Musik zum Eingang

Whispering Hope - Arr.: Jerry Ray

Piano: Dr. Birgit Kordt

Anders sehen: Poesie des Platzregens

Worte zum Eingang

Gott der Liebe, durch den Heiligen Geist bist du immer nahe.
            Deine Gegenwart ist unsichtbar, aber du lebst auf dem Grund
            unserer Seele, selbst wenn wir uns dessen nicht bewusst sind.

Gott der Liebe, durch den Heiligen Geist bist du immer nahe.
            So bleibe bei uns, Herr, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt.

aus Psalm 68

[...]

Gott,

als du vor deinem Volk herzogst, als du einhergingst in der Wüste, da bebte die Erde, und die Himmel troffen vor Gott – am Sinai –,vor Gott, dem Gott Israels.

Du gabst, Gott, Regen in Fülle,
und dein Erbe, das dürre war, erquicktest du,
dass deine Tiere darin wohnen konnten.

[...]

Anders sehen

Es regnet viel in diesen Oktobertagen. Ich komme oft nass nach Hause, gewöhne mir an, den Regenschirm wieder mitzunehmen.

Unzufriedene Stimmen höre ich manchmal, wir hätten Tage die Sonne nicht gesehen Es gibt diese Stimmen seltener, seit wir um die Trockenheit des Bodens und das Sterben von Bäumen wissen.

Aber zu spüren, dass Regen wesentlich ist, heißt nicht gleich ihn schön zu finden.

„Poesie des Platzregens – Die gute Seite des schlechten Wetters“ steht an einem Oktobermorgen  oben auf der ersten Seite der Zeitung. Ich schlage nach hinten zum Interview mit dem Wetterexperten, der Regen anders sieht.

Frage: „Warum um Himmels willen mögen Sie Regen?“

Antwort: „Weil das Geräusch etwas Beruhigendes hat und Regen in unwetterartiger Form faszinierend ist. Es gibt 11 unterschiedliche Formen von Regen: Regen, Sprühregen, gefrierender Regen, Hagel, Schnee .....

Platzregen heißt so, weil Regentropfen auf dem Boden platzen und Gischtwellen erzeugen.

Es ist Poesie wenn man in Zeitlupe betrachtet, wie so ein Tropfen in 1000 Teile zerbirst, bei Schneefall ganz sanft. Aber immer erzeugt jeder Tropfen eine kleine Gischt, schlägt eine Welle.“ (nach SZ, 7. Oktober)

Platzregen –

Ich erinnere mich an einen Sommer Anfang der 90er  in meinem Studium.

Wuppertal, Kirchliche Hochschule, wir haben dort auf dem „Heiligen Berg“ nicht nur studiert, gelernt, sondern auch gelebt, gebetet, gewohnt, gefeiert und getanzt. Es war ein heißer Sommer, die Wohnheimzimmer überhitzt, die Wärme stand im Tal,  aus dem das Geräusch der Schwebebahn hochklang. Früher Abend, wir saßen in der Küche, auf einmal das Geräusch von Tropfen auf der Fensterbank. Immer schneller fallende Tropfen.  Wir sind  heraus auf den asphaltierten Weg vorm Haus. Sommerregen – Geruch von Wasser und Teer. Wir waren in Sekunden triefend nass, Kleidung klebte. Sind gesprungen, gehüpft, waren laut – ich habe mich frei und unbeschwert gefühlt.

Wenn ich irgendwann zurück denke an das Jahr 2020 und das Leben mit einer Pandemie in einem Land, dass mit einem gut ausgestatteten Gesundheitssystem, einer wirtschaftlichen Stabilität und einer nicht populistischen Regierung werde ich hoffentlich dankbar sein über viel Bewahrung.  Wenn ich also in diesem dankbaren Wissen, der Virusgefahr nicht so ausgeliefert zu sein wie die meisten Menschen in der Welt, darüber nachdenke, was mir persönlich besonders gefehlt hat in diesem Jahr, dann würde ich sagen: Tanzen, Singen, Laut-sein, Unbekümmert -sein. Ekstase ist ein großes Wort aber vielleicht hat mir ein wenig Ekstase gefehlt. Sich treiben lassen in Menschenmengen bei lauter Musik, nah umgeben sein von fremden Menschen, bei Konzerten oder beim Tanzen,  frei von allen festen Schrittfolgen. Ich bin dankbar auf dem Kirchentag 2019 gewesen zu sein, eng zusammen sitzend singen   in den Kirchenbänken im Dortmunder Kreuzviertel, überfüllte Veranstaltungen in der Innenstadt- wann kommt das wieder?

Ekstase in der Bibel heißt die Welt anders sehen, anders fühlen, anders in ihr sein.  Immer hat Gott damit zu tun, wird Jesus erlebt. In der Apostelgeschichte spüren die Jünger dabei ein großes Erstaunen.

Gott begegnen geschieht nicht geordnet und in Abstand, sondern ergreift, stellt auf den Kopf, verändert das Sehen.

Manchmal laut, manchmal leise. Jörg Zink, für mich ein eher geordneter und leiser Theologe fragt uns: „Warum begegnen gerade unter Christen diejenigen Menschen, die eine Ekstase erlebt haben, so großem Misstrauen? Dabei ist die Bibel voll von Berichten über Menschen, die aus der ekstatischen Erfahrung heraus geredet haben.“

Jörg Zink beschreibt seine eigene leise Form der Ekstase, die ihn hat anders sehen, anders werden lassen: „Einmal nun saß ich auf einem Hügel zum Lesen, rings um mich her wildes Buschwerk aus über und über weiß blühenden Schlehen. Wohin das Auge sah, nichts als weiße Blüten. Was ist das? Durchfuhr es mich. Das waren keine Blüten. Das war eine Welt, die offen war nach einer anderen Dimension hin. Da war alles offen! Und mir war schlagartig klar, dass die Welt unendlich weiterging in Räume, die mir sonst verschlossen waren.

Dass sich die größere, meinetwegen „geistig“ Welt mir zuwandte, offen und freundlich, dass sie mich suchte. Wenn mir heute einer sagen würde, Du warst überreizt, dann würde mich das nicht im Mindesten stören.  Für alles, was über unsere kleine Welt hinausreicht, hat der kleine Mensch seine passenden Erklärungen. Wem die große Wirklichkeit einmal begegnet ist, dem kann die kleine, die er bewohnt, nie mehr genügen. Für mich waren die weißen Schlehen wie das, was Mose am brennenden Dornbusch erfuhr:  die brennende Gegenwart Gottes.“

Für Mose der Dornbusch, für Jörg Zink Schlehen, für manche von uns Kirschblüten, Schneeflocken, laute Musik, Singen, Tanz, die Poesie des Platzregens –

Es gibt viele Worte für die verändernde Nähe Gottes: Rausch, Ekstase, Staunen, Entzückung.

Dass wir sie fühlen- anders sicher als sonst – oft eher leise schauend  als laut und wild; dass wir Gottes Gegenwart fühlen auch in diesem Jahr ist mein Wunsch.

Amen.

 

(Jörg Zink zitiert nach: Was Menschen bewegt. Freude, Herder, 2011)

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Musik zum Ausgang

Dandrieu - Basse de Trompette

Orgel: Dr. Birgit Kordt

Gummistiefelwetter

Holy Spirit Rain Down

Holy Spirit, rain down, rain down

Oh, Comforter and Friend
How we need Your touch again
Holy Spirit, rain down, rain down

Let Your power fall
Let Your voice be heard
Come and change our hearts
As we stand on Your word

Holy Spirit, rain down

No eye has seen, no ear has heard
No mind can know what God has in store
So open up Heaven, open it wide
Over Your church and over our lives

Writer: Russell Fragar (Hillsong Music)