Die Antwort gibt Gott nicht Karfreitag. Die Antwort gibt Gott Ostern.

2. Sonntag nach Epiphanias

17.1.2021

Musik zum Beginn

James Hook - Sonate in Es - 2. Satz

Piano: Dr. Birgit Kordt - Trompete: Victoria Kordt

Der Stern heute

er ist nicht erloschen
er steht noch über uns

hell in den Nächten
holt aus dem Nachtschlaf
aus dem Tag-Getümmel

durchbricht lautlos

den Lärm der Welt

drängt dich weiter
auf der Suche nach Licht

der Stern heute
ein zündender Gedanke
der dich weckt
zum Weitergehen
der dich trägt über Wüsten
verbrannter Hoffnung
der dich treibt
nach Leben zu tasten
auf Feldern der Finsternis

Annemarie Schnitt

Lied: Licht, das in die Welt gekommen

Licht, das in die Welt gekommen (EG 552)

Piano: Dr. Birgit Kordt

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde:             der Himmel und Erde gemacht hat.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit uns allen.

Christushymnus

Seid so unter euch gesinnt,
wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:
     Er, der in göttlicher Gestalt war,
     hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,
sondern entäußerte sich selbst
und nahm Knechtsgestalt an,
     ward den Menschen gleich
     und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.
Er erniedrigte sich selbst
und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.
     Darum hat ihn auch Gott erhöht
     und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,
dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie,
die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,
     und alle Zungen bekennen sollen,
     dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.        

Kyriegebet

Da sind wir - vor Dir, Gott – allein und doch miteinander: gekommen aus einer Woche voller Sorge und voller Unruhe und Frustration.

Da sind wir - vor Dir Gott: gekommen mit all dem, was uns belastet, was uns beschwert und voneinander trennt: eigenes Versagen und viele Unzulänglichkeiten, Unverständnis füreinander, Ängste voreinander, Erfahrungen, die wir lieber vergessen möchten, Schuld und Enttäuschungen. Wir sind bei Dir, weil wir spüren: Wir brauchen Befreiung, Vergebung, einen neuen Anfang. Wir bitten: Erbarme Dich.

Gnadenzusage

Jesaja weiß:

„Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie! Sagt den verzagten Herzen: „Seid getrost, fürchtet euch nicht!

Seht, da ist euer Gott. Er kommt und wird euch helfen.“

Tagesgebet

Gott der Barmherzigkeit,

du hast Jesus, deinen Sohn, in die Welt gesandt,
damit er durch sein Licht die Dunkelheit vertreibe.

Wandle!

Fülle unsere leeren Hände mit deinen Geschenken und mache unser Leben kraftvoll   auf durch Jesus Christus, unsern Heiland, der mit dir - eins im Heiligen Geist - lebt in alle Ewigkeit.  

Amen.

Lesung - 2. Mose, 33, 18-23

Und Mose sprach: Lass mich deine Herrlichkeit sehen! Und er sprach: Ich will vor deinem Angesicht all meine Güte vorübergehen lassen und will ausrufen den Namen des Herrn vor dir: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich. Und er sprach weiter: Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.

Und der Herr sprach weiter: Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen. Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in die Felskluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin. Dann will ich meine Hand von dir tun, und du darfst hinter mir her sehen; aber mein Angesicht kann man nicht sehen.

Lesung - Johannesevangelium 2, 1-11

Predigt

Gastpredigt von Pfarrerin Sabine Zorn

Die Hochzeit zu Kana - Gastpredigt von Pfarrerin Sabine Zorn, Unna

Gelesen von Markus Wessel, Hagen

Liebe Schwestern und Brüder,

das Kirchenjahr lehrt uns, in großen Zeitabschnitten zu denken: Es ist erst ein paar Tage her, da haben wir uns an der Geburt des Kindes im Stall von Bethlehem gefreut, auch wenn das diesmal durchaus verhaltener, dafür vielleicht aber inniger war. Wir haben das Gloria der Engel gehört und hätten so gerne mitgesungen, mit vielen anderen. Auch da war es leiser. Dann kam die Zeit der Sterndeuter, aber ihr Segen „Christus mansionem benedicat“ verteilt sich diesmal auf anderen Wegen in unsere Häuser – digital. Sofort nach diesen vertrauten, diesmal so seltsam anders anmutenden Geschichten machte dann das Kirchenjahr am vergangenen Sonntag einen großen Sprung – gut dreißig Jahre werden sozusagen kommentarlos übergangen – und wir haben die Taufe Jesu am Jordan durch Johannes erlebt. Und heute nimmt uns das Evangelium mit auf ein rauschendes Fest (das wäre mal wieder schön, so richtig zu feiern!) aber ein Fest, dem beinahe ein allzu frühes Ende beschert gewesen wäre.

„Das kann doch nicht alles gewesen sein!“ Ich kann mir die Entrüstung des Bräutigams gut vorstellen, als er vom Servicepersonal erfährt, dass es keinen Wein mehr gibt. Hat er etwa zu wenig eingekauft? Oder haben die Gäste zu viel getrunken? Ist er womöglich bestohlen worden? Alles nur Mutmaßungen. Tatsache aber ist: Man sitzt bald auf dem Trockenen. Was tun? Jesus um Hilfe bitten? Sich an Maria als Vermittlerin wenden? Die Gäste nach Hause schicken? Eine peinliche Situation.

Aber so ist es nach dem Johannesevangelium gar nicht gewesen. Ich schaue noch einmal genau hin: Eine Hochzeit findet statt. Mit Gästen, natürlich. Den schönsten Tag im Leben will man doch mit anderen teilen. Will es ihnen und sich selbst gut sein lassen. Da wird nicht gespart, da wird aufgetischt, was Küche und Keller zu bieten haben. Unter den Gästen: Maria, Jesus und seine Jünger. Ein bisschen eigenartig ist das, weil er die ja erst an den beiden Tagen zuvor berufen hatte, schreibt jedenfalls Johannes. Und nun, am dritten gemeinsamen Tag, sind sie schon zu einer Hochzeit eingeladen. Aber so ist orientalische Gastfreundschaft: Wer kommt, ist willkommen. Zwölf Leute mehr – kein Wunder, dass es etwas eng wird. Aber noch hat keiner gemerkt, dass der Wein ausgeht. Fast keiner. Außer Maria. Die wendet sich an Jesus: „Sie haben keinen Wein mehr.“

„Sie haben keinen Wein mehr.“ – Eine dumme Geschichte, wenn das rauskommt. Dumm für die Gäste, die sich amüsieren möchten. Für den Küchenchef, der sich verkalkuliert hat. Ganz dumm für den Bräutigam, dessen Ruf auf dem Spiel steht – knauserig erscheinen bei der eigenen Hochzeit? Bloß nicht! Aber noch hat es keiner, oder: fast keiner gemerkt. „Sie haben keinen Wein mehr“, sagt Maria. Und lässt sich von Jesu brüsker Antwort nicht abschrecken. Vielmehr sorgt sie vor und weist die Diener an: „Was er euch sagt, das tut!“

„Was er euch sagt, das tut!“ – Wie beiläufig klingt das, was doch der Spitzensatz der Geschichte ist. Warum sollten sie? Bisher wusste man doch noch nichts von Jesus, er war einer der Gäste, eingeladen wie alle anderen, zum Fest gekommen mit noch zwölf anderen im Schlepptau. Warum gerade auf den hören? Aber Diener sind es gewohnt, Befehle zu erhalten. Und so gehorchen sie. Erst der Frau, die sie anweist: „Was er euch sagt, das tut!“ Und dann auch Jesus, der sich nun doch äußert. Sechshundert Liter Wasser herbei zu schleppen, das ist allerdings eine Zumutung, und noch dazu bei einem Fest, wo alle nach Essen und Trinken rufen. Trotzdem tun sie, was er sagt.

Noch hat keiner gemerkt, dass der Wein ausgegangen ist. Und es wird auch keiner merken. Denn für Nachschub ist gesorgt. In rauen Mengen. Und in guter Qualität. Keiner hat etwas gemerkt. Nur einer wundert sich – der Küchenchef. Er spricht mit dem Bräutigam, aber eine Antwort erhält er nicht.

Seit diese Geschichte bei Johannes steht, hat man sich über sie den Kopf zerbrochen. Sie irritiert. Ein Ausleger im 19. Jahrhundert hat geschrieben, es sei doch merkwürdig, „daß nämlich Jesus durch dieses Wunder nicht wie er sonst pflegte, irgend einer Noth, einem wirklichen Bedürfniß abhalf, sondern nur einen weiteren Reiz der Lust herbeischaffte; nicht sowohl hülfreich, als vielmehr gefällig sich erwies; mehr nur so zu sagen ein Luxuswunder, als ein wirklich wohlthätiges verrichtete.“[1] Man merkt den Worten des Mannes an, wie peinlich ihm diese Geschichte ist. Ein Luxuswunder! Ganz anders wird dieser Theologe ja über Krankenheilungen geurteilt haben, über Totenerweckungen – da ging es um Leib und Leben. Oder auch über die Speisungswunder – da ging es immerhin um Hunger: Die Leute hatten Jesus stundenlang zugehört, nun sollten sie auch etwas zu essen bekommen, bevor sie ihren weiten Heimweg antraten. Aber das erste, was Jesus – nach Johannes – öffentlich tut, hat mit Alkohol zu tun, und zwar nicht gerade in homöopathischen Dosen. Gütiger Himmel!

Ich finde es bemerkenswert, dass Johannes mit einem Fest anfängt und nicht mit dem Alltag. So wie zu Beginn der Bibel das Buch Genesis das Leben der Menschen mit dem Ruhetag beginnen lässt und nicht mit der Arbeit. Geschaffen am sechsten Tag, erlebt der Mensch erst einmal den Sabbat. Danach sieht man weiter. Bei Gott gehen die Uhren anders, der Kalender beginnt mit der Pause. Und Johannes beginnt mit einer Hochzeit. „Das ist das Leben, wie es nicht jeden Tag ist. Das Leben, wie es sein kann. Das gute Leben. ... Als Jesus sich zum ersten Mal zeigt, als Gast auf einer Hochzeit, herrscht keine Not. Hungrig ist keiner mehr und zu trinken haben auch schon alle gehabt. Aber was, wenn es jetzt nichts mehr geben würde? Am Boden des Bechers blickt ihnen schon wieder ihr Alltagsgesicht entgegen.“[2]

„Das kann doch nicht alles gewesen sein!“ Ich höre diesen Satz immer wieder, nicht nur von den Gästen bei der Hochzeit zu Kana. Er kann auch so klingen: „War es genug? War das alles, Kindheit, Schule, Ausbildung, Hochzeit oder auch nicht, Familie oder auch nicht, Ruhestand, Alter?“[3] Heute kommt aktuell hinzu: „Was lässt uns dieses Corona denn noch bei all den Einschränkungen?“ Auf einmal geht es um mehr als bisher gedacht, geht es ums Ganze, um den Durst nach Leben und die Angst, zu kurz zu kommen. Um die Sehnsucht, genug zu bekommen, um das Verlangen nach Fülle, gerade jetzt, wo so vieles zurückgefahren werden muss.

Vielleicht taugt ja dieser Satz auch gar nicht so viel: „Das kann doch nicht alles gewesen sein!“ Wie wäre es, wenn wir statt nach dem Wie viel? und Wie lange? nach dem Was? und dem Wie? fragen würden?[4] Und zur Antwort bekämen: „Was er euch sagt, das tut!“

„Was er euch sagt, das tut!“ – Höre ich diesen Satz auf der Appell- oder auf der Beziehungsebene? Denke ich gleich an Arbeit – unterwegs im Auftrag des Herrn! – oder daran, dass Jesus sich um die Menschen kümmert, ums Seelenleben und die Gottesbeziehung, aber auch ums Leibliche? Darin ist er sicher ein Jünger des Predigers Salomo, Kohelet. Der schreibt nämlich: „So geh hin und iss dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut; denn dein Tun hat Gott schon längst gefallen. Lass deine Kleider immer weiß sein und lass deinem Haupte Salbe nicht mangeln. Genieße das Leben mit der Frau, dem Mann, den du lieb hast ...“[5]

Jesus kümmert sich, und er hat etwas zu bieten: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“[6], wird er später sagen, Johannes hält es fest. Immer wieder schenkt Jesus, verschenkt sogar sich selbst. Im Fest, das wir mit ihm feiern- das Abendmahl, auch wenn es weniger an eine rauschende Ballnacht erinnert als an die stille, aber intensive Freude des Bewirtet-Werdens und Miteinander-Teilens. Auch wenn wir „Wochen-Ende“ sagen – eigentlich ist der Sonntag der Beginn, feiern wir mit Jesus am Beginn, am ersten Tag der Woche. Zu Beginn, so wie die Hochzeit zu Kana zu Beginn des Wirkens Jesu stand. So gestärkt, mit Brot und  mit dem Getränk der Trauben, der Nahrung des Alltags und dem Zeichen des Festes, so gestärkt lässt sich das Leben bestehen, weil wir tun, was er uns sagt:

"Gast sein einmal.

Nicht immer selbst seine Wünsche bewirten mit kärglicher Kost.

Nicht immer feindlich nach allem fassen –

einmal sich alles geschehen lassen und wissen: Was geschieht, ist gut."[7]

Amen.


[1] David Friedrich Strauß, Das Leben Jesu, Bd. 2, Tübingen 1835, 224.

[2] Kathrin Oxen, Göttinger Predigtmeditationen 2014/4, 118.

[3] A. a. O., 119.

[4] Vgl. ebd.

[5] Koh 9, 7ff. (Luther 2017)

[6] Joh 10,10.

[7] Rainer Maria Rilke, Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke.

Fürbitten

Gott,

von deinen Wundern hören wir.
Wasser hast du verwandelt in Wein.
Kranke hast du gesund gemacht
Und Tote zu neuem Leben geweckt.

Gott, du liebst doch diese Welt
Schau sie an -
So viele Wunder sind zu tun.
Viel zu viele Menschen, die jeden Tag
verzweifelt auf ein Wunder hoffen und das Ende der Pandemie.
Wir bringen Ihre und unsere Not vor dich.

Wir bitten für alle, die sich anstrengen,
Kinder mit dem Lernen zuhause,
Menschen an unsicheren, gefährdenden Arbeitsplätzen.
Wir bringen Ihre Not vor dich.

Wir bitten für alle,
die miteinander leben und doch weit voneinander entfernt sind.
Wir bitten für alle, die allein sind und sich nach Liebe sehnen.
Wir bringen Ihre Not vor dich.

Wir alle wissen um Menschen,
die an ihrer Schmerzgrenze angelangt sind:
weil sie trauern.Wir bitten für Kranke und Erschöpfte.Wir bringen Ihre Not vor dich.

Gott, deine Wunder brauchen wir. Schreite ein.
Und hilf uns, das Unsere zu tun,
dass sie hier und heute geschehen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Sendung

Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. Nehmt euch der Nöte der Heiligen an.

Römer 12,11-13a

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden.

Amen.

Musik zum Ausgang

James Hook - Sonate in Es - Rondo

Piano: Dr. Birgit Kordt - Trompete: Victoria Kordt

Liedtext - Licht, das in die Welt gekommen (EG 552)

1. Licht, das in die Welt gekommen,
Sonne voller Glanz und Pracht,
Morgenstern, aus Gott entglommen,
treib hinweg die alte Nacht;
zieh in deinen Wunderschein
bald die ganze Welt hinein.

2. Gib dem Wort, das von dir zeuget,
einen allgewalt’gen Lauf,
dass noch manches Knie sich beuget,
sich noch manches Herz tut auf,
eh die Zeit erfüllet ist,
wo du richtest, Jesu Christ.

3. Wo du sprichst, da muss zergehen,
was der starre Frost gebaut;
denn in deines Geistes Wehen
wird es linde, schmilzt und taut.
Herr, tu auf des Wortes Tür,
ruf die Menschen all zu dir!

6. Komm, erquick auch unsre Seelen,
mach die Augen hell und klar,
dass wir dich zum Lohn erwählen,
vor den Stolzen uns bewahr.
Ja, lass deinen Himmelsschein
unsres Fußes Leuchte sein!

Licht, das in die Welt gekommen (EG 552)

Piano: Dr. Birgit Kordt