Willkommen!

Abendsegen - 8. August 2020

Willkommen zu: Zeit für sich selbst, Zeit für Gott.

(Lieblingsworte) Von Männern

Orgel - "Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen"

Orgel: Dr. Birgit Kordt

Worte zum Eingang

Gott der Liebe, durch den Heiligen Geist bist du immer nahe.
Deine Gegenwart ist unsichtbar, aber du lebst auf dem Grund
unserer Seele, selbst wenn wir uns dessen nicht bewusst sind.

Alle:    Gott der Liebe, durch den Heiligen Geist bist du immer nahe.
So bleibe bei uns, Herr, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt.

Psalm 62 - [Huub Osterhuis]

Sei still, meine Seele, sei bei Gott.
Versteif dich nicht, lass ihn,
er kommt auf leisen Sohlen und hört.

Ich bin eine wackelige Mauer, 
die du leicht umstößt, 
ein Mensch, den du im Nu umbringst.

Sei bei Gott, meine Seele,
bei ihm ist Ruhe und Besinnung.
Der Fels, der kommt,
mit sanften Händen, um zu trösten.

Hastig und eilig
ist unsere Generation.
Stäubchen, die nichts wiegen,
wirbeln hoch auf, vorbei. 

Sei still, sei bei Gott.
Nicht vergelten,
nicht urteilen wird er,
er will hören,
er will begreifen.

Freundschaft.

(Lieblingsworte) Von Männern ... aus der Bibel

David und  Salomo – Vater und Sohn

     Gitarre und Gesang : Father and Son (Cat Stevens)

 Elia – Flammender Ruhm

     Gitarre und Gesang: Blaze of Glory (Bon Jovi)

(Lieblingsworte) Von Männern ... aus dem Widerstand

Peter Yorck von Wartenburg

     Orgel: Go down Moses (Gospel)

Desmond Tutu

(Lieblingsworte) Von Männern ... aus der Literatur

     Orgel: Präludium C-Dur (J. S. Bach)

Ich sprach von Dir (Rainer Maria Rilke)

Einmal haben (Johannes Bobrowski)

Sola gratia (Kurt Marti)

Wie der Sasower die Liebe lernte (Martin Buber)

     Orgel: Hommage an F. Mendelsohn- Bartholdy

Predigt: Elia, ein Held

Katrin Hirschberg-Sonnemann

Pfarrerin Hirschberg-Sonnemann

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

manchmal wäre ich gerne ein Held, eine Heldin. Unangreifbar, groß, heroisch, ohne Zweifel, überzeugt und überzeugend. Ich würde Bewunderung bei anderen hervorrufen.
Einsam in den Sonnenuntergang reiten. --------
Immer mit geradem Rücken, nie gebeugt.
Ein Held, eine Heldin ist besser als alle anderen. Herausgehoben aus der Menge. Etwas ganz besonders.
Helden machen keine Fehler.

Eine Taufe macht nicht zum Helden, das wissen vor allem die, die schon getauft  sind.
Der Wunsch bleibt bestehen: Manchmal wäre ich gerne ein Held, eine Heldin.


Elia war ein Held.
So stelle ich mir diesen Propheten zur Zeit der Könige in Israel vor:
Groß, aufrecht, mit geraden Gesichtszügen, vielleicht ein wenig stechendem Blick und festem Händedruck. Er hat eine laute, voll klingende Stimme.
Vielleicht kein auf Anhieb sympathischer Mann, aber einer, vor dem man Achtung hat. Mit dem man sich besser nicht anlegt.
Elia, dieser Name wird übersetzt mit: „Mein Gott ist Jahwe“. Der Name steht für den Auftrag des Propheten. Er sollte die Menschen in Israel an ihren einzigen, wahren Gott erinnern. Sie zu ihm zurückbringen, alle, die gefesselt waren vom Glauben an den Fruchtbarkeitsgott Baal.
 Der Bau des Tempels, die kulturelle Offenheit des früheren Königs Salomo hatte zu einer Völkermischung geführt. Mit den neuen Bewohnern des Landes kamen fremde Einflüsse, andere Religionen mit ins Land. Die Israeliten lernten all das kennen, verschlossen sich nicht, probierten aus, waren neugierig, mischten sich ihre eigene Form von Religion zusammen.
Es war eine bunte, unsichere Zeit, nicht so unterschieden von unserer. Eine gute Zeit für einen Helden mit klaren Worten: „Hört auf zu beiden Seiten zu hinken! Entscheidet Euch !“
Elia als Vertreter des Glaubens an Jahwe steht auf der einen Seite – seine Gegenspielerin heißt Isebel. Sie war eine phönizische Prinzessin, ist also mit dem Baalsglauben groß geworden und hat den israelitischen König Ahab geheiratet.

Es kommt auf dem Berg Karmel zu einer Art Wettkampf: Welcher Gott ist der Mächtigere?
Wer läßt zuerst Feuer vom Himmel fahren und entzündet das Holz am Opferaltar?
Elia gewinnt souverän, Isebels Baalspropheten sind völlig bloßgestellt.

Aber anstatt sich umzudrehen und im Licht der untergehenden Sonne in den Horizont zu reiten, wie es bei einem Heldenepos zu erwarten ist, setzt Elia noch einen drauf  und tötet alle 400 Baalspriester eigenhändig am Bach Kischon.

Und nun geht die Geschichte weiter im 19. Kapitel des 1. Königebuches, dem für heute vorgeschlagenen Predigttext:

Lesung von 1 Kön 19, 1-8

Elia am Horeb

Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte. Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast!

Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort. Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Ginster und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter.

Und er legte sich hin und schlief unter dem Ginster. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Und der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.

Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.


Ein Held am Ende.
Angst, Erschöpfung, Selbstmordgedanken.
„Herr, nimm meine Seele von mir, denn ich bin nicht besser als meine Väter.“ – Besser zu sein als andere, nicht auf zwei Seiten zu hinken, auserwählt zu sein, Gott näher, allen überlegen, war Grund von Elias Selbstbewußtsein gewesen.

Langsam erst wird Elia nach dem großen Triumph klar, was geschehen ist.
Die Tötung von 400 Menschen, Andersgläubigen -  selbst, wenn die Zeiten damals anders waren - kann das Gottes Wille gewesen sein ?
Zweifel kommen, Schuldgefühle – das Heldenbewußtsein bricht. Und Elia verliert seine Unnahbarkeit. Gefühle werden das erste Mal geschildert – er hat Angst.
Angst vor Isebel und ihrer Rache, Angst vor dem, was er getan hat.
Er flieht, rennt weg – ganz weit, bis er in die Gegend kommt, die sein Inneres widerspiegelt: leer , einsam – Wüste.
Elia in der Wüste unter dem Wacholderstrauch ist am Ende.
Er ist kein Held, sondern ein schuldig gewordener, an sich und vielleicht auch an Gott zweifelnder Mensch.
So kann er mit sich nicht leben. Er bittet Gott um seinen Tod. --------

Gott geht auf diesen Wunsch nicht ein.
Er diskutiert nicht mit Elia, er fragt nicht nach Gründen, er kritisiert  nicht. Er überläßt ihn aber auch nicht sich selbst, läßt ihn nicht fallen.
Gott redet nicht, er handelt.  
Er sorgt dafür, daß Elia jetzt die Dinge bekommt, die notwendig sind fürs Überleben: Wasser, Brot, Schlaf und jemand, der ihm die Einsamkeit nimmt: „Steh auf und iß.“
Im Ruhrgebiet würde man in einer solchen Situation sagen:
„ Iss ers ma was.“-----
Und dann: Schlaf noch einmal. Der Engel sieht, Elia kann noch gar nicht weiter. Er braucht noch Zeit und läßt sie ihm auch. Aber nicht unbegrenzt. Wieder wird Elia liebevoll angestupst: „Nun steh auf, Elia, iß und trink. Du brauchst es, denn du hast noch einen weiten Weg vor dir.“
Hinter diesem Satz steht:
„Ich weiß um deine Schuld, Elia. Ich brauche dich trotzdem als der Mensch, der du bist.“


In seiner Müdigkeit ist Elia mir nah.
Kein Held mehr – ein Mensch.  
Erschöpft von der Situation, erschöpft von sich selbst. Nur noch schlafen wollen, sich in den  Schlaf flüchten vor allem, was belastet.
Elia ist nah, weil er erlebt, was mit, Ihnen Euch bekannt ist. Unsere Schuld ist nicht das Töten von 400 Baalspriestern, es ist anders.
Aber die Erfahrung, an anderen schuldig geworden zu sein, Fehler gemacht zu haben, sich und andere zu enttäuschen, machen wir alle. Und vielleicht kennen einige auch die Situation des Elia in der Wüste: nicht mehr weiterwissen, aufgeben wollen.
Menschen sind wir, keine Helden.

Aber Gottes liebevolle Unterstützung durch den Engel zeigt:
Er will uns nicht als Helden. Er läßt Elia nicht erbärmlich in der Wüste sterben. Er stärkt ihn mit dem, was ins Leben zurück hilft.
Der Engel bei Elia – in meinem Leben begegnet er mir als Mensch. Menschen, die zur richtigen Zeit erscheinen – mit Zeit, aber auch mit Bestimmtheit – „iss ers ma was“.  Wer sagt, daß dies nicht Gottes Boten sind?

Gott braucht keine Heldinnen, keine Helden – keine Alleskönner, Nie-Versager, unangreifbar ...
Aber er braucht uns als Menschen.
Er läßt den Elia nicht sitzen dort unter seinem Wacholder, er holt ihn wieder hervor. Er hilft ihm in sein Leben zurück, in das Leben mit dem großen Auftrag, der geblieben ist: Die Menschen zu ihrem Gott zurückzubringen.

Es gibt eine Farm in Amerika  mit dem Namen buumtreefarm , das heißt Wacholderbaumfarm. Ein Haus für Menschen, die nicht mehr weiter können in ihrer Arbeit, in kirchlicher Arbeit, in ihrem Leben. Sie werden dort gestärkt mit dem, was Elia auch erfahren hat:
Mit Essen und Trinken; der Möglichkeit, viel zu schlafen und Menschen, die für sie da sind, ihnen helfen in ihr Leben zurückzufinden.

Gott will uns nicht als Helden, aber als Menschen.
Als Menschen, die mit ihm leben, von ihm erzählen, Glauben für andere spürbar machen.
Das ist in unserer Welt keine leichte Aufgabe. Wenn wir erschöpft sind, Wüste um uns ist, wenn wir ratlos und lebensmüde unter dem Wacholder sitzen, dann stärkt uns Gott – davon erzählt Elias Geschichte.

Gott holt uns hervor unter dem Wacholder.
In diesem Sinne: Essen Sie erst mal was!
Amen.

Gebet - [Jörg Zink]

Ich überlasse mich Dir ...

Ich lasse mich Dir, Herr, und bitte Dich:
Mach ein Ende aller Unrast.

Meine Gedanken lasse ich Dir.
Ich glaube nicht mehr,
dass ich so klug bin, mich selbst zu verstehen,
dieses ganze Leben oder die Menschen.
Lehre mich Deine Gedanken denken.

Meine Pläne lasse ich Dir.
Ich glaube nicht mehr,
dass mein Leben seinen Sinn findet in dem,
was ich erreiche von meinen Plänen.
Ich vertraue mich Deinem Plan an,
denn Du kennst mich.

Meine Sorge um andere Menschen
lasse ich Dir.
Ich glaube nicht mehr,
dass ich mit meinen Sorgen
irgend etwas bessere.
Das liegt allein bei Dir.
Wozu soll ich mich sorgen?

Meine Furcht vor meinem eigenen Versagen
lasse ich Dir.
Ich brauche kein erfolgreicher Mensch
zu sein,
wenn ich ein gesegneter Mensch sein soll
nach Deinem Willen.

Alle ungelösten Fragen
alle Mühe mit mir selbst,
alle verkrampften Hoffnungen
lasse ich Dir.
Ich gebe es auf,
gegen verschlossene Türen zu rennen
und warte auf Dich.
Du wirst sie öffnen.

Ich lasse mich Dir. Ich gehöre Dir, Herr.
Du hast mich in Deiner guten Hand.
Ich danke Dir!

(nach Jörg Zink)

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

... zum Schluss

Roger Willemsen - über Musik und Liebe

Segen

Wir sind Gesegnete Gottes und nehmen mit uns in die Woche 
die Liebe Gottes,
Jesu Nähe und
die Kraft des Heiligen Geistes.

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden.

Amen.

Musik zum Ausgang

Viktoria und Birgit Kordt

Father and Son - [Cat Stevens]

It's not time to make a change
Just relax, take it easy
You're still young, that's your fault
There's so much you have to know
Find a girl, settle down
If you want you can marry
Look at me, I am old, but I'm happy
I was once like you are now, and I know that it's not easy
To be calm when you've found something going on
But take your time, think a lot
Why, think of everything you've got
For you will still be here tomorrow, but your dreams may not

How can I try to explain? 'Cause when I do he turns away again
It's always been the same, same old story
From the moment I could talk I was ordered to listen
Now there's a way and I know that I have to go away
I know I have to go

It's not time to make a change
Just sit down, take it slowly
You're still young, that's your fault
There's so much you have to go through
Find a girl, settle down
If you want you can marry
Look at me, I am old, but I'm happy

All the times that I cried, keeping all the things I knew inside
It's hard, but it's harder to ignore it
If they were right, I'd agree, but it's them they know not me
Now there's a way and I know that I have to go away
I know I have to go

Kanon - "David soll es sein"

Viktoria und Birgit Kordt

 

Wenn Sie möchten, entzünden Sie eine Kerze-  verbinden Ihr persönliches Gebet für einen Menschen mit einem Licht.