Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.

4. Advent - 20.12.2020

"Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!" | Phil 4,4.5b

Freude kann schön machen. Unscheinbare Menschen fangen an zu leuchten, wenn sie sich auf etwas freuen: junge Mütter, die wie Maria ein Kind erwarten, Verliebte, die sich auf den geliebten Menschen freuen.

Von überstrahlender und verändernder Freude spricht auch der Vierte Advent. Der Herr ist nah! Die Nachricht kann man nicht für sich behalten. Wie Sarah, der in ihrem Alter ein Sohn verheißen wird und Maria, die Gott lobt, der Niedrige erhöht und Mächtige vom Thron stößt, können auch wir uns anstecken lassen von der Freude über das göttliche Ja zu uns.

Musik zum Eingang

Wie soll ich dich empfangen

Interpret: Sven Bergmann

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde:             der Himmel und Erde gemacht hat.

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, unserm Herrn und Heiland Jesus Christus. 

Psalmgebet aus Psalm 102

Du , Herr, bleibst ewiglich
und dein Name für und für.

Du wollest dich aufmachen und über Zion erbarmen;
denn es ist Zeit, dass du ihm gnädig seist,

und die Stunde ist gekommen,
dass die Völker den Namen des Herrn fürchten
und alle Könige auf Erden deine Herrlichkeit,

wenn der Herr Zion wieder baut
und erscheint in seiner Herrlichkeit.

Er wendet sich zum Gebet der Verlassenen
und verschmäht ihr Gebet nicht.

Denn er schaut von seiner heiligen Höhe,
der Herr sieht vom Himmel auf die Erde,

dass er das Seufzen der Gefangenen höre
und losmache die Kinder des Todes,

dass sie in Zion verkünden den Namen des Herrn
und sein Lob in Jerusalem,

wenn die Völker zusammenkommen
und die Königreiche, dem Herrn zu dienen.

Tagesgebet

Herr, unser Gott, voller Güte und Schönheit, wir bitten Dich:
Neige Dich uns jetzt zu. Öffne uns Ohren und Herz, auf dass
Deine Herrlichkeit in den Mühen unserer Tage zu unserer Zuversicht
und Freude werde – durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Herrn,
und in der Kraft Deines Geistes.
Amen.

Lesung aus dem 1. Buch Mose (1. Mose 18, 1-2 . 9-15)

1 Der Herr erschien Abraham im Hain Mamre,
während er an der Tür seines Zeltes saß,
als der Tag am heißesten war.

2 Und als er seine Augen aufhob und sah,
siehe, da standen drei Männer vor ihm.
Und als er sie sah,
lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes
und neigte sich zur Erde.

9 Da sprachen sie zu ihm: Wo ist Sara, deine Frau ?
Er antwortete: Drinnen im Zelt.

10 Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr;
siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben.
Das hörte Sara hinter ihm, hinter der Tür des Zeltes.

11 Und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und hochbetagt,
sodass es Sara nicht mehr ging nach der Frauen Weise.

12 Darum lachte sie bei sich selbst und sprach:
Nun, da ich alt bin, soll ich noch Liebeslust erfahren,
und auch mein Herr ist alt!

13 Da sprach der Herr zu Abraham :
Warum lacht Sara und spricht :
Sollte ich wirklich noch gebären, nun, da ich alt bin?

14 Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein ?
Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen übers Jahr;
dann soll Sara einen Sohn haben.

15 Da leugnete Sara und sprach: Ich habe nicht gelacht – ,
denn sie fürchtete sich.
Aber er sprach: Es ist nicht so, du hast gelacht.

Lesepredigt

Verfasser: Superintendent Ralf-Peter Fuchs, Eisenach.

Gelesen von Markus Wessel

»Was ist denn so schlimm daran, wenn die Bäume uns Menschen
überleben?«, hat jemand gefragt. Die Frage hat mich nicht losgelassen.
Es ist die trotzige Frage einer ermatteten Hoffnung. Ein kleiner Trostsatz
für eine aufgegebene Zuversicht: Wenn schon nicht wir überleben,
dann wenigstens die Bäume – wenigstens die Bäume!
Wie viele Enttäuschungen verkraftet ein liebendes Herz, bevor es
den Verheißungen des Himmels nichts mehr zutraut? Wie oft muss
man sich fassungslos mit der Handfläche gegen die Stirn schlagen,
bis man den Kopf nur noch senkt? Wie oft darf Eitelkeit das mühsam
Aufgebaute zerstören, bis man die Hände verzweifelt in den Schoß
legt? Niemand ist davor gewappnet, eines Morgens aufzustehen und
die Hoffnung ist weg. Einfach weg. Man schaut auf die Asche der
Zuversicht vergangener Tage und hat nicht einmal mehr Lust, hineinzublasen,
ob da nicht noch etwas Glut wäre. Die bitteren Realitäten
haben eine große Überzeugungskraft. Sodom und Gomorra sind Wiedergänger.
Irgendwann fressen die Fakten die Hoffnung auf. Und dann
steht man eines Morgens am Fenster und denkt: »Was wäre eigentlich
so schlimm daran, wenn die Bäume uns Menschen überleben?«

Abraham war in jungen Jahren eine reiche Nachkommenschaft verheißen
worden. Und diese Verheißung hatte ihn und seine Frau Sara durch
die Widrigkeiten des Lebens getragen. Und nun war Abraham 100 Jahre
alt. Sara war 90 Jahre alt. Die Fakten haben jetzt ihre bittere Eindeutigkeit:
Mit 90 bekommt man keine Kinder mehr. Die Realität hatte die
Verheißungen Lügen gestraft. Gottes Verheißung hatte sich nicht erfüllt.
Und man steht eines Morgens auf und die Hoffnung ist weg.

Drei Männer sind auf dem Weg nach Sodom und Gomorra. Im Gepäck
tragen sie Vernichtung. Die Folge für das, was man in Sodom glaubte,
folgenlos einfach tun zu können. Es ist die Zeit der Mittagshitze. Die
Drei kommen an einen Eichenwald. Ein Mann gibt ihnen die Ehre. Im
Schatten der Bäume sitzen die drei Fremden wie Freunde – Gastfreunde.
Von ihren Füßen wird der Staub gewaschen – Wellness nicht
nur für Füße. Frisches Wasser steht auf dem Tisch. Auch frische Milch
und kostbare Butter. Es duftet nach gebackenem Brot und nach
Kalbsbraten über dem Feuer. »Ein Tag ohne Dufterlebnisse ist ein
verlorener Tag«, sagten die Ägypter. Das war also kein verlorener Tag
unter den Eichen vom Mamre. Und Gott ist da – gespürt mit einer
Gewissheit, die keinen Zweifel zulässt. Und mit ihm Herrlichkeit,
Schönheit, Güte, Wohlgeruch, Gastfreundschaft, Gemeinschaft – der
Ewige in vielfältiger Gestalt. Eine alte Verheißung – fast schon vergessen,
fast schon aufgegeben – wird wieder wach. Ein Kind – Nachkommenschaft!
Das heißt doch: Die Geschichte geht weiter. Das ist
noch nicht das Ende. Neues nimmt Anlauf über das Jahr. Eine alte
Frau lacht. Sara lacht. »Nachdem ich zermorscht bin, würde mir Üppigkeit?«
so die Übersetzung Martin Bubers. Nun, da ich alt bin, soll
ich noch Liebeslust erfahren. So die Übersetzung Luther 2017. Wie
soll das zugehen (Lk 1,34), spricht sie mit Maria, der Gottesmutter.
Und sie lacht und ihr Lachen wird zum sanften Magnificat des Ersten
Testamentes – denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen (Lk 1,48).
Die Geschichte vom Besuch im Hain von Mamre ist eine Lach- und
Sachgeschichte vom Paradies inmitten einer Welt nahe Sodom und
Gomorra.

Sara lacht. Vielleicht war ihr Lachen nicht viel mehr als das Lachen
über eine scheinbar absurde Verheißung. Aber sie lacht! Die Verheißung
der Fremden hatte einen Riss in die bitteren Eindeutigkeiten
ihres Lebens gebracht. Saras Hoffnungslosigkeit war jetzt nicht mehr
ohne Widerspruch. Die Endgültigkeit ihrer Kinderlosigkeit hat einen
himmlischen Zweifel abbekommen.
Über Eindeutiges gibt es in der Regel wenig zu lachen. Aber wenn
die glatte Eindeutigkeit erschüttert wird, ist wieder Platz für ein Lachen.
Eine verblüffend neue Sicht vermag der bitteren Realität ihre
Humorlosigkeit auszutrieben. Noch ist die Verheißung für Sara nicht
in Erfüllung gegangen. Es ist noch nicht die Stunde der Lobgesänge
und Fanfaren. Die Bibel erzählt hier unglaublich sanft und zart: Nur
ein ungläubiges Lachen. Saras Lachen ist wie das erste zarte Zwitschern
eines Vogels, obwohl es noch Nacht ist. Aber über das Jahr –
nach der Geburt ihres Sohnes – wird Sara rufen: Ein Lachen hat mir
Gott bereitet; jeder, der davon hört wird mir zulachen. (1 Mose 21,6)
Sara nennt ihren Sohn Isaak – übersetzt: Gott hat zum Lachen gebracht
oder Gott lacht. Aus dem winzigen Samen eines spöttisch-zweifelnden
Lachens ist ein befreites, überfließendes Lachen geworden.
Niemand schätze darum ein erstes ungläubiges Lachen für gering. Da
kann noch viel draus werden. Lieber ein ungläubiges Lachen, als
hoffnungslose Eindeutigkeit.

Im Widerspruch zu leben, hält uns lebendig. Ein liebendes Herz lässt
sich zugleich betreffen von der Schönheit der Liebe und vom Elend
der Lieblosigkeit. Es weiß um beides, um die Güte und den Schmerz,
die Hoffnung und die Verzweiflung, die Verheißung und ihre Enttäuschung.
Jedes liebende Herz steht mit einem Fuß im Paradies und mit
dem anderen Fuß in Sodom und Gomorra. Es weint angesichts der
Lieblosigkeit der Welt, weil es um die Schönheit weiß. Und es lacht
angesichts der Herrlichkeit, weil es um die Dummheiten der Welt weiß.
Wer nur die Schönheit sehen will, wird mit der Zeit ein Luftikus. Wer
nur den Schmerz sieht, wird mit der Zeit bitter und schwermütig.
Ein Herz, das nicht liebt, hat nichts mehr zu weinen, aber auch
nichts mehr zu lachen. Lachen und Weinen sind Geschwister eines
liebenden Herzens in den Widersprüchen der Welt.

»Was wäre denn so schlimm daran, wenn die Bäume uns Menschen
überleben?« Ein Grund: Es gäbe das Lachen nicht mehr – nicht das
Lachen der Kinder, nicht das Lachen der Greise. »Stille Nacht, heilige
Nacht, Gottes Sohn, o wie lacht« (EG 46). Das steht zwar nicht in der
Bibel. Aber vielleicht hat unser weihnachtlicher Lieddichter da etwas
gesehen, was unsere Evangelisten übersehen hatten: Gottes Sohn, o
wie lacht – das Lachen des Gotteskindes – Gott lacht und Gott hat
uns zum Lachen gebracht, hatte Sara gesagt. Und darum: Lacht!
»Jauchzet ihr Himmel, frohlocket ihr Enden der Erde« (EG 41), denn
die Hoffnungslosigkeit ist nicht mehr alternativlos. »Fröhlich soll das
Herze springen« (EG 36), denn die Lieblosigkeit kann sich nicht mehr
als letztgültig aufspielen. »Freu dich Erd und Sternenzelt« (EG 47), der
Verzweiflung ist das letzte Wort genommen. Trotz Sodom und Gomorra
gibt es schon den Hain vom Mamre in unserer Mitte und die
Begegnung mit dem Heiligen in vielfältiger Gestalt.
Gott hat ein Lachen in unsere Welt gebracht!
Amen.

Zwischenspiel: Tochter Zion

Interpretin: Dr. Birgit Kordt

Fürbitten

Herr, unser Gott, Du Herz allen Lebens, komme zu uns, Herr,
wie Du es verheißen hast im Zeichen des Advents.

Berühre uns mit Deiner Schönheit.
Begegne uns mit Deiner Güte.
Eile zu uns mit Deiner Liebe.
Führe unser Herz zur Freude, unseren Mund zum Lachen,
und unsere Augen, dass sie leuchten für das Leben.
Richte auf die Schwermütigen.
Schenke neue Hoffnung den Enttäuschten.
Erheitere die Verstockten.
Brich auf alle Bitterkeit.
Eile zur Seite mit Deiner Hilfe
den Verzweifelten, den Kranken und den Sterbenden.
Uns alle führe zum lebendigen Leben,
und so bereite unser Herz
für das Geheimnis der Weihnacht
und für Dein Kommen in unserer Mitte.

Und in der Stille bringen wir vor Dich, wofür wir zu danken haben
oder worum wir Dich bitten möchten.
(Stille)
Herr, unser Gott, Dein Name sei in unserem Herzen.
Dein Geist geleite uns durch die weihnachtliche Zeit.
Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Sendungswort

Christus ist unterwegs zu uns. Damit wir in unserem Warten nicht ungeduldig, in unserer Vorfreude nicht enttäuscht und in unserer Hoffnung nicht unsicher werden, stärke uns Gott mit seinem Segen:

Segen

Gott segne dich und behüte dich.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.

Amen.

Musik zum Ausgang

Nun jauchzet all ihr Frommen

Interpret: Sven Bergmann