Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Das gabs noch nie

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes begrüßen wir Sie und euch zu unserem Gottesdienst am 24.12. auf unserer Internet-Seite.

Das gab's noch nie – Weihnachten ohne Gottesdienste in unseren Kirchen.

Das gab's noch nie – Weihnachten mit Abstand, (ohne Krippenspiel).

Das gab's noch nie – dass wir fernbleiben, den Liebsten unter uns.

Aber das wird es immer geben unter uns - dass die Liebe bei uns wohnt und Gott uns besucht, dass sein Segen aufleuchtet für uns.

Denn „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.", so hat es damals einer gesagt, das verheißt Jesu Geburt auch für uns.

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Musik zum Eingang

Wie soll ich dich empfangen

Interpret: Sven Bergmann

Mit den Hirten ...

Ich halte es gerne mit den Hirten:

Schweigsame Gesellen, die, warum auch immer, nicht besonders beliebt sind, aber in ihrer konsequenten Art für Zusammenhalt sorgen. Nicht mittendrin, eher etwas abseits. Dort wo nicht hunderte von Füßen das schöne frische Gras heruntergetrampelt haben. Distanziert, besonnen, nicht gesellschaftsfähig, treu sorgend.
Wieso werden ausgerechnet sie in den Stall geschickt? Warum zeigt Gott an ihnen, dass der Abstand zwischen ihm und den Menschen aufgehoben wird.

Der bisher furchterregende Gott ist menschenfreundlicher, als alle dachten. Damit wir das glauben können, wird er Mensch.
Das feiern wir in diesem Jahr auf Hirten-Art: Etwas distanziert, besonnen, nicht gesellschaftsfähig - aber treu sorgend. Menschlich eben.

(Markus Wessel)

Der Lobgesang der Maria (aus Lukas 1)

Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.

Und seine Barmherzigkeit währet für und für bei denen, die ihn fürchten. Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.  Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.

Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit.

Gebet

Mitten im Dunkel feiern wir das Licht, das Jesus in die Welt gebracht hat. Mitten in schlechten Nachrichten feiern wir die gute Botschaft von Gottes Menschenfreundlichkeit. Mitten im Seufzen der Kreatur feiern wir die Hoffnung, dass Leid und Tod nicht das letzte Wort behalten. Mitten in unseren Abhängigkeiten feiern wir die Freiheit, zu der uns Christus befreit hat durch seine bedingungslose Liebe. Aller Welt Enden sollen sich in dieser Nacht freuen an der Herrlichkeit unseres Gottes!

Amen.

Der Friedefürst wird verheißen (aus Jesaja 9)

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. 

Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir freut man sich, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt.

Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians.

Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.

Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst;

auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth.

Lesung aus dem Lukasevangelium - Die Weihnachtsgeschichte

gelesen von Martina Horch

Predigt

Predigt von Pfarrerin Hirschberg-Sonnemann (Hagen)

Liebe Gemeinde,

ein Arzt in Schutzkleidung hält einen älteren Covid-Patienten im Arm. Er gibt ihm Nähe, Trost. Ein Bild aus Texas vor einigen Wochen, es steht für unsere Welt. Gewohnte Nähe ist nicht möglich, kein Besuch der Familie im Krankenhaus wie bei anderen Krankheiten.

Wir feiern Weihnachten 2020 und vieles ist nicht mehr selbstverständlich. Jeder Besuch überlegt, Zusammensein an Weihnachten mit Sorge, abgewägte Weihnachtsfreude. Manche bräuchten Nähe und Trost besonders, weil sie traurig sind oder trauern. „Wie lange schon“ – sagt mir eine Freundin – „wie lange schon hat mich niemand mehr in den Arm genommen“.

Vorweihnachtszeit. Wie jedes Jahr begleitet mich meine Weihnachts-CD durch diese Wochen. Ab dem 1. Advent bis in den späten Januar hinein. Ich bin jung gewesen in den 80ern, ich mag Weihnachtspop.

Ein Lied habe ich dieses Jahr neu entdeckt: From a distance. Julie Gold hat es geschrieben. Von ihr selbst und vielen anderen ist es gesungen worden, bekannt durch Bette Midler. „From a distance“ – aus der Entfernung:

„Aus der Entfernung sieht die Welt blau und grün aus und die schneebedeckten Berggipfel weiß.Aus der Entfernung trifft der Ozean auf den Strom,und der Adler ergreift die Flucht.

Aus der Entfernung herrscht Harmonie
und sie hallt durch das Land.
Sie ist die Stimme der Hoffnung,
die Stimme des Friedens,
das ist die Stimme jedes Menschen.

Aus der Entfernung haben wir alle genügend
und keiner ist bedürftig.
Es gibt keine Gewehre, keine Bomben und Krankheiten,
und auch keine hungrigen Münder zu füttern.

Aus der Entfernung sind wir alle wie Instrumente,
die in einer gemeinsamen Band mitmarschieren.
Wir spielen Lieder der Hoffnung,
Lieder des Friedens,
das sind die Lieder jedes Menschen.

Gott schaut uns zu.
Er schaut uns zu -
aus der Entfernung“

Dass Distanz, Entfernung, Abstand gut ist, haben wir in diesem Jahr gelernt. Das fiel nicht leicht. Viele von uns brauchen die Nähe und Berührung von Menschen, um zu spüren, dass wir wichtig und richtig sind. Dass wir dazugehören, geliebt und gemocht werden. Mit Distanz sind wir früher Menschen begegnet, die wir eben nicht nah in unserem Leben haben wollten. Auch Gemeinden fiel Distanz und Abstand nicht leicht. Nach dem ersten Gottesdienst im Rahmen des Hygieneschutzkonzeptes sagt eine Teilnehmerin zu mir: „Dann doch lieber zuhause am Computer oder Fernseher. So fühlt man sich ja noch einsamer.“ Wir haben gelernt mit Distanz, Sicherheits-abstand umzugehen – auch in unserer Gemeinde, in der warmherzige Nähe und Geborgenheit sonst das Gefühl vermittelt, dazu zugehören oder  zuhause zu sein. Weihnachten – am Fest der Nähe Gottes sitzen wir nicht wie sonst eng aneinandergedrückt in den Kirchenbänken, sondern sind zusammen in Entfernung.

„From a distance“ – vielleicht passt dies Lied deshalb besonders gut Weihnachten 2020. Ob Gott uns so sieht? Wie der erste Astronaut auf dem Mond, der unseren kleinen Planeten von Weitem sah und Liebe und Zärtlichkeit für ihn empfand. Aus der Entfernung sieht Gott auf unsere Welt im Weitwinkel und sie sieht so schön aus. Alles ist gut. Keine Verteilungskämpfe um Impfstoff oder Nahrung und keine Gleichgültigkeit geflüchteten Menschen gegenüber, die in durchweichten Zelten mit Angst um ihre Kinder Weihnachten erleben. Keine Zunahme an gewalttätiger Sprache im Netz und auf der Straße, die immer den Anfang macht auf dem Weg zu angetaner Gewalt.

Manchmal braucht es auch bei uns Menschen Abstand, Entfernung, um Menschenwürde beim Anderen sehen, zu können,  um verantwortlich zu handeln, lebenserhaltend. Manchmal ermöglichst auch gerade ein bisschen Distanz, liebevoll das Ganze betrachten zu können. Viele gute Formen des Miteinanders auf Abstand sind im Frühjahr dieses Jahres entstanden. Ich wünsche mir sehr, dass sie nicht verloren gehen.

Vielleicht schaut Gott uns manchmal zu aus der Entfernung. From a distance – um uns im Blick behalten zu können, so wie wir gemeint waren. Und gleichzeitig durchbricht er mit dem ersten Weihnachten jede Distanz.  

„Meine Wohnung soll unter ihnen sein, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein“ (Ez 37, 27) Die Worte des Propheten Ezechiel sind Teil unserer weihnachtlichen Lesungen – sonst in den Kirchen.  

Gott kommt in unsere Welt als Mensch – wird Teil einer Familie, seine Eltern suchen für ihn eine trockene Zuflucht. Am ersten Weihnachten hat Gott gegen die Entfernung entschieden. Wie in einem Film – von Weitem mitten herein ins Weltgeschehen gezoomt. Nahaufnahme. Gott wird Fleisch, Gott wird Körper. Menschenkörper, ohne jeden göttlichen Abstand. Wird wie wir, gehört dazu, wird fühlendes, abhängiges Wesen, wird ein neugeborenes Kind, empfänglich für Zuwendung, verletzlich durch Krankheit, Hunger, Gewalt und Tod.

Wieso? Wieso tut ein göttliches Wesen sich so etwas an? Wo unsere Welt, wo wir doch aus der Entfernung viel schöner und  harmonischer aussehen?  Ich erinnere mich an die Christgeburtspiele im Waldorfkindergarten, in denen Maria keinen Bauch hatte und der Engel ihr das Kind in den Schoß legte. Rudolf Steiner hatte auch  Schwierigkeiten mit einem Gott in blutiger Nähe.

Gott in der Distanz ist göttlicher. Gott in der Distanz trauen wir Kraft, Eingreifen und Veränderung zu. Wir fragen, warum Gott nicht eingreift – jetzt besonders, wo ein sich immer schneller verbreitendes Virus Menschen den Atem nimmt. Jetzt – wo Weihnachten seines liebevollen Romantik-Kleides beraubt ist, mit dem wir alle Jahre wieder die Hoffnung auf friedliche Nähe in Familie und Partnerschaften gekleidet haben – was bleibt da noch?

Meine Wohnung soll unter ihnen sein, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.“

Ich sehe das Kind: Ich sehe das Kind  im dreckigen Stall und spüre Mitgefühl und Zärtlichkeit. Ich kann mir vorstellen wie dieser Säugling riecht, kann seine ersten Geräusche hören – ein Menschenkind, ganz nah. Gott ganz nah. „So lass mich doch dein Kripplein sein, komm, komm und lege bei mir ein, dich und all Deine Freuden.“ Worte aus dem Lied „Ich steh an Deiner Krippen hier“. Selbst Krippe sein, näher geht es nicht zwischen Gott und Mensch.

Weihnachten wünschen wir uns Nähe und Miteinander, dieses Jahr besonders, wo es uns nicht mehr selbstverständlich ist, und das Unmenschlichste in  diesem Jahr ist, wenn Sterbende nicht mal am Ende ihres Lebens vertrauten Menschen, Kinder, Partner nah sein können.

„Was ist denn jetzt richtig?“ fragt mich ein Kollege am Telefon - wir sprechen über Weihnachten.

„Ist richtig, dass Gott uns nah ist, unser Leben menschlich teilt aus Liebe oder dass er uns liebevoll von weitem sieht, wie es Bette Midler singt?“

Vielleicht ist es menschlich in Richtigkeit zu denken,  Eindeutigkeit zu wünschen. Eindeutigkeit in den Aussagen von Virologen, Politikern; Theologen. Gott, denke ich, stellt unsere Richtigkeiten in Frage. Gerade an Weihnachten. Er sieht liebevoll auf unserer Welt, in der sich  mit Abstand- Harmonie und Hoffnung zeigen kann und geht gleichzeitig liebend hinein – in unsere Widersprüche, Kämpfe, Schmerzen und Angst.

Darin liegt die Hoffnung an Weihnachten auf Veränderung, Heilung und eine gute Welt. 

Im Lied heißt es:

„Aus der Entfernung siehst du aus wie mein Freund,
obwohl wir uns im Krieg befinden.
Aus der Entfernung kann ich einfach nicht verstehen,
wofür all diese Kämpfe sein sollen.

Aus der Entfernung herrscht Harmonie
und sie hallt durch das Land.
Es ist die Hoffnung aller Hoffnungen,
die Liebe aller Lieben –
dies ist das Lied jedes Menschen. 

Gott schaut uns zu,
behält uns im Blick .

Ich höre die Musik meiner Weihnachts-CD und denke: Gott ist uns nah, auch jetzt, gerade in dieser Zeit. Er ist uns nah, auch wenn niemand sonst nah ist. Nicht, weil er uns braucht, damit er sich zugehörig fühlt oder anerkannt. Sondern nur, weil Gott uns will. Gott muss sich durch seine Nähe zu uns nichts beweisen. Er schenkt sie uns. Die Entscheidung Gottes, uns nah zu sein, ist keine Selbstverständlichkeit.

Nähe ist keine Selbstverständlichkeit. 

Und doch tun mit großer Selbstverständlichkeit Ärzte, Ärztinnen und Pflegende in diesen Weihnachtstagen Dienst auf den Stationen der Krankenhäuser, in den Praxen und Pflegeheimen. Das Bild des Arztes, der in Schutzkleidung tröstend einen erkrankten Mann im Arm hält, ist mir wie dies Lied nachgegangen in der Vorweihnachtszeit.

Gott schaut liebevoll auf uns und ist uns nah in dieser Welt und darüber hinaus. Das bleibt Weihnachten 2020.

„Meine Wohnung soll unter ihnen sein, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.“

Und der Friede Gottes, der uns nah ist, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

Musikalisches Zwischenspiel

Ich steh an deiner Krippen hier

Interpret: Kreiskantor Sven Bergmann, Hagen

Fürbitten

Gott, in dieser Nacht gedenken wir vor dir aller vergessenen Hoffnungen, aller enttäuschten Erwartungen, aller Sehnsucht, die Angst macht, weil sei zu groß scheint, aller Fragen, die keiner mehr stellt, aller Worte, die keiner mehr hört.

All der Menschen gedenken wir vor dir, die trauern um ihre Lieben – um ihre Kinder, ihre Großeltern oder Eltern, Verwandte, Freunde oder Bekannte.

Aller gedenken wir, die hungern und dürsten nach Brot, nach Gerechtigkeit, nach Freiheit, nach Würde.

All derer gedenken wir, die vergessen sind: Leidende ohne Namen, ohne Zukunft. Aber auch an die, die Schuld tragen, die einsam sind, voller Zweifel.

Lass sie zu dir finden im Wunder dieser Nacht, teilhaben am Glanz deiner Geburt. Lass sie , uns , alles was lebt spüren und wissen , wie groß deine Liebe zu uns ist, dass du Blüten wachsen lässt am starren Stamm.

Gemeinsam sprechen wir deine Worte:

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Gott segne dich und behüte dich.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.

Amen.

Musik zum Ausklang

Da berühren sich Himmel und Erde

Interpretin: Sina Berger

From a distance

Bette Midler