Die Antwort gibt Gott nicht Karfreitag. Die Antwort gibt Gott Ostern.

Sonntag Lätare

14. März 2021

Wenn das Weizenkorn
nicht in die Erde fällt
und erstirbt,
bleibt es allein;
wenn es aber erstirbt,
bringt es viel Frucht.


Musik zum Beginn

"Jesu meine Freude" und eine Variation - Joh. G. Walther

Orgel: Dr. Birgit Kordt

Photo: Susi Bauernfeind - churchphoto.de


Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde:             der Himmel und Erde gemacht hat.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit uns allen.

Aus Psalm 84 (Basis Bibel)

2Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaot.

3Meine Seele sehnt sich danach und wünscht sich nur:

Ich möchte so gerne beim Herrn sein,

in den Höfen, die seinen Tempel umgeben.

Mit Leib und Seele schreie ich nach dir,

nach dem Gott meines Lebens.

5Glücklich sind, die in deinem Haus wohnen

und dich dort für immer preisen! Sela.

6Glücklich sind die Menschen,

die einen sicheren Platz bei dir finden.

Sie gehen schon in Gedanken

auf Pilgerreise zu deinem Haus.

7Müssen sie durch ein dürres Tal,

stellen sie sich eine Quelle vor Augen.

Segensreich füllt der erste Regen den Teich.

8So wandern sie dahin mit wachsender Kraft,

bis ihnen Gott auf dem Zion erscheint.

9Herr, Gott Zebaot, hör meine sehnsuchtsvolle Bitte!

Hab ein offenes Ohr, Gott Jakobs! Sela.

als in den Zelten der Frevler zu sitzen.

12Ja, Gott, der Herr, ist Sonne und Schild.

Gnade und Würde verleiht uns der Herr.

Er verwehrt keinem das Glück,

der ein vorbildliches Leben führt.

13Glücklich sind die Menschen, Herr Zebaot,

die sich ganz auf dich verlassen.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.        

Kyriegebet

Gott,

wir wären gerne bei dir zuhause,
doch zuviel steht oft dazwischen:
Angst, Zweifel, Mutlosigkeit angesichts von Krankheit und Ungerechtigkeit.

Wir hören dein Wort vom Frieden und Heil, Heilung für die Welt,
vor Augen aber haben wir
Unversöhnlichkeit und Rechthaberei und zu viel verhinderbares Sterben.

Wir spüren unsere Hilflosigkeit gegenüber dem, was uns ängstigt und bedrückt.

Herr, erbarme dich!

 

Gott,

du willst uns Zuhause sein. Grund unseres Lebens.
Ob dazu unser Glauben reicht?
Laß unser Leben zu dem Weizenkorn werden,
dass durch allen Tod hindurch
Leben verheißt.

Herr, erbarme dich!

Gnadenzusage

Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.

Unser Leben funktioniert nicht ohne schwere Stunden,
ohne dunkle Zeiten und Tage der Sorge und Angst.

Immer wieder aber führt uns Gottes Treue hindurch:
Nach der Zeit des Leids wird es wieder hell werden.

Der Prophet Jesaja spricht: „Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen,
aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln.“

Tagesgebet

Wir beten:

Gott,
Halt unseres Lebens bist du in Angst.

Du bist uns Zuversicht in Zweifel.
Du bist uns nahe in Traurigkeit.

Stecke uns an mit deiner Freude,
die uns begegnet in Jesus Christus, unserem Bruder.

Ihm sei Ehre alle Zeit und in Ewigkeit.

Amen.

Lied: Korn, das in die Erde

EG 68 - Korn, das in die Erde

Piano: Dr. Birgit Kordt

Lesung aus dem Alten Testament (Jesaja 54)

7Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. 8Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. 9Ich halte es wie zur Zeit Noahs,
als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will. 10Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.

Predigt zum Johannesevangelium (Kap. 12)

Predigt zum Johannesevangelium

von Pfarrerin Hirschberg-Sonnemann

gelesen von Markus Wessel

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

Was wünschen Sie sich für ihr Leben? Welche Sehnsucht bestimmt Sie?

Die Sehnsucht nach Gesundheit, nach Menschen, die uns nah sind, nach Erfolg vielleicht, nach Glück?

In dem Spiel „Werte ersteigern“ stehen alle diese Wünsche, Sehnsüchte wie bei einer Auktion zum Verkauf. Ich habe es früher, als unser Leben noch nicht corona-bedingt war, mit Konfirmandinnen und Konfirmanden gespielt und egal in welchem Jahrgang: Bestimmte Werte, Wünsche standen ganz oben: Erfolg im Beruf, ein Haus mit Garten, Frieden und oft „ein Partner, der mich liebt und versteht“ oder eine Partnerin.

Auch hinter Frieden, Haus und Garten, Erfolg und guter Partnerschaft steht der Wunsch nach einem glücklichen Leben. Diesen Wunsch haben wir alle.

Mit solchen Wunschbildern sind wir ins Leben gezogen. Doch dann versetzt das Leben uns Wunden, Enttäuschungen. Wir haben gelernt, dass es manchmal schwieriger ist, das, was wir wollten, auch zu erreichen.

Vieles steht noch aus. Die Sehnsucht bleibt.

Lätare – der heutige Sonntag im Kirchenjahr - ist ein Sehnsucht-Sonntag. Die Sehnsucht nach Ostern mitten in der Passionszeit.

Die Passionszeit ist mit der Erinnerung an Jesu Leidensweg und seine Kreuzigung bestimmt von biblischen Erzählungen über Einsamkeit, Schmerz und Tod.

Alles Werte, die niemand im Spiel oder Leben ersteigern will. Niemand wünscht sich das.

In dieser traurigen Zeit des Kirchenjahres, Passionszeit, leuchtet der heutige Sonntag auf.

Lätare – das heißt übersetzt: Freut euch! Freut euch, er wird auferstehen.

Lätare – früher hat man diesen Sonntag auch klein Ostern genannt und die liturgische Farbe war nicht lila für die Passionszeit, sondern rosa, lila aufgehellt. Ein Sehnsuchts-Sonntag: Sehnsucht nach Freude mitten in der Traurigkeit.

Auch der Predigttext für heute erzählt von dieser Sehnsucht. Er steht im Johannesevangelium im 12. Kapitel:

20 Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. 21 Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. 22 Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen's Jesus. 23 Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. 24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Jesus ist in Jerusalem. Umjubelt von vielen Menschen ist er in die Hauptstadt wie ein König eingezogen. Doch Jesus weiß und wir Leserinnen und Leser wissen es auch: es gibt den Beschluss ihn zu töten.

Trotz des Zulaufs der Menschen scheint der Tod Jesu unvermeidbar, der Schatten des Kreuzes liegt über dem Bericht. Im Moment des Einzugs hören wir von der Bitte einiger Griechen - „wir wollen Jesus sehen“. Kein oberflächlicher, sensationsgieriger Wunsch, sondern tiefe Sehnsucht. Die Sehnsucht in Jesus Gott zu begegnen, Gott zu spüren. Sehnsucht danach, dass dieses „Sehen“ ihrem Leben Sinn, Heil gibt.

Jesus erfährt durch seine Jünger Phillipus und Andreas von ihrem Wunsch und reagiert geheimnisvoll. Er antwortet:

 

Die Zeit ist gekommen, dass der göttliche Glanz, die Herrlichkeit des Menschensohnes sichtbar wird. Amen. Amen ich sage euch: Wenn das Weizenkorn, das in die Erde fällt, nicht stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.

 

Jesus geht auf den Wunsch, die Sehnsucht der Griechen ein, sein göttlicher Glanz wird sichtbar werden, sie werden ihn sehen, sich daran freuen können. Aber es ist ein anderer Glanz, als wir es erwarten: kein Glanz des ungetrübten Erfolges, des ungebrochenen Glücks. Sondern ein Glanz, der mit dem Tod verbunden ist. Dieser Satz: Amen ich sage euch: Wenn das Weizenkorn, das in die Erde fällt, nicht stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. ist nicht nur für uns heute geheimnisvoll, er war es mit Sicherheit auch damals für Jünger und Griechen.

Ihre Sehnsucht, Jesus zu sehen, ist unsere Sehnsucht. Ist die Sehnsucht nach Leben, nach Freude, nach Glück. Und Jesus antwortet mit dem Hinweis auf seinen Tod. Denn er wird sterben - so wie die Menschen das damals vom Weizenkorn geglaubt haben. Antike Biologie (wir wissen es heute anders), aber die Menschen damals haben geglaubt, dass das Korn in der Erde sterben muss, damit aus ihm neues Leben entstehen kann.

Damit vergleicht Jesus seinen Tod am Kreuz: Ein Tod, der neues Leben schafft. Das Ende als neuer Anfang. Unglück als Glück.

Es gibt ein Kirchenlied, das genau davon erzählt im evangelischen Gesangbuch.

„Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt –
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien,
Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.“

Die Sehnsucht nach Glück, nach einem gelingenden Leben – Jesus verspricht, dass sie nicht ungestillt bleibt. Der Halm wächst aus der Erde, Leben, Glück und Freude werden sichtbar.

Aber: all dies gibt es nicht am Kreuz vorbei: Das ist die Nachricht an Griechen, Jünger, uns.

Der Gott, an den wir glauben ist der Gekreuzigte.

Er hat erlebt, was wir alle uns nicht wünschen: Schmerzen, Einsamkeit, einen furchtbaren Tod. Und es ist der Auferstandene, der erlebt, was wir alle uns wünschen: neu zu leben bei Gott ohne all das, was das Leben schwer macht.

Eins geht nicht ohne das andere. Jesus hat den Tod erlebt, um neues Leben zu schaffen. Nicht am Tod vorbei, sondern durch ihn hindurch.

Zeichen für dieses neue Leben ist das leere Kreuz. Es ist ein Glückssymbol. Das leere Kreuz zeigt das Leben, das Unglück und die Traurigkeit ist mit der Erinnerung der Darstellung von Jesus am Kreuz verbunden. Es ist wichtig Jesu Tod nicht zu vergessen, aber meine Sehnsucht gilt dem leeren Kreuz. Neuanfang, Leben, Glück.

Vielleicht ist das der Sinn der Passionszeit dass wir uns mit unseren Sehnsüchten nicht am Kreuz vorbeischleichen, sondern hinsehen und versuchen, das zu verstehen: Zum neuen Leben, das uns versprochen ist, gehört Jesu Tod dazu.

Wir wissen nicht, wie es den Griechen mit dem Satz vom Weizenkorn ging. Vielleicht waren Sie erschreckt. Ihre Sehnsucht nach dem Sehen von Jesus war gestillt, aber dieses Sehen hat nicht alles in ihrer Welt heil und gut gemacht. Auch sie kamen nicht am Kreuz vorbei, weil das Kreuz einen Sinn hat – für s Glück. Unsere Hoffnung, das Versprechen Gottes auf ein Leben, in dem alles gut sein wird, nimmt da seinen Anfang.

Deswegen – Lätare: Freut euch!

Die Theologin Dorothee Sölle hat eine österlich freudige Geschichte von ihrer Enkelin Johanna aufgeschrieben: „Johanna, fünf Jahre alt, kam aus dem Kindergarten und sagte: `Mit dem Jesus, das war ganz schlimm, den haben sie totgemacht, mit Nägeln durch die Hand. Aber dann, da war Ostern, da ist er – hihi – wieder aufgestanden.“

Johanna hat Jesus verstanden.

Amen.

Musikalisches Zwischenspiel

I Am a Child of God - bearb.: Susan W. Henry

Piano: Dr. Birgit Kordt

Fürbitten

Jesus – MenschenBruder, Gottessohn;

es ist schwer, Gutes zu sehen im Leid.
Du hast Angst und Einsamkeit ertragen,
Schmerzen und Zweifel ausgehalten und trotzdem vertraut.

Du bist das Korn, das in der Erde stirbt und neue Lebensfrucht bringt.
Hilf uns festzuhalten an deiner Dir und
erbarme dich aller, für die wir dich bitten:

Für die Menschen überall, wo Krieg und Gewalt herrschen.

Für die Kranken und die, die sie pflegen.

Für die Hilflosen und Trauenden.

Wir bitten dich für die Sterbenden und die, die bei ihnen sind.

Für Menschen, die heimatlos sind in unserer Welt.

Und wir bitten für uns:

Gott, in den Zeiten der Sorge
hilf uns festzuhalten
an der Freude
und der Sehnsucht nach Glück.

Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden.

Amen.

Musik zum Ausgang

Zwei Variationen über "Jesu meine Freude" - Joh. G. Walther

Orgel: Dr. Birgit Kordt