Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Miserikordias Domini

Online-Gottesdienst - 18. April 2021

„Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe“| Joh. 10,11


Miserikordias domini – vom bestimmten Artikel

Jesus, der gute Hirte (Johannes 10, 11) – das hat mit allgemeinen Hirtenidyllen und Schäferpoesie nichts zu tun. Alles derartige verdirbt den Text. »Ich bin« – damit wird deutlich, daß nicht von Hirten und ihrer Arbeit im allgemeinen die Rede sein soll, sondern von Jesus Christus allein. Ich bin der gute Hirte – nicht ein guter Hirte, so daß Jesus sich mit andern guten Hirten vergliche und von ihnen lernte, was ein guter Hirte sei. Was ein guter Hirte ist, das ist zu erfahren allein von dem guten Hirten, neben dem es keinen andern gibt, von dem »Ich« her, von Jesus her.

Alles übrige Hirtenamt in der Kirche Jesu Christi setzt nicht neben den guten Hirten einen zweiten und dritten, sondern läßt allein Jesus den guten Hirten der Gemeinde sein. Er ist der »Erzhirte« (1 Petrus 5, 4), es ist sein Hirtenamt, an dem die »Pastoren« teilnehmen, oder sie verderben das Amt und die Herde. Daß es sich um den guten Hirten schlechthin handelt und nicht um einen Hirten unter anderen, wird sofort an dem ungewöhnlichen Tun deutlich, das dieser sich zuschreibt. Nicht von Weiden, Tränken, Helfen wird gesprochen, sondern »der gute Hirte (beachte wiederum die Artikel!) gibt sein Leben für die Schafe«. Jesus aber nennt sich darum den guten Hirten, weil er für seine Schafe stirbt.

(von Dietrich Bonhoeffer)

Ausmalbild für Kinder


Musik zum Beginn

Die güldne Sonne - Bearb: M. Gundlach

Piano: Dr. Birgit Kordt

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde:             der Himmel und Erde gemacht hat.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit uns allen.

Zu Psalm 23

du

bist der grund meiner hoffnung

du

lebst als tiefes geheimnis in mir

 

kommen auch

tage des zweifels

der ungewissheit

wo vieles wie eine

große lebenslüge erscheint

so versuche ich

vertrauensvoll

zu grunde zu gehen

 

weil

du

mich durch diese verunsicherung

zur quelle des lebens

führen wirst

damit in mir

auch schwäche und ohnmacht

leben darf

 

so wird mir nichts mehr fehlen

und ich finde neue geborgenheit

in dir

(Pierre Stutz)

Kyrie und Gloria

Wir bekennen uns zu dir, denn du bist der Ewige,
unser Gott und der Gott unserer Vorfahren, für immer und ewig.

Der Fels unseres Lebens, der Schild unseres Heils
bist du von Generation zu Generation.

Wir wollen dir danken und deinen Ruhm verkünden
wegen unserer Leben, die in deine Hand gegeben,
und unserer Seelen, die dir anvertraut sind,
und wegen der Wunder, die uns täglich begleiten,
auch wegen der Zeichen und Wohltaten,
die zu allen Zeiten, abends, morgens und mittags, mit uns sind.

Allgütiger, dein Erbarmen hat kein Ende.
Allbarmherziger, deine Gnade hört nicht auf.
Seit jeher hoffen wir auf dich.

Gebet zum Sonntag

Herr Jesus Christus, du bist der gute Hirte,
du führst uns auf deinen Wegen.
Von dir werden wir nicht verlassen.

Wir bitten dich:
Halte uns zusammen bei dir,
suche die Verlorenen
stehe bei den Traurigen,
gib Mut den Ängstlichen,
durch deinen Geist , den wir heilig nennen
und der dich vertritt mitten unter uns.

Amen.

Lied: Es kennt der Herr die Seinen

Es kennt der Herr die Seinen

Piano: Dr. Birgit Kordt, Trompete: Victoria Kordt

Lesung aus dem Johannesevangelium (10. Kapitel)

11»Ich bin der gute Hirte.
Der gute Hirte setzt sein Leben ein für die Schafe.
12
Anders ist das bei einem,
der die Schafe nur für Geld hütet.
Er ist kein Hirte, und sie gehören ihm nicht:
Wenn er den Wolf kommen sieht,
lässt er sie im Stich und läuft weg.
Und der Wolf reißt die Schafe
und jagt die Herde auseinander.
13
Denn so ein Mensch hütet die Schafe nur für Geld,
und ihm liegt nichts an den Schafen.
14
Ich bin der gute Hirte.
Ich kenne die, die zu mir gehören,
und die zu mir gehören, kennen mich.
15Genauso kennt mich der Vater,
und ich kenne ihn.
Ich bin bereit, mein Leben für die Schafe einzusetzen.
16
Ich habe noch andere Schafe,
die nicht aus diesem Stall kommen.
Auch die muss ich führen,
und sie werden auf meine Stimme hören.
Alle werden in einer Herde vereint sein
und einen Hirten haben.

Halleluja

Halleluja.
Er hat uns gemacht und nicht wir selbst *
zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.
Halleluja.
Der Herr ist auferstanden, *
er ist wahrhaftig auferstanden.
Halleluja.

Predigt

Thank you for your leadership

Audio-Predigt von Pfarrerin Hirschberg-Sonnemann

„Thank you for your leadership“, sagt ein amerikanischer Kollege nach Beratungen und Entscheidungen. Danke für Eure und Deine Leitung.

Wie schwer es ist, zu leiten, den Weg zu wissen, sorgsam zu sein für diejenigen, die zu schützen und zu begleiten sind - das ist gerade jetzt besonders spürbar:

in der Bundes- und Landespolitik, im Rathaus, in den Firmen und Betrieben, in den Entscheidungsgremien der Landeskirchen und unserer Gemeinden.

„Leadership“- immer geht es da um die Frage nach Leitung, nach dem guten Umgang mit Verantwortung und Sorge, um Mut und Entschlossenheit und um Diplomatie.

Wir erwarten gerade viel von

-          der Kanzlerin

-          dem Ministerpräsidenten oder der Ministerin.

Wird der Artikel bestimmt, verändert sich das „ein“ oder „eine“ in „der“ oder „die“ und dann wird es einsam an der Spitze. Gerade in der Pandemie ist es schwer, für Entscheidungen allein verantwortlich zu sein – wir Menschen sind fehlbar-, und selten Lob zu hören, meist Kritik und manchmal Besserwisserei von uns, die wir nur „ein“ oder „eine“ Büger*in sind und uns so nicht allein zeigen müssen.

 

Also: „Thank you for your leadership“ allen, die in dieser schwierigen Zeit den Mut haben und die Kraft, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen eben mit dem Wissensstand, der uns jetzt zur Verfügung steht.

 

Ezechiel ist ein Prophet, vielleicht der Prophet seiner Zeit, aber wie seine Kollegen früher oder später mit unbequemer Botschaft, die keiner hören will. Ich erkenne manches. Ezechiel verspricht nicht, dass alles wieder gut wird, dass die Gefahr gar nicht so schlimm ist.  Er relativiert nichts. Er sagt: Es ist schlimm und nur wenn ihr euch sozialer verhaltet, wird es euch wieder gut gehen“. Und: „Wenn ihr umkehrt, habt ihr noch eine Chance bei Gott.“

Er spricht über gute Leitung.

 

Ezechiel 34, 1-2,10-16+31:
1 Und des HERRN Wort geschah zu mir: 2 Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? 10 So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen. 11 Denn so spricht Gott der HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. 12 Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. 13 Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande. 14 Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. 15 Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der HERR. 16 Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist. 31 Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der HERR.

 

„Thank you for your leadership.“

Gott selbst will leiten, damit niemand für die/den Gott verantwortlich ist, verloren geht. „Ich will Euer Gott sein“ – diese Entscheidung von Gott war damals nicht selbstverständlich. Gott war unzufrieden mit uns Menschen, mit dem ungerechten und verachtenden Umgang seiner Menschen miteinander. Er sieht, es ist trüb und finster, wo Egoismus und Eigeninteressen herrschen. Wo der Blick nicht weiterreicht als über das eigene Leben und die eigenen Bedürfnisse hinaus und manchem das Kämpfen um das Leben von Infizierten und das einsame Sterben ohne die sonst selbstverständlich mögliche Begleitung von Angehörigen nicht vorstellbar ist. Corona wird vielleicht erst wirklich real, wenn der Virus im Blut der eigenen Familie ist.

Manchmal denke ich an den März 2020 zurück, wo wir alle noch an unsere Solidarität mit den Schwächeren geglaubt haben.

 

„Thank you for your leadership“- das Bild des Hirten ist ein klassisches Leitungsbild, geprägt vom Leben damals; ländlich aber nicht idyllisch. Im Hirtenberuf vereinen sich Führungsqualitäten: sorgend und leitend muss ein Hirte oder Hirtin sein und manchmal ist es sicher auch einsam in den Entscheidungen.

Ezechiel erzählt, dass, Gott den menschlichen Hirten nicht so viel zutraute und den Hirtenstab dann selbst in die Hand nahm.

Vielleicht unterscheidet das Propheten damals von den selbsternannten Prophet*innen heute: Ezechiel und seine Kollegen haben immer nur auf Gott verwiesen, sie nahmen nie für sich in Anspruch selbst die „Wahrheit“ herausgefunden zu haben.

 

Miserikordias Domini, unser Sonntag heute heißt „Sonntag des guten Hirten“ weil wir nicht nur bei Ezechiel lesen, dass Gott selbst der gute Hirte ist. Jesus, der Gottesssohn hat es von sich gesagt im Evangelium für diesen Sonntag:

„Ich bin der gute Hirte.“ (Joh 10,11)

„nicht ein guter Hirte, so dass Jesus sich mit anderen guten Hirten vergliche (...). Was ein guter Hirte ist, das ist zu erfahren allein von dem guten Hirten, neben dem es keinen anderen gibt.“, schreibt Dietrich Bonhoeffer.

Jesus ist der gute Hirte. Wir Christ*innen glauben, dass seine Gottesssohnschaft ihn Gott, dem Hirten gleich macht.

Der bestimmte Artikel – sagt Bonhoeffer- setzt die Unterscheidung. Es geht nicht um uns, um unser menschliches Hirten und Hirtinnen Dasein - das ist immer begrenzt und fehlerhaft und darin sind wir alle gleich.

Unser Hirt*innen Sein ist heute kein Thema. Es geht um Jesus.

Es geht um Vertrauen und Glauben nach Ostern.

Es geht darum, dass wir auch noch nach Ostersonntag in dieser bedrohten Welt wissen, wer unser Halt ist und von wem wir uns leiten lassen.

 

„Thank you for your leadership“- der Sonntag des guten Hirten will, dass wir nicht vergessen, dass Jesus - der gute Hirte - uns durch seinen Tod gerettet hat. Von völliger Sinn- und Hoffnungslosigkeit und vom endgültigen Tod. Es geht darum nicht zu vergessen, dass wir – Jesus folgend - sorgsam füreinander sind. Dass wir Hoffnung für dieses Leben haben und darüber hinaus.

Jesus, der Hirte, ist der Gekreuzigte und der Auferstandene- für uns.

Ganz bestimmt.

Daran erinnert dieser Sonntag.

 

Jesus, dem Hirten trauen heißt, in der Herde dessen zu leben, der am Kreuz zu seiner Mutter und seinem Jünger sagt: „Siehe, dein Sohn...Siehe, deine Mutter. Seid füreinander da. Jesus wollte die Liebe auf eine neue Basis gestellt sehen. (...) Jesus hat diese Liebe vorgelebt, so intensiv, dass er den Weg ans Kreuz ging. Den Gekreuzigten suchen heißt, die Nähe dessen suchen, der sagt: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände.“ Hier ist die Frage gestellt, worauf wir unser Leben in der Tiefe bauen. Was ist das Fundament? Unser eigenes Können? Das der Fachleute? Der Wissenschaftler und Politiker? Wem vertrauen wir uns im Letzten an? Jesus war derjenige, der sagte und durch alle Kämpfe hindurch auch durchhielt: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. Du bist Halt, Tiefe, Ursprung und Ziel meines Lebens.“[1]

Den Gekreuzigten suchen heißt aber eigentlich: sich finden lassen .

Denn in allen Ostergeschichten ist es so, dass Jesus, der Auferstandene uns Menschen findet. Er sucht uns. Er ist der gute Hirte.

Thank you for your leadership, Jesus.

Amen.   

 


[1] Rolf Sonnemann, Christus möchte unter uns lebendig sein, Bielefeld, 2004

Musikalisches Zwischenspiel

Meditation über "Der Herr, mein Hirte" - by Mary McDonald

Orgel: Dr. Birgit Kordt

Fürbitten

Gott, Vater, Sohn, Heiliger Geist,
wenn wir aufzählen, wer uns lieb ist, wen wir schätzen,
welche Begegnungen uns erfreuen,
dann kommen viele Namen zusammen. 

Wir machen uns das oft nicht klar.

Nachrichten und Protestler tun so,
als lebten wir in einem Jammertal.
Sie vergreifen sich dabei im Ton.
Sie halten ihr Selbstmitleid für wichtig.

Lass uns davon nicht angesteckt sein.
Lass uns im Blick behalten, wofür wir Dir dankbar sind.
Denn da ist vieles. Und da sind viele.

Das Jammertal gibt es.
Ja. In Syrien gibt es das.
Und in Nigeria. Und im Jemen.
In Weißrussland auch. Und in Myanmar. 

Auch da viele Namen.
Viele Namen einer Elendsspur.
Und so viele, die auf Freiheit warten .
[...]

Schenke uns, dass wir
über den Tellerrand hinausblicken. 
Lass uns Dich allein fürchten.
Und lass diese Furcht
der Anfang unserer Weisheit sein.
Auf dass nicht die Elenden gegen uns auftreten
am Jüngsten Tag.

Auf dass wir
zusammen mit ihnen
an Deinem Tisch sitzen.
Als Brüder und Schwestern,
die wir doch jetzt schon sind.

Dazu hilf uns. 
Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden.

Amen.

Musik zum Ausgang

Our Savior's Love - Bearb.: Susan W. Henry

Piano: Dr. Birgit Kordt