Willkommen!

Gottesdienst Ostersonntag - 12. April 2020

Katrin Hirschberg-Sonnemann

Begrüßung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.

Herzlich willkommen zu Ostern in der Dahler Kirche, in der sonst viele im Gottesdienst  zuhause sind. Jetzt gerade bleiben sie und wir zuhause und haben diesen und andere Orte im Herzen.

Ostern passiert  ganz unabhängig vom Ort, Ostern braucht keine Kirchen oder Gemeinderäume.

Ostern passiert in uns,
Ostern fällt nicht aus oder wird verschoben.
Ostern findet schon lang inmitten von Gefahr und Bedrohung statt.

Ostern ist gerade deshalb auch immer schon:
Freude!

Ein Psalm der Freude: Psalm 118

Du bist mein Lied, bist meine Macht,
ich singe dir vor Freude.
Dein Tag durchbricht die Todesnacht,
dein Tag, ja, Gott, ist heute. 

Und weil ich aus dir leben kann,
danke ich dir und fange an,
von deinem Tun zu künden. 

Du bist mein Lied, bist meine Macht,
hast mich schon oft gerettet,
aus Krankheit Heilung mir gebracht,
in Not mich sanft gebettet.

Auch wenn ich stöhne unter Last,
die du mir nicht erlassen hast,
so blieb ich doch am Leben.

Du bist mein Licht, bist meine Macht,
tust Wunder ohnegleichen,
hast Leidenschaft in mir entfacht
mit deinen Liebeszeichen.

So fügst du den verworfnen Stein
auch in mein Herz als Eckstein ein -
er soll mich tragen, halten. 

Du bist mein Lied, bist meine Macht,
das will ich weitergeben.
Du bist die Sonne, die mir lacht,
so kann ich fröhlich leben. 

Schon ist dein Tag - und wird zugleich:
bis du, Gott, kommst mit deinem Reich,
lass, was ich tu, gelingen.

( Text: Eugen Eckert, möglich zu singen zur Melodie eg 293: Lobt Gott, den Herrn, ihr Heiden all) 

Predigt-Impuls

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater und unserm auferstandenen Jesus Christus. Amen.

Liebe Menschen im Volmetal und an anderen Orten,
in meinem Arbeitszimmer hängt mein Lieblingsbild und heute, Ostersonntag, ist es mit hier in der Dahler Kirche. Die Kirche ist noch Baustelle, wir renovieren Dach und Gebälk und freuen uns auf die Zeit in der wir wieder hier sein können. Freude auf eine Zeit, in der „Wieder“ vieles möglich ist, ist an vielen Stellen dieses Jahr unsere Osterfreude.

Capar David Friedrichs – Bild „Winterlandschaft mit Kirche“ ist nicht weit von hier zuhause, im Dortmunder Museum, das auch geschlossen hat zur Zeit.
Die Landschaft schneebedeckt. Ein Wanderer angekommen. Die Stützen, die er zum Gehen gebraucht hat, achtlos weggeworfen in den Schnee.

Der Mensch hat Halt an einem großen Stein vor dem Bild von Jesus. Er sieht zu ihm hoch - vieles zielt in die Höhe auf dem Bild: das Kreuz, die hohen schmalen Tannen dahinter, die Kirche am Himmel im Hintergrund. Die kleinen Kreuze auf den Türmen – Haus Gottes im aufgehenden Licht. Selbst die Steine im Schnee sind spitz nach oben geformt.

Caspar David Friedrich hat in Bildern von seinem Glauben erzählt. Hier besonders. Alles im Bild weist zu Gott, und viele Symbole erzählen von Ostern. Der Stein erinnert an den, der weggerollt war vorm Grab. Tannen sind immergrüne Zeichen für ewiges Leben. Die fünf schmalen Türme und die Bäume ragen in den Himmel, an dem das Licht wie am Ostermorgen vorsichtig hell wird.

Für mich wirkt alles von oben her verwandelt.

Von Verwandlung spricht auch ein Ostertext im 15. Kapitel des Korintherbriefes, dort schreibt Paulus:

„Brüder und Schwestern, das ist ganz sicher:
Menschen aus Fleisch und Blut können nicht in Gottes neue Welt gelangen. Ein vergänglicher Körper kann nicht unsterblich werden.
Ich sage euch jetzt ein Geheimnis: Wir werden nicht alle sterben, wir werden aber alle verwandelt werden.“

Caspar David Friedrich hat die Verwandlung durch den Glauben oft gemalt. Paulus hat sie aufgeschrieben.

„Ich sage euch jetzt ein Geheimnis: Wir werden nicht alle sterben, wir werden aber alle verwandelt werden.
Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel?, so sind seine Worte im Korintherbrief.

Gott besiegt den Tod. Er verwandelt den Tod in Leben und das nimmt dem Tod die Gefahr. Davon ist Paulus überzeugt - egal wie bedrohlich die Welt um ihn herum gerade ist. Er ist überzeugt von der Auferstehung, überzeugt davon, dass wir alle auferstehen werden.

Und ich frage mich: Wie passiert Auferstehung? Wie sehe ich dann aus? Wie werden wir dann sein? Wie fühlt sich Auferstehung an?

Paulus antwortet: Auferstehung heißt Verwandlung. Denn: „Menschen aus Fleisch und Blut können nicht in Gottes neue Welt gelangen. Ein vergänglicher Körper kann nicht unsterblich werden.“

Einen Körper – unverwundbar haben wir alle uns gewünscht, nicht erst in den letzten Wochen aber da besonders. Schutzkleidung ist wie eine Rüstung die wenigstens vor Ansteckung unverwundbar macht, unverwundbar vor Krankheit allgemein werden wir trotzdem nicht. Käme eine Fee und wir hätten Wünsche frei an Ostern gehörte Unverwundbarkeit sicher dazu.

Dies Bild ist mein Lieblingsbild weil es Glaubenshoffnung malt – unverwundbar, angekommen. Der Mensch vor Jesus wird gestützt durch den Stein, der Ostern weggerollt ist. Er braucht die Zeichen seiner Krankheit nicht mehr, sie liegen achtlos im Schnee. Er ist umgeben von Hinweisen auf Neues Leben und sieht den Himmel offen.

Ich sehe auf diesem Bild wie die Welt sich durch den Glauben an die Auferstehung verwandelt.

Paulus schreibt: “Wir werden nicht alle sterben, aber alle verwandelt werden.“ Paulus rechnet noch mit der Möglichkeit, dass ihn Gottes neue Welt in seinem Leben hier antrifft. Dass er nicht erst sterben muss, um die neue Welt zu erleben. Das ist uns fremd. Paulus schreibt: Ein Wimperzucken und beim nächsten Augenblick vollzieht sich Auferstehung und Verwandlung. Er hofft, dass es für ihn kein zeitliches Nacheinander gibt, sondern in seinem Leben, in der nächsten Sekunde beides geschieht: Auferstehung und Verwandlung.

Diese Hoffnung haben wir über die Jahrhunderte meist aufgegeben, aber Paulus erinnert uns daran: Auferstehung mitten in unserem weltlichen Leben, unserem Alltag.

Was aber geschieht mit mir bei dieser Verwandlung? D a s sagt Paulus nicht. Geheimnis bleibt eben Geheimnis. Wir erfahren nicht, WIE, wir erfahren, DASS. Paulus schreibt, dass wir einen neuen Körper bekommen und dass wir den anziehen werden wie neue Kleidung. Hilfen zum Gehen braucht der Mensch auf dem Bild nicht mehr. Wir stehen mit unserem Körper auf und werden mit ihm verwandelt. Das ist ein großes Geheimnis! Paulus erinnert uns daran, dass das nicht nach dem Tod – irgendwann – passiert, sondern jeden Augenblick, jedes Wimpernzucken möglich ist.

Das zu glauben, kann ich nicht ohne Hilfe und Hilfe ist mir dies Bild.

Ich lerne von Caspar David Friedrich auf die Auferstehungszeichen zu achten. Denn ein Geheimnis entdecken geht nicht ohne Zeichen und Hinweise; nicht ohne Tannen, die von immerwährendem Blühen erzählen, Türmen die auf den Himmel deuten, Steine - aus dem Weg gerollt, die Halt geben. Ohne Zeichen von Krankheit, die – mit Blick auf Jesus – an Bedrohung verlieren, im Hintergrund ein Haus im aufkommenden Licht.

Wir wissen nicht WIE, aber wir wissen, DASS Gott verwandelt, dass er uns verwandelt, weil er Jesus verwandelt hat – das feiern wir Ostern. Und Paulus erinnert uns, dass Verwandlung, Auferstehung uns jeden Augenblick in unserem Alltag treffen kann.

Ostern ist da und wir haben einen Wunsch frei bei Jesus und er sagt: Ich gebe Euch ein Stück Auferstehung.
Wir stehen noch mitten in einer Baustelle, aber Ostern sehen wir schon, wie das Haus Gottes sein wird.

Casper David Friedrich hat das Haus Gottes mit Pinseln und Farben gemalt, Marie Luise Kaschnitz malt mit Worten und gibt mir eine kleine Antwort auf meine große Frage nach dem „Wie“ von „Auferstehung“:

Manchmal stehen wir auf

Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.

Nur das Gewohnte ist um uns.
Keine Fata Morgana von Palmen
Mit weidenden Löwen
Und sanften Wölfen.

Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken
Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.

Und dennoch leicht
Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvoller Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.

Fürbittengebet

Wir beten für andere und für uns - weltumspannend -  mit den  Worten des Lutherischen Weltbundes:

O Gott, unser Heiland, zeige Dein Erbarmen für die ganze Menschheitsfamilie, die gerade in Aufruhr ist und beladen mit Krankheit und Angst.

Komm uns zur Hilfe nun, da sich der Coronavirus auf der ganzen Erde ausbreitet. Heile die, die krank sind, unterstütze und beschütze ihre Familien, Angehörigen und Freunde vor Ansteckung.

Schenk uns deinen Geist der Liebe und Besonnenheit, auf dass wir zusammenwirken, um die Ausbreitung des Virus und seine Wirkungen einzuschränken und zum Erliegen bringen zu können.      

Mach uns wach, aufmerksam und vorausschauend im Blick auf die Bekämpfung von Krankheiten überall. Es sind so  viele andere Krankheiten, die bei Menschen Leid verursachen und für etliche tödlich enden.

Heile unsere Selbstbezogenheit und unsere Gleichgültigkeit, wo wir uns nur dann sorgen, wenn wir selbst vom Virus oder anderem Leid getroffen sind. Eröffne uns Wege, aus unserer Zaghaftigkeit und Furcht hinaus, wenn unsere Nächsten für uns unsichtbar werden.

Stärke und ermutige die, die im Gesundheitswesen tätig sind ,: Pflegende, Fürsorgende, Ärztinnen und Ärzte, Klinikseelsorgerinnen und -seelsorger, Mitarbeitende in Krankenhäuser – alle, die sich der Aufgabe widmen, für Kranke und ihre Familien zu sorgen.

Inspiriere die Forschenden, die an Impfstoffen, Medikamenten und der Herstellung medizinischer Ausstattung arbeiten. Gib ihnen Erkenntnisse und Weitblick.

Erhalte die Menschen, deren Arbeit und Einkommen durch Schließungen, Quarantänen, geschlossene Grenzen und andere Einschränkungen bedroht sind. Beschütze alle, die noch reisen müssen.

Leite die politisch Verantwortlichen, dass sie die Wahrheit sagen und danach handeln. Halte die Ausbreitung von Falschinformation und Gerüchten zurück. Hilf, dass Gerechtigkeit waltet, sodass allen Menschen auf der Erde Heil und Heilung erfährt.

Heile unsere Welt. Heile unsere Körper. Stärke unsere Herzen und Sinne. Und in der Mitte des Aufruhrs gib uns heute an Ostern  Hoffnung und Frieden.

In deinen gnädigen Armen halte alle, die gestorben sind und die in dieser Zeit sterben werden. Tröste ihre Hinterbliebenen, tröste die, die verzweifelt sind. Gedenke deiner Familie, der ganzen Menschheit, und deiner ganzen Schöpfung, in deiner großen Liebe. 

Bitte hör dies Gebet und die Worte die uns dein Sohn, der auferstanden ist geschenkt hat:

Vater Unser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Segen ströme in alle Ecken dieser Welt.

Erfülle die Krankenzimmer und Wohnzimmer mit Gottesglanz.

Segen umleuchte jedes Herz.

Damit jede noch so kleine Hoffnung wachsen kann.

(Gottesdienst - Institut Nordkirche) 

 

Denn wir wissen:

Er ist auferstanden, Jesus ist wahrhaftig auferstanden und bei uns.

So segne und behüte uns 

Gott - Vater , Sohn und Heiliger Geist 

Amen.

Musik zum Ausklang

"The Strife Is Over"

Piano: Birgit Kordt

Winterlandschaft mit Kirche

Caspar David Friedrich

Musik: "Er ist erstanden, Halleluja!" (EG 116)

Gemeindelied EG 116 „Er ist erstanden, Halleluja“

Er ist erstanden, Halleluja!
Freut euch und singet, Halleluja!
Denn unser Heiland hat triumphiert,
all seine Feind gefangen er führt.

Lasst uns lobsingen vor unserem Gott,
der uns erlöst hat vom ewigen Tod.
Sünd ist vergeben, Halleluja!
Jesus bringt Leben, Halleluja!

"Geht und verkündigt, dass Jesus lebt,
darüber freu sich alles, was lebt.
Was Gott geboten, ist nun vollbracht,
Christ hat das Leben wiedergebracht."

Lasst uns lobsingen vor unserem Gott,
der uns erlöst hat vom ewigen Tod.
Sünd ist vergeben, Halleluja!
Jesus bringt Leben, Halleluja

Er ist erstanden, hat uns befreit;
dafür sei Dank und Lob allezeit.
Uns kann nicht schaden Sünd oder Tod,
Christus versöhnt uns mit unserm Gott.

Lasst uns lobsingen vor unserem Gott,der uns erlöst hat vom ewigen Tod.Sünd ist vergeben, Halleluja!Jesus bringt Leben, Halleluja

 

Text: Ulrich S. Leupold 1969

Musik: aus Tansania