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Sonntag, 24.5.2020 - Exaudi

Musik zum Anfang

Was Gott tut, das ist wohlgetan, J.-G. Walther

Piano: Dr. Birgit Kordt

Eröffnung

Uwe Appold

Mit allem, was wir in der vergangenen Woche erlebt haben,
was uns erfreut oder das Herz schwer gemacht hat,
mit allem, was uns einigt und was uns trennt,
kommen wir heute zu dir, Gott,
und bitten um deinen heiligen und heiligenden Geist,
dass wir erleichtert werden und das Leben wieder spüren,
dass wir Freude teilen und darin Reichtum erleben,
das bitten wir
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. 

Amen. 

Zu Psalm 27

Du
bist die Kraft meines Lebens
vor wem sollte mir bangen

Wenn unerträgliche Tage nicht enden wollen
wenn mein Atem der Hoffnung zu ersticken droht
wenn alles sinnlos und leer erscheint
Suche ich umso mehr
nach Berührungspunkten mit Dir
wenn auch hier sich im Moment
keine Spur abzeichnet
so bin ich einfach da
versuche Deine Abwesenheit auszuhalten
Bilder von Dir loszulassen
um Dich neu zu entdecken
um Dir neu begegnen zu können

Kommst Du mir entgegen

(Nach Psalm 27,2 - Pierre Stutz)

Tagesgebet

Du hast Leben und Tod mit uns geteilt.
Deine Auferstehung feiern wir;
sie ist unsere Hoffnung.

Du bist „aufgefahren in den Himmel“
– das bekennen wir.
Lass uns nicht unsicher und hilflos in dieser Welt zurück.
Sondern stärke uns durch den Geist der Wahrheit,
den du verheißen hast.

Mit ihm und dem Vater wirst du gerühmt in Ewigkeit.

Amen.

Evangelium (Joh. 16, 5-15)

Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? Doch weil ich dies zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden. Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.

Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in aller Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er nimmt es von dem Meinen und wird es euch verkündigen.

Predigt

Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen.

Liebe Gemeinde ,

„Exaudi ist eine Hängepartie. Für die Jünger, für die Gemeinde und für Predigende“ schrieb mir gestern eine Freundin und Kollegin, als ich sagte: „Ich fühle mich so leer, da ist Vakuum für die Predigt.“

Vakuum – leerer Raum, nicht gefüllt.

So ein Raum ist der Sonntag Exaudi. Nun ist die Osterzeit richtig vorbei.
Jesus hat unsere Welt verlassen; ist „aufgefahren in den Himmel“.  Himmelfahrt  beendet die Osterzeit, es folgt das  Fest, an dem  wir Gottes Geist  feiern – Pfingsten, Aber jetzt ist der Geist noch nicht da. 

Exaudi ist Zwischenzeit – Vakuum, nicht gefüllt.  Jesus ist nicht mehr Teil unsere Welt, der heilige Geist als Tröster, als Nähe Gottes angekündigt, aber noch nicht anwesend nicht spürbar- nicht mal ein Hauch.

Zwischenzeit -

Ein Sonntag, um ein wenig Rückblick zu halten auf diese Osterzeit, zu überlegen, was wichtig geworden ist in den le Wochen der Corona Pandemie .

Ostern - ohne Kirche, Kantate ohne Singen -
Leiser, vorsichtiger, ungewohnter Osterjube.

Die Infektionszahlen sind zurückgegangen, viele rufen jetzt nach „Normalität“. Manchmal scheint es als wäre  das unbekannte Virus, vom dem wir vieles immer noch nicht wissen, weit weg, dann aber plötzlich gestern die Nachricht: Viele  Ansteckungen bei einem Gottesdienst in Frankfurt und bei Restaurantbesuchen in Niedersachsen. Normalität? 

Ich lese, dass das Virus die Länder erreicht in denen kein Gesundheits- und Sozialsystem und hoher medizinscher Standard und wirtschaftliche Stärke schützt.

Zeit zum ungebrochenen Loben ist keine.  

Die Bibel hat viele Lobgesänge. Im Rückblick auf  zurückliegenden Tage und heute denke ich an einen besonderen Lobgesang.

Der Lobgesang des Tobias. Ein Text fürs Vakuum, für's dazwischen - denn  das Buch Tobias ist nicht in den biblischen Büchern. Es ist ein Apokrypher Text, ein Buch, in derselben Zeit  entstanden wie viele  Bibelbücher, ihnen ähnlich und trotzdem gehört es zum Inhaltsverzeichnis nicht dazu. Apokryphe Bücher sind im  luftleeren Raum geblieben – dazwischen, nicht einsortiert.

Das Buch Tobias, oder auch Tobit genannt, ist etwas jünger als das Buch Hiob. Es  erzählt wie Tobias  in Ninive sehr reich wird, Ärger mit dem Herrscher  bekommt und fliehen muss. Er darf später wieder nach Ninive zurückkehren,  erblindet aber und wird ausgeschlossen. Tobias hält alles aus - das Vakuum in Spott und Einsamkeit und Blindheit  und  bleibt Gott treu. Er wird geheilt - alles wird wieder gut. Wie im Märchen.

Am Ende seines Lebens singt er Gott ein Loblied (Buch Tobias, 13. Kapitel, Vv. 1-5+8f):

Der alte Tobias aber tat seinen Mund auf, lobte Gott und sprach:  

Groß bist du, Herr, in Ewigkeit und dein Reich währt immerdar; denn du züchtigst und heilst wieder; du führst hinab zu den Toten und wieder herauf, und deiner Hand kann niemand entfliehen. 

Ihr Israeliten, lobt den Herrn, und vor den Heiden preist ihn! Denn darum hat er euch zerstreut unter die Völker, die ihn nicht kennen, damit ihr seine Wunder verkündigt und die Heiden erkennen lasst, dass kein allmächtiger Gott ist als er allein.  

Er hat uns gezüchtigt um unsrer Sünden willen, und um seines Erbarmens willen wird er uns wieder helfen.  

Darum bedenkt, was er an uns getan hat; mit Furcht und Zittern preist und rühmt ihn, der ewig herrscht, mit euren Werken! 

Ich aber will mich von Herzen freuen in Gott.

Lobt den Herrn, all ihr seine Auserwählten, haltet Freudentage und preist ihn.

Vieles in diesem Lobgesang ist fremd, weit weg von unserer Welt. Tobias hat noch eine ganz klare Logik in seiner Weltordnung: Gott  hat uns gezüchtigt um unserer Sünden willen und um seines Erbarmens willen wird er uns wieder helfen. Wir erleben die Welt anders – es sind zu oft nicht diejenigen, die Gewalt und Unheil begründen, die es erleiden müssen. Es gibt zu oft keinen logischen Zusammenhang von Tat und Folge, auch jetzt nicht – die Weltordnung von Tobias ist schon lange zerbrochen.  „Alles wird gut“ – das gibt es fast nur im Märchen.

Unser Leben wechselt sich ab in den unterschiedlichen Zeiten. Und Tobias gleich sagen wir – in keiner der Zeiten, auch nicht dazwischen, nicht mal im Vakuum – wenn alles  Lebensnotwenige entzogen wäre - ist Gott fern. Gott ist da – und ich würde gern glauben, dass er kein strafender Gott ist.

Ein Vers in diesem Lobgesang ist mir besonders wichtig geworden in der zurückliegenden Osterzeit und den folgenden Wochen - als österliche Freude und fröhliches Singen schwer war. Es ist der Vers 5:

Darum bedenkt, was er an uns getan hat; mit Furcht und Zittern preist und rühmt ihn.

Der Lobgesang des Tobias  ist kein fröhliches, ungetrübtes naives  Rühmen und Loben, sondern eines mit „Furcht und Zittern.“

„Alles wird gut“  passte gut unter oder über den Regenbogen, aber „Alles wird gut“ hat nicht die ganze Geschichte des Bogens erzählt; nicht den Beginn der Sintflut. Tobias lobt unsicher, fragend -  denn er  hat erleben müssen wie ihm alles Lebensnotwendige entzogen wurde: Gesundheit, Nähe, Anerkennung. Er bleibt auch im Vakuum bei Gott – wie die Namensgeber anderer biblischer Bücher: Hiob, Jeremia, Jesaja, wie Jesus .

Glauben für Fortgeschrittene – denke ich. Widersprüche, Paradoxe aushalten im Gespräch mit Gott: „Warum hast DU....?“

Loben mit Furcht und Zittern . Und er ist trotzdem ein Lobgesang. Denn wir wissen, dass Gott hört wenn wir rufen – Exaudi: „Höre, Gott, meine Stimme – wende mir zu dein Angesicht!“ Deshalb beten wir heute: „Gott ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?“ mit dem Psalm.

Ein Lobgesang mit Furcht und Zittern – Vertrauen, Glauben steht gleich neben der  Angst, dass wir verlassen, gott-verlassen sind. Das ist die Angst der Jünger an Himmelfahrt, die ein Leben mit Jesus hier kannten: Verlassen zu sein. Sie brauchen den Geist als Tröster.  
„Exaudi ist eine Hängepartie. Für die Jünger, für die Gemeinde und für Predigende.“

Jung noch war Sören Kierkegaard. als er versuchte seinen  Glauben und seine Philosophie  in einem kleinen Buch aufzuschreiben. Er denkt, fühlt und  benennt die Widersprüche: Gnädig und allmächtig ist Gott, verborgen und zugewandt. Kierkegaard  lässt das unterschiedliche Erleben Gottes stehen und gelten. „Glaube beginnt gerade da, wo das Denken aufhört.“, schreibt er und nennt sein Buch: „Furcht und Zittern.“.

Sonntag Exaudi  - Höre Gott! Die Bitte bleibt stehen, denn erst Pfingsten ist Ende des Vakuums und wird das Versprechen von Himmelfahrt eingelöst: Es wird der Tröster kommen, das ist der Geist!

Und der Geist Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbittengebet

Gott, du hast uns die Nähe deines Geistes zugesagt.
Zu Dir kommen wir mit unseren Ängsten und Sorgen.
Du trittst für uns ein, wenn wir nicht beten können.
Sei mit deinem Geist bei allen, die in Krieg und Gewalt Leben müssen,
die stumm und hoffnungslos geworden sind.

Sei mit deinem Geist bei allen, die erschöpft sind und abgestumpft,
die nicht mehr an deine und unsere Liebe glauben können.
Sei bei denen, die einsam sind, die keinen Menschen haben,
der ihr Leben und ihre Fragen teilt.

Sei bei allen, die heimatlos sind – ohne Heimat oder nirgendwo mehr zuhause.
Sei bei denen, die krank sind - und bei denen die heilen und pflegen.  

Gott, du hast uns die Nähe deines Geistes zugesagt.
Wir  beten für die Verstorbenen. Nimm du sie in Gnaden an und  schenke ihnen ewiges Leben bei dir.
Wir  bitten wir dich für die Zurückgebliebenen, dass du sie tröstest mit deiner Kraft und Nähe.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Vater , breite über uns deine Hände aus.

Jesus, geh unsern Weg mit und führ nach Haus. 

Geist atme in uns und mach uns frei,

dass Gott, dein Segen bei uns sei. 

Amen. 

Musik zum Ausgang

Wer nur den lieben Gott lässt walten, J.-G. Walther

Piano: Dr. Birgit Kordt

O komm, du Geist der Wahrheit - EG 136

1. O komm, du Geist der Wahrheit,
und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit,
verbanne Trug und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer,
rühr Herz und Lippen an,
dass jeglicher getreuer
den Herrn bekennen kann.

3. Unglaub und Torheit brüsten
sich frecher jetzt als je;
darum musst du uns rüsten
mit Waffen aus der Höh.
Du musst uns Kraft verleihen,
Geduld und Glaubenstreu
und musst uns ganz befreien
von aller Menschenscheu.

4. Es gilt ein frei Geständnis
in dieser unsrer Zeit,
ein offenes Bekenntnis
bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben,
trotz allem Heidentum
zu preisen und zu loben
das Evangelium.

7. Du Heilger Geist, bereite
ein Pfingstfest nah und fern;
mit deiner Kraft begleite
das Zeugnis von dem Herrn.
O öffne du die Herzen
der Welt und uns den Mund,
dass wir in Freud und Schmerzen
das Heil ihr machen kund.

Text: Philipp Spitta (1827) 1833