Wir wünschen allen ein gutes und gesegnetes Jahr 2021.

2. Sonntag nach dem Christfest - 3.1.2021

Gottesdienst von Matthias Mladek

"Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit."

Mit dem Wochenspruch aus dem Johannes 1 begrüße ich Sie herzlich zum Gottesdienst am 2. Sonntag nach Weihnachten.

Es ist für uns unverständlich, wie Gott, der doch das ganze All umschließt, Mensch sein kann wie wir. Darum denken wir heute darüber nach, was die Gottessohnschaft Jesu eigentlich bedeutet, und wir versuchen etwas von dem Unbegreiflichen zu verstehen, von der Größe, die in diesem Menschen Jesus von Nazareth wirkt.

Musik zum Eingang

"Weil Gott in tiefster Nacht erschienen"

Heidi Heinrich, Gesang - Thomas Schwarz an der Orgel der Evangelischen Kirche Wiesbaden-Bierstadt

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde:             der Himmel und Erde gemacht hat.

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, unserm Herrn und Heiland Jesus Christus. 

Psalmgebet aus Psalm 100

Jauchzet dem HERRN, alle Welt!

Dienet dem HERRN mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken!

Erkennet, dass der HERR Gott ist! Er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.

Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, zu seinen Vorhöfen mit Loben; danket ihm, lobet seinen Namen!

Denn der HERR ist freundlich, und seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.           

Tagesgebet

Lasst uns beten:

Ewiger Gott, der du die Zeit in Händen hast und einen jeden von uns mit Namen kennst: du schenkst uns ewiges Leben, und doch lassen wir uns immer wieder gefangen nehmen von den Grenzen der Zeit. Hilf uns, dass wir erkennen, wozu du uns berufen hast. Durch Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Evangeliumslesung (Lukas 2, 41-52)

Und seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest. Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des Festes. Und als die Tage vorüber waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem, und seine Eltern wussten’s nicht. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und suchten ihn.

Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten. Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte. Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen gehorsam. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

Predigt zum Wochenlied

von Matthias Mladek

Liedpredigt 03.01.2020 zum Wochenlied: EG 56 Weil Gott in tiefster Nacht erschienen

Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt. Amen.

Liebe Gemeinde,

geht es Ihnen eigentlich genauso wie mir? Zum Schönen in der Weihnachtszeit gehört das Singen. Zu keiner Zeit des Jahres singen wir Menschen so oft und so gerne, wie in der Weihnachtszeit. Auch wenn das, wie so vieles, in diesem Jahr wohl deutlich sparsamer ausfallen musste.

Meist sind es altvertraute Lieder, die uns alle Jahre wieder in der weihnachtlichen Zeit begleiten. Wenn ich nun jede oder jeden von uns, nach dem Lieblingslied unter den Advents- und Weihnachtsliedern fragte, bin ich mir aber fast sicher, das Lied, auf dass ich heute mit Ihnen einen genaueren Blick werfen möchte, unser Wochenlied, ist nicht dabei.

Es ist, für ein Weihnachtslied zumindest, ein neues Lied. Es ist nicht vertraut, nicht klassisch, nicht traditionell. Dieter Trautwein hat es 1963 geschrieben, im Gesangbuch finden wir es unter der Nummer 56.

Weil Gott in tiefster Nacht erschienen,
kann unsre Nacht nicht traurig sein!
Der immer schon uns nahe war,
stellt sich als Mensch den Menschen dar.
Weil Gott in tiefster Nacht erschienen,
kann unsre Nacht nicht traurig sein!

In diesem Lied finden wir nichts von dem, was uns aus den vielen anderen Weihnachtsliedern so vertraut ist:
Kein Stall, keine Krippe, kein Kindlein in Windeln gewickelt. Nicht die Spur von Hirten und Engelschören.

Es ist schon besonders, zu hören, warum Dieter Trautwein dieses Lied geschrieben hat. Trautwein hat selbst dazu geschrieben, dass er dieses Lied textete und komponierte, als 1963 eine ökumenische Christmette mit jungen Christinnen und Christen aus verschiedenen Ländern und verschiedenen christlichen Konfessionen gefeiert wurde. Unsere altvertrauten Weihnachtslieder waren z.B. der Gruppe der griechisch-orthodoxen oder den jungen amerikanischen Christen nicht bekannt. Also sollte gemeinsam ein neues Lied gelernt werden, das vom Text wie auch von der Melodie her leicht und eingängig war und ohne großartiges Üben zusammen gesungen werden konnte. Ein interessanter, äußerer Anlass.

2. Bist du der eignen Rätsel müd?
Es kommt, der alles kennt und sieht!
Weil Gott in tiefster Nacht erschienen,
kann unsre Nacht nicht traurig sein!

Wie schon gesagt, die klassischen Weihnachtsbilder finden wir in diesem Lied nicht. Und dennoch berührt mich dieser Text. Wie kaum ein anderes Weihnachtslied, nimmt es die Bedeutung von Weihnachten in den Blick. Zeigt uns, was sein kann, wenn Weihnachten in uns wirkt. Was es bedeutet und ausstrahlt, dass Gott als Mensch zu uns in die Welt gekommen ist. Als Mensch zu uns Menschen, als Antwort auf die Fragen, die uns belasten und plagen. Als Antwort und Hoffnung in der Nacht aus Ängsten, aus Sorgen, aus Traurigkeit. Wohl selten vorher – zu mindestens für meine eigene Generation – so dringend erforderlich, wie zu der aktuellen Zeit.

Weil Gott in tiefster Nacht erschienen,
kann unsere Nacht nicht traurig sein....

Das ist die tröstende Kraft, die an Weihnachten in unserem Leben eingezogen ist.

3. Er sieht dein Leben unverhüllt,
zeigt dir zugleich dein neues Bild.
Weil Gott in tiefster Nacht erschienen,
kann unsre Nacht nicht traurig sein!

Ja, Jesus sieht unser Leben, sieht unser Tun und Lassen. Aber er schaut nicht nur zu. Wenn wir uns ansprechen lassen, verändert er uns. Dein neues Bild, unser neues Bild: Jesus verändert uns, macht uns freier und dankbarer. Er geht mit, besonders auf den schweren und steinigen Wegen unseres Lebens.

Er lässt uns aufeinander zugehen, unseren Nächsten wahrnehmen, öffnet uns, Gottes Liebe weiterzugeben, zu teilen.

Ich schlage vor, wir hören und singen erst einmal die ersten drei Strophen:

Kehrvers:
Weil Gott in tiefster Nacht erschienen,
kann unsre Nacht nicht traurig sein!

1. Strophen Der immer schon uns nahe war,
stellt sich als Mensch den Menschen dar.
Weil Gott in tiefster Nacht erschienen,
kann unsre Nacht nicht traurig sein!

2. Bist du der eignen Rätsel müd?
Es kommt, der alles kennt und sieht!
Weil Gott in tiefster Nacht erschienen,
kann unsre Nacht nicht traurig sein!

3. Er sieht dein Leben unverhüllt,
zeigt dir zugleich dein neues Bild.
Weil Gott in tiefster Nacht erschienen,
kann unsre Nacht nicht traurig sein!

Liebe Gemeinde,

mit den Strophen 1 bis 3 haben wir die Bescherung begangen, haben die Weihnachtsgeschenke ausgepackt. Haben von dem gehört, was Gott uns an Weihnachten bereitet hat. Die Strophen 4 und 5 hingegen, befassen sich mit der Frage: was passiert mit den Geschenken nach Weihnachten, also heute am 2. Sonntag nach Weihnachten, am Beginn des Jahres 2021? Packen wir sie in irgendeinen Schrank, in dem sie in Vergessenheit geraten? Nutzen wir sie? Lassen wir uns von ihnen begleiten?

4. Nimm an des Christus Freundlichkeit,
trag seinen Frieden in die Zeit!
Weil Gott in tiefster Nacht erschienen,
kann unsre Nacht nicht traurig sein!

Annehmen und weitertragen, darum geht es an Weihnachten. Gottes Freundlichkeit können und sollen wir teilen. Sie ist kein „Stehrümchen“ sondern will gezeigt und geteilt werden. Im Umgang miteinander, in gegenseitiger Hilfe und Unterstützung, in einem respektvollen und liebevollen Umgang miteinander.

5. Schreckt dich der Menschen Widerstand,
bleib ihnen dennoch zugewandt!
Weil Gott in tiefster Nacht erschienen,
kann unsre Nacht nicht endlos sein!

Wir sind ermutigt, den Widerständen zu trotzen. Denn auch das ist klar, es ist nicht immer leicht, Weihnachtsfreude in die Welt zu tragen. Das empfinde ich hier und heute besonders stark. Weihnachten macht noch lange nicht die Nacht zum Tag, um in Trautweins Bild zu bleiben. Aber Weihnachten macht die Nacht freundlicher, fröhlicher, glücklicher und endlicher. Denn mit dem Kehrvers nach Strophe 5 ist die Nacht nicht nur nicht traurig sondern auch nicht endlos.

Weil Gott in tiefster Nacht erschienen,
kann unsre Nacht nicht traurig sein!
Weil Gott in tiefster Nacht erschienen,
kann unsre Nacht nicht endlos sein!

Und der Friede Gottes, der höher ist, als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus, unserem Bruder. Amen.

Fürbittengebet

Lasst uns Gott danken und Fürbitte halten:

Gott, lass uns offen sein für dein Handeln in unserer Welt. Lass uns das Unerklärliche und Merkwürdige annehmen, und gib uns die Kraft und die Weisheit, uns auf deinen Ruf einzulassen.

Wo wir deine Zeichen übersehen, bitten wir dich: gib uns nicht auf, sondern mache uns noch sensibler, dass wir deine Spuren erkennen in unserem Leben, in dem Leben anderer, und wir ihnen folgen.

Wir bitten dich für die Rastlosen: lass sie einen Ort der Ruhe finden, an dem sie ihre Lasten ablegen können. Lass uns solch ein Ort der Ruhe werden.

Wir bitten dich für die Kranken und Sterbenden: lass sie ihr Heil bei dir suchen. Lass uns dein Heil zu ihnen bringen.

Wir bitten dich für die Ratlosen: lass sie auch bei dir Rat suchen und deinen Rat annehmen. Lass uns zu guten Ratgebern werden, denen sie vertrauen können.

Wir bitten dich für alle, die den Weg mit dir nicht mehr kennen oder nie gekannt haben: führe sie auf den Weg, den du für sie bestimmt hast. Lass uns zu Wegweisern werden.

So führe du auch uns und lass uns deine Gnade spüren, du, dem allein Ruhm und Ehre gebührt in Ewigkeit.
Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Sendung

Geht in Frieden und glaubt fest,
dass Gott euch bei eurem Namen gerufen hat.
Geht in Frieden und entdeckt, wie schön es ist,
Gottes Liebe weiterzugeben.
Geht in Frieden, denn Gott ist bei euch
mit seinem Trost und mit seiner Liebe.

Segen

So segne dich Gott,
der Allmächtige und Barmherzige,

der Vater,
der Sohn
und der Heilige Geist.

Amen.

Musik zum Ausgang

Light has come

Interpretin: Dr. Birgit Kordt