Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Kantate

Online-Gottesdienst - 2. Mai 2021

"Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder."
| Ps 98,1


Singen möchte ich - lauthals. Alle sollen hören, was für ein wunderbarer Gott du bist.

Die Maske stört ziemlich beim Singen und meine Aerosole sollen lieber bei mir bleiben.

Lauthals singen geht gerade nicht? Doch, es geht:

Meine Seele singt - lauthals. Sie singt von Gott.
Das hört niemand außer mir, aber es hält die Freude in mir lebendig.

Neulich habe ich sie sogar beim Tanzen erwischt, meine Seele.

© Unsplash / Jens Moser


Musik zum Beginn

I'm gonna sing - Bearb.: M. Gundlach

Piano: Dr. Birgit Kordt

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde:             der Himmel und Erde gemacht hat.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit uns allen.

Psalm 63 (Ulrich Tietze)

Gott, du bist Gott, dich suche ich!
Mit Leib und Seele sehne ich mich nach dir,
Durst habe ich nach dir, so wie trockenes Land nach Wasser dürstet.
Im heiligen Zelt halte ich Ausschau nach dir,
und deine Macht und Herrlichkeit möchte ich sehen.
Deine Freundlichkeit zu erfahren, ist besser als das Leben,
und darum will ich dir ein Loblied singen.

(...)

Du bist meine Hilfe geworden,
und im Schatten deiner Flügel singe ich.
Mein Innerstes drängt hin zu dir,
und deine mächtige Hand hält mich fest.
Diejenigen, die mir ans Leben wollen,
sollen hinabstürzen in das Reich des Todes!

(...)

voller Glück werden diejenigen sein,
die beim Schwören Gott zum Zeugnis anrufen.
Die Lüge aber wird verstummen.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.        

Kyriegebet

Gott, Quellgrund des Lebens,
nicht jeder, nicht jedem von uns
ist heute am Sonntag Kantate zum Singen zumute.

Manches bleibt vielleicht im Halse stecken,
schnürt vielleicht, gefühlt, die Kehle zu.

Weil wir auf deine Hilfe hoffen, bitten wir:
Mache du unsere Last leicht!

Und rufen: Erbarme dich unser!

Eingangsgebet

Wieder liegt eine Woche hinter uns,
alle guten und schlechten Erfahrungen
haben wir hierhin mitgenommen

Gott, wir möchten
für einen Moment aussteigen aus unserem Alltag,
zuhören, summen, beten,
Kraft und Mut aufnehmen
für unser Leben–

darum bitten wir dich durch Jesus Christus,
menschlicher Bruder und göttlicher Herr.

Amen.

Lied: Du, meine Seele, singe

Du, meine Seele, singe - Bearb.: Ch. Kandert

Piano: Dr. Birgit Kordt

Gebet vor der Schriftlesung

Gott,

du suchst uns mit deinem Wort,
wir wollen uns von dir finden lassen.

Du hüllst uns ein in deinen Trost,
wir wollen uns bei dir fallen lassen.

Du sprichst uns deine Liebe zu,
wir wollen uns von dir stärken lassen.

Du weist uns zurecht,
wir wollen uns von dir ändern lassen.

Rede Gott,
wir wollen hören.

Amen.

Lesung aus dem Kolosserbrief (Kapitel 3)

12Gott hat euch als seine Heiligen erwählt,
denen er seine Liebe schenkt.
Darum legt nun das neue Gewand an.
Es besteht aus herzlichem Erbarmen,
Güte, Demut, Freundlichkeit und Geduld.

13Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander,
wenn einer dem anderen etwas vorwirft.
Wie der Herr euch vergeben hat,
so sollt auch ihr vergeben!

14Vor allem aber bekleidet euch mit der Liebe.
Sie ist das Band,
das euch zu vollkommener Einheit zusammenschließt.

15Und der Friede, den Christus schenkt,
lenke eure Herzen.
Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes.
Und dafür sollt ihr dankbar sein!

16Das Wort, in dem Christus gegenwärtig ist,
wohne in reichem Maß bei euch.
Lehrt einander und ermahnt euch gegenseitig.
Tut das in aller Weisheit.
Singt Gott aus vollem Herzen
Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder.
Denn er hat euch Gnade geschenkt.

17Alles, was ihr sagt und tut,
soll im Namen des Herrn Jesus geschehen.
Dankt dabei Gott, dem Vater, durch ihn.

Predigt

Predigt von Pfarrerin Hirschberg-Sonnemann

„allesdichtmachen“

Über ein Jahr schon ist laut singen gemeinsam nicht mehr erlaubt. Zu gefährlich. Singen produziert nicht nur Töne, sondern auch viel Aerosole und eine hohe Gefahr der Ansteckung.

Gemeinsames Singen ist dichtgemacht.

Das fällt nicht nur mir schwer, denn Singen hat immer dazugehört.

Wir haben eine Biographie des Singens.

Von Liedern, die beruhigen und tief im Unterbewusstsein gespeichert sind. Mutterstimme, Vaterstimme- Summen, Singen, Wärme und Geborgenheit. Kinderlieder im Großwerden. Weihnachtslieder. Gemeinsames Singen in Kindergarten und Musikunterricht.  

Abgrenzung von Älteren geschah über Musik. Bei mir in den 80ern war das, was ich gehört habe und mitgesungen mit vielen beim Tanzen oder laut in meinem Zimmer -  viel mehr als Musik. Es war Nicht-Alleinsein.

Auch in der Kirche.

Anders singen – nicht klassisch mit Orgel aus dem Gesangbuch, sondern Gitarre; Band und andere Lieder. Auf Freizeiten, abends am Lagerfeuer, im Stadion oder der - Bahn auf Kirchentagen. Singen war dazugehören.

Manchmal habe ich auch gegen die Angst gesungen, wenn ich im Keller etwas holen musste als Kind oder für mich wichtige Lieder immer wieder laufen lassen, wenn ich traurig war.

Für jede Stimmung gibt es bestimmte Lieder. Mit besonderen Menschen verbinde ich besondere Musik. 

Im Studium dann der Chor- wie müde nicht nur der Körper ist nach zwei Stunden Auftritt, irgendwie ausgesungen auch die Seele.

Ausgesungen-

Natürlich kann ich jetzt auch singen, allein oder mit meiner Familie.

Aber das ist nur ein Teil. Noch im Dezember 2019 „Night Of The Proms“ in der ausverkauften Köln Arena. Tausende Menschen singen ein Lied. DAS fehlt mir. Meine Tochter erzählt, dass es fehlt, wenn aus dem Stadion nicht „You‘ll Never Walk Alone“ bis zu ihrem Fenster klingt.

Es fehlt mir, mich nicht gemeinsam mit vielen Stimmen zu hören, mich nicht allein zu fühlen, sondern verbunden.

Auch wenn das Singen dabei manchmal mehr ein Grölen ist.

Lk 19,37-40

Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sie sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!
Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht!
Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

„Wenn diese ihre Stimme dichtmachen, werden die Steine laut “, sagt Jesus.

Vieleicht war die Begeisterung der Jünger kein schöner Chorgesang, geordnet, mehrstimmig. Vielleicht Rufen vor Euphorie, durcheinander Schreien, überschlagende Stimmen. Herz weit auf, Stimme frei. Laut singen von allem, was sie erlebt haben mit Jesus.

„Gelobt sei der kommt im Namen des Herrn“ und „Friede im Himmel und auf Erden“ – wie in der Weihnachtsgeschichte. Lauter Engelgesang. 

Aber sie stören. „Seid still- Jesus -mach, dass Deine Jünger ruhig sind“. Jesus und sein Umfeld stört. „Redet nicht so viel, lacht nicht so laut“.  Dichtmachen ist erwünscht.

 

Und Jesus antwortet und spricht: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

 

Wie klingen Steine?

Das griechische Wort „schreien“ heißt auch krächzen, laut rufen. Steine klingen vielleicht nicht harmonisch, aber unüberhörbar – sagt Jesus. Stellvertretend für die Jünger, die zum Verstummen gebracht werden sollen.

Jesus nicht loben geht nicht. Denn dann wird die Schöpfung laut.

Am Beginn der Pandemie, als wir alle noch stiller wurden, die Autos und uns zuhause ließen, war sie deutlicher als sonst.  Die Schöpfung: Vögel, Tiere- näher an den Wohnungen und nicht nur sichtbarer, auch hörbarer als sonst.

 

Die Dichterin Mascha Kaleko fragte sich auch schon: 

Was weiß der Fisch von Religion?
Das fragte ich mich immer schon?
Denn was da fleucht in Berg und Tal
Singt schmetternd seinen Dankchoral;
Sogar im Sumpf die Kröten,
Sie scheinen fromm zu beten.

Wie klingen Steine?

 

Manchmal wird unsere Biographie des Singens zu einer Biographie des Verstummens.

Das geschieht auch ohne Pandemie.

Wir sind anderen zu laut in unserer Begeisterung. Sie erwarten vielleicht eher geordneten Gesang, nicht lautes Grölen.

Wir vergessen das Singen über den Alltag oder wir verstummen vor Traurigkeit.

Im Trauergespräch sagen Menschen, dass sie lieber keine Lieder bei der Beerdigung eines lieben Menschen möchten. Sie wissen nicht mehr zu singen.

Oft sind wir uns oder unserer Stimme auch unsicher geworden und dann braucht es gerade die Sicherheit anderer Stimmen mit uns, damit wir uns wieder frei singen können.

 

Jesus macht klar, dass es keinen Stopp gibt für das Erzählen, Singen, Loben, Schreien von ihm, dem Gottessohn. Kein Verstummen.

Sollten wir das versuchen, übernehmen die Steine.

Es ist eine beruhigende Vorstellung, dass – wenn ich dichtmache- nicht nur wie im Chor andere neben mir meine fehlende Stimme tragen. Gottes Schöpfung tut es. Unüberhörbar.

Mich entlastet das.

Mich entlastet es von der Anstrengung daran festhalten zu müssen, dass es wieder wird wie früher.

Auch von der Angst, wie es denn wird, wenn es nicht mehr ist wie früher.

Denn egal was ist – You‘ll Never Walk alone.

Wir werden nicht allein sein in Gottes Schöpfung. Auch dann nicht, wenn wir vielleicht nicht wieder nah und unbekümmert nebeneinander laut gemeinsam singen.

 

Wenn wir unsere Stimmen dichtmachen, werden die Steine laut.

Nach über einem Jahr geordneter Rücksichtnahme fehlt uns allen viel des früheren Lebens. Den Menschen, die erkranken und ihren Familien und denen, deren Beruf Heilung und Pflege ist, fehlt vielleicht am meisten.

 

Allesdichtmachen? Sicher nicht.

Wir singen nicht gemeinsam in der Kirche an diesem Sonntag Kantate, schon das zweite Jahr nicht.

Und es fehlt mir. Es fehlt uns. Wir verstummen auch als Kirche.

Ich wünsche mir, dass unsere Biographie des Verstummens wieder zu einer Biographie des Singens werden kann. Bald wäre schön.

Aber ich weiß auch: Es wird immer Stimmen geben, die von Gott erzählen, ihn loben und hörbar machen.

Jesus vertont unser Leben.  Ich bin nicht allein.

Allesdichtmachen gibt es bei Jesus nicht. Selbst unser Schweigen ist zu hören für ihn. Und dann kommen uns die Steine zur Hilfe.

 

„Meister, weise doch deine Jünger und Jüngerinnen zurecht!

Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“

 

Mascha Kaleko weiß von den Geräuschen der Schöpfung, auch wenn dem Fisch ein Psalm schwerfällt. Sie weiß – egal welchen Teil unserer Biographie wir gerade leben – wir tun es nie allein.

Denn

Einer ist da, der mich denkt.
Der mich atmet. Der mich lenkt.
Der mich schafft und meine Welt.
Der mich trägt und der mich hält.
Wer ist dieser Irgendwer? 
Ist er ich? Und bin ich Er?

Was weiß der Fisch von Religion?
Das fragte ich mich immer schon?
Denn was da fleucht in Berg und Tal
Singt schmetternd seinen Dankchoral;
Sogar im Sumpf die Kröten,
Sie scheinen fromm zu beten.

Jedoch kein Fisch – ob Hecht ob Salm -
Singt kein Hosianna, keinen Psalm!
Es scheint: die Ichthyologie
[1]
Kennt keine Fisch-Theologie.

Amen.


[1] Fischkunde

Musikalisches Zwischenspiel

Sing to God - G.F. Haendel - Bearb.: Jan Sanborn

Piano: Dr. Birgit Kordt

Fürbitten (nach: Die Feministische Predigtreihe 1- Kantate)

Gott unseres Lebens,

wir wollen nicht nur um uns selbst kreisen,
sondern dir anvertrauen, für die wir bitten.

In dieser Zeit bitten wir besonders um Verständnis füreinander
und Achtung für die, die Verantwortung tragen und Leben retten wollen.

Und wir bitten dich durch deinen heilenden Geist besonders
für die Ängstlichen und Unsicheren,
die keinen klaren Weg für ihr Leben vor sich sehen.
Gib du ihnen Stütze und Halt.

Und denen, die sich Ihrer Welt immer sicher sind,
gib Fragen - nicht nur an andere, sondern vor allem an sich selbst.

Für die Menschen, die unter besonderem Druck stehen,
ihre Pflichten erfüllen zu müssen.
Hilf du, göttliche Kraft, dass sie sich auch mal fallen lassen können
und dass sie leicht und unbeschwert sein können.

Für die Zweifelnden, die ihrem eigenen Leben nicht trauen,
auf dass sie zu sich stehen können und ihrer Intuition vertrauen.

Für die Routinierten, die nicht mehr viel erwarten
und ihre Empfindungen zukleistern,
schenke ihnen einen neuen Geist,
der sie wach und lebendig macht.

Für die Kinder und Jugendlichen, die hin und her gerissen sind
zwischen dem, was sie wollen und dem, was sie müssen,
dass sie Menschen finden, die ihren Weg hilfreich begleiten.

Für die Frauen, die sich nur in Partnerschaften vollständig fühlen,
dass sie auch sich selbst sehen und Gefallen daran finden.

Für die Männer, die glauben, alles tragen zu müssen,
dass sie sehen, es geht nur mit anderen Menschen wirklich gut.

Für all das bitten wir dich, Gott unseres Lebens,
durch Jesus Christus, der uns menschlich begegnet
und durch die Kraft Heiligen Geistes,
die unsere Umkehr zum Leben wirkt.

Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Die Weisheit Gottes
erfülle unsere Seele

Die Barmherzigkeit Jesu
öffne uns für die Liebe

Der Geist Gottes
schenke uns Lebendigkeit.

Segen sei mit uns.

Amen.

Musik zum Ausgang

The Gospel Train

Piano: Dr. Birgit Kordt, Trompete: Victoria Kordt