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Christi Himmelfahrt - 21.5.2020

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

(Johannes 12, 52)

Gebet zum Tag

Allmächtiger Gott,
manchmal empfinde ich dich so: weit weg von mir, im Himmel.
Nicht auf dieser Erde, in meiner Welt.
Fern von meinen großen und kleinen Sorgen, von dem, was auf mir lastet.

Manchmal sperre ich dich aus aus meiner Welt,
bin zu beschäftigt oder einfach achtlos.

Aber du willst nicht sein in einer Sonderwelt, sondern mir nah.
Deine Größe hat dich nicht gehindert daran,
in Jesus klein für unsere Welt zu werden.

Hilf, dass ich dich einlasse in meine Welt,
hilf dass ich den Himmel in mir, in deiner Schöpfung suche.

Erbarme dich meiner,
dass du Platz hast
in meinem Leben
zwischen Himmel und Erde.

Amen.

Wochenpsalm: Psalm 47

Schlagt froh in die Hände, alle Völker,
und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall!

Denn der Herr, der Allerhöchste, ist zu fürchten,
ein großer König über die ganze Erde.

Er zwingt die Völker unter uns
und Völkerschaften unter unsere Füße.

Er erwählt uns unser Erbteil,
die Herrlichkeit Jakobs, den er liebt.

Gott fährt auf unter Jauchzen,
der Herr beim Schall der Posaune.

Lobsinget, lobsinget Gott,
lobsinget, lobsinget unserm Könige!

Denn Gott ist König über die ganze Erde;
lobsinget ihm mit Psalmen!

Gott ist König über die Völker,
Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.

Die Fürsten der Völker sind versammelt
als Volk des Gottes Abrahams;

denn Gott gehören die Schilde auf Erden;
er ist hoch erhaben.

Predigt

„Puschel ist doch jetzt  bei Gott im Himmel“ -

Puschel ist unser Kaninchen, fast 6 Jahre lang  Hausbewohner gewesen- Teil  unserer  Hausgemeinschaft.

Gestern Mittag ist er gestorben und wir haben ihn vorsichtig in eine Kiste gelegt und im Garten beerdigt – das kleine Grab mit Steinen umrandet und ein Kreuz und Blumen darauf gelegt. Als wir da traurig standen, sagte mein kleiner Sohn: „Nicht traurig sein Mama. Puschel ist jetzt bei Gott im Himmel, da ist doch sein Zuhause.“

Die Jünger haben auch da gestanden und sich gesagt: „Nicht traurig sein – er ist bei Gott, seinem Vater im Himmel.“

Ob die Jünger auch traurig waren wenn sie – wie ich heute Morgen am leeren Kaninchenstall  – an den Orten standen, wo sie mit Jesus waren?

Ob sie auch manchmal Richtung Himmel schauen, wenn sie ihn vermissen wie wir, wenn wir Menschen hier loslassen mussten? Obwohl wir ja wissen, dass Gottes Ewigkeit nicht oberhalb von uns in einer blauen Brechung des Lichts ist, sondern in uns, um uns, in anderen Räumen und Zeiten, überall und jeden Augenblick.

Im Himmel zuhause –

Die Menschen haben sich bei Jesus zuhause gefühlt, gerade die, die sonst nicht dazugehörten zur gesellschaftlichen Hausgemeinschaft, die vor der Tür zum Haus bleiben mussten weil sie ansteckend krank, verachtet oder verarmt waren.

Ihre Heimat ist Jesus geworden, deshalb sind sie ihm gefolgt in seine himmlische Hausgemeinschaft.

Epheserbrief, im 2. Kapitel, den Versen 17-22: 

Und er (Jesus Christus) ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren.

Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater.

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen,

erbaut auf den Grund der Aposteln und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist,

auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn.

Durch ihn werdet auch ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, ...

Über Gäste – heißt es – freut man sich zweimal:

wenn sie kommen und wenn sie wieder gehen

und in dem griechischen Wort Xenos, Fremder klingt mit: befremdlich, unpassend.

Wir alle – so sagt es die Bibel – sind einmal Gäste und Fremde  bei Gott gewesen. Fremd, unpassend, draußen.

Doch jetzt nicht mehr!

Der Briefschreiber hat den Glauben an Jesus Christus als Neuanfang erlebt. Alte Festlegungen  gelten nicht mehr – nichts ist „wie immer“.

Vielleicht ist uns das Gespür für dieses Neue, Wunderbare verloren gegangen. Es ist uns so selbstverständlich, dass wir einen guten Platz bei Gott haben, dass wir dazu gehören. Doch vielen Menschen war das nicht selbstverständlich, wer den Film über Martin Luther gesehen hat, der hat seine furchtbare Angst noch vor Augen – wie kann ich sicher sein, dass Gott mich liebt?

Es ist etwas Großes, das der Autor des Epheserbriefes entdeckt hat. Vor Gott sind wir wirklich alle gleich, egal wie unser Leben, unsere Beziehung zu ihm früher gewesen ist. Jetzt gehören wir dazu als:

Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, so heißt es  im Bibeltext.

Jesus selbst hat gern vom Reich Gottes erzählt, dem großen Zuhause und er hat immer gleichzeitig unsere Welt und alle Welt darüber hinaus gemeint.

Durch ihn sind wir Teil der Hausgemeinschaft – Hier und dort.

„Du gehörst zu Christus, und durch ihn zu Gott“ –egal wo in dieser Welt und dann auch in der ewigen, das feiern wir ja in der Taufe.

„Unserer Heimat ist im Himmel“ sagen wir mit Paulus Worten wenn wir uns am Grab verabschieden müssen. Heimat bei Gott haben wir schon vorher.

Manche von uns vermissen jetzt auf Abstand das Gefühl von Heimat in unseren kirchlichen Räumen und unserem gemeindlichen Zusammentreffen. Und doch sind wir genauso verbunden wie vorher – Gottes Hausgenossen, seine Wohngemeinschaft, seine Familie.

Wohngemeinschaft mit Gott - Das heißt: er ist nicht weit weg, nicht der ganz andere, unfassbare. Eben nicht – nur da oben: im Himmel.

Mitglieder einer Hausgemeinschaft teilen alles, dürfen auch hier beieinander sitzen, waren sich auch ganz nah als wir nur wenig Kontakt haben durften. Gott ist ganz nah, ich muss vor ihm keine Maske aufsetzten. Unsere Kirchen sind wie die Rede vom Himmel Orte, die wir Gott geben- wo wir Gott besonders sehen. Wo wir an ihn besonders denken möchten – Doch: Wo Gott seine Hausgemeinschaft lebt und wie er Heimat ist, bleibt doch allein Gottes Sache .

Jesus teilt ab heute in unserem Kirchenjahr nicht mehr sichtbar unser Zuhause, er ist „aufgefahren in den Himmel“ und bleibt doch fühlbar und hörbar im Geist. Davon nächste Woche.

Jesus hat  seinen Menschen von Gottes Haus viel erzählt in seinem Leben hier- „Das Reich Gottes ist wie ......´“- er hat uns gut vorbereitet auf seine Himmelfahrt.

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen,

erbaut auf den Grund der Aposteln und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist,

auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn.

Durch ihn werdet auch ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

Miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist –

Wir sind Teil der Heimat, die Gott baut – wir gestalten sie mit, damit wir uns miteinander in Gottes Haus zuhause fühlen. Darum ging es Jesus in seiner irdischen Welt – er hat uns das Haus Gottes vorgemalt, damit wir wissen wie es sein soll.

Wie muss eine Gemeinde sein, dass wir und andere das spüren? Kein höfliches Zusammentreffen von Fremden, sondern ein Miteinander von Hausgenossen. Ein Ort, an dem sichtbar wird, dass wir alle Teil der Familie Gottes sind.

Der Theologe Jan Hendricks hat es so beschrieben:

Ich träume von einem Ort  „an dem Menschen wieder zu Atem kommen. Ein Ort, an dem du frei und offen äußern kannst, was dich als Mensch bewegt – falls du es willst. An dem du deinen Stuhl an einen Tisch heranrücken (wir sagen im Moment: auf schützenden Abstand heranrücken) kannst. (...)  Ein Ort, an dem es um „etwas anderes“ geht und wo es „etwas anders zugeht.“ Ein Ort, an dem wir nach Gott suchen und ihm manchmal auch auf die Spur kommen. (...) Ein Ort, an dem du dich frei fühlst, an dem du sein kannst, wie du bist. (...) So müsste die Gemeinde heute und für diese Zeit aussehen. Und so eine Gemeinde nenne ich Herberge.“

Für mich ist Herberge ein anders Wort für Zuhause. Ich bin geborgen, berge andere. Und das jetzt unter Schutzbestimmungen zu tun, in der sich Geborgenheit nicht mehr einfach in körperlicher Nähe zeigen kann, ist eine besondere Aufgabe.

Wo Gott im Herzen ist -  Zuhause ist in uns und wir in ihm, da  können wir anderen zu einem bergenden Haus, zu einer Herberge werden.

Die Wohnung Gottes ist unabgeschlossen, es wird immer weiter daran gebaut, da ist Bewegung  und Veränderung.

Diese Zeit ist so eine, in der wir verändert Gemeinde leben müssen wie wir es als Gemeinde in dieser Welt an vielen Orten und in vielen Zeiten schon getan haben. Unter Gottes Himmel.  Jesus Christus, durch den wir alle zu Gottes Haus gehören gibt uns  als Eckstein immer die Richtung von Gottes Haus vor.

Heute an Himmelfahrt denke ich an einen Moment in einer besonderen Kirche. An die Kathedrale der heiligen Familie in Barcelona, Lebenswerk des Künstler und Architekten Antoni  Gaudi, – als ich sie vor vielen Jahren besucht habe fehlte an manchen Stellen  noch das Dach. Ich habe mich geborgen in dieser Kirche gefühlt, zuhause und der Blick zum Himmel  war offen.

Wenn wir wieder im Garten an dem kleinen Kaninchengrab stehen werde ich meinem Sohn sagen, dass da, wo Puschel jetzt ist und hier, wo wir sind, überall Gott ist und wir deshalb immer noch zusammengehören. Amen.

Fürbitte

Allmächtiger, 

unsere Gesichter wenden wir  Deinem Himmel zu und wissen -
dort bist Du , in und um uns und weit darüber hinaus . 

Sei bei denen , die wir vermissen und lass sie spüren, dass sie fehlen. 

Sei bei denen, die uns sorgen und gib Sicherheit , dass du da bist. 

Sei bei denen, die den Himmel verschossen sehen und öffne sie. 

 

Sei bei uns - jeden Augenblick zwischen Himmel und Erde. 

Amen. 

Vater Unser

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Segen ströme in alle Ecken dieser Welt.

Erfülle die Krankenzimmer und Wohnzimmer mit Gottesglanz.

Segen umleuchte jedes Herz.

Damit die Hoffnung wachsen kann

im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. 

Geschichte von den zwei Mönchen

Es waren zwei Mönche, die lasen miteinander in einem alten Buch, am Ende der Welt gebe es einen Ort, an dem der Himmel und die Erde sich berühren. Sie beschlossen, ihn zu suchen und nicht zurückzukehren, ehe sie ihn gefunden hätten.

Sie durchwanderten die Welt, bestanden unzählige Gefahren, erlitten alle Entbehrungen, die eine Wanderung durch die ganze Welt fordert, und alle Versuchungen, die einen Menschen vom Ziel abbringen können.

Eine Tür sei dort, so hatten sie gelesen, man brauche nur anzuklopfen und befinde sich bei Gott. Schließlich fanden sie, was sie suchten. Sie klopften an die Tür, bebenden Herzens sahen sie, wie sie sich öffnete, und als sie eintraten, standen sie zu Hause in ihrer Klosterzelle.

Da begriffen sie:
Der Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren, befindet sich auf dieser Erde, an der Stelle, die Gott uns zugewiesen hat.


Lied - "Wohin sonst"

Herr, wohin sonst sollten wir gehen?
Wo auf der Welt fänden wir Glück?
Niemand, kein Mensch kann uns
so viel geben wie du.
Du führst uns zum Leben zurück.
Nur du, nur du schenkst uns Lebensglück.

Aus deinem Mund höre ich das
schönste Liebeslied.
An deinem Ohr darf ich sagen,
was die Seele fühlt.
An deiner Hand kann ich fallen
und du hältst mich fest.
An deinem Tisch wird mein Hunger gestillt.

Herr, wohin sonst sollten wir gehen?

(Thea Eichholz)


Lied - "Jesus Christus herrscht als König"

1) Jesus Christus herrscht als König,
alles wird ihm untertänig,
alles legt ihm Gott zu Fuß.
Aller Zunge soll bekennen,
Jesus sei der Herr zu nennen,
dem man Ehre geben muß.

2) Fürstentümer und Gewalten,
Mächte, die die Thronwacht halten,
geben ihm die Herrlichkeit;
alle Herrschaft dort im Himmel,
hier im irdischen Getümmel
ist zu seinem Dienst bereit.

3) Gott ist Herr, der Herr ist Einer,
und demselben gleichet keiner,
nur der Sohn, der ist ihm gleich;
dessen Stuhl ist unumstößlich,
dessen Leben unauflöslich,
dessen Reich ein ewig Reich.

Text: Philipp Friedrich Hiller 1757 Melodie: Johann Löhner 1691