Die Antwort gibt Gott nicht Karfreitag. Die Antwort gibt Gott Ostern.

Sonntag Judika

21. März 2021

"Der Menschensohn ist nicht gekommen,
dass er sich dienen lasse,
sondern dass er diene
und gebe sein Leben
als Lösegeld für viele." | Mt 20,28


Musik zum Beginn

Gott ist gegenwärtig - Bearb.: M. Gundlach

Piano: Dr. Birgit Kordt


Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde:             der Himmel und Erde gemacht hat.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit uns allen.

Aus Psalm 43

1Schaffe mir Recht, Gott, /

und führe meine Sache wider das treulose Volk

und errette mich von den falschen und bösen Leuten!

2Denn du bist der Gott meiner Stärke:

Warum hast du mich verstoßen?

Warum muss ich so traurig gehen,

wenn mein Feind mich drängt?

3Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten

und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,

4dass ich hineingehe zum Altar Gottes, /

zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,

und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

5Was betrübst du dich, meine Seele,

und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,

dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.        

Kyriegebet

Herr Jesus Christus.
Du bist für uns am Kreuz gestorben,
dass wir mit dir leben.

Wir bekennen dir,
dass wir dir für diese Liebe zu wenig gedankt haben.
Statt dich zu loben,
haben wir über das geseufzt, was uns beschwert.

Statt dir zu gehorchen,
haben wir zuerst danach gefragt, was uns nützt.

Wann werden wir die Angst los,
wir könnten zu kurz kommen,
sobald wir dir nachfolgen?

Herr, vergib uns unsere Schuld
und wandle unsere Herzen
durch die Macht deiner Liebe.

Herr, erbarme dich.

Gnadenzusage

Christus spricht: Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

(Johannes 8, 12)

Tagesgebet

Wir beten:

Gott, Du bist Mensch geworden, um uns Deine Liebe zu zeigen.
Du bist den Weg des Leidens gegangen, damit wir sehen, dass Du unser Leben kennst und uns verstehst. Öffne deshalb unsere Herzen und Hände, öffne unsere Augen und Ohren für Dein Wort, damit wir erkennen, was es für uns bedeuten kann, dass Du für uns da bist.

Darum bitten wir durch unseren Herrn Jesus Christus, der mit Dir in der Kraft des Heiligen Geistes lebt und immer wieder neues Leben schafft, in Ewigkeit.

Amen.

Lesung aus dem Markusevangelium (10. Kapitel)

Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen zu ihm: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, was wir dich bitten werden. Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue?

Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde? Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das zu geben steht mir nicht zu, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.

Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.

Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.  

Lied: Vertraut den neuen Wegen

EG 395 - Vertraut den neuen Wegen

Piano: Dr. Birgit Kordt

Predigt zum Buch Hiob

Lesepredigt von Pfarrer Dr. Martin Weber

Lesepredigt - Pfarrer Dr. Martin Weber

gelesen von Markus Wessel

I.
Warum müssen Menschen leiden? Ist es Zufall, Schicksal, verdiente Strafe? Hat es einen tieferen Sinn? Und warum verhindert Gott es nicht, wenn er doch allgütig und allmächtig ist?
Die Frage nach dem Leid berührt eine der Grundfragen unseres Glaubens. Das biblische Buch Hiob versucht eine Antwort auf die heute sprichwörtlich gewordenen »Hiobs-Botschaften« zu geben. Hiob aus unserer Bibel ist dabei keine historische Person, sondern eine literarische Figur. Er ist ein Beispiel, an dem deutlich gemacht wird, wie wir mit dem Thema Leid umgehen können.
Hiob wird als erfolgreicher und reicher Mann beschrieben. Er ist verheiratet, hat sieben Söhne und sieben Töchter, besitzt tausende Schafe, Kamele, Rinder und Esel; zahllose Diener und Knechte arbeiten für ihn. Es geht ihm gut und er lebt ein frommes, gottgefälliges Leben.

Doch dann kommt Satan ins Spiel. »Hiob ist doch nur fromm, weil es ihm gut geht. Ginge es ihm schlecht, würde er auch nicht mehr glauben«, behauptet Satan. Gott lässt sich deshalb auf eine Wette ein:
Der Satan darf Hiob alles nehmen, nur sein Leben muss er verschonen. Und dann geht es los: Hiob beginnt körperlich zu leiden mit schmerzhaften Geschwüren und Ausschlägen, und der Reihe nach bringen die Boten die Nachrichten: Herden werden geraubt, Schafe kommen zu Tode, Knechte werden getötet, ein Sturm bringt das Wohnhaus zum Einsturz, alle vierzehn Kinder von Hiob werden unter den Trümmern begraben und sind tot.
Hiobsbotschaften nennt man das. Erfahrungen, wo einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird, der Blick sich verengt, die Welt aus den Fugen gerät. Man will es nicht wahrhaben, verdrängt, verleugnet, wütet, bis man irgendwann erkennt, dass es wirklich so ist:
Da stand Hiob auf und zerriss sein Kleid und schor sein Haupt und fiel auf die Erde und neigte sich tief. Das ist Ausdruck des Entsetzens, das sind Formen der Trauer jener
Zeit. Verständlich und bis dahin kann man mitfühlen und nachempfinden, wie es Hiob geht.

II.
Aber was Hiob dann sagt, lässt einen die Luft anhalten: Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen; gelobt sei der Name des Herrn! Und wenig später: Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?
Hat das noch etwas mit uns zu tun? Ist so eine Aussage noch normal? Als theologische Literatur ja durchaus beeindruckend: Hiob hält in allen Widrigkeiten und Schicksalsschlägen an seinem Glauben fest.
Aber könnten wir das auch so sagen? Ist diese Haltung tatsächlich das, worum es geht und was Gott von uns fordert? Wäre die Geschichte hier zu Ende, könnte man sie getrost als dogmatisch richtige, aber menschlich schier unmögliche Forderung auf die Seite legen. Aber – wie so oft in unserer Bibel – jetzt geht es eigentlich erst richtig los.

Hiob erhält Besuch von drei Freunden. Sie sehen, wie es ihm geht und setzen sich sieben Tagen und sieben Nächte still an seine Seite. Sie sagen nichts, denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war. Sie machen das, was bis heute die Grundlage jeder Begleitung von Menschen in schweren Situationen ist: Einfach da sein, spüren was der
andere braucht, aushalten, still sein. Und als er so weit ist, beginnt Hiob zu reden. Und er macht das, was uns in so einer Situation wieder
sehr nah ist – er klagt: Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin … Warum bin ich nicht gestorben bei meiner Geburt?
Das Festhalten an der Dogmatik, der intellektuell richtigen Aussage, dass Gott es ist, der uns hält und trägt und dass wir bei ihm geborgen sind, egal, was uns widerfährt, war wohl doch zu schnell. Das Gefühl ist noch nicht so weit gewesen, die Seele ist noch nicht mitgekommen. Was mir widerfährt, muss ich emotional durchleben, aushalten, verarbeiten, erst dann kann ich zu tragenden Einsichten kommen.
Und das tut Hiob, zuerst im Schweigen und dann im Reden: Gemeinsam mit seinen Freunden sucht er nach Antworten, nach Erklärungen, nach dem Sinn von dem, was da passiert ist. Ist das Leiden eine Strafe für ein Vergehen? Soll er Gott um Verzeihung für irgendwelche Sünden bitten? Handelt es sich um eine pädagogische Maßnahme von Gott, mit der er erziehen und fromm machen will?
Verständliche Fragen, Fragen, die wir uns alle stellen, wenn wir in solche Situationen kommen oder auch nur davon hören. Irgendwie muss es doch möglich sein, zu verstehen, was da passiert ist.
III.
Aber das ist es eben nicht. Egal, wie sehr wir unser Hirn zermartern, wir werden keinen Sinn und keine Erklärung finden. Gott allein ist es, der erklären und begründen könnte, warum Dinge passieren oder auch nicht. Und zu dieser Erkenntnis kommt nach langen und vielen Reden auch Hiob. Ihr seid allzumal leidige Tröster, so kommentiert er die erklärenden Tröstungsversuche seiner Freunde. Sie helfen ihm nicht, sie verstärken sein Leiden, er fühlt sich nicht geliebt, nicht angenommen, bedrängt, vielleicht doch selbst schuld an dem allen zu sein, obwohl er eigentlich weiß, dass es das nicht sein kann. Er zweifelt und er verzweifelt.
Und genau in dieser Situation beginnt unser heutiges Predigtwort:

Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich lieb hatte, haben sich gegen mich gewandt. Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon. Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch? Ach dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen! Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

Hiob weiß nicht mehr aus noch ein, er versteht seine Freunde nicht, empfindet sie nicht als hilfreich, es explodiert aus ihm heraus, er beschimpft sie, er grenzt sich von ihren Erklärungsversuchen ab – und kehrt jetzt, nachdem es durchlebt und durchlitten ist, zu dem zurück, was von Anfang an da war: Gott ist die Grundlage, das Fundament, der Ursprung.
Auch wenn er es nicht versteht – Ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Ich selbst werde ihn sehen, sagt Hiob. Natürlich spricht das gegen jegliche Vernunft, aber es ist tragfähiger und spürbarer als die intellektuellen Erklärungen seiner Freunde. Die theologische Richtigkeit wird zur Erfahrung seines Herzens: Gott ist da!
IV.
Gut 2000 Jahre später formuliert Martin Luther, dass man gegen Gott zu Gott hin fliehen müsse. Das Leiden hat keinen Sinn, aber es gibt zumindest ein Gegenüber, zu dem ich hingehen und meinen Schmerz abladen kann. Und solange ich mit Gott hadere, zweifle, ihn anklage, mit ihm streite, so lange lasse ich ihn nicht los.
Wie Hiob: In allen Zweifeln hält er an Gott fest. Und dann kann es geschehen, dass sich der Blick auch wieder weitet, sich Hoffnung und Zuversicht einstellen. Nicht als theologische Lehre, sondern als Erfahrung und Gewissheit, die nur im Glauben erlebt werden kann. Als Bewusstsein, dass mit Gott in meinem Leben zu rechnen ist. Nicht im Sinne eines althergebrachten Tun-Ergehen-Zusammenhangs, nach dem Motto: Wenn ich Gutes tue, werde ich belohnt, wenn ich Schlechtes tue, werde ich bestraft.
V.
Was uns widerfährt, ist keine Reaktion auf unser gutes oder schlechtes Leben mit Gott; und durch unser eigenes Tun oder Lassen lässt sich nichts erzwingen.
Das Buch Hiob nimmt das Leiden ernst. Es redet nicht schön, es macht nicht klein, es nimmt nichts weg. Das ist nicht einfach, denn eine eindeutige Antwort auf die Frage nach warum und woher gibt es nicht. Nicht bei Hiob und auch nicht in unserem Leben. Warum trifft es mich? Warum andere? Warum gerade jetzt? War ich nicht immer gut? Habe ich mich nicht immer bemüht? Das Leiden wird auch im Buch Hiob weder erklärt noch gerechtfertigt. Es gibt keine Antwort auf das »Warum«, diese Frage bleibt offen.
Das Buch Hiob macht aber etwas anderes deutlich: Dass das Leiden keinen Sinn macht, dass es böse und teuflisch ist. Es zeigt, dass wir in einer unheilen Welt leben. In einer Welt, in der Gott oft unendlich weit weg zu sein scheint. Aber dass sich das Festhalten lohnt. Und zumindest unser literarischer Hiob erhält am Ende alles, was ihm genommen wurde, doppelt zurück. Der Teufel hat seine Wette ja schließlich verloren. Und so bekommt Hiob noch einmal zehn Kinder geschenkt und lebt weitere 140 Jahre, so dass der letzte Satz dieses biblischen Buches sagen kann: Und Hiob starb alt und lebenssatt.
Im großen Stil wird das vermutlich bei den wenigsten von uns so ausgehen, aber es bleibt das Bild, dass wir nicht alleine sind, dass wir gehalten und getragen sind, dass wir eingebettet sind in einen großen Himmel, der uns offen steht.
Hiob ist die Identifikationsfigur für alle Menschen, die leiden. An ihm wird gezeigt, was es bedeutet, so leiden zu müssen, mit allen Schmerzen, mit allen Fragen, mit allen äußerlichen und vor allem inneren Wunden.
Hiob will dadurch ein Vorbild sein. Ein Beispiel, wie wir mit Schicksal und Leid umgehen können: Streiten, kämpfen, erklären, zweifeln, aushalten, annehmen – und am Ende hoffentlich vertrauen. Ich weiß, ich spüre, ich ahne, dass ich trotz allem gehalten und getragen bin, dass Gott auf meiner Seite steht: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.

Amen.

 

Musikalisches Zwischenspiel

Abide With Me - Bearb.: Susan W. Henry

Piano: Dr. Birgit Kordt

Fürbitten

Herr, unser Gott,
viele Hiobsbotschaften erreichen uns täglich neu.
Deshalb kommen wir zu Dir
und vertrauen auf Deine Barmherzigkeit:

Wir bitten Dich für die,
die in Krankheit und Armut leben:
Sende Hilfe und lass Gerechtigkeit wachsen.

Wir bitten Dich für die,
die in Krieg und Verfolgung leben müssen:
Richte sie auf und stärke die Kraft, Frieden zu suchen.

Wir bitten Dich für die,
deren Seelen verkümmert sind,
von der Suche nach falscher Anerkennung,
nach Geld, Reichtum und Macht:
Rühre sie an mit Deinem Erbarmen
und zeige den Reichtum eines Lebens mit Dir.

Wir bitten Dich auch für uns,
die wir uns oft nur um uns selbst sorgen:
Schaffe Zufriedenheit
und schenke uns das Vertrauen in Deine Fürsorge.

Herr, unser Gott,
wir sind vor Dir mit unserem Gebet
und legen alles, was uns bewegt, in Deine Hand,
indem wir miteinander so beten,
wie es uns Dein Sohn,
unser Herr Jesus Christus gelehrt hat.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden.

Amen.

Musik zum Ausgang

D. Buxtehude: Symphonia - Bearb. f. Trompete und Klavier

Trompete: Victoria Kordt - Piano: Dr. Birgit Kordt