Wir wünschen allen ein gutes und gesegnetes Jahr 2021.

2. Advent - 6.12.2020

"Seht auf und erhebt eure Häupter,
weil sich eure Erlösung naht."
| Lk 21,28b

Sind wir geduldig mit uns und anderen?
Das geduldige Warten fällt leichter, wenn man hofft.
Mit dem Blick nach oben wächst die Hoffnung darauf, dass Gottes guter Plan aufgeht.

Musik zum Eingang

Nun komm der Heiden Heiland - Joh. Gottfr. Walther

Interpretin: Dr. Birgit Kordt

Die zweite Kerze am Adventskranz wird angezündet

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde:             der Himmel und Erde gemacht hat.

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, unserm Herrn und Heiland Jesus Christus. 

Lied (instrumental): Macht hoch die Tür (EG 1,1-5)

Interpretinnen: Victoria Kordt (Trompete), Dr. Birgit Kordt (Piano)

Psalmgebet: aus Psalm 80

Du Hirte Israels, höre, / der du Josef hütest wie Schafe!
Erscheine, der du thronst über den Cherubim

Erwecke deine Kraft
und komm uns zu Hilfe!

Gott Zebaoth, wende dich doch!
Schau vom Himmel und sieh,
nimm dich dieses Weinstocks an!

Schütze doch, was deine Rechte gepflanzt hat,
den Sohn, den du dir großgezogen hast!

So wollen wir nicht von dir weichen.
Lass uns leben, so wollen wir deinen Namen anrufen.

Herr, Gott Zebaoth, tröste uns wieder;
lass leuchten dein Antlitz, so ist uns geholfen. ¶

[gesprochen:]

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Sündenbekenntnis

Guter Gott,

in der Vorfreude auf Weihnachten
schmücken wir unsere Wohnungen und Häuser.
Wir bereiten uns vor.

Wir wünschen uns so sehr,
dass uns unsere Vorbereitung gelingt!

Doch wir sind auch ungeduldig.

Wir bereiten uns vor, guter Gott,
voller Vorfreude auf dich,
und schaffen es oft nicht, zur Ruhe zu kommen.

Wir machen uns auf, die Stille zu finden.

Wir machen uns auf, die Krippe zu finden.

Und wir bitten dich:
Sei bei uns auf diesem Weg,
leite uns aus der Zerstreuung heraus
lass uns dich finden und führe uns dir entgegen.
Dass die Freude in uns langsam wächst.

Erbarme dich unser. Kyrie eleison.

Gnadenzusage

Bei Jesaja lesen wir:

Wir können von unserer Geschäftigkeit ablassen
und die Stille suchen, denn Gott verheißt:

Durch Stillesein und Hoffen werdet ihr stark sein.

Gloria

Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried,
den Menschen ein Wohlgefallen.        

Wir loben, preisn, anbeten dich; für deine Ehr wir danken, dass du, Gott Vater, ewiglich regierst ohn alles Wanken. Ganz ungemessn ist deine Macht, allzeit geschieht, was du bedacht. Wohl uns solch eines Herren!       

Tagesgebet

Dein Atem, ewiger Gott, weht auch durch diese Zeit. Wir bitten Dich: Gib uns Rast in unserer Erschöpfung. Schenke uns ein Aufatmen und Erleichterung in diesem unruhigen Jahr, dass wir Geist und Leben finden bei unserm Herrn Jesus Christus, Deinem Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt jetzt und in Ewigkeit.

Amen.

Lesung aus dem Lukasevangelium (Kap. 21)

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres,

und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.

Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Und er sagte ihnen ein Gleichnis:
Seht den Feigenbaum und alle Bäume an: wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass der Sommer schon nahe ist.

So auch ihr: Wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist.

Wahrlich, ich sage euch:
Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.

Halleluja

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit
und die Völker mit seiner Wahrheit.

Halleluja.

Predigt

von Markus Wessel

von Markus Wessel

Um auf gutem Kurs zu bleiben, muss man manchmal gegensteuern. Dann heißt es, vorübergehend einseitig werden. Wenn Eltern mit ihren Kindern rudern gehen, kann man das beobachten. »Du musst jetzt mehr rechts rudern«, ruft die Tochter ihrem Vater zu. Denn das Boot driftet gerade in die falsche Richtung. Drei, vier kräftige Ruderschläge auf der richtigen Seite, und der Kurs stimmt wieder. Der Jakobusbrief im Neuen Testament ist so eine Kurskorrektur.

Die Christen, an die er gerichtet ist, driften gerade in die Gleichgültigkeit ab. Sie sagen: »Gnade und Glaube, das genügt. Dein Verhalten ist gleichgültig, denn es wird alles verziehen. Leben und Leiden spielen keine Rolle, denn am Ende wird alles gut.« Jakobus hält dagegen:

Nein, ruft er. Denn »ein Glaube ohne Werke ist tot.« Ein Glaube, der das Leben nicht formt und es mit den Problemen nicht aufnimmt, taugt nichts. Fünf Ruderschläge sind nötig, fünf Kapitel, mit denen seine Adressaten wieder auf Kurs kommen sollen. Ruderschlag Nr. 1: Probleme sind kein Grund, an Gott zu zweifeln. Sie sind eine Gelegenheit, in der das Vertrauen sich bewährt. Ruderschlag Nr. 2: Unterschiede zwischen den Gemeindegliedern sind kein Grund, den einen auf- und die andere abzuwerten. Ruderschlag Nr. 3: Die Betonung, wie bedeutend das Tun für den Glauben ist, heißt nicht, dass Worte kraftlos wären. Ruderschlag Nr. 4: Gebote sind wichtig, aber sie sind nicht dazu da, andere zu verurteilen und einen Meinungsstreit damit zu entfachen. Heute ist Ruderschlag Nr. 5 an der Reihe. Die feste Verheißung, dass am Ende alles gut wird, heißt nicht, dass der Weg dahin einfach ist.

Der Predigttext ist aus dem Jakobusbrief:

7Übt euch in Geduld, Brüder und Schwestern, bis der Herr wiederkommt! Seht, wie der Bauer auf die köstliche Frucht seines Ackers wartet: Er übt sich in Geduld –so lang bis Frühregen und Spätregen gefallen sind.8So sollt auch ihr euch in Geduld üben und eure Herzen stärken. Das Kommen des Herrn steht nahe bevor.9Brüder und Schwestern, beklagt euch nicht übereinander, damit Gott euch nicht verurteilt. Seht doch, der Richter steht schon vor der Tür.

10Brüder und Schwestern! Denkt an die Propheten, die ihre Botschaft im Namen des Herrn verkündet haben: Sie sollen euer Vorbild darin sein, Leid zu ertragen und euch in Geduld zu üben.11Seht doch, wir preisen diejenigen glückselig, die standhaft geblieben sind! Ihr habt gehört, wie standhaft Hiob war. Und ihr habt gesehen, wie Gott es bei ihm zu einem guten Ende gebracht hat. Denn der Herr ist voller Mitleid und Barmherzigkeit.

Geduld – „Als Gott die Geduld verteilt hat, war ich leider schon weg. Hat mir zu lange gedauert.“, fällt mir als erstes dazu ein. Eine von vielen Weisheiten, die man im Internet finden kann.

Geduld ist nicht so meine Sache. Mir spuken immer viele Ideen im Kopf herum, was man in unseren Gemeinden noch so alles machen könnte. Aber nur wenige davon kommen wirklich ins Tun. Es fehlt oft einfach die Zeit, in Ruhe drüber nachzudenken und die Geduld, auf den richtigen Zeitpunkt zu warten. – Einfach nichts tun, damit endlich etwas geschieht?

Tatsächlich kann genau dies das Erfolgsmodell sein, das wir brauchen: Eine Idee haben – etwas anfangen – Energie und Liebe in das Projekt investieren – warten und sehen, was daraus wird.

Mir fällt auf, dass mir wirklich oft genau das fehlt: die Geduld, etwas wachsen zu lassen. Dem Wirken Zeit zu geben, so wie es die Bauern damals getan haben. Säen, wirken lassen, ernten. Nicht noch mit dem Unkrautvernichter der letzten Laus den Gar aus machen. Warten. Geduldig sein. Gott Zeit geben, zu wirken.

Die Adventszeit ist so eine Zeit. Advent heißt: Ankunft. Wie oft habe ich schon mit Kindergruppen im Bahnhof gestanden und darauf gewartet, dass endlich der Zug einrollt, mit dem wir unser Ausflugsziel erreichen. Alle paar Sekunden sehe ich dann auf die Uhr, immer zwischen den Fragen der Kinder: „Wann kommt denn endlich der Zug?“ – Der Zug kommt, wenn er kommt. Es hilft nur: warten.

Wie gut, dass es den Advent gibt. Sonst würde Weihnachten ja noch plötzlicher über uns hereinbrechen, als es das ohnehin schon tut. Weihnachten kommt ja immer so unverhofft.

Die Worte von Jakobus sagen aber noch etwas anderes aus: Du hast Zeit, denn Gott wird gewiss kommen. Leg auch ruhig mal die Hände in den Schoß. Stärke doch in der Wartezeit dein Herz durch geduldiges Tun. Du könntest ja auch mal etwas geduldiger mit dem Bruder oder der Schwester sein, die wieder einmal etwas nicht so gemacht hat, wie du es dir vorgestellt hast.

Bleib ruhig und stelle fest, dass du anderen auch eine Menge Geduld abverlangst.

Geduld ist viel mehr als Untätigkeit, möchte ich meinen. Es ist die Kraft der Behutsamkeit und Achtsamkeit. Es ist Gewissheit oder zumindest die Hoffnung darauf, dass Gott all das wirken wird, was gewirkt werden muss. Dafür sollte ich ihm ein wenig Zeit lassen.

Auf den ersten Blick klingt der Briefausschnitt aus Jakobus Kapitel 5 so, als wollte einer sagen: »Kopf hoch! Ihr schafft das schon.« Gut zureden hilft ja manchmal. »So seid nun geduldig, Brüder und Schwestern!« Auf den zweiten Blick steht da aber noch mehr.

Gott sei Dank.

Denn von nichts kommt nichts. Geduld kann ich mir nicht selber machen. Wenn meine eigenen Reserven leer sind, dann brauche ich Nachschub von anderswoher. Ich brauche Argumente, und mehr noch: Ich brauche gute Aussichten. Eine Perspektive, vielleicht eine Art Zeitplan. Denn daraus ziehe ich Kraft zum Geduldig sein.

Jakobus wusste wohl, wie schwierig das mit der Geduld ist. Wenn mir das Ziel unendlich fern vorkommt, ist Erwartungsfreude ganz schwierig. Nicht nur für Kinder. Die große Verheißung eines neuen Himmels und einer neuen Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt, hat keinen Termin. Wie können wir geduldig darauf hoffen? Jakobus wählt einen Vergleich aus der Landwirtschaft: Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und den Spätregen. Halten wir fest: Der Landwirt trägt nichts zum Wachstum bei. Hafer gedeiht nicht schon dadurch, dass jemand darauf wartet. Die Saat reift erst zur Ernte, wenn Sonne und Regen dazukommen. Der Bauer weiß: Die keimende Saat bekommt auf ihrem langen Weg zur Ernte Zwischenversorgung! Verlässliche Regenzeiten und Trockenperioden wechseln einander ab. Gute Zeiten, schlechte Zeiten.

Dieser Advent kann unsere Regenzeit sein nach der langen Trockenheit. Der Blick auf die kleinen Lichter, das Flackern der Kerzen ist der Moment für ein kleines Gespräch mit Gott, der sagt: „Alles wird gut, denn ich bin bei dir. Ich komme immer wieder zu dir. Alle Jahre wieder.“

„Es kommt ein Schiff, geladen bis an sein höchsten Bord.“, singen wir im Advent. Solche voll beladenen Schiffe fahren langsam. Nur mit viel Geduld kommt die Fracht wirklich bei uns an. In voller Fahrt kann ein Schiff nicht anlegen. Es kracht mit Wucht in die Anlegestelle.

Also: Warten wir es ab; geben wir der Adventszeit, der Ankunftszeit, ein wenig Zeit, damit Weihnachten nicht so in uns reinkracht. Geduld - nicht als Zeit des Nichts-Tuns sondern vielmehr als Zeit des Wirken-Lassens.

Advent als Such-Zeit. Zeit, die Ruhepunkte zu suchen, die es braucht, um Gott wiederzufinden.

So lässt sich auch das Beispiel vom Bauern verstehen, den Jakobus als Gleichnis für das Geduldige gewählt hat: Nimm dir Zeit, lass Gott wirken und mach was draus, was gut ist.

2020 ist das Jahr mit einigen Trockenperioden. Spätestens jetzt ist Zeit für eine neue Bewässerung. Lassen Sie uns am Wasser gebaut sein. Empfindsam sein und empfänglich für das, was von Gott kommt.

Lassen Sie die alten Geschichten von Abraham, Josef und Mose auf sich regnen! Lassen Sie ihre Gedanken von den Psalmen umspülen, in denen Sie etwas ausgedrückt finden, das ihnen bekannt vorkommt. Strecken Sie ihre Seelenwurzeln einmal wieder in die Evangelien. Sie finden dort Jesus, wie er Menschen wiederbelebt und erfrischt, deren Inneres ganz verkümmert war. Jetzt ist Zeit dafür. Spätregen im Jahr 2020.

Ich glaube, dass so die Hoffnung wieder zu blühen beginnt und wir nicht gerade nur eben durchhalten, sondern mit Geduld die Zeit meistern. Ich glaube, dass uns das zu Menschen macht, die in dieser unruhigen und unsicheren Epoche anderen wieder etwas Zeit anbieten können. Denn das brauchen wir: Zeit, um Menschen zu werden.

Amen.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Zwischenspiel: Tochter Zion

Interpretin: Dr. Birgit Kordt

Fürbitten

Gott, du kommst und bringst Heil und Leben.

Wir bitten dich:
Lass das Adventslicht denen scheinen,
die im Schatten von Krankheit und Tod leben.

Lass dein Licht in die dunklen Täler dringen,in denen Krieg und Unterdrückung herrschen.

Lass dein Licht die finsteren Winkel ausleuchten,
in denen Missbrauch und Gewalt geschehen.

Lass dein Licht die Nächte der Welt erhellen.In der Stille nennen wir dir, was uns persönlich bewegt.

                   Stille

Sende dein Licht und verwandle die Welt.

Wir beten mit den Worten, die Dein Sohn, Jesus Christus, uns gelehrt hat:

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Sendungswort

Christus ist unterwegs zu uns. Damit wir in unserem Warten nicht ungeduldig, in unserer Vorfreude nicht enttäuscht und in unserer Hoffnung nicht unsicher werden, stärke uns Gott mit seinem Segen:

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.

Amen.

Musik zum Ausgang

Interpret*innen: Vocalconsort Leipzig