Wir wünschen allen ein gutes und gesegnetes Jahr 2021.

1. Sonntag nach Epiphanias

10.1.2021

„Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht,

es hat Hoffnung und Zukunft gebracht,

es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis, Not und Ängsten.

Ist wie ein Stern in der Dunkelheit.“

Schneelandschaft

Musik zum Beginn

Sonate in Es 1. Satz - James Hook

Piano: Dr. Birgit Kordt - Trompete: Viktoria Kordt

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde:             der Himmel und Erde gemacht hat.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit uns allen.

Psalmgebet

Gebet beim Entzünden des Lichts einem Psalm ähnelnd:

Gepriesen seist du, Gott, ewige Güte,
Grund allen Lebens, König der Welt,

du bist nicht im Verborgenen geblieben.

Hat auch schon immer dein Name auf dieser Erde gewohnt,
schon lange uns Menschen bewegt, /

nun hast du dich endgültig offenbart im Weg Jesu von Nazareth.

In ihm hast du gezeigt, wer du bist für deine Geschöpfe:
Licht das aufstrahlt in der Finsternis, /

Sonne voller Gnade und Gerechtigkeit.

Komm uns entgegen im Glanz Jesu Christi,
öffne uns für das Licht seiner Wahrheit, /

dass wir vertraut werden mit deinem Ziel für alle Welt

Erleuchte durch ihn unsere Wege
an diesem Abend und Tag um Tag

bis hin in deine Ewigkeit.

Schauen und hören

Wir schauen und hören auf das, was gewesen ist, die Bilder voll Gewalt, die von den vergangenen Tagen zurückgeblieben sind, die Stimmen, die noch in unseren Ohren und Herzen nachklingen, wir schauen und hören und bitten:

          - Stille -

Wir schauen und hören, was in uns ist: Bilder der Sehnsucht und Hoffnung, eigenes Rufen, persönliche Angst und Bitten, eigene Freude, eigener Dank - wir schauen und hören:

- Stille -

Wir schauen und hören dir, Gott, entgegen. Schenke uns deine Bilder und deine Worte. Lass uns neu schauen und hören:

- Stille -

Schenk uns Deine Barmherzigkeit bitte. Amen.

Gebet

Deiner Güte Gott will ich ein Lied singen.
Wo hält sie sich verborgen?
Im Wettstreit um Größe,
im Kampf der Interessen
tritt sie auf wie ein Kind:

reicht freundlich die Hand,
sagt ja, lächelt und meint dich.-
Geht nicht darüber hinweg!

Habt dieses Vertrauen.
wagt es doch, gütig zu sein,
ihr werdet Wunder entdecken,
spüren, was Freude ist.

Aufleuchten wird Dein Licht, Gott
wenn wir nicht Recht behalten,
wenn wir einander recht geben.

Amen.

Predigt

Predigt zu Mt 4 - von Pfarrerin Hirschberg-Sonnemann

Mt 4, 12-17:

Da nun Jesus hörte, dass Johannes gefangen gesetzt worden war, zog er sich nach Galiläa zurück. Und er verließ Nazareth, kam und wohnte in Kapernaum, das am Galiläischen Meer liegt im Gebiet von Sebulon und Naftali, auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht: (Jes 8, 23) „Das Land Sebulon und das Land Naftali, das Land am Meer, das Land jenseits des Jordans, das Galiläa der Heiden, das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen im Land und Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.“

Seit der Zeit fing Jesus an zu predigen und zu sagen: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.“

Neubeginn.

Taufe und Versuchung liegen erfolgreich hinter Jesus. Es geht schnell in der Abfolge des Kirchenjahres – gerade erst die Geburt Jesu und die Vorstellung des Neugeborenen im Tempel, dann die Flucht nach Ägypten. Nun der Rückzug des schon erwachsenen Jesus nach Galiläa. Hat Jesus Angst um den gefangengenommenen Johannes? Sorge darum, was jetzt vor ihm liegt, weil er doch selbst von Johannes getauft ist und noch deutlicher Unbequemes sagt ?

Aber das ist sie wieder – die Verheißung von Weihnachten:
„Das Volk, das im Finstern saß, hat ein großes Licht gesehen und denen, die saßen im Land und Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.“

Jesus nimmt sich ein Herz und es geht los mit dem Predigen und Heilen. Sich ein Herz nehmen ist eine schöne Redensart. Courage zeigen – das Herz als Ort des Muts und der Entschlossenheit im Menschen.

Entschlossen waren die Menschen in Washington bei ihrem Sturm aufs Kapitol auch, ein Herz haben sie sich nicht genommen. Beherzt sein heißt, es geht um Dinge des Herzens: um liebevolles Mutig sein, eine Veränderung zum Guten. Beim erschreckten Sehen der Bilder der Nachrichten habe ich Abwesenheit des Herzens wahrgenommen, ich sah und hörte nur Wut, Überheblichkeit, Ignoranz und Gewalt.

Hoffentlich nehmen sich viele Menschen in Amerika nun ein Herz, um zu zeigen, dass die Sprache der Wut und Verachtung, der diese Taten in Washington folgten, nicht die Sprache ihres Landes ist. Hoffentlich geschieht dies 2021 nicht nur in Amerika, sondern in vielen Ländern und bei uns.

Eine neue beherzte Sprache, eine Sprache mit Herz.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andere, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

Die Zeilen aus dem Gedicht "Stufen" von Hermann Hesse kommen mir in den Sinn, während ich im Schnee laufe. Endlich Schnee, wir sind nur ein paar hundert Meter hoch gefahren und es ist tief verschneit. In den ersten Tagen des Jahres denke häufig über die bekannten Verse aus Herrmann Hesses Gedicht nach. Das Jahr hat dann noch „unabgelaufene Füße“ * , ich selbst fühle mich noch unabgelaufen. Der Schnee passt für mich zu diesem Gefühl - andere haben vielleicht andere Bilder vor Augen. Die weiße Fläche liegt vor mir – ein reines unbeschriebenes Blatt, noch keine Fußspur.

*[Fulbert Steffensky schreibt: „Vor einiger Zeit besuchte ich mit meiner Enkeltochter eine Freundin, die ein Kind bekommen hatte. Die Enkeltochter sah das Kind lange und bewegt an, und schließlich sagte sie: „Es hat so schöne unabgelaufene Füße.“ So ist es auch mit dem neuen Jahr: es hat so schöne unabgelaufene Füße.“]

Wie ging es wohl Jesus vor Beginn seines Tuns? Unbekannt noch, das Herz bereit.

Was wird das neue Jahr bringen? Wird es 2020 ähnlich? Das vergangene war ein schweres Jahr, geprägt von Krankheit; Sorge und Angst. Für manche von uns von Abschied und Trauer. Andere sind wohlbehalten geblieben und konnten den Veränderungen durch die Pandemie etwas abgewinnen.

Ich laufe an verschneiten Ästen entlang, sinke ein auf dem Feld. Wenig Menschen sind unterwegs.

Raunächte nennt man die Zeit zwischen Weihnachten und dem 6. Januar seit Alters her: Zeit um Bilanz zu ziehen, uns auf das nächste Jahr vorzubereiten, um unser Gespür für das Wesentliche zu schärfen. Einhalten vorm Tun. Erst am 6. Januar zeigt sich in den biblischen Lesungen das erste Mal Jesus verändernde Kraft, sein besonderes Herz.

Vorher war Jesu Licht über dem Stall nur für Eingeweihte zu sehen, jetzt erscheint es -Epiphanie heißt Erscheinung. Es beginnt in unserer dunklen Welt zu leuchten. Genau das haben die drei astrologisch kundigen Weisen in den Sternen gesehen. Sie haben Jesu Weg gesehen als König, Messias, Retter unserer Welt.

Ich laufe mich warm auf meinem Weg im Schnee. Meine Schritte werden schneller. Kalt war mir nur am Anfang, jetzt spüre ich mein Herz schlagen. Ich denke über das vergangene Jahr nach und die Bilder und Nachrichten dieser ersten Tage in 2021.

Sorgenvoll beobachten wir unsere Welt, in der es oft an Herz fehlt und die Härte zunimmt.

Viele Menschen geben zusätzlich zu Gesundheit als Wunsch am Beginn dieses Jahres an: Herzlichkeit , Nähe und Wärme. Dass Abstand nicht Distanz und Kälte bedeutet und wir uns füreinander ein Herz fassen.

„Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.“ sagt Jesus denen, die im Dunkel von Angst und Bedrohung leben.

Das Himmelreich ist nahe; die Verheißungen der Propheten sind erfüllt, auch wenn es schwer war in diesem Jahr Weihnachten nicht in unseren Kirchen zu singen: „O Heiland reiß die Himmel auf“ und „O du fröhliche.“ Metanoia – Buße übersetzt Luther. Buße, das alte Lutherwort meint nicht, sich klein zu machen, grade nicht. Sondern es heißt den Blick wechseln, das Licht sehen. Sich ein Herz nehmen! Das ist mehr als ein Neujahrsvorsatz, mehr als ein Gedanke beim Spazierengehen. Es ist Veränderung. Das Herz ist Ort für Tapferkeit und Mut und ums Herz geht es, wenn Jesus sagt: Tut Buße, seid beherzt, denn das Himmelreich ist doch schon da.“ Kein Himmelreich auf Abstand.

Jesus sagt: „Geht und bringt Herzlichkeit und Herzenswärme in die kalte Welt. Verändert sie. Folgt mir. Ich habe mir ein Herz gefasst und mich zu Euch aufgemacht, ihr könnt mein Licht sehen und meine Wärme spüren.“

Ich mag Schnee, er ist wie immerwährendes Neujahr. Wenn die Welt beschneit ist, wirkt sie neu, unverbraucht, offen für Veränderungen und Neues. Ein leeres Blatt, unabgelaufene Füße, wir setzten vorsichtig die ersten Spuren. Wir fangen neue Kalender an, formulieren Ziele, beten um Veränderung - wir nehmen uns ein Herz.

„Ich habe gehofft, es gibt ein Lied
Das jeder kennt und jeder singt
Auch wenn er mit Musik nichts am Hut hat
Egal ob du beim oben auf fliegen bist
Oder genug hast von all dem Mist
Nimm dir ein Herz und sing Halleluja
Halleluja, Halleluja, Halleluja“

(nach Brings Halleluja)

Singen, denke ich. In 2021 wieder ohne Gefahr gemeinsam singen können - das wäre schön. Bis dahin singe ich allein, im Schnee und an anderen Orten. Nimm dir ein Herz und sing Halleluja - eine gute Überschrift für 2021. Beherzt sein. Das Herz auf der Zunge haben: Liebevoll reden, sorgsam Worte wählen. Sich der Gewalt beherzt entgegenstellen – ob sie digital oder präsent begegnet.

„Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen im Land und Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.“

Gesegnet sei das Neue Jahr,
gesegnet Jesu Namen, (...)
Wir ziehen an ein neues Herz
Und opfern uns dem Herrn,
Kein anderes Geschenk will er,
Als dass wir ihn begehren.

Amen .

(Neujahrssegen aus Irlan

Musikalisches Zwischenspiel

Brich an du schönes Morgenlicht

Piano: Dr. Birgit Kordt

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Wie die Weisen

Prüfen und abwägen
beobachten
berechnen.

Staunen  und forschen
auswählen
verwerfen

Sich aufmachen und dem Stern folgen
nachfragen
ausprobieren.

Den König suchen und vor dem Kind stehennach den Sternen greifenden Menschen finden.

Segen

Gott segne dich und behüte dich.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.

Amen.

Musik zum Ausgang

Jesus ist kommen - Bearb.: Michael Gundlach

Piano: Dr. Birgit Kordt