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Sonntag, 7. Juni 2020 - Trinitatis

Musik zum Eingang

Liebster Jesu, wir sind hier - Joh. G. Walther

Orgel: Dr. Birgit Kordt

Votum

Im Namen Gottes, Ursprung und Ziel unseres Lebens,
im Namen Jesu Christi, Grund unserer Hoffnung,
und im Namen der heiligen Geisteskraft, die unser Miteinander lebendig macht.

Amen.

Zu Psalm 113

Wir wünschen uns,
dass der Name Gottes ein Segen sei,
jederzeit, heute und an jedem Tag,
überall, hier und an jedem Ort,
daß alles den Namen Gottes lobe.

Denn Gott ist über allem und in allem
und richtet die Geringen auf aus dem Staub
und hebt die Armen aus dem Schmutz der Erniedrigung.

( A. u.W. Armbrüster)

Bitte

Vater, Sohn und heiliger Geist:
Vor dich bringen wir unsere Gedanken,
unsere Zweifel, Ängste und Bitten.

Vor dich bringen wir unsere engen Grenzen,
die kurze Sicht, unser kleines Stück Leben –
wandle du es in Weite.

Vor dich bringen wir unser verlorenes Zutrauen,
unsere Ängstlichkeit, unser verschlossenes Herz,
wandle du es in Wärme.

Vor dich bringen wir unsere Ohnmacht,
unser schwaches Selbstvertrauen,
alles, was beugt und lähmt,
wandle du in Stärke. 

Wir bitten: Herr, erbarme Dich!

Zusage:

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Tagesgebet

Großer Gott, du hast Himmel und Erde erschaffen;
Deine Herrlichkeit erfüllt das  Weltall.
Du bist unter uns gewesen in Gestalt eines Menschen,
du hast in deinem Sohn Jesus Christus
unser Leben und Sterben geteilt.

Dein Geist wohnt in uns und hält uns lebendig;
Deine Liebe und deine Freundlichkeit
umfängt unser Leben.

Wir loben und preisen dich, den Dreieinigen
jetzt und in Ewigkeit.

Amen. 

Lesung

Lesungstext: Joh 3, 1-13

Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster der Juden. Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.

Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag das zugehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du bist Israels Lehrer und weißt das nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und ihr nehmt unser Zeugnis nicht an. Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sage? Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn.

Predigt

Pfarrerin Katrin Hirschberg-Sonnemann

Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt.

„Man muss natürlich wissen, das Glück ist ein flüchtiger Vogel. Er setzt sich bisweilen auf deine Schulter und beschenkt dich mit seiner Gegenwart, aber er ist ganz schnell wieder weg“ sagte der verstorbene Musiker Udo Jürgens einmal in einem Interview. Eines seiner vielen Lieder erzählt vom „Glück des Augenblicks“.

Ein kleines Wort voll Herzlichkeit
Die Wärme der Geborgenheit
Der Klang
des Kinderlachens
Die Blume dort am Wegesrand
Der Halt, den du bei schwerem Stand
erfährst
von Freundeshand
Was auch je uns treffen könnte
Immer neu gibt's Glücksmomente

Ich höre von einer Frau die nach einem Gottesdienst in der Sakristei erscheint, um dem Pfarrer in bewegten Worten für den Gottesdienst zu danken. Sie habe seit vielen Jahren keine Kirche mehr von innen gesehen, aber heute habe ihr die Verzweiflung bis zum Hals gestanden, sie habe ständig mit Selbstmordgedanken kämpfen müssen, und da sei sie einfach den Glocken gefolgt und habe die Kirche aufgesucht. Sie müsse ehrlich gestehen, daß sie sich zunächst gar nicht wohl gefühlt habe, alles sei ihr fremd und ungewohnt gewesen. Auch von der Predigt habe sie leider wenig verstanden, sie sei wohl zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen. Schon habe sich ihrer ein tiefes Enttäuschungsgefühl bemächtigt, aber da, ganz am Schluss, da habe sie den Pfarrer  mit erhobenen Händen am Altar stehen sehen, und da habe er etwas gesagt, was sie wie ein Lichtblitz getroffen habe, und auf einmal sei ein tiefer Friede in sie eingekehrt, das Gefühl, daß ihr doch eigentlich gar nichts passieren könne – und sie sein einen Augenblick lang glücklich gewesen.

Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir
Und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich
Und gebe dir  + Frieden.

So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.“ ( 4 Mose 6, 22-27)

Mir geht es ähnlich wie dieser Frau. Als Gottesdienstbesucherin könnte ich auf manches im Gottesdienst verzichten, auch auf die Predigt – auf den Segen nie. Er ist mir das allerwichtigste. Er bedeutet einen Augenblick Glück.

Wir werden gesegnet an den großen Momenten unseres Lebens.  Bei der Taufe  und auf dem Weg ins Erwachsenwerden, wenn wir mit dem Menschen, den wir lieben und mit dem wir unser Leben teilen wollen, vorm Altar stehen, und manchmal auch, bevor wir uns auf dem Weg ins ewige Leben machen. Bei Schulanfängen und -wechseln spielt der Segen eine Rolle, vor Reisen und Aufbrüchen. Segen wird geschenkt, zu - gesprochen, die Erinnerung an die Hand auf dem Kopf) bleibt oder das Kreuzzeichen mit dem Finger auf die Stirn und in die Handfläche gezeichnet.

Ein Augenblick Glück, Besonderheit , Gemeint-Sein, Angesehen,  Gott und dem Segnenden nah. „Was auch je uns treffen könnte - ... Glücksmomente“.

Ein Freund fragte mich nach Pfingsten: Und wie fühlt sich der Geist jetzt an, der Tröster von dem Jesus spricht? Ich spüre ihn im Segen.

Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen.

Segen und Glück scheint zusammen zu gehören. Glück wird spürbar im Augenblick des Segens. Glück sagen schon die griechischen Philosophen -erfahren wir als Verschonung und Geschenk von Unversehrtheit, aber auch als Zufriedenheit und Erfüllung. Beides wünschen wir in der Verbindung von Glück und Segen am Geburtstag. Um beides bitten wir Gott im Segen.

Ich erinnere mich an einen Moment tiefer Traurigkeit, in der ich mich schuldig und verzweifelt gefühlt habe. Eine Freundin hat mir, wir waren beide Mitte 20, Gottes Segen zugesprochen. Sie hat mich ermutigt, Gott im Gebet mit ihr gemeinsam zu erzählen, was mich belastet und dann hat sie einfach ihre Hand auf meinen Kopf gelegt und gesagt: Gott sieht Dich und Jesus liebt Dich. Hab keine Angst, spür seinen Geist. Er segnet Dich, es wird gut.

Ich weiß noch wie es in mir warm wurde und wie berührt ich war.  Meine Freundin ist keine Theologin gewesen, nicht Pfarrerin geworden – sie glaubt bis heute fest und sicher und wusste für mich dass dieser Segen genau in diesem Augenblick wichtig war. Wenn wir wieder näher miteinander umgehen dürfen, dann wünsche ich vielen Menschen so einen Augenblick Glück. 

In einem Kloster auf einem Berg ist an jedem frühen Freitag morgen der persönliche Segen Teil der Liturgie. An jeder Seite der Kirche steht eine Schwester, zu der ich kommen kann und um den Segen bitten. Sie sieht mich an fragt wofür ich besonders Segen brauche und nennt meine Bitte nochmal für Gott, legt mir die Hände auf und zeichnet das Kreuz. „Der Herr segne Dich und behüte Dich, der Herr lasse sein ...“

Ich gehe anders aus der Kirche als ich gekommen bin.

Ein Augenblick Glück im Gottesdienst

Ein Augenblick Glück im Gottesdienst -

ist für uns dieser Segen, den Aaron, Moses Bruder, zuerst gesprochen hat.

Aaron war Priester und Gott hat diese Segensworte ihm damals und denen, die mit ihm Priester waren, als Aufgabe gegeben. „So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.“

Gott segnet und behütet, er sieht uns an mit seinem Gesicht aus Gnade und Licht, er bleibt mit seinem Blick auf uns und gibt uns Frieden, Zufrieden sein.

In der jüdischen Gottesdienstliturgie haben die Worte des Priesters Aarons ihren Ort am Ende des 18 – Bittengebets, aber vielleicht hatten sie auch immer schon einen Platz über den Gottesdienst hinaus im alltäglichen Leben. In der Nähe von Jerusalem wurden zwei sehr alte winzige Silberamulette gefunden, auf denen sich Worte des aaronitischen Segens finden. Die Amulette konnten an einer Schnur am Hals getragen werden. Ganz nah am Hals und damit am Herz - Gottes Segen.

Wenn wir uns wieder von der Kirche, Gottes besonderem Raum, trennen müssen, dann sagt uns der Segen mit den Worten des Aaron, dass Gottes Gesicht trotzdem uns zugewandt bleibt. Über den Augenblick des Segens hinaus. Auf dem Weg hinaus aus dem Gottesdienst wieder zurück in den Alltag „läßt der aaronitische Segen das lichtvolle, huldreiche Angesicht aufgehen“ ( M. Josuttis).

Gott geht mit nach Hause.

Udo Jürgens erzählt von vielem aus seinem Leben in diesem Interview mit der „Zeit“ vor sechs Jahren, von vielen Augenblicken der Euphorie und den Abstürzen und von der immerwährenden Suche nach dem, was bleibt, Sinn und Zufriedenheit gibt.

Das Glück des Augenblicks:
Die Perlen uns'rer Lebensschnur
Sie schimmern hell, doch flüchtig nur
Vorbei
so schön sie waren
Wie kurz er sei, der Augenblick
Verleih' ihm Dauer, nimm dein Glück
zu dir
Bewahr' ein Stück
Lass  uns aus vergangnen Tagen
Funken in uns weitertragen

Die Frau ist nach dem Gottesdienst auf dem Weg nach Hause,
verwundet ist sie gekommen - auf der Suche nach vielem: Hoffnung, Trost, Mut, Kraft. Fast schon wäre sie enttäuscht gegangen, unverändert. Doch dann: die  Worte des Segens aus vergangnen Tagen, vertraut und warm. Das Gefühl ist geblieben, auch jetzt.

Segen ist viel mehr als ein Augenblick Glück.

Amen.

Fürbitte

Vater, Sohn und Heiliger Geist, wir bitten dich:
segne uns.

Segne unser Tun und Lassen, unser Reden und Schweigen.

Segne uns, wenn jemand uns braucht, segne uns, wenn wir jemanden brauchen.

Segne die, die niemand mehr anzusprechen wagt und die, die nichts mehr sagen.

Segne die mittendrin und die, die sich schon lange auf Abstand fühlen. 

Segne die Traurigen und die Glücklichen, Gesunde und Kranke.

Segne alle bei uns und weltweit, denen es an Lebensnotwendigen fehlt:

an Gesundheit, Nahrung, an Heimat, an Liebe, an Frieden.

Stifte Frieden unter uns Menschen dass keiner dem anderen das Atmen je nimmt. 

Dein Segen komme zu ihnen und zu uns. 

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne und behüte Dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leichten über Dir und sein Dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht über Dich und schenke Dir Frieden. 

Amen. 

Musik zum Ausgang

Adagietto in A - Léon Boellmann

Orgel: Dr. Birgit Kordt

Lied - Komm, Herr, segne uns

1. Komm, Herr, segne uns,
dass wir uns nicht trennen,
sondern überall
uns zu dir bekennen.
Nie sind wir allein,
stets sind wir die Deinen.
Lachen oder Weinen
wird gesegnet sein.

2. Keiner kann allein
Segen sich bewahren.
Weil du reichlich gibst,
müssen wir nicht sparen.
Segen kann gedeihn,
wo wir alles teilen,
schlimmen Schaden heilen,
lieben und verzeihn.

3. Frieden gabst du schon,
Frieden muss noch werden,
wie du ihn versprichst
uns zum Wohl auf Erden.
Hilf, dass wir ihn tun,
wo wir ihn erspähen -
die mit Tränen säen,
werden in ihm ruhn.

4. Komm, Herr, segne uns,
dass wir uns nicht trennen,
sondern überall
uns zu dir bekennen.
Nie sind wir allein,
stets sind wir die Deinen.
Lachen oder Weinen
wird gesegnet sein.

Text und Melodie: Dieter Trautwein 1978