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8. Sonntag nach Trinitatis - 2. August 2020

Maler: Uwe Abhold

Musik zum Eingang

A. Hesse - Präludium in C

Orgel: Dr. Birgit Kordt

Wochenspruch - Eph. 5

"Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit." 

Eine Kerze wird entzündet

Im Namen des Vaters  und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. 

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn ...

... der Himmel und Erde gemacht hat.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen  allen

Und mit deinem Geist.

Psalm 90

Herr, du bist unsre Zuflucht für und für.
Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden,
bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Der du die Menschen lässest sterben
und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!

Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist,
und wie eine Nachtwache.

Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom, sie sind wie ein Schlaf,
wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst und des Abends welkt und verdorrt.

Das macht dein Zorn, dass wir so vergehen,
und dein Grimm, dass wir so plötzlich dahinmüss

Denn unsre Missetaten stellst du vor dich,
unsre unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht.

Darum fahren alle unsre Tage dahin durch deinen Zorn,
wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz.

Unser Leben währet siebzig Jahre,
und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre,

und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe;
denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.

Wer glaubt’s aber, dass du so sehr zürnest,
und wer fürchtet sich vor dir in deinem Grimm?

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen,
auf dass wir klug werden.

Bekenntnis:

Manchmal sind wir bedrückt.

Es geht nicht weiter. Wir wissen keinen Ausweg.

Wir sind unsicher und wenig überzeugt von dem, was wir tun.

Die Welt und unser Leben

Erscheinen uns oft ohne Sinn und Richtung.

Dass läßt uns klagen und bitten:

Herr, erbarme dich!

Kyrie

Couperin - 1. Premier Kyrie - Plein Jeu (Messe à l'usage des Couvents - Dom Bedos - Rieti)

Orgel: Luca Raggi

Zusage:

Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen,

den du gehen sollst;

ich will dich mit meinen Augen leiten.

Deshalb sind wir dankbar und sprechen :

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden. Uns Menschen wohl gefallen.

Tagesgebet

Jesus Christus,

Licht der Welt und Salz der Erde  hast du uns genannt.

Sei bei uns.

Dann können wir unseren Zweifeln

Und der Dunkelheit in unserer Seele

Dein Licht entgegenhalten und verzweifeln  nicht.

Du bist unsere Hoffnung, jetzt und in Ewigkeit.

Amen.

Lesung: Evangelium bei Matthäus im 5. Kapitel

Jesus sprach zu seinen Jüngern:
13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. ¶
14 Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein.
15 Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.
16 So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. ¶

Halleluja.

Nicht uns, Herr, nicht uns,
sondern deinem Namen gib Ehre
um deiner Gnade und Treue willen!

Halleluja.

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christlicheA Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.

Predigt zu Joh. 9, 1-7

Katrin Hirschberg-Sonnemann

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott und unserm Herrn und Bruder Jesus Christus. Amen.

Sommerzeit – im Auto unterwegs. In den Urlaub, zu Freunden, an den See , in den Wald. Irgendwohin wo es sich heller anfühlt, freier, entspannt trotz allem.  Musik im Radio oder die alte Playlist von früher. Gesammeltes aus besonderer Zeit.  Ich mache sie lauter und fahre ein bisschen schneller. Konzerte und Tanzen - alles nicht möglich in Corona Zeit, es fehlt mir. Unbedacht sein dürfen, unkontrolliert -lange her.

Out of the dark
Hörst Du die Stimme, die dir sagt
Into the light

Falco, denke ich – noch länger her. Ein Sänger, der seinen eigenen Dunkelheiten  zu entfliehen versucht. Ins Licht, gleißend oft. Wunder hat er sich gewünscht und das in seiner Weise beschrieben und gesungen.

Out of the dark – heraus aus dem Dunkel .

Bibeltext : Joh 9, 1-7

Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.

Blindgeboren, das ist anders als „Dialog im Dunkeln“ in Hamburg, wo wir mit dem Wissen von Gesehenem Vertrautes neu ertasten. Blindgeboren ist nicht Blindgeworden und von den frühen Bildern zehren können. Blindgeboren heißt,  nichts anderes als Dunkelheit zu kennen und sich damit zurecht gefunden haben. Der Blindgeborene fragt nicht nach Heilung. Wir Menschen gewöhnen uns an fast jede Situation, das lässt uns überleben.

Die Jünger sind nicht mitleidig als sie ihn sehen, sondern sie beschäftigt eine theologische Frage: wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? Die Suche nach dem Grund für Krankheit und Leid  hat das menschliche Denken immer beschäftigt. Verstehen wollen, warum – die christliche Kirche hat zur Beantwortung die Erbsündenlehre entwickelt- nach der  Leid und Schuld, Sünde in unserem Menschsein begründet ist.  Im jüdischen Glauben gibt es die Frage auch schon lang – ohne Dogma, einfach begründet in dem Erleben dass auch der Gottesfürchtige Schweres erleidet und dem Versuch dafür eine Logik zu finden. So erzählt es der Bochumer Neutestamentler Klaus Wengst in seinen Arbeiten zum Johnnesevanglium. Wenn es Gottes Vorsehung gibt, gibt es dann auch die Vorsehung unserer menschlichen Dunkelheiten?

Dunkelheiten sind nicht allein Krankheiten, die uns ohne Licht sein lassen, sondern auch das, was wir Menschen einander antun an Gewalt und Leid und vor dem ich immer wieder fassungslos stehe und um Antwort ringe.

Wo seid Ihr? Diese Frage stellt ein Leitartikel der Süddeutschen Zeitung am Freitag  den christlichen Kirchen:

Wo seid Ihr in dieser besonderen Zeit? Bei der Beantwortung dieser Frage geht es nicht um Schutzkonzepte und die Ermöglichung  sich wieder in unsren Häusern unter hohen Auflagen  treffen zu können sondern um die Fragen für die wir doch wirklich zuständig sind:
Wie mit der Angst umgehen vor einer Krankheit, die so schnell weitergegeben wird und bei manchen unbemerkt und bei anderen lebensbedrohlich ist?

Wie mit der Schuld umgehen durch eigene Ignoranz - Corona gibt es immer nur bei den anderen-  und Nichtbeachtung sinnvoller Schutzmaßnahmen das Leiden anderer in Kauf genommen zu haben?

Wo seid Ihr? Das fragt Gott uns Menschen schon in der Schöpfungsgeschichte. Und das ist die Frage nach unseren Antworten auf eine grundlegend veränderte Welt.  Was ist, wenn Unbesorgtheit,  Gewohntes, Ekstase und unkontrollierte Nähe nicht zurückkehren können?

Wenn doch wirtschaftliche Interessen vor den Erhalt von Menschenleben gestellt werden irgendwann?

Was sagen wir dann als Kirche, als Christinnen und Christen?

Warum Leid geschieht? Das fragen wir uns immer schon in unseren Gemeinden, lange vor Corona. Warum trifft hier schwere Krankheit und früher Verlust und dort nicht?

Jesus sagt: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist;

Jesus ist pragmatisch. Die Zeit nicht an das Dunkle  und das Nachdenken über das Warum verschenken, sondern sie für das Verbreiten von Licht gebrauchen. Die Dunkelheit hat ihre einzige Berechtigung darin, dass sie überwunden wird. Die Zeit des Lichts nutzen! Out of the dark, into the light.

 „Sie haben Vitamin D Mangel“, erklärt mir meine Ärztin. „Zuwenig Licht, dann funktioniert irgendwann gar nichts mehr  richtig in Ihrem Körper.“ Licht ist lebensnotwendig, nicht nur für unseren Körper.  Licht ist wie selbstverständlich vorhanden in unserer Welt und doch ein Wunder. Durchwachte Nächte in Dunkelheit mit Angst, Schmerz und den Fragen nach Warum und Wie – und endlich am Morgen geht  die Sonne auf.

„..die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags,
du bläst sie lächelnd aus
wenn du in die Sonne trittst
weil das Wunder immer geschieht“

Wir warten, hoffen auf Wunder, erbitten sie – gleichzeitig passen sie nicht  in unsere wissenschaftliche Welt.

Der Theologe Paul Tillich beschreibt die biblischen Wunder und nennt ihre Merkmale: Sie sind immer zum Staunen und weisen über unser Leben hinaus und werden mit Ekstase erlebt. Der Blindgeborene geht sicher schnell den gesandten Weg zum Teich und kommt sehend wieder, die anderen staunen, erschrecken und versuchen das Erlebte aus Ihrem Gewohnten herauszuhalten-, denn so geht die Geschichte weiter. Sie wollen sich nicht berühren lassen  und reden schlecht über den, der das Wunder erlebt hat und  über Jesus.

Sind die biblischen Wundergeschichten wirklich so passiert? Auf jeden Fall sind sie etwas Wunderbares. Gleich Wundern heute, wenn sie geschehen: nicht immer das ganz große Wunder –Heilung oder Verschonung, manchmal ist es , dass sich Angst verliert, wir verstanden werden, befreit , dass wir uns wehren, Gewohntes durchbrechen. Dass es hell wird, wenn du in die Sonne trittst.

Jesus weiß das : Ich bin das Licht der Welt . Licht, dass Wunder ermöglicht, alles Dunkle vertreibt.

Unser Glaube an Wunder scheitert oft daran, wenn wir um sie beten und  sie nicht geschehen wie gewünscht. Wenn Heilung ausbleibt, unsere Erwartungen enttäuscht werden.

Wunder sind unverfügbar. Sie geschehen wann, wo oder wie Jesus es will. Der Blindgeborene hat gar nicht um Heilung gebeten. Wunder sind nicht die 1 zu 1 Erfüllung unserer Bitten. Ein Corona- Wunder nach dem alles wieder ist wie vorher wird es nicht geben. Aber es gibt die nochmal bewußtere Wirklichkeit, dass wir als Menschen einer Welt mit dieser und mit uns nicht länger so umgehen können wie bisher. Jetzt ist die Chance es anders zu machen -jeder und jede von uns. Sorgsamer , sozialer, ungewohnter, nicht wie vorher. Das wären für mich Wunder.

Manchmal bleiben Wunder auch lebenslanger Wunsch und stehen  bis zuletzt aus: „Wann kommst Du meine Wunden küssen?“ fragt Falco. Ich bin ich das Licht der Welt. Als Jesus das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden.

Lichtwundergeschichten.

Eine mochte ich früher besonders: Sternenstaub: Schneemänner- und frauen die einmal im Jahr am Heiligen Abend für eine kurze Zeit lebendig werden können durch das Licht des Sternenstaubs zueinander finden, Licht dass von aller Erstarrung und dem Gewohnten  befreit.

Ich finde in allem Licht Jesus. In der Kerze , dem Aufgang der Sonne, der Wärme mittags, dem Sternenstaub und dem Nachthimmel. Dass Gott es hat Licht werden lassen und dieser Welt und uns das Leben geschenkt und sie uns anvertraut hat, ist ein Wunder. Dass  mit Jesus Gott nochmal besonders Licht in uns und unsere Welt gebracht hat, ist für mich Gnade.

weil das Wunder immer geschieht,
und weil wir ohne die Gnade
nicht leben können:
die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags, du bläst sie lächelnd aus wenn du in die Sonne trittst[1]

Ich sitze im Auto, die Musik ist laut, ich fahre schnell, ein  bisschen mir selbst erlaubte Ekstase in Corona Zeiten.  Das Gewohnte, der Alltag liegt hinter mir, die Sonne geht auf. Vieles scheint auf einmal möglich, das Leben Wunder-voll und ich höre Jesu Stimme in diesem Lied:

Out of the dark
Hörst Du die Stimme, die dir sagt
Into the light.

Amen.

 

 

 

 

 

 


[1] Hilde Domin,  Die schwersten Wege

Fürbittengebet:

Wie Kinder zu Vater und Mutter,
so kommen wir, Gott zu dir.

Wir kommen mit unserer Freude und allem, was uns bedrückt.
Wir kommen zu dir , in Gedanken an Menschen, denen wir verbunden sind.
Wir bitten dich um  deine Hilfe und sprechen:

Kyrie eleison, sei bei uns Gott.

Wir denken an die vielen, die sich einsam und verlassen fühlen,
krank oder bedroht, ängstlich und verletzt.
Die im Dunkeln sind und das Licht nicht sehen.
Sieh sie an und gib uns Augen für sie.
Lass uns nicht achtlos aneinander vorbeileben,
sondern behutsam und geduldig miteinander  umgehen.
Wir bitten dich um deine Hilfe und sprechen:

Kyrie eleison, sei bei uns Gott.

Wir sind in Gedanken bei allen, die gestorben sind und denen, die um sie trauern.
Wir sind in Gedanken bei allen, die an ihrer Ohnmacht leiden.
Bei den Sterbenden und denen, die Lebensmüde sind.
Wir bitten dich um deine Hilfe und sprechen:

Kyrie eleison, sei bei uns Gott.

Wie Kinder zu Vater und Mutter,
so kommen wir, Gott, zu dir.
Dir vertrauen wir uns an, unsere Welt und uns selbst.

Gemeinsam beten wir...

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Sendung und Segen

Wir sind Gesegnete Gottes und nehmen mit uns in die Woche 
die Liebe Gottes,
Jesu Nähe und
die Kraft des Heiligen Geistes 
in aller Anfechtung und Freude.

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden.

Amen.

Musik zum Ausgang

Robert Führer - Andante in Es

Orgel: Dr. Birgit Kordt