Die Antwort gibt Gott nicht Karfreitag. Die Antwort gibt Gott Ostern.

1. Advent - 29.11.2020

"Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer."
| Sach 9,9a

Jesus wurde einst mit großem Jubel begrüßt, als er auf einen Esel in Jerusalem einzog. Die Menschen winkten mit Palmzweigen und legten Kleider auf die Straße – wie für einen König. „Macht die Tore weit!“ (Ps 24) heißt es auch im Advent. Es ist die Zeit der inneren Vorbereitung auf diesen besonderen König: mächtig, aber nicht zu fürchten, ein Herrscher, der Recht und Frieden bringt. Er sucht Einlass in mir /uns. Wer auf ihn wartet, hofft auf Frieden und eine gerechtere Welt. Ihn zu begrüßen heißt, die Herzen weit aufzumachen für Gott und die Menschen neben mir.

Aus "Der andere Advent" - 2006/07 Verlag: Andere Zeiten, Hamburg

Musik zum Eingang

Nun komm der Heiden Heiland - Joh. Gottfr. Walther

Interpretin: Dr. Birgit Kordt

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde:             der Himmel und Erde gemacht hat.

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, unserm Herrn und Heiland Jesus Christus. 

Die erste Kerze am Adventskranz wird angezündet

Erster Advent.
 Wir halten Ausschau nach dem Licht, das in die Welt kommen soll.
 Nach Lebendigkeit und Leichtigkeit im Herzen. Nach Gemeinschaft.
 Wir sehnen uns nach dem Tag, an dem diese mühevolle, dunkle Zeit nicht mehr ist.

Mach unsere Vergangenheit hell, Gott. Lass uns lernen, wofür wir dankbar sein können.
 Mach unsere Gegenwart hell.
 Lass uns liebevoll miteinander leben. Mach unsere Zukunft hell.
 Zeig uns, worauf es sich lohnt zu hoffen.

Wir warten und beten.
 Du bist ja lange schon da.
 Mach uns bereit dafür, dir zu begegnen – mit geöffneten Herzenstüre.

Lied (instrumental): Macht hoch die Tür (EG 1,1-5)

Interpretinnen: Victoria Kordt (Trompete), Dr. Birgit Kordt (Piano)

Psalmgebet: Psalm 24 in Frage und Antwort

Sprecher 1

Die Erde und was darinnen ist gehört Gott, der Erdkreis und die darauf wohnen.
Denn er hat alles über den Meeren gegründet und über den Wassern bereitet.

Sprecher 2

Wer darf auf Gottes Berg gehen, und wer darf stehen an seinem heiligen Ort?

Sprecher 1  

Wer unschuldige Hände hat und reinen Herzens ist, wer nicht betrügt und keinen Meineid schwört, der wird den Segen empfangen und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heils.

 

Sprecher 1

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!

Sprecher 2

Wer ist der König der Ehren ?

Sprecher 1

Es ist unser Gott, stark und mächtig, mächtig. Es ist der Herr der Welt;   er ist der König der Ehre.

Sprecher 1 und 2:  

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Tagesgebet

Barmherziger Gott,
 du willst uns nahe sein 

und kommst immer wieder auf uns zu.

Wir bitten dich: Öffne unsere Herzen für deine Nähe
und rede zu uns um deiner Liebe willen.
Amen.

Lesung aus dem Matthäusevangelium (Kap. 21, 1-11)

1 Kurz vor Jerusalem kamen Jesus und seine Jünger nach Betfage am Ölberg. Da schickte Jesus zwei seiner Jünger voraus 2 und sagte zu ihnen:»Geht in das Dorf, das vor euch liegt. Dort findet ihr gleich eine Eselin angebunden zusammen mit ihrem Jungen. Bindet sie los und bringt sie mir. 3 Und wenn euch jemand fragt: ›Was soll das?‹, dann sagt: ›Der Herr braucht sie.‹ Und er wird sie euch sofort geben.« 4 So ging in Erfüllung, was Gott durch den Propheten gesagt hat: 5 »Sagt zu der Tochter Zion: ›Sieh doch:Dein König kommt zu dir! Von Herzen freundlich ist er. Er reitet auf einem Esel, einem jungen Esel –dem Sohn eines Lasttiers.‹« 6 Die Jünger gingen los und machten alles genau so,wie Jesus es ihnen aufgetragen hatte. 7 Sie brachten die Eselin und ihr Junges herbei und legten ihre Mäntel auf seinen Rücken. Und Jesus setzte sich darauf. 8 Und die große Volksmenge breitete ihre Mäntel als Teppich auf der Straße aus. Andere brachen Zweige von den Bäumen ab und legten sie ebenfalls auf die Straße. 9 Die Volksmenge, die vor Jesus herging und die nach ihm kam, rief immer wieder: »Hosanna dem Sohn Davids! Stimmt ein in unser Loblied auf den, der im Namen des Herrn kommt! Hosanna in himmlischer Höhe!« 10 So zog Jesus in Jerusalem ein. Die ganze Stadt geriet in Aufregung. Die Leute fragten sich: »Wer ist er nur?« 11 Die Volksmenge sagte: »Das ist Jesus, der Prophet aus Nazaret in Galiläa.«

 

Halleluja

Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes. *
Unser Gott kommt und schweiget nicht.
Halleluja.

Predigt

von Pfarrer Martin Schwerdtfeger

Predigt zum 1. Advent aus der Pauluskirche Hagen

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Sacharja 9,9-10

Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

Liebe Gemeinde,

Alexander der Große hat mit Klugheit und Geschick sein Königreich Makedonien ausgeweitet bis an den Hindukusch. Er hat Persien und Ägypten erobert und einen Sieg nach dem anderen errungen.

Er war so berühmt, dass sogar der Name seines Pferdes in die Geschichte eingegangen ist: Bukephalos hieß das Pferd, auf dessen Rücken der mächtigste Mann seiner Zeit die Welt im Sturm eroberte! Pferd und Reiter sind auf vielen Denkmälern zu sehen. In Pompeji hat man ein Gemälde gefunden und in Edinburgh gibt es eine Statue mit dem jungen Alexander, der sein Pferd, das sonst niemand reiten konnte, zähmt.

Mit Pferden lassen sich Kriege gewinnen. – Aber wie gewinnt man den Frieden? Mit einem Esel etwa?

Der Esel ist das Reittier des kleinen Mannes. Er gilt bei uns als dumm und störrisch und ist zum Schimpfwort geworden. Doch er kann Lasten tragen. Er merkt, wenn ihm eine Last zu viel wird, und er kann auch im Gebirge sicher gehen.

In der Bibel ist der Esel klüger als die Menschen. Bei Jesaja heißt es: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt’s nicht und mein Volk versteht’s nicht.“ Jesaja 1,3

Deshalb gehören Ochse und Esel zu unseren Krippendarstellungen.

Und als Bileam Israel verfluchen soll, bleibt sein Esel auf dem Weg stehen, weil der den Engel Gottes sieht, der vor ihm steht. Gott verleiht ihm menschliche Sprache und der Esel sagt dem Seher, was Gott von ihm will. So segnet Bileam Israel statt es zu verfluchen.

In der christlichen Kunst trägt ein Esel die schwangere Maria nach Bethlehem und auf der Flucht nach Ägypten.

Auf einem Esel reitet Jesus also in Jerusalem ein. Nicht auf einem Schlachtross. Das Füllen einer Eselin ist auch zu klein, um Waffen dabei zu haben. Sie würden auf dem Boden schleifen.

Und die Menschen in Jerusalem erinnern sich an Sacharjas Worte und rufen: „Hosianna“. Das ist gleichzeitig eine Bitte um Hilfe und ein Jubelruf, weil Gott Hilfe bringt.

Der neue König kommt auf einem Esel, mit dem man keine Schlacht gewinnen kann, dafür aber den Frieden?

Eine Antwort findet sich auch bei Sacharja: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen.“ Sacharja 4,6

Jesus ist arm und reitet auf einem Esel in die Straßen von Jerusalem. Ein Gerechter und ein Helfer, der Frieden bringt. Dafür setzt er sein Leben ein und eine neue Haltung. Er spricht von der Liebe, die auch dem Feind gilt. Er wirbt für Vergebung und Solidarität. Er lädt zu einem neuen Leben ein: Urteilt nicht! Richtet nicht! Helft zum Leben!

Im Advent stoßen wir wieder auf die Sehnsucht nach Frieden. Das geht, den Bogen abzulegen und die giftigen Pfeile, die wir manchmal abschießen möchten. Befreiung soll kommen, nicht im Kampf, sondern durch das Wort von der Liebe Gottes, das gehört wird und von der Tat, die diese Liebe weitergibt von Mensch zu Mensch.

So braucht Gott für seine Weltrettung Esel. Esel, über die wir zuweilen stöhnen, denen wir lieber aus dem Weg gehen, mit denen kein Staat zu machen ist. Es sind solche, die nicht locker lassen und beharrlich für eine Sache eintreten.

Noch heute versuchen die „Alexanders“ der Welt, Länder und Macht zu erbeuten und in ihren Besitz zu nehmen. Nur, dass statt Pferd und Schwert jetzt Panzer, Bomben und Raketen die Städte verwüsten. – Dazu setzen Drohnen die Schwelle der Anwendung von Gewalt herab, weil man die Opfer nicht mehr sieht.

Ich wünsche uns für diesen Advent, dass das Bild vom Friedenskönig auf dem Esel in uns lebendig wird und sich Raum schafft: Raum in uns und Raum durch uns – für unser Leben, für unser Miteinander und für eine Welt, in der die Grenzen sich wieder öffnen und in der eine Krise das Miteinander fördert und nicht das Gegeneinander schürt.

Vor 75 Jahren hat in Nürnberg der Prozess gegen Kriegsverbrecher begonnen. Zum ersten Mal in der Geschichte standen die Spitzen eines Staates vor Gericht und wurden angeklagt wegen der schwersten Verbrechen, die die Weltgeschichte bis dahin erlebt hatte: Entfesselung eines Angriffskrieges, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Sie wurden persönlich haftbar gemacht für das, was sie getan hatten.

Ohne Nürnberg gäbe es heute keinen Internationalen Strafgerichtshof, wären Kriegsherren aus Serbien, Kroatien oder aus Ruanda wegen Massenmord, Folter und Vergewaltigung nicht bestraft worden; würde auch Völkermord heute nicht als Straftat geahndet.

Im Konflikt mit der Macht muss sich das Recht behaupten. Es kann die Macht nicht immer überwinden, aber es kann ihr doch Grenzen setzen.

Benjamin Ferencz, 100 Jahre alt, ist der letzte lebende Chefankläger der Nürnberger Prozesse. Er sagt: „Meine Botschaft an zukünftige Generationen lautet: Lasst die Waffen schweigen und verschafft dem Recht Gehör. Und für den Weg dorthin, würde ich ihnen noch drei weitere Botschaften mitgeben: Gebt niemals auf! Gebt niemals auf! Gebt niemals auf!“

Diese Sehnsucht verbinden wir mit Jesus, der uns zu Hilfe kommt. Amen.

Zwischenspiel: Tochter Zion

Interpretin: Dr. Birgit Kordt

Fürbitten

Gott, wir danken dir für diese nun beginnende Zeit des Advent. In Worten und Zeichen sollen wir erfahren: Du bist zu den Menschen gekommen in deinem Sohn.  Darum bitten wir dich für jede und jeden, der lebt, und rufen dich an:

R:      Kyrie eleison

Wieviel Dunkel umgibt die Menschen unserer Tage. Wieviel Kälte spüren besonders die Armen und Erniedrigten. Komm und bringe dein Licht in unsere Mitte, Gott. Lass es hell werden und warm durch deine Gegenwart unter den Menschen. Und mach uns alle zu Überbringern deines freundlichen Lichts - Wir rufen dich an:

R:      Kyrie eleison

Wieviel Unruhe erfüllt gerade diese Wochen vor dem Fest. Wieviel Streit und Krieg müssen wir auch dieses Jahr mit ansehen. Komm mit deinem Frieden, Gott, in unsere Herzen und Häuser, überall in der Welt. Nimm alle Hetze der Menschen fort. Überwinde das Gegeneinander aus deiner Versöhnung. Und mach alle von uns zu Boten deines gewährten Friedens - Wir rufen dich an:

R:      Kyrie eleison

Wieviel Angst plagt die Menschen und lässt sie eng werden. Wieviel Zweifel ist da und wie wenig Vertrauen. Komm, Gott, und rufe deine Hoffnung in uns wach. Gib Mut, es mit der Liebe zu wagen. Stärke unseren schwachen Glauben mit deiner Verheißung. Und mach uns alle zu Trägern deiner großen Hoffnung - Wir rufen dich an:

R:      Kyrie eleison

Wieviel Einsamkeit finden wir bei Alten und bei Jungen. Wieviel Leere und Sehnsucht versteckt sich hinter Geschäftigkeit. Gott, komm und schaff Freude, die zur Gemeinschaft verbindet. Gib uns mit deiner Erfüllung einen offenen Blick für die Not und ein fröhliches Herz, das weiterschenken kann. Und mach alle von uns zu Zeugen deiner tiefe Freude - Wir rufen dich an:

R:      Kyrie eleison

Ja, lass dein Licht und deinen Frieden, deine Hoffnung und deine Freude wirksam werden, in uns und durch uns, jetzt und zu jeder Zeit. Wir strecken uns aus nach deinem Reich und rufen zu dir durch Jesus Christus, unsern Bruder und Herrn.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Sendungswort

Christus ist unterwegs zu uns. Damit wir in unserem Warten nicht ungeduldig, in unserer Vorfreude nicht enttäuscht und in unserer Hoffnung nicht unsicher werden, stärke uns Gott mit seinem Segen:

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir Frieden.

Amen.

Musik zum Ausgang

Interpret*innen: Vocalconsort Leipzig