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Sonntag Rogate - 17. Mai 2020

Musik zum Beginn

Bach - Präludium in B

Piano: Dr. Birgit Kordt

Foto: Gottesdienst Institut Nordkirche

Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde,
da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen.
Zuletzt wurde ich ganz still.

Ich wurde, was womöglich noch ein größerer Gegensatz zum Reden ist,
ich wurde ein Hörer.

Ich meinte erst, Beten sei Reden.
Ich lernte aber, dass Beten nicht bloß Schweigen ist,
sondern hören.

So ist es: Beten heißt nicht, sich selbst reden hören.
Beten heißt: still werden und still sein und warten,
bis der Betende Gott hört.                                                         

Sören Kierkegaard (1813-1855) Theologe in Kopenhagen 

Eingangsgebet

Ewiger Gott,
Dank sei Dir, dass wir uns in unseren Anliegen an Dich wenden können.
Gib uns jeden Tag neu das dazu nötige Vertrauen.
Lass uns Worte finden für das, was wir von Dir erhoffen, für die Kraft und die Hilfe, die wir von Dir erbitten, von Dir allein.
Gib, dass wir das nie vergessen.

Lehre uns beten.
Durch Jesus Christus unseren Herrn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit.
Amen.

Psalm 28

Wenn ich meine Hände falte
Wenn ich mit dir rede, Gott,
bitte antworte, damit ich dich höre.

Denn wenn ich nichts von dir höre,
dann geht es mir so wie denen,
deren Leben gähnend leer ist.

Höre mich, wenn ich schreie oder flüstere.
Höre mich, wenn ich meine Hände falte.

Ich möchte nicht so werden wie die,
die etwas sagen und etwas ganz anderes denken;
deren Leben ist einfach falsch;
denn sie achten nicht auf deine Worte
und lernen nichts aus deinen Werken.

Ich danke dir, Gott,
ich weiß, dass du mich hörst.
Du bist mein Rückhalt,
für meine Seele bist du eine kugelsichere Weste. 

Nun bin ich wieder froh.
Das habe ich dir zu danken.
Am liebsten würde ich jetzt tanzen
und eine Melodie erfinden, die dir Freude macht. 

Steh allen bei, die an dich glauben,
fülle unser Leben mit Inhalt und Zielen
und zeige uns die Quelle für neuen Mut. 

(nach P. Spangenberg)

Predigt

Pfarrerin Katrin Hirschberg-Sonnemann

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde, 
ein Talmudschüler fragt seinen Rabbi: "Rabbi, darf man beim Beten rauchen?"
"Oh, nein!", antwortet der Rabbi entsetzt.

Sein Kamerad hat dies beobachtet und sagt seinem Freund: "Pass mal auf, das musst Du so machen! Ich zeig es Dir, wenn etwas Zeit vergangen ist."
Nach zwei Wochen blinzelt der Freund seinem Kamerad zu und fragt den Rabbi: "Rabbi, darf ich auch dann beten, wenn ich eine Zigarette rauche?"
"Oh ja!", antwortet der Rabbi erfreut.

(Quelle: Internetseite der alten Synagoge Hechingen, Gedenkstätte)

Wie recht unsere Vorgänger*innen im Glauben haben: Beten kann man auch beim Rauchen! Es gibt so viele Formen und Möglichkeiten zu beten.
Welche waren Ihre/ Eure in den vergangenen Wochen?
Das Gebet der Sorge und der Bitte um Bewahrung?
Für einige von uns sicher die Bitte darum, noch etwas Zeit zu haben mit einem lieben Menschen und dann die Bitte darum, dass er und sie bei Gott geborgen ist.

Die Bitte um Kraft wenn Situationen schwierig waren.

Viele von uns haben das Vater unser gebetet, manche täglich. Die Worte, die Jesus uns gegeben hat, sind seine Anleitung zum Beten. Das Vater unser birgt viele Gefühle - allein schon durch seinen Klang und die Vertrautheit: Geborgenheit, Trost, Kindheitserinnerungen. Es ist ein Zuhause. Übrigens dauert ein Vaterunser ca. 30 Sekunden, was der empfohlenen Dauer des Händewaschens entspricht – statt zweimal Happy birthday einmal Vater unser.

Es gibt so viele Arten zu beten: im Sitzen, im Stehen oder  Liegen, beim Laufen  oder Wandern, im Knien. Allein, mit mehreren  oder sehr vielen. Jeder für sich und durchs Internet doch verbunden. Laut, gesungen , leise oder ganz still.

In dem  Buch „Beten – ein Selbstversuch" probiert ein Kollege 50 Formen des Betens aus ( Lit. Klaus Douglas, Beten- ein Selbstversuch, 2011)  – jeden Tag eine. Vielleicht war das Beten beim Rauchen auch dabei.

Der dänische Theologe und Philosoph Sören Kierkegaard hat  vor 150 Jahren auch einen Selbstversuch beim Beten unternommen:

Er schreibt:

„Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde, 
da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen. 
Zuletzt wurde ich ganz still. 

Ich wurde, was womöglich noch ein größerer Gegensatz zum Reden ist, 
ich wurde ein Hörer. 

Ich meinte erst, Beten sei Reden. 
Ich lernte aber, dass Beten nicht bloß Schweigen ist, 
sondern hören. 

So ist es: Beten heißt nicht, sich selbst reden hören. 
Beten heißt: still werden und still sein und warten, 
bis der Betende Gott hört.“

Warten, bis Gott uns Betende hört ....

Das ist gar nicht leicht. Jeden Tag eine andere Form beten auszuprobieren, beim tanzen, singen, laufen, redend und in Aktion  ist unserem Leben oft näher.

Nicht bloß schweigen, sondern hören, warten. Kierkegaard schreibt, es braucht Zeit – sozusagen: von Gebet zu Gebet auf Gott hören lernen. Warten ist auch nicht leicht in dieser Zeit. Und hören im Gewirr der verschiedenen Meinungen schwer.

Die Unterscheidung, was ist Gottes Stimme, ist wichtig. Manchmal ist so viel zu hören in mir und um mich,  dass ich lieber beim Vater unser bleibe. Jesus' „Wenn ich nicht mehr weiter weiß“-Gebet. Manchmal traue ich mich aber auch zu eigenen Formen und dann helfen Erfahrungen von anderen, die vielleicht schon mehr Übung im Hören und Warten haben.

Andere, die  uns erzählen, wie sie versuchen ein „Hörer, eine Hörerin  Gottes“ zu werden. Wie der König Salomo in einer  Geschichte aus dem alten, ersten Testament.

Gerade in diesen Tagen, wo wir auf der Strasse und im Netz sehen und lesen, wie achtungslos unsere dunkle deutsche Geschichte benutzt wird, hören wir Christinnen und Christen besonders auf den Teil der Bibel, den wir mit Menschen jüdischen Glaubens haben.

Aus dem 1 Könige Buch ( 1. Kön 3, 5-15)

Und der HERR erschien Salomo zu Gibeon im Traum des Nachts, und Gott sprach: Bitte, was ich dir geben soll! 
Salomo sprach: Du hast an meinem Vater David, deinem Knecht, große Barmherzigkeit getan, wie er denn vor dir gewandelt ist in Wahrheit und Gerechtigkeit und mit aufrichtigem Herzen vor dir, und hast ihm auch die große Barmherzigkeit erwiesen und ihm einen Sohn gegeben, der auf seinem Thron sitzen sollte, wie es denn jetzt ist. 
Nun, HERR, mein Gott, du hast deinen Knecht zum König gemacht an meines Vaters David statt. Ich aber bin noch jung, weiß weder aus noch ein. 
Und dein Knecht steht mitten in deinem Volk, das du erwählt hast, einem Volk, so groß, dass es wegen seiner Menge niemand zählen noch berechnen kann. 
So wollest du deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, dass er dein Volk richten könne und verstehen, was gut und böse ist. Denn wer vermag dies dein mächtiges Volk zu richten? 
Das gefiel dem Herrn, dass Salomo darum bat. 
Und Gott sprach zu ihm: Weil du darum bittest und bittest weder um langes Leben noch um Reichtum noch um deiner Feinde Tod, sondern um Verstand, auf das Recht zu hören, 
siehe, so tue ich nach deinen Worten. Siehe, ich gebe dir ein weises und verständiges Herz, sodass deinesgleichen vor dir nicht gewesen ist und nach dir nicht aufkommen wird. 
Und dazu gebe ich dir, worum du nicht gebeten hast, nämlich Reichtum und Ehre, sodass deinesgleichen keiner unter den Königen ist zu deinen Zeiten. 
Und wenn du in meinen Wegen wandeln wirst, dass du hältst meine Satzungen und Gebote, wie dein Vater David gewandelt ist, so will ich dir ein langes Leben geben. 
Und als Salomo erwachte, siehe, da war es ein Traum.

„Warten, bis der Betende Gott hört.“ Gott kommt wie eine gute Fee und  Salomo hat Wünsche frei.  

Was wär mir doch alles eingefallen...

Aber Salomo, König, Sohn Davids bittet nur um eines: hören können.

„Ich weiß weder aus noch ein. ( ...) So wollest du deinem Knecht ein gehorsames Herz geben.“ Salomo wünscht sich „verstehen zu können, was gut und was böse ist“. Um Salomo war auch ein Gewirr von Stimmen und Meinungen. Gott hört seine Bitte und er bekommt ein „weises und verständiges Herz“ geschenkt. Dadurch kann er  Hören und Verstehen was Gott, sagt – deshalb wird er zum Weisen König Salomo.

Wir warten auf mehr Erkenntnisse über ein unbekanntes Virus, auf die Entwicklung eines Impfstoffes, die Entdeckung von Medizin, die wirklich hilft, und es ist vielen nicht leicht.

Nachdem wir den ersten Wochen ohne viel Stimmengewirr aus Angst denen gefolgt sind, die versucht haben, weise, richtig in der schwierigen Situation zu handeln, wissen inzwischen viele besser, was angeblich richtig ist. Warten und gemeinsame gesellschaftliche Verabredungen ist schwerer geworden. Oft höre ich  die Frage, was denn die Kirche zu all dem meint - man würde so wenig hören, was sich von den Aussagen der Regierenden unterscheidet. Vielleicht sind wir als Christinnen und Christen bemüht darum, keine vorschnelle angebliche Lösung zu wissen, sondern wie Salomo festzustellen, dass es schwer ist zu verstehen, was gut ist. Salomo macht die Erfahrung, dass, wenn er wartet , hört – hier im Traum, aber sonst auch in seinem Leben, dass Gott zu ihm spricht.

„Ich wurde, was womöglich noch ein größerer Gegensatz zum Reden ist, 
ich wurde ein Hörer. 

Ich meinte erst, Beten sei Reden. 
Ich lernte aber, dass Beten nicht bloß Schweigen ist, 
sondern hören. 

So ist es: Beten heißt nicht, sich selbst reden hören. 
Beten heißt: still werden und still sein und warten, 
bis der Betende Gott hört.“ ( Sören Kierkegaard).

Sonntag Rogate in einer wieder lauter werdenden Welt, in der das warten und hören auf Gott nicht leicht ist und nicht den lauten, schnellen Weg zu wählen: jeden Tag eine neue, andere, aufregende Form des Gebets als Selbstversuch, sondern das Vater unser in unser Händewaschen zu nehmen, mehrmals am Tag und Kiekegaards Erfahrung zu folgen: Zu warten, bis wir Gott hören, wenn wir uns Sicherheit und Trost in Traurigkeit und Verlust wünschen und  wir versuchen unseren Alltag mit Vorsicht aber ohne Angst verantwortlich anderen gegenüber zu gestalten.

Salomo weiß, dass Gott spricht , wenn wir warten und hören.

„Wo wohnt Gott?

Mit dieser Frage überraschte der Kozker einige gelehrte Menschen, die bei ihm zu Gast waren. Sie lachten über ihn: „Wie redet ihr? Ist doch die Welt seiner Herrlichkeit voll!“ Er aber beantwortete die eigene Frage: „Gott wohnt, wo man ihn einläßt.“

(M. Buber: Hundert chassidische Geschichten)

Amen . 

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbitte

Gott des Himmels und der Erde,
deiner Güte vertrauen wir unser Leben an
und die Menschen, mit denen wir leben:
unter einem Dach, in einer Straße,
in einer Familie, in der Gemeinde.

Wir denken an die Kranken
und an die, welche besorgt um sie sind.

Wir denken an die Trauernden,
an ihre Erschöpfung und Angst vor dem Alleinsein;

wir denken an die Belasteten,
an Gebeugte, Unsichere, Suchende,
an die, die sprachlos geworden sind vor dir Gott.

Gib ihnen Mut,
die Kraft deiner Hoffnung.

Gott,

wir bringen unsere Welt vor dich,
die kleine Welt,
die wir mit Schritten durchmessen können,
und die große Welt,
von der wir nicht viel mehr wissen,
als Namen, Schlagzeilen.

Bewahre, Gott, die Menschen,
die Leidenden, die Verletzten, die Verstörten.

Sei du bei ihnen.

Dein Sohn hat uns seine Stimme gegeben - mit seinen Worten beten wir

Vater Unser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Segen ströme in alle Ecken dieser Welt.

Erfülle die Krankenzimmer und Wohnzimmer mit Gottesglanz.

Segen umleuchte jedes Herz.

Damit die Hoffnung wachsen kann

im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. 

Musik zum Ausklang

How Firm A Foundation

Piano: Dr. Birgit Kordt

Lieder


Ich singe dir mit Herz und Mund

1. Ich singe dir mit Herz und Mund,
Herr, meines Herzens Lust;
ich sing und mach auf Erden kund,
was mir von dir bewusst.

2. Ich weiß, dass du der Brunn der Gnad
und ewge Quelle bist,
daraus uns allen früh und spat
viel Heil und Gutes fließt.

3. Was sind wir doch? Was haben wir
auf dieser ganzen Erd,
das uns, o Vater, nicht von dir
allein gegeben werd?

4. Wer hat das schöne Himmelszelt
hoch über uns gesetzt?
Wer ist es, der uns unser Feld
mit Tau und Regen netzt?

7. Ach Herr, mein Gott, das kommt von dir,
du, du musst alles tun,
du hältst die Wach an unsrer Tür
und lässt uns sicher ruhn.

13. Wohlauf, mein Herze, sing und spring
und habe guten Mut!
Dein Gott, der Ursprung aller Ding,
ist selbst und bleibt dein Gut.

10. Wenn unser Herze seufzt und schreit,
wirst du gar leicht erweicht
und gibst uns, was uns hoch erfreut
und dir zur Ehr gereicht.


Meine engen Grenzen

Herr, erbarme dich!

1. Meine engen Grenzen,
meine kurze Sicht
bringe ich vor dich.
Wandle sie in Weite, Herr, erbarme dich! (2x)

2. Meine ganze Ohnmacht,
was mich beugt und lähmt
bringe ich vor dich.
Wandle sie in Stärke, Herr, erbarme dich! (2x)

3. Mein verlornes Zutraun,
meine Ängstlichkeit
bringe ich vor dich.
Wandle sie in Wärme, Herr, erbarme dich! (2x)

4. Meine tiefe Sehnsucht
nach Geborgenheit
bringe ich vor dich.
Wandle sie in Heimat, Herr, erbarme dich! (2x)