Wir wünschen allen ein gutes und gesegnetes Jahr 2021.

Invokavit- 1. Sonntag der Passionszeit

21. Februar 2021

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. | 1. Johannes 3,8b

Willkommen zum Gottesdienst am ersten Sonntag der Passionszeit. Er trägt den Namen „Invocavit“ – auf Deutsch: „Er hat gerufen“. Im 91. Psalm heißt es: „Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören; ich bin bei ihm in der Not, ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen“.

Hoffen wir, dass Sie und ich das so für uns annehmen können. Aber gilt das auch für eine der dunkelsten Figuren der Bibel, für Judas, der Jesus verriet? Diese Frage wird uns heute beschäftigen.


Musik zum Beginn

Telemann_Suite für Trompete und Klavier Nr. 1_ 3. Satz

Trompete: Victoria Kordt - Piano: Dr. Birgit Kordt

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde:             der Himmel und Erde gemacht hat.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit uns allen.

Aus Psalm 91

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt
und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,

der spricht zu dem Herrn:
Meine Zuversicht und meine Burg,
mein Gott, auf den ich hoffe.

Denn er errettet dich vom Strick des Jägers
und von der verderblichen Pest.

Er wird dich mit seinen Fittichen decken,
und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.
Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,

dass du nicht erschrecken musst
vor dem Grauen der Nacht,
vor dem Pfeil, der des Tages fliegt,

vor der Pest, die im Finstern schleicht,
vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.

Denn der Herr ist deine Zuversicht,
der Höchste ist deine Zuflucht.

Es wird dir kein Übel begegnen,
und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.

Denn er hat seinen Engeln befohlen,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,

dass sie dich auf den Händen tragen
und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.        

Tagesgebet

Hier sind wir, Gott,
voller guter Absichten und auch mit unseren Ecken und Kanten.
Voller Sehnsucht nach Liebe und oft selbst nicht liebevoll genug.
Was wir erhoffen: Trost oder Heilung,
einen Fingerzeig in die richtige Richtung,
Gemeinschaft, Beruhigung
oder eine neue Perspektive – du weißt es.
Schenke uns heute Morgen,
was uns, was dieser Welt guttut.
Und wenn es etwas anderes ist, als wir erwarten,
dann mache uns ganz Ohr und unser Herz weit – in Jesu Namen!

Amen.

Lesung aus der Epistel - Hebräerbrief 4, 14-16

Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis. Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. Darum lasst uns freimütig hinzutreten zu dem Thron der Gnade, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden und so Hilfe erfahren zur rechten Zeit. Amen.

Predigttext - Johannesevangelium 13,21-30

Jesus wurde erregt im Geist und bezeugte und sprach: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.“ Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete.

Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb. Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete. Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: „Herr, wer ist’s?“ Jesus antwortete: „Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe.“

Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: „Was du tust, das tue bald!“

Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte. Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: „Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!“, oder dass er den Armen etwas geben sollte. Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.

Predigt zum Johannesevangelium

Predigt zum Johannesevangelium (Kap. 13, 21-30)

von Pfarrer Martin Schwerdtfeger

aus der Pauluskirche Hagen

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Liebe Gemeinde,

„Und es war Nacht.“ – Keine angenehm laue Nacht mit Vollmond und Sternenhimmel. Keine Nacht der Liebe oder der Feier. Diese Nacht ist finster, voll schleichenden Unheils. Verrat ist angekündigt.

Und es war Nacht – mit vier Worten zusammengefasst der Schrecken, der bevorsteht. Muss es so kommen?

Jesus ist mit seinen Jüngern zusammen. Gerade hat er ihnen die Füße gewaschen und ihnen aufgetragen, so für einander da zu sein. Und nun kündigt er an: „Einer von euch wird mich verraten“.

Überrascht und erschrocken fragen sich die Jünger: „Meint er vielleicht mich?“ Bis einer sich traut und das Schweigen bricht: „Herr, wer ist’s?“

Darauf antwortet Jesus nicht direkt. Er sagt nicht: „Judas wird mich verraten.“ Er wählt eine Geste: „Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe“.

So gibt es kein aufgeregtes Gespräch, keine Diskussion, keine Vorwürfe. Jesus taucht ein Stück Brot ein und gibt es Judas. Der nimmt es und geht in die Nacht. – „Was du tust, das tue bald!“

So nimmt das Unheil seinen Lauf. Judas wird zum Verräter. Er liefert Jesus seinen Gegnern aus. Und er kann gar nicht anders. Der Teufel ist in ihn gefahren. Deshalb folgen nun Gefangennahme und Prozess, Verurteilung und Kreuzigung. Jesu Leidensweg, der für uns das Heil bringt.

So werden die Christen nach Ostern die Passionsgeschichte verstehen.

Dafür war der Verrat des Judas Voraussetzung. Ohne sein Handeln kein Kreuz und keine Auferstehung, keine Erlösung. Wie Judas mit seiner Verantwortung für den Tod Jesu klarkommt, erzählt das Johannesevangelium nicht. Ob er sich bestätigt sieht darin, dass Jesus seine Erwartungen enttäuscht hat, weil das Reich Gottes immer noch aussteht – Unabhängigkeit von den Römern, Frieden, Gerechtigkeit? Oder ob er sich schuldig fühlt und daran zerbricht, wie Matthäus es schildert?

Jedenfalls gehört er ab jetzt nicht mehr zu den Jüngern, denen Jesus von der Liebe erzählt und von der Geborgenheit bei Gott. Er hört nichts mehr von dem Trost, den Gott schicken wird, und von der Freundschaft zwischen Jesus und den anderen. Er ist draußen. – Er hat eine traurige Rolle zugewiesen bekommen. Sympathiewerte erreicht man damit nicht.

Dabei ist er uns gar nicht so fremd. Mir fallen Gelegenheiten ein, wo ich treulos Freunde enttäuscht oder unfair in Beziehungen Schluss gemacht habe. Es kommt immer wieder vor, dass peinlich geschwiegen wird, statt zu einem Menschen zu stehen und für ihn einzutreten. Wie oft halten wir den Mund, um nicht belächelt zu werden, wenn es um den Glauben geht, um die Würde von Menschen, die Bewahrung unserer Erde?

Wir werden alle fündig, wenn wir ehrlich zu uns sind – wie bei Erinnerungen an die DDR und die Stasi, eine faszinierende wie verstörende Fundgrube für das Phänomen Verrat. Die Ehefrau berichtet über ihren Ehemann. Der Vater über seine Tochter. Der Pfarrer (!) über seine Gemeindeglieder… Wer oder was war denn in die gefahren?

Judas ist einer, der in uns allen steckt. Ich weiß nicht, ob ich dazu den Satan bemühen muss. Vielleicht reicht ja auch die Erkenntnis, dass ich zu der zweifelhaften Gattung gehöre, die sich Mensch nennt. Und weil das an dieser Stelle kein Ruhmesblatt ist, hilft mir hoffentlich das Eingeständnis, der nüchterne Blick auf mich selbst.

Ja, ich kann so lieb sein, freundlich, so opferbereit und fromm – aber dieses Untier, dieses arme Judas-Ding steckt eben auch in mir. Da finde ich die Jünger beispielhaft. Diese Sorge von jedem: Könnte ich’s sein? Die wünsche ich mir für mich selbst und wünsche sie auch Ihnen. Denn die wirklich schlimmen Leute sind die, die so hoch von sich denken, dass sie sagen: „Ich doch nicht!“ Die haben dann noch nichts von sich begriffen. Die sind gefährlich in ihrer Selbsteinschätzung als Menschen ohne Makel.

Der Ablauf der Passionsgeschichte lehnt sich immer wieder an biblische Texte an, „damit die Schrift erfüllt werde“.

Alles geschieht nach einem Plan, vorgegeben durch Worte aus dem Alten Testament. Ausweglos? Und die Antwort, die gute Botschaft werden kann, lautet: Ja! Genau so. Wir alle sind in einem Plan. Gottes Plan, uns zu retten, auch durch die Nacht, auch mittels der Nachtseite unserer Existenz.

Es ist etwas geschehen und geschieht weiter und immer wieder neu für jeden von uns. Auch das Böse dient dem, der niemanden aufgibt. Gottes Wille, uns aufzuwecken, ist unbeirrbar und ausweichlos. Und ich glaube, er gilt auch für Judas Iskariot: „Ich bin bei dir in der Not. Ich will dich herausreißen und zu Ehren bringen.“ (Psalm 91,15)

Amen.

Musikalisches Zwischenspiel

S. Bortkiewicz - Pensées lyriques no. 2

Piano: Dr. Birgit Kordt

Fürbitten

Herr, Du kennst uns,unser verräterisches Herz,unsere Wege in die Dunkelheit.

Darum bitten wir dich für alle, die in der Nacht verirrt sind:
in der Nacht des Hasses auf jemanden,
in der Nacht des Leidens an jemandem,
in der Nacht heimtückischer Freude am Bösen,
in der Nacht der Lust am Untergang, in der Nacht von Angst, Zweifel und Not.

Und wir bitten Dich für alle, die der Nacht des bitteren Todes entgegen gehen:
Erbarme dich unser!
Sende dein Licht, auf dass wir freundlich werden, Vergebende,
auf dass wir Entzücken finden an Güte und Anstand, an Hoffnung und Zuversicht,
auf dass wir Mut, Glauben und Heil spüren in Dir.

Deine Engel mögen uns dienen,
wie wir dir und der Liebe dienen.

Lass uns unserer Rettung gewiss werden:
Du bringst uns doch zum Ziel,
auch durch die Nacht. Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden.

Amen.

Musik zum Ausgang

Gott des Himmels und der Erden

Piano: Dr. Birgit Kordt