann mir sagen was er will
Und kann mir singen wie er’s meint
Und mir erklären, was er muss
Und mir begründen wie er’s braucht
Ich setze auf die Liebe

Schluss

Gedanken zur Jahreslosung 2021

von Pfarrerin Hirschberg-Sonnemann

Manchmal weiß ich es nach ein paar Worten, wenn ich das Radio anmache. Der Ton, die Wortwahl - es ist die Andacht  oder zumindest ein kirchlicher Beitrag. Erkennbar.

Es gibt Worte, die benutzen fast nur wir Glaubende, Kirchenmenschen:

Wohlgefallen- das Versprechen der Engel an die Menschen nicht nur Weihnachten. „Den Menschen ein Wohlgefallen.“ Auch, dass „ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging“ „begab“ sich damals – wir sprechen schon lange nicht mehr so wie Martin Luther den Evangeliumsautor Lukas übersetzt hat. Das Vorlesen seiner Worte in den Weihnachtsgottesdiensten, das Leuchten der Klarheit Gottes „um“ (oft besonders betont) die Engel habe ich sehr vermisst im Dezember 2020. Lukas Worte begleiten uns auch im Jahr 2021. Sie sind die „Jahreslosung“, erkennbar auch ein Wort der Kirche.

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. (Lukasevangelium 6. Kapitel, 36.Vers)

Barm-herzig

„barmen“, lese ich, heißt jammern und klagen. Dem Jammern, dem Elend wird das Herz zugestellt.

Mütterliche Herzlichkeit eigentlich, denn der Ursprung des Wortes liegt in der hebräischen Bezeichnung für Gebärmutter, Mutterschoß.

Im ersten großen Teil unserer Bibel, den wir gemeinsam mit den Menschen jüdischen Glaubens lesen, ist nur Gott barmherzig. Barmherzigkeit gehört zum göttlichen Wesen, ist „ein Spezialfall seiner Gnade und Liebe“[1].Gott der HERR  ist ein „gnädiger und barmherziger Gott“[2].

An seiner Barmherzigkeit wird Gott erkennbar, er ist barm-herzig aus freier Entscheidung, deshalb ist Gott unsere menschliche Hoffnung.

„Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit!“[3] Ich würde diese Psalmbitte so schreiben: „Gott, an Deine Güte und Gnade möchte ich glauben  und hoffen. Ich wünsche mir als Mensch - und wir Menschen schaffen es  in dieser unüberschaubaren Welt nicht oft gut füreinander zu sein -, dass Du uns hilfst. Nimm uns ab  unsere Schuld und unsere Fehler und stell uns neu auf, bitte, weil Du barmherzig bist.“

Jesus ist aufgewachsen im jüdischen Glauben und kennt das Wissen um Gottes mütterliches Herz.  „Abba“, lieber Vater nennt er Gott als Sohn. Barmherzig ist er wie  der Vater.  Lukas, der – so wird geschrieben- nicht nur Evangeliumsautor ist, sondern Arzt, weiß wo Jesu Barmherzigkeit besonders erkennbar ist: er heilt Kranke und die, die ihre Sinne nicht beherrschen können,  geht zu denen ohne Geld und festen Wohnsitz, ohne zugehörige Familie, zu den Verlassenen und  Vertriebenen, zu den Fehlerhaften. Denen gehört erkennbar sein Herz.

Ich habe viel gelesen in den letzten Tagen des Jahres. Erinnern tue ich mich an den Bericht über die Abteilung für Suchtmedizin im Ökumenischen Hainich Klinikum in Mühlhausen/ Thüringen, da wo  seit Wochen die hohen Coronainfektionen dunkelrot angezeigt werden. Dort versuchen medizinisch, therapeutisch und pflegend Tätige seit Wochen das Unmögliche: mit psychisch kranken Menschen unter Hygiene- und Abstandregeln zugewandt wahrnehmend zu arbeiten. Sie versuchen die,

die  ihre Menschenwürde der Sucht längst untergeordnet haben vielleicht als Letzte nicht aufzugeben. „Wir müssen jetzt hier durch den Sturm durch. Wenn wir jetzt aufgeben, wer soll`s denn machen. Aufgeben ist keine Option.“[4]

Erkennbare Barmherzigkeit- das wünsche ich mir von uns Gotteskindern 2021. Barm-Herzigkeit ist kein Gefühl, nicht Mitleid. Es ist Handeln. Lukas, der Arzt weiß das.

„Seid barmherzig, so wie euer Vater barmherzig ist!“(das) zeigt die absolute Vorbildlichkeit der göttlichen Haltung für den Menschen; nicht einfach von Mitleid, von Gefühl ist die Rede, sondern vielmehr vom Handeln aus der entsprechenden Gesinnung heraus.“[5]

2020 war unser kirchliches Leben wie alles Leben von der Pandemie bestimmt. Wir waren als Kirche verantwortungsvoll, hygieneschützend.

Wir waren an den großen kirchlichen Festen bemüht darum sichtbar zu bleiben mit viel Kreativität, menschlichem und digitalem Einsatz.

Waren wir über die kirchliche Sichtbarkeit hinaus auch erkennbar barmherzig frage ich mich rückblickend  am Ende von 2020 ? Erkennbar barmherzig über unserer Kirchenmauern und Kirchenwörter hinweg?

Jesus war sichtbar, hörbar und erkennbar in der Barmherzigkeit Gottes. Barmherzigkeit  hat sich in seinem Tun gezeigt, zu-gewandt und darin liegt sich zu wenden, hinzudrehen, manchmal auch die Richtung zu ändern.  Zugewandt war er genau zu denen:

die sich selbst und ihr Leben aufgegeben haben,

die Heimat, Ansehen, finanzielles Auskommen oder Identität verloren haben,

die ohne Familie oder Zugehörigkeit sind, sich verlassen und einsam fühlen,

die sich um ihre körperliche oder seelische Gesundheit ängstigen.

 

Ich wünsche mir 2021 als  Jahr der erkennbaren Barmherzigkeit.

 


[1] Bibeltheologisches Wörterbuch, Artikel „Barmherzigkeit“

[2] Exodus 34,6

[3] Psalm 51,3

[4] Aussage der Psychologin der Klinik, SZ 28.12.

[5] Bibeltheologisches Wörterbuch, Artikel „Barmherzigkeit“

Fürbitte – Zum Jahreswechsel

Gott, wir geben uns mit all unseren unterschiedlichen Rollen Rätsel auf: Wer sind wir wirklich?

 

Wir bitten Dich für alle, die für andere da sind, auch im neuen Jahr. Die Mütter und Väter, Kinder, pflegende Menschen. Schenke ihnen Kraft und die Anerkennung, die sie verdienen.

 

Wir bitten Dich für alle, die nicht für andere da sein können. Weil sie zu sehr mit den eigenen Rätseln beschäftigt sind. Deren Horizont eng ist. Sei mit ihnen und deiner Güte, mach die Herzen und Blicke weit.

 

Wir bitten dich für alle, die traurig in das neue Jahr gestartet sind, aus welchen Gründen auch immer. Lass das nächste Jahr etwas Leichtigkeit ins Leben bringen.

 

Wir bitten Dich für uns alle, die wir versuchen unsere eigenen Rätsel und die der anderen zu knacken, zu verstehen. Erkennen wir Dich, Gott, ist es leichter auszuhalten, wenn wir uns selbst mal wieder nicht verstehen. Hab Dank dafür.

 

In der Stille öffnen wir Dir unser Herz. Du weißt, wie wir es meinen.

– Stille –

Du kannst.

Amen.

 

Autorin: Anne Wehrmann-Kutsche.

Da berühren sich Himmel und Erde (T: Laubach, M: Lehmann, (c) tvd-Verlag)

Piano: Dr. Birgit Kordt - Gesang: Katrin Hirschberg-Sonnemann und Markus Wessel