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Gottesdienst zum Sonntag Misericordias Domini

Pfarrerin Hirschberg-Sonnemann - Lesung: Sabine Peddinghaus

Musik zum Beginn

Boellmann - Versette in B

Piano: Dr. Birgit Kordt

Morgengebet

Wir bekennen uns zu dir, denn du bist der Ewige, unser Gott und der Gott unserer Vorfahren, für immer und ewig.

Der Fels unseres Lebens, der Schild unseres Heils bist du von Generation zu Generation.

Wir wollen dir danken und deinen Ruhm verkünden wegen unser Leben, die in deine Hand gegeben, und unsere Seelen, die die anvertraut sind, und wegen der Wunder, die uns täglich begleiten, und wegen der Zeichen und Wohltat, die zu allen Zeiten, abends, morgens  und mittags, mit uns sind.

Allgütiger, dein Erbarmen hat kein Ende, Allbarmherziger, deine Gnade hört nicht auf.

Seit jeher hoffen wir auf dich. Amen.

(aus: Jüdisches Gebetbuch)

Psalm

Der HERR ist mein Hirte.
Mir fehlt es an nichts.

Die Weiden sind saftig grün.
Hier lässt er mich ruhig lagern.

Er leitet mich zu kühlen Wasserstellen.
Dort erfrischt er meine Seele.

Er führt mich gerecht durchs Leben.
Dafür steht er mit seinem Namen ein.

Und muss ich durch ein finsteres Tal,
fürchte ich keine Gefahr.

Denn du bist an meiner Seite!
Dein Stock und dein Stab
schützen und trösten mich.

Du deckst für mich einen Tisch
vor den Augen meiner Feinde.

Du salbst mein Haar mit duftendem Öl
und füllst mir den Becher bis zum Rand.

Nichts als Liebe und Güte begleiten mich
alle Tage meines Lebens.

Mein Platz ist im Haus des HERRN.
Dorthin werde ich zurückkehren –
mein ganzes Leben lang!

(aus: Basisbibel)

Lesung aus dem Johannesevangelium (10, 1-10)

Lektorin: Sabine Peddinghaus

Lesung, Joh. 10, 1-10

Christus spricht: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Räuber. Der aber zur Tür hineingeht, der ist der Hirte der Schafe. Dem macht der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme; und er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgelassen hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm nach; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm; denn sie kennen die Stimme der Fremden nicht. Dies Gleichnis sagte Jesus zu ihnen; sie verstanden aber nicht, was er ihnen damit sagte. Da sprach Jesus wieder: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben ihnen nicht gehorcht. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein und aus gehen und Weide finden. Ein Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und umzubringen. Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge.

Predigt zum 1. Petrusbrief (1. Petr 2, 18-25)

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

„Klima schützen, Fluchtursachen stoppen.“ steht auf dem beschriebenen Bettlaken in grüner und orangener Farbe. Mit dem Bild ist diese Nachricht verbunden: „Gleich wird es –statt Ostermarsch- im Fenster hängen.“ Ein Ostergruß am Ostersonntag, der mich daran erinnert hat, wie lange ich schon nicht mehr mitgelaufen bin auf dem Ostermarsch für Frieden, Bewahrung der Schöpfung und eine gerechtere Welt.

Schade – im Gefängnis des Alltags habe dich diese Form der Osterfeier fast vergessen.

Dabei bin ich als Jugendliche in den 80 er Jahren sehr selbstverständlich mit dem christlichen Engangement in der Friedensbewegung groß geworden. Es gehörte zu meinem Erwachsen werden dazu. Der für mich erste Kirchentag in Hannover, lila Tücher und  singend in der Strassenbahn, Demonstrationen gegen die Stationierung von Massenvernichtungswaffen, eingestrickte Friedenstauben auf dem Pullover, viele politische Diskussionen  im Unterricht der Schule aber auch beim Predigtnachgespräch nach den Gottesdiensten. Andere christliche Musik - Gitarre oder Band, andere Lieder.

„Herr deine Liebe ist wie Gras und Ufer, wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus“. Besonders im Kopf habe ich  die Zeile: „Unser versklavtes ich ist ein Gefängnis und ist gebaut aus Steinen unsrer Angst.“

Die Steine unserer Angst sind mir viel begegnet in den vergangenen Wochen. Auf Pflastersteine sind Abstände gemalt für die Wartenden - und wenn jemand die nicht genau einhält wird oft hart und nicht liebevoll darauf hingewiesen. Angst bringt nicht nur neue Formen von distanzierter Nähe hervor sondern frisst oft auch Gelassenheit und Vertrauen. "Angst essen Seele auf." - Angst versteinert weiss das Lied und mauert uns ein, macht gefangen und unfrei, versklavt.

Mahnungen an die Sklaven im 2. Kapitel des 1. Petrusbrief :

18 Ihr Sklaven, ordnet euch in aller Furcht den Herren unter, nicht allein den gütigen und freundlichen, sondern auch den wunderlichen. 19 Denn das ist Gnade, wenn jemand um des Gewissens willen vor Gott Übel erträgt und Unrecht leidet. 20 Denn was ist das für ein Ruhm, wenn ihr für Missetaten Schläge erduldet? Aber wenn ihr leidet und duldet, weil ihr das Gute tut, ist dies Gnade bei Gott. 21 Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen;(...) . Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. 25 Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Da ist jemand schon wieder sehr in der Wirklichkeit angekommen nach Ostern: es ist nicht alles leicht und unverwundbar geworden für den Briefschreiber. Der Hirte Jesu ging voran, aber den Fußspuren ist schwer zu folgen. Für Sklaven damals besonders:

Ducken, leise leiden, nicht auffallen, christlicher Glaube in abhängiger Position war lebensbedrohlich.

Luther konnte die Petrusbriefe nicht leiden – deshalb sind sie ganz hinten in unserer Bibel: Zuviel Ethik, zuviel Anweisungen zum richtigen Leben, zu wenig Rechtfertigung und Gnade.

Aber sich richtig zu verhalten war überlebenswichtig für die Leser*innen des Petrusbriefs und für Menschen, die als Slaven leben mussten besonders.

Sklaverei gibt es  bis heute .

Manchmal schaffen versklavte Menschen die Flucht aus solchen furchtbaren Lebenssituationen, manchmal bis zu uns in der Hoffnung auf Schutz und freies Leben .

„Unser versklavtes ich ist ein Gefängnis und ist gebaut aus Steinen unserer Angst“-

Die Ostermärsche sind klein geworden. Gerechtigkeit? Jedes Land sorgt zuerst  für sich für ausreichende Schutzkleidung. "Americas first" statt: "Die letzten werden die ersten sein."

Auch die Bewahrung der Schöpfung ist leise geworden – war ausgesetzt wegen der akuten Virusgefahr, am vergangenen Freitag vorsichtiger Neubeginn.  

Hier in der Sicherheit eines demokratischen, freien Landes mit garantiertem Recht auf Religionsausübung ohne einen Nachteil frage ich mich: Wie hält man durch als Christ in einer Welt, die Christsein verfolgt – nicht nur mit Verachtung  oder Belustigung sondern mit harten Strafen: Verlust von Besitz, Ansehen, Freiheit, Verlust vom Leben. Christliche Nachfolge hat da noch einen ganz anderen befrohlichen Ton.

Unser Erleben heute ist anders als das der Menschen damals, die als Sklavinnen und Skaven leben mussten – aber die Grundfrage bleibt:

Wie Ostern erhalten, bewahren – nach Ostern? Wie Erlösung leben in einer unerlösten Welt, wie etwas für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung  tun wenn wir vor Angst gerade alle unser Leben herunterfahren?

Gefangenes, versklavtes Ich – hoffentlich ist unser Mundschutz-Tragen ein Ausdruck von liebervoller Fürsorge für unsere Mitmenschen und nicht gebaut aus Steinen der Angst nur um nur unsere eigene Gesundheit.

„Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer, wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus“ –

Der 1. Petrsubrief spricht vom Heimkehren, Umkehren zum Hirten unserer Seele. Das hilft gegen Steine der Angst. Sonntag des Guten Hirten nennt man diesen Sonntag evangelisch auch. In der Lesung für die nun neu beginnende Woche spricht Jesus im Johannesevangelium von den Gefahren, die uns umgeben. Fremde Stimmen die es nicht gut mit uns meinen.

Die Welt wird nach Ostern nicht hell und klar, aber wir können Jesus  spüren, ihm vertrauen - denn so sagt  Jesus es: "Ich bin Euch nicht fremd. Ihr kennt jetzt meine Stimme."

Vertraute Stimmen, vertraute Lieder helfen mir wenn ich Angst habe, mich nicht mehr heraustraue aus meinen eigenen Mauern. Lieder von damals aus meinen ersten  Kirchentagszeiten, gesungen gegen die Angst vor einem Atomkrieg und dem Haß der Großmächte und vor Krankheiten nach einm Reaktorunglück.

Kriege und Mächte und Krankheiten tragen andere Namen heute, die Angst bleibt. Aber die Lieder zum Ansingen gegen die Angst auch!

Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Den Bonner Hofgarten 83 vor Augen  habe ich damals fest daran geglaubt, dass wir eine Chance haben durch unser Engagement die Welt friedlicher und gerechter zu machen, so wie Gott sie gemeint hat. Es ist nicht immer leicht an diesem Glauben festzuhalten, die Welt ist ungerecht und unfriedlich geblieben, das Klima bedroht wie nie und die Slaverei gibt es noch immer.  

Wieder heil – als  „alles wieder gut“ gibt es nicht. Wir ahnen jetzt in der Bedrohung durch ein unbekanntes Virus – "alles wieder gut" wird es auch nach der Entwicklung eines Impfstoffes nicht geben .

Heil werden heißt die Richtung wissen, Jesus zugehörig sein in einer verwirrenden Welt. Heil werden heißt – Ostern, also den weggerollten Stein vor den Füßen, wenn wir versteinern vor Angst.

 

Auch wenn Luther Jesus im Petrusbrief manchmal nicht erkennen konnte, ich höre seine Stimme darin deutlich.

Jesus Stimme erkennen und wissen, dass sie die richtige ist – das ist für mich Leben nach Ostern. Denn Gottes Stimme klingt liebevoll, nach einem festen Ufer wenn es schwer ist und nach Zuhause, nach Freiheit, Wind und Weite.

Amen.

Lied: Herr, deine Liebe

Piano: Dr. Birgit Kordt

1. Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer, 
wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus. 
Frei sind wir, da zu wohnen und zu gehen. 
Frei sind wir, ja zu sagen oder nein. 

2. Wir wollen Freiheit, um uns selbst zu finden, 
Freiheit, aus der man etwas machen kann, 
Freiheit, die auch noch offen ist für Träume, 
wo Baum und Blume Wurzeln schlagen kann. 

3. Und dennoch sind da Mauern zwischen Menschen, 
und nur durch Gitter sehen wir uns an. 
Unser versklavtes Ich ist ein Gefängnis 
und ist gebaut aus Steinen unsrer Angst. 

4. Herr, du bist Richter! Du nur kannst befreien, 
wenn du uns freisprichst, dann ist Freiheit da. 
Freiheit, sie gilt für Menschen, Völker, Rassen, 
so weit, wie deine Liebe uns ergreift.

Fürbittengebet

Jesus, du findest den Weg zu uns und Du weißt ihn für uns.
Wir gehören zu Dir.

"Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln."
Dass genug da ist, das wir nicht zu kurz kommen,
hilf uns das zu glauben und Dir zu vertrauen.
Und hilf uns, diese Sicherheit  weiterzugeben, damit auch andere sie  spüren.

"Er weidet mich auf grüner Aue und führet mich zu frischem Wasser.“ Neues, weites Land. Nicht die ausgetretenen Pfade.
Hilf uns jetzt und später neue Wege zu finden, dass deine erfrischenden Worte zu den Menschen kommen, die sie brauchen.

"Und ob ich schon wanderte im finstern Tal fürchte ich kein Unglück“ Wenn es eng wird, Sorge und Angst mich lähmen- lass mich deine Worte hören: Ich bin bei dir.
Schenk du uns Kraft aus deiner Auferstehung.

"Denn du bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich.“ Wenn mich Fremdes erschreckt, ich den Weg nicht mehr sehen kann, lass mich sicher wissen:
Dein Hirtenstab ist es, der führt und schützt.

"Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde." Sich einer Gefahr gewachsen fühlen und gelassen sein - wie viel Stärke uns das gibt.
Jesus, mach unseren Mut und unsere Liebe groß, das Feinde zu Freunden werden.

"Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.“ Du heilst und sorgst- sei jetzt bei allen, die deine Heilung und Sorge brauchen, wir bitten  besonders für Erkrankte und Trauernde.

"Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang“ Hilf uns - gerade jetzt in besonderer Bedrohung - die Erfahrung des Psalmbeters nicht zu vergessen.
Schenk uns Glauben trotz Krankheit und Angst und Umsicht und Fantasie in neuen Formen des Miteinanders. 

"... und ich werde blieben im Hause des Herrn immerdar.“ Lass uns nicht verloren gehen.
Jesus, du findest den Weg zu uns und Du weißt ihn für uns.

Wir gehören zu Dir und beten mit Deinen Worten:

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Segen ströme in alle Ecken dieser Welt
Erfülle die Krankenzimmer und Wohnzimmer mit Gottesglanz.

Segen umleuchte jedes Herz.

Damit jede noch so kleine Hoffnung wachsen kann
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen. 

Musik zum Ausklang: Segne und behüte

Piano: Dr. Birgit Kordt

Gemeindelied

Wer nur den lieben Gott lässt walten

Piano: Dr. Birgit Kordt

1. Wer nur den lieben Gott lässt walten
und hoffet auf ihn allezeit,
den wird er wunderbar erhalten
in aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut,
der hat auf keinen Sand gebaut.

2. Was helfen uns die schweren Sorgen,
was hilft uns unser Weh und Ach?
Was hilft es, daß wir alle Morgen
beseufzen unser Ungemach?
Wir machen unser Kreuz und Leid
nur größer durch die Traurigkeit.

3. Man halte nur ein wenig stille
und sei doch in sich selbst vergnügt,
wie unsers Gottes Gnadenwille,
wie sein Allwissenheit es fügt;
Gott, der uns sich hat auserwählt,
der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.

7. Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,
verricht das Deine nur getreu
und trau des Himmels reichem Segen,
so wird er bei dir werden neu;
denn welcher seine Zuversicht
auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

Text und Melodie: Georg Neumark (