Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Christfest 2020

Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus, der geboren ist. Amen.

Weihnachten.

Gott wird Mensch, kommt unserer Welt nah. Gottes Nähe heilt, sie gibt Kraft und Mut. „Fürchtet Euch nicht“

Gott wird Mensch und  macht uns menschlich in Unmenschlichkeit, gnädig gegenüber lautem Rechthaben.

Gott wird Säugling und Kind. Gott erinnert uns an Urvertrauen, Umsicht und Sorge füreinander.

Das erste Weihnachten damals war inmitten von Unfrieden und von sozialer Härte, Ungerechtigkeit, Krankheiten und Angst.

Unser Weihnachten heute trägt weltweit immer noch diese Züge. Wir brauchen Gott in unserer Welt. Gott brauchen wir nah. Seine Nähe spüren wir, und doch geht seine Macht weit über diese Welt hinaus. Das ist das Geheimnis des Glaubens.

Gott wird Mensch – das ist immer neu, nie überholt. Ein Wunder.

Im Namen des Vaters  und des Sohnes und des Heiligen Geistes!

 

Musik zum Anfang

Dezember-Psalm

Kleiner Herr
der du gekommen bist
im Elend
wir bauen auf dich
und deine Zukunft
und schenken dir
unser ganzes Vertrauen

Wir warten auf dich
bis du groß und
allmächtig bist
alle Welt übersiehst
und überall die Liebe
als Statthalter einsetzt
damit das Kommende
für uns ertragbar wird
und das Jahrhundert
keine Schreckenskammer

Kleiner Herr
ich wünsche mir
eine Welt der Stille
mit einer sanften
Gesellschaft
die zufrieden und
glücklich
Anfang und Ende lebt

(Hanns-Dieter Hüsch)

Sündenbekenntnis

Reiß ihn auf, deinen Himmel, Gott.
Komm und sei uns nah.

Ihr Wolken brecht und regnet aus!
Regnet ihn aus, den alten Menschentraum vom Frieden, von Gesundheit und Heil.
Regnet aus die Liebe zum Nächsten und die Kraft zum Gebet und die Liebe zu unseren Mitgeschöpfen.
Regnet sie aus, ihr Wolken.

Und lasst sie strömen, SEINE Herrlichkeit, in unsre verbrauchten Sinne, vertrockneten Seelen, schal gewordenen Hoffnungen

mitten hinein:
dass es endlich Gestalt gewinne, Gottes Reich,
uns die Augen öffne, uns berühre und verwandle.
Heiland, erbarme Dich!

Gnadenzusage

Lied: O Heiland, reiß die Himmel auf

Tagesgebet

Wir beten zu Gott, der nicht im Verborgenen geblieben ist: 


Allmächtiger Gott, Dein Wort ist Mensch geworden und in ihm ist deine Liebe zu allem Verlorenen erschienen.

Öffne unsere Herzen, dieses Wunder zu begreifen, zu ergreifen: Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt jetzt und in Ewigkeit.

Amen.

Lesung (Joh 1, 1-15.9-14)

Halleluja

Der Herr gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes.

Halleluja.

Glaubensbekenntnis

Wir glauben an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.
Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott, Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserm Heil
ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen
durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria
und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohna hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn
angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, allgemeine und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.
Amen.

(Beinahe eine) Predigt

Gespräch zwischen Paulus und Phoebe (in Anlehnung an Röm 1, 1-7)

Paulus: Gnade sei mit euch.... Seid wachsam....

Phoebe: Friede sei mit Dir, Paulus!

Ah liebe Phoebe: Friede sei mit Dir Du treue Schwester im Herrn....

Was schreibst Du den da?

Ach nur die Weihnachtspost für die Gemeinde in Rom. Ich hatte denen noch so einiges zu sagen.... Aber da könnte durchaus Arbeit für Dich entstehen: ich gedenke Dir den Auftrag zu geben den Brief nach Rom zu bringen...

Ich soll nach Rom? Aber..... Ich hab doch hier so viel zu tun Und Paulus, ich weiß nicht ob es in Rom so ist wie hier, dass mir auch die Männer glauben und zuhören. Und überhaupt  bin ich gar nicht richtig vorbereitet auf diese Aufgabe. Was ist denn wenn die Gemeindeältesten in Rom deinen Brief lesen – da kann es doch sein, dass sie  Rückfragen haben und ich etwas erklären muss. Dann muss ich den Brief aber ganz genau verstehen...

Ja sicher, Phoebe. Ich vertraue Dir. Wo ist denn das Problem?

Das Problem ist.... naja, also dein Satzbau ist manchmal etwas verschachtelt und kompliziert...

Mein Satzbau ist kompliziert?

Ja. Oft. Lies doch mal die Begrüßung vor.

Paulus, Diener Jesu Christi, an die Gemeinde in Rom. Gott hat mich zum Apostel berufen und dazu bestimmt, seine Botschaft bekannt zu machen, die er schon vor langer Zeit durch seine Propheten in der Heiligen Schrift angekündigt hatte. Es handelt sich um das Evangelium von seinem Sohn...“

Das meine ich.  Warum kannst Du nicht einfach schreiben: Guten Tag, ich bin es – der Apostel Paulus. Ich bin jetzt seit drei Monaten hier in Korinth, mir geht es gut, die Gemeinde wächst und immer mehr Menschen glauben an Jesus.

Aber Phoebe! Die Gemeinde in Rom kennt mich doch nicht. Und damit nicht jeder Ratschläge gibt und es dann drunter und drüber geht muss ich mich doch ausweisen, dass ich von Gott berufen bin und es um Jesus geht und nicht um mich.

Aha. Und wie geht es weiter?

Dann kommt die Weihnachtsgeschichte. „Es handelt sich um das Evangelium von seinem Sohn. Dieser stammt seiner irdischen Herkunft nach von David und nachdem er von den Toten auferstanden ist, ist ihm – wie es das Wirken des Heiligen Geistes zeigt – die Macht gegeben worden, die ihm als dem Sohn Gottes zukommt.“

Das ist die Geschichte von Jesu Geburt? Aber Paulus -  Da fehlt doch alles: die Engel und Hirten, der Stall und Ochs und Esel und die Könige und... einfach alles, wie Bruder Lukas es doch beschreibt...

Ich gebe zu, ich habe es ein wenig zusammengefasst.

Wie das wohl war im Stall....? Der Prophet hatte es ja schon lange vorher angekündigt:

Maria war doch noch ganz jung, und ängstlich,  erschöpft, aber bestimmt  auch erleichtert – endlich einen Platz. So musste sie das Kind nicht mitten unterwegs bekommen. Joseph hat sich bestimmt auch viel Sorgen gemacht. Sie mussten doch nach Betlehem – und dann ohne einen Ort, wo sie bleiben konnten.

Die Hirten, die es erlebt haben damals, die sagen: es sei so schwer zu beschreiben. Dieses Wissen und Spüren von etwas ganz großem. Ganz anders als erwartet.

Die, die dabei waren sagen: sie hätten den Dreck und Gestank im Stall gar nicht gemerkt. Sie hätten nur das Neugeborene gesehen –

Ob er wohl in der Krippe schlief  oder ob er  wach war und die Hirten in seinen Augen das Besondere sehen konnten?

Die, die dabei waren haben uns erzählt, dass Sie von innen gespürt haben, dass Gott da war. Dass es warm wurde innen, die Angst ihnen nicht mehr die Luft nahm.

Immanuel- das heißt: Gott mit uns, das spüre ich auch, wenn wir in meinem Haus zusammen sind, wir Christen. Wenn wir zusammen sind wie Jesus es wollte, Dann spür ich dass er da ist. Dann ist es so, als ob ich Jesus ansehen kann. Und dann hab ich keine Angst mehr.

 

Liebe Phoebe, dass kann ich so nicht so ausführlich schreiben, denn ich habe noch einiges mehr, was ich den Brüder in Rom schreiben möchte. Schau mal, Bruder Lukas hat mit seiner Weihnachtsgeschichte nur ein Ziel verfolgt: er wollte uns sagen, dass Gott uns wirklich nah ist. Dass Jesus Gottes Sohn ist. Der Messias. Der, auf den wir immer gewartet haben -der Angekündigte und Auserwählte. .

Aber vor lauter Krippe und Kind, vor lauter Engel und Hirten können die Geschwister vielleicht die wahre Bedeutung von Jesus gar nicht mehr wahrnehmen, durch die ganzen Nebensachen gar nicht mehr sehen was der Lukas uns eigentlich mitteilen wollte.

Ich will jetzt ohne Schnickschnack nochmal schreiben, wie wichtig Jesus ist.

 

Aber so zusammengefasst verstehe ich das nicht. Erklär doch bitte mal:

„Dieser stammt seiner irdischen Herkunft nach von David ab und nachdem er von den Toten auferstanden ist, ist ihm – wie es das Wirken des Heiligen Geistes zeigt – die Macht gegeben worden, die ihm als dem Sohn Gottes zukommt.

 

Nun ja, Jesus ist ein Mensch besonderer Art, aber in einer Art und Weise, die nur durch die Wirkung des Geist Gottes in ihm möglich war. Er musste seiner irdischen Linie nach aus dem Hause Davids abstammen, da nur dieses Haus die Line der Königswürde für Israel trägt und er so die alten Prophetenworte erfüllte. Und daher ist er dem Fleische nach aus der Familie von Joseph, die zum Stammbaum Davids gehört.

Und deshalb wird er auch als Mensch geboren und kann daher unser Menschsein mit allen seinen Freuden und Widrigkeiten so gut verstehen. Er war kein Halbgott, kein Gott auf irdischer Ausflugsreise – so wie wir es durch Erzählungen von den griechischen Göttern kennen, die sich einen Jux daraus machen, Stippvisiten auf Erden zu halten, um alsbald wieder dem Chaos zu entfliehen, das sie selbst auf Erden angerichtet hatten.

Nein, dieser Mensch Jesus, ist ein Mensch gewesen ganz und gar, unser Menschsein teilend bis in die abgründigsten Erfahrungen hinein, die wir, Phoebe, ja immer wieder auch teilen müssen: Freundschaft und Verrat, Anfeindungen und Verfolgung, nicht verstanden werden und hintergangen, Freude und Leid.

Und nur als ein körperlich in die Welt gekommener Gott konnte er am Kreuz für uns sterben und die Schuld auf sich nehmen. Dass der Geist Gottes in ihm war, zeigte sich ja an vielen Stellen seines Lebens, wo er seine Macht bewies: wie er die Kranken heilte, die Toten auferweckte, wie wir damals nur mit 5 Fischen und zwei Broten 5000 Menschen satt machten...

Und dann natürlich das größte Wunder: seine Auferstehung von den Toten nach der Kreuzigung. Da hat er die Macht gezeigt die nur dem Sohn Gottes zukommt: über den Tod und die Schuld zu herrschen und uns das Leben und Vergebung zu schenken.

Geboren als Mensch, eingesetzt zum Sohne Gottes und auferstanden durch die Kraft des Heiligen Geistes. Um das zu begreifen und auszudrücken liebe Phoebe muss man bei Lukas das ganze Evangelium lesen.

Ich habe es kurz und prägnant, ohne lange Umschweife auf den Punkt gebracht eben die Weihnachtsgeschichte in Kurzform: Jesus wird geboren, Gott kommt zu uns um uns zu retten weil er uns liebt.

 

Gut. Dann verstehe ich auch den letzten Satz deiner Begrüßung:

„Darum gilt mein Auftrag auch euch in Rom, euch, die ihr von Jesus Christus berufen seid. Ihr seid von Gott geliebt, ihr seid berufen, und ihr gehört zu seinem heiligen Volk.“

Und den Schluss, Paulus, den hast Du sehr schön geschrieben:

„Euch allen  ́wünsche ich` Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn.“

Gnade . Das ist ein seltenes  Wort. Gnädig ist Gott zu uns, weil er  -obwohl wir Menschen  so sind, wie wir sind – uns nah sein will . Uns liebt. Wenn zu mir jemand gnädig ist, dann werde ich beschenkt – einfach so, ganz unverdient. Unsere Brüder und Schwestern, die Jesus kennen gelernt haben, die sagen: er war voller Gnad . Hat nicht aufgerechnet. Ohne Vorbehalte. Manche hatten doch so ein daneben gegangenes Leben – die haben durch Jesus das erste Mal Gnade, Liebe erlebt.

Bestimmt war das auch im Stall, an der Krippe schon spürbar. Vielleicht war das auch die Besonderheit dieses Lichts, von dem die Hirten erzählt haben. Licht voller Gnade und Liebe.

Und Frieden , Paulus , ach – Frieden:

Schon  seit der Zeit  der alten  Prophetien , die sagten dass der Messias aus Betlehem kommen wird , schon damals  war Bethlehem besetztes  Land, seine Bewohner verschleppt. Als Jesus geboren wurde war so viel Gewalt  manchmal habe ich Angst, dass es so bleiben wird. Krieg, Unterdrückung, Folter , Verfolgung, Rechthabereien. So oft habe ich auch Angst, wie es uns Christen weiter ergehen wird, Paulus. Warum gibt es soviel Gewalt im Namen von Gott?

Frieden wünschst du unsern Brüdern und Schwestern in Rom. Die Hoffnung auf Frieden ist schon so oft enttäuscht worden, aber nie ist sie vergessen. Shalom - Frieden und Heil, gerechte Verhältnisse, ein Leben in Freiheit und Würde Paulus – das wünsche ich mir so sehr.

Dann bete ich, dass ich glauben kann, dass unsere Welt trotz dem was ich sehe und erlebe, irgendwann in Frieden sein wird. Dass wir Menschen gut zueinander sein werden.

In dieser besonderen Nacht scheint im Stall von Bethlehem doch das auf, Paulus, dass du in deinem Brief wünscht: Gnade und Friede . Bei Maria und Josef , die keine Herberge gefunden haben, die einen langen Weg hinter sich haben, denen die Flucht mit dem Gottteskind noch bevorsteht – bei ihnen im in Stall  - da  ist  Gnade und Friede , weil Gott so nah ist. Näher als sonst irgendwann vorher . 

Das ist ein großes Wunder Paulus. Das ist doch das, warum wir Christen sind, hier in Korinth und  in Rom oder vielleicht irgendwann in der ganzen Welt...

Die Geburt von Jesus – das ist unser Wunder. So heißt es doch bei den alten Prophten – weißt Du noch :

„Uns ist ein Kind geboren ( heute nacht),  ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder- Rat, Gott – Held ,Ewig –Vater, Friedefürst.“

 

Genau Phoebe. Ich glaube, Du wirst den Geschwistern in Rom alles gut erklären können-  Der Friede Gottes welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre dein Herz und Sinn in Christus Jesus, liebe Phoebe, und die unserer Geschwister auch. Amen.

 

Zwischentöne

Fürbitten

Krippenkind -
Ich bitte Dich um Licht,
um den Weihnachtsglanz von Bethlehem. 

Das Licht von Bethlehem leuchte
an allen Orten, in allen Häusern, in aller Welt.

Das Licht von Bethlehem leuchte
in unserer Sorge und Angst,
in unserer Verzagtheit und Erschöpfung. 

Das Licht von Bethlehem leuchte für die Kranken und die Menschen an ihrer Seite. Für die Sterbenden und für die Einsamen. Für die Traurigen und Verzweifelten.

Das Licht von Bethlehem leuchte
für die, die mir nahe sind
und für die, mit denen ich es schwer habe. 

Ich bitte um das  Licht. Um den Weihnachtsglanz von Bethlehem.

Mit Dir bete ich  zu dem, den wir Vater nennen:

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Sendung

So spricht für uns der Engel:
Fürchtet Euch nicht!
Siehe ich verkündige Euch große Freude,
die allem Volk wiederfahren wird;
denn Euch ist der Heiland geboren!

Segen

Gott segne dich und behüte dich.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.

Amen.

Musik zum Ausklang