Wir wünschen allen ein gutes und gesegnetes Jahr 2021.

Sonntag, 5. April 2020 - Palmarum

Eingangsgebet

Deinen Weg zu uns, Gott,
ist Jesus gegangen.  –

Das war
kein lauter und erfolgreicher Weg,
sondern ein Weg, 

geprägt vom Verlieren,
Verraten-  und Ängstlich-Sein. 

Dein Weg zu uns, Jesus, bestand
nicht aus Macht und Einfluss,
sondern aus eingelösten Sehnsüchten. 

Du Geist des Vaters und des Sohnes
gehst mit.

Hilf uns, den Weg zu finden
und stärke uns beim Gehen. 

 

Amen.

Audio-Predigt

Predigt

Haben Sie schon einmal mit Sehnsucht und Begeisterung auf der Straße gestanden, um einem berühmten Menschen zu begegnen? Haben Sie sich,  habt ihr euch schon einmal auf den Weg gemacht, um bei dem Auftritt dieses Stars dabei zu sein? Dann ist das Gefühl von Spannung und Erwartung bekannt. Vielleicht ist da Erinnerung an die Freude ihn oder sie kurz gesehen zu haben.  Die Sehnsucht nach Begegnung ist der Antrieb. Die Hoffnung auf ein Autogramm, eine Berührung, manchmal erst nach langem  Warten. Vielleicht ist das alles gerade erst gewesen oder nur ferne Erinnerung. Bei mir ist es auch schon länger her,  dass ich  durch die Kölner Südstadt gezogen bin in der Hoffnung dem Sänger meiner damaligen Lieblingsband zu begegnen. Oder dass ich in Hamburg zur obersten Etage des Luxushotels hochgesehen habe, ob er sich Udo Lindenberg  wohl am Fenster zeigt – allein schon dass jemand es sich leisten kann immer im Hotel zu wohnen hat mich sehr beeindruckt.

Träume von Begegnung haben mich damals bestimmt, und ich habe mir ausgemalt wie eine solche Begegnung mit meinem Sehnsuchtsmenschen wohl aussehen wird. Ohne dass ich wirklich wusste wie er ist – nur aus Interviews, Liedtexten und Fotos habe ich mein Bild gemalt.

Ähnlich war es als Jesus nach Jerusalem kam, um das Passahfest mit seinen Freunden  zu feiern.

Die Nachricht spricht sich schnell herum. Die Menschen  haben  gehört dass er  Wunder vollbringt, Kranke heilt, Tote auferweckt, die Gesetze manchmal  auf seine eigene Art auslegt. Sie wissen dass ihn viele Menschen hören und sehen wollen – und dass das andere ärgert.

Neugierige kamen zusammen. Kritiker und Skeptiker blieben stehen, um ihn zu taxieren.  Gleichgültige gingen vorbei vielleicht, andere gingen einfach in dem Strom der Menschen mit, ließen sich treiben von der Stimmung der Freude, Neugier  und Erwartung. Sie alle waren gespannt darauf, diesem Mann zu begegnen. Hatten lang gewartet, und manche sicher auch sehnsüchtig und waren voller Hoffnung für sich auf Heilung oder Glück.

Einige haben das Ersehnte gefunden durch Jesus, andere nicht. Waren enttäuscht oder blieben skeptisch weil Jesus nicht ihren Vorstellungen entsprach mit seinem Einzug auf dem Esel. 

Ich stehe an der Straße nach Jerusalem und sehe dem Mann auf dem Esel entgegen. Entspricht er meiner Vorstellung, so wie der da kommt?

Es ist nicht leicht in der Zeit von Mindestabstand und zuhause bleiben sich Menschen ganz nah im Gedränge vorzustellen. Ich versuche es –

Bin ich sehnsüchtig, aufgeregt? Frage ich mich, ob das den Aufwand und die Enge lohnt?  Kann ich mich von dem Mann auf dem Esel noch überraschen lassen in meinen seit über 2000 Jahren gewachsenen festen Vorstellungen?

Wer ist Jesus?

Einige sagen: Jesus zeigt mir, wie ich leben soll. Er ist mir eine Orientierungshilfe. Durch ihn weiß ich, wie ich mein Leben gestalten kann.

Andere sagen vielleicht: Jesus ist für mich Halt und Trost. Wenn es mir schlecht geht, dann bete ich zu ihm, er gibt mir das Gefühl von Halt und Hilfe, er sagt mir:  es wird alles gut werden.

Und einige sehen in Jesus ein Vorbild für das persönliche und das politische Leben.

Viele unterschiedliche Vorstellungen.

Auch von meinen Idolen damals gab es unterschiedliche Vorstellungen – wir tragen unser Leben immer mit ein in unsere Sehnsucht.

Jesus wusste das – deshalb ist er Menschen so unterschiedlich begegnet und hat sich ihnen unterschiedlich gezeigt:  deutlich und vorsichtig, mutig und im Garten ängstlich, zurückgezogen und zugewandt, seelsorglich oder mit klaren Anweisungen, fragend und immer mit einer Antwort, er feierte, lachte und weinte. In all dem zeigt sich die Liebe Gottes. In ihm – das hat Jesus in all seiner Unterschiedlichkeit immer gleich gesagt: in ihm zeigt sich Gott.  Das ist besonders und eigentlich nicht vorstellbar. In Jesus zeigt sich gleichzeitig Gott.

Damit ich das nicht übersehe , muss ich im Gedränge oder auf Abstand auch noch 2000  Jahre später genau hinsehen zum Mann auf dem Esel, also genau  hin – hören und  hin – lesen. Damit ich nicht nur bei einer, also meiner Vorstellung von Jesus  bleibe.

Udo Lindenberg, der Mann aus dem Luxushotel in Hamburg ist einer, dem viele vielleicht mit falschen Vorstellungen begegnet sind. Weil sie ihre Wünsche auf ihn übertragen haben oder er skurril wie aus einer anderen Welt erschien.

Sein Leben hat sich in diesen Tagen auch verändert. Im obersten Stock des Hotels ist er nicht mehr zu finden.  Er schreibt: „Wie aussichtslos die Lage auch scheint, versuchen wir vielleicht trotzdem irgendwas Gutes zu finden  (...) volle Verantwortung, zwei Meter Abstand, come on, volle Souveränität. Aber besser bleib zuhause.“

Manche von Udo Lindenbergs Liedern berühren auch mein Leben, manchmal meinen Glauben und eines meine Vorstellung von Jesus.

Eines besonders: es heißt „Nimm Dir das Leben“ und erzählt – anders als die erste Vorstellung beim Hören des Titels – gerade nicht vom Tod, sondern nur vom Leben:

„Die Welt da draußen mach dich fertig

Und Du sagst Du hast genug

Ey Amigo, guck nach vorn

Denk an unsern alten Spruch

 

Nimm dir das Leben

Und lass es nicht mehr los

Denn alles, was du hast

ist dieses eine bloß

 

Greifs dir mit beiden Händen

Machs wieder stark und groß.“

 

In meiner Vorstellung ist Jesus genauso nach Jerusalem hinein geritten.

Groß und stark, wissend dass er hier auf unserer Welt dieses eine Leben nur hat und  dass er sich jeden Augenblick nimmt bis zuletzt.

Er hat es mit beiden Händen gegriffen und groß gemacht, in Udo Lindenbergs Worten:  „mit Power bis zum letzten Atemzug“ ...

... und darüber hinaus.

Denn darin  bin ich mir ganz sicher. Jesus  Kraft war die Kraft der Auferstehung schon auf dem Weg zum Kreuz. Jesus war sich ganz sicher, dass Gott  das will für ihn, aber eigentlich für uns: dass Leben festhalten, auch durch den Tod. Nicht loslassen, sondern großmachen.

Amen.

Segen

Segen ströme
in alle Ecken dieser Welt.

Erfülle die Krankenzimmer und Wohnzimmer
mit Gottesglanz.

Segen umleuchte jedes Herz.

Damit jede noch so kleine
Hoffnung wachsen kann.

Musik zum Ausklang

Uwe Steinmetz

Zu Psalm 69

Gott, hilf!

Der Schreck ist mir in die Glieder gefahren,
und mein Leben kommt aus dem Rhythmus.

Es ist als ob ich in tiefes Wasser geraten sei,
und die Fluten drohen über mir zusammenzuschlagen.

Gott, ich warte auf dich
zu dir rufe ich: Sei mir gnädig!

Erhöre mich und hilf mir.

Verbirg dein Angesicht nicht vor mir
denn in mir steigt die Angst hoch.

Lass meine Seele deine Nähe spüren,
erlöse sie von allem, was quält.

Ich warte auf dich,
denn Trost ist schwer zu finden;
schütze mich mit deiner Hilfe.

(nach Klaus Bastian)

Evangelium und Predigttext

Joh 12, 12-19

Am nächsten Tag hörten die Menschen, die in großer Zahl zum Passafest gekommen waren, dass Jesus auf dem Weg nach Jerusalem war. Mit Palmzweigen in der Hand zogen sie zur Stadt hinaus, um ihn zu empfangen.»Gepriesen sei Gott!«, riefen sie. »›Gesegnet sei er, der im Namen des Herrn kommt‹, der König von Israel!«

Jesus ritt auf einem jungen Esel, den er hatte bekommen können. In der Schrift heißt es: »Du brauchst dich nicht zu fürchten, Volk von Zion! Dein König kommt, er reitet auf einem Eselsfohlen.« Dieses Wort erfüllte sich damals, doch das verstanden die Jünger zunächst noch nicht. Später allerdings, als Jesus in seiner Herrlichkeit offenbart war, erinnerten sie sich daran, dass man ihn genauso empfangen hatte, wie es in der Schrift vorausgesagt war.

Die Menschen, die in großer Zahl dabei gewesen waren, als Jesus Lazarus aus dem Grab gerufen und ihn von den Toten auferweckt hatte, hatten überall davon erzählt. Das war der Grund, weshalb ihm jetzt so viele Leute entgegenzogen. Sie hatten von dem Wunder gehört, das er getan hatte. Da sagten die Pharisäer zueinander: »Ihr seht doch, dass wir so nicht weiterkommen. Alle Welt läuft ihm nach!«