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7. Sonntag nach Trinitatis - 26. Juli 2020

Musik zum Eingang

How Firm A Foundation - Bearb.: Terry Kirkland

Orgel: Dr. Birgit Kordt

"So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen."

Mit dem Wochenspruch aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Ephesus begrüße ich Sie herzlich zum Gottesdienst am 7. Sonntag nach Trinitatis.

In diesem Gottesdienst denken wir auch an die Menschen in unserer indonesischen Partnerkirche, der Christlich-Protestantischen-Simalungun-Batak-Kirche (GKPS).

Seit mehr als 50 Jahren gibt es partnerschaftliche Beziehungen zwischen der GKPS in Indonesien und dem Evangelischen Kirchenkreis Hagen. 1966 sind von der Rheinischen Missionsgesellschaft Schwester Elisabeth Steinhard und Schwester Ursula Wörmann ins Simalungungebiet ausgesandt worden. Dort auf Sumatra sollten sie auf Wunsch der Simalungunkirche helfen, ein Internat für Mädchen aufzubauen und die Frauenarbeit zu unterstützen. Die Hagener Frauenhilfsgruppen haben diese Arbeit mit Gebeten und Taten unterstützt. Seitdem besteht der Kontakt.

Wir feiern diesen Gottesdienst:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

P             Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, ...

Gemeinde:             ... der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 107

Lasst uns beten mit den Worten des 107. Psalms.

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.

     So sollen sagen, die erlöst sind durch den Herrn,
     die er aus der Not erlöst hat,

die er aus den Ländern zusammengebracht hat
von Osten und Westen, von Norden und Süden.

     Die irregingen in der Wüste, auf ungebahntem Wege,
     und fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten,

die hungrig und durstig waren
und deren Seele verschmachtete,

     die dann zum Herrn riefen in ihrer Not,
     und er errettete sie aus ihren Ängsten

und führte sie den richtigen Weg,
daß sie kamen zur Stadt,
in der sie wohnen konnten:

     die sollen dem Herrn danken für seine Güte
     und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut,

daß er sättigt die durstige Seele
und die Hungrigen füllt mit Gutem.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Tagesgebet

Lasst uns beten:

Guter Gott, Brot des Lebens,
Tag für Tag schenkst Du uns,
was wir im Leben nötig haben,
so wie Du uns Deinen Sohn
Jesus Christus zum Bruder geschenkt hast.

Wir bitten Dich, Gott,
lass uns Deine wunderbaren Taten
immer wieder neu erfahren
und sie dankbar annehmen,
in Jesus Christus,
der mit Dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert
von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

Evangeliumslesung (Joh 6, 1-15)

Danach ging Jesus weg ans andre Ufer des Galiläischen Meeres, das auch See von Tiberias heißt. Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden.

Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben? Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, dass jeder auch nur ein wenig bekomme.

Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus: Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Aber was ist das für so viele? Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer.

Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, so viel sie wollten. Als sie aber satt waren, spricht er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt. Da sammelten sie und füllten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren.

Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er allein.

Lied: Stern auf den ich schaue [EG 407]

Stern auf den ich schaue, Fels auf dem ich steh,
Führer, dem ich traue, Stab an dem ich geh,
Brot, vom dem ich lebe, Quell, an dem ich ruh,
Ziel, das ich erstrebe, alles Herr, bist du.

Ohne dich, wo käme Kraft und Mut mir her?
Ohne dich, wer nähme meine Bürde, wer?
Ohne dich zerstieben würden mir im Nu
Glauben, Hoffen, Lieben; alles, Herr, bist du.

Drum so will ich wallen meinen Pfad dahin,
bis die Glocken schallen und daheim ich bin.
Dann mit neuen Singen jauchz ich froh dir zu:
Nichts hab ich zu bringen, alles Herr, bist du!

Predigt

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

es mag 10, vielleicht 12 Jahre her sein, und dennoch bleibt mir dieser Satz in der Erinnerung: Abang tidak bisa inap di rumah kami, sagt Nurdin zu mir: „Bruder, du kannst nicht in unserem Haus übernachten“.

Das Haus seiner Familie liegt am Ufer des Tobasees in Nord-Sumatra, im Gebiet unserer Partnerkirche, der Christlich-protestantischen Simalungun-Batakkirche, der GKPS.

Es muss mir wohl deutlich anzusehen gewesen sein, wie überrascht ich von dieser Aussage war. Noch nie hatte mir in Indonesien jemand die Gastfreundschaft verweigert. Wieso gerade jetzt?

Und sofort kommen entschuldigende, erklärende Worte: "Unser Haus ist zu einfach. Wir haben kein Badezimmer, wir waschen uns im See."

Das also ist der Grund.

Für den Gast ist unser Haus nicht gut genug. Dem Gast können wir nicht genug bieten.

Dayok binatur (Geordnetes Huhn)

Oft erlebe ich, wie das letzte Huhn geschlachtet wird, um mir als Gast die Ehre zu erweisen, mir in feierlicher Zeremonie, wortreich und andächtig, ein „Dayok Nabinatur“, ein geordnetes Huhn zu überreichen. Das Fleisch des gekochten Huhnes wird auf Reis gebettet. Krallen, Flügel, Bollen und Kopf kommen zurück an Ihren Platz, das Huhn wird wieder geordnet.

So wie dieses Huhn wieder geordnet wird, so der Wunsch, soll das Leben des Geehrten geordnet und gesegnet sein.

Wie oft habe ich gedacht: "Das ist doch nicht nötig, mich so besonders zu beachten. Mich so besonders zu bekochen, mich so reichlich zu bedienen." Manchmal empfinde ich fast so etwas wie Scham... Und doch ist mir klar: Ich muss das akzeptieren, sonst kann ich nicht zu Besuch kommen. Für die Menschen unserer Partnerkirche sind Nächstenliebe und Gastfreundschaft untrennbar miteinander verbunden. Die Gastfreundschaft ist das höchste Gut der Simalungun-Kultur, Jahrtausende alt...

Sie war ein hohes Gut zur Zeit Abrahams, Isaaks und Jakobs, wo sie unter den Wüstennomaden überlebenswichtig war... und bei den ersten Christinnen und Christen. Davon hören wir im heutigen Predigttext.

Ich lese aus dem Brief an die Hebräer, Kapitel 13, die Verse 1-3 in der Übersetzung der Basisbibel:

Anweisungen für das Leben im Alltag

Die Liebe zu den Brüdern und Schwestern soll bestehen bleiben.  Vergesst aber auch die Gastfreundschaft nicht. Denn auf diese Weise haben schon manche, ohne es zu wissen, Engel als Gäste aufgenommen.

Denkt an die Gefangenen, als ob ihr mit ihnen im Gefängnis wärt.

Denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem Körper.

Amen

Liebe Gemeinde, ein klarer Auftrag an die „Hebräer“, damit vermutlich an Christinnen und Christen, die aus der jüdischen Tradition stammen geschrieben... Der eigentliche Adressatenkreis bleibt umstritten,

vermutlich keine konkrete Gemeinde, eher eine Art Predigt, für einen weiteren Zuhörerkreis gedacht. In nur drei Versen finden wir hier alles, was Zusammenleben braucht: Nächstenliebe und Gastfreundschaft... Mitgefühl und Anteilnahme...

Und wie so oft bin ich versucht hier unsere Partnerkirche als Paradebeispiel anzuführen, als Paradebeispiel für gelingende christliche Gemeinschaft. Ja, vieles verdient es, beispielhaft genannt zu werden. Und je ländlicher wir selbst leben, je fester wir eingebunden sind, in die örtlichen Vereine, um so mehr von dem, was wir jetzt hören, kennen wir vielleicht selbst noch.

Und natürlich ist auch nicht alles super, zumindest mit meiner westlichen Brille betrachtet, was sich bei den Simalungun so abspielt.

Da ist die Anteilnahme an dem, was im Dorf, in der Nachbarschaft, der Familie geschieht. Da sind die Hochzeitsfeiern mit hunderten ja, bis tausend und mehr Gästen. ... Aber da sind eben auch die Familien, die sich in Schulden stürzen, um das entsprechende Fest auszurichten.

Und da sind die jungen Erwachsenen, die verzweifeln, weil sie nicht heiraten wollen, weil sie den richtigen Partner nicht finden, oder sich allein wohler fühlen, oder weil sie vielleicht anders lieben, als gesellschaftlich akzeptiert wird. Sie müssen ihrerseits das tausendfache:"Kenapa belum menikah?"(Warum bist du noch nicht verheiratet?) über sich ergehen lassen. "Sei ruhig, du bist nicht verheiratet, hier reden und entscheiden die Männer. Bleib Du bei der Jugend."

So ist die Hierarchie...

Und da sind die Besuche im Trauerfall, die Anteilnahme am Schicksal der anderen, die Beerdigungen, die nahezu gleich viele Gäste anziehen, wie Hochzeiten. - Da ist die Anerkennung, die Verehrung und der Respekt vor dem Alter. - Und da ist aus den alten Traditionen heraus, die Beerdigung ich nenne sie mal „2. Klasse“, für Menschen die nicht alles erreicht haben, was erwartet wird: verheiratet, eigene Kinder, alle Kinder verheiratet und möglichst auch schon Enkelkinder, dann ist alles perfekt...

Ulos, die traditionell gewebten Tücher, begleiten die Lebensstationen der Simalungun. Geburt, Taufe, Hochzeit, Tod,- ein Ulos bei jeder dieser Gelegenheiten, hat uns Irene Girsang in einem Vortrag zum Jubiläum 50 Jahre Partnerschaft erklärt...

Verheiratet, eigene Kinder, alle Kinder verheiratet und möglichst auch schon Enkelkinder, dann ist alles perfekt. ... Hat der Verstorbene noch unverheiratete Kinder, ist er gar kinderlos, wird sein Leichnam bei der Beerdigung nicht mit einem entsprechenden Ulos bedeckt. Diese letzte Ehre wird verweigert, da er die gesellschaftlichen Anforderungen eben nur zum Teil erfüllt hat.

Da muss ich schlucken. Hin und hergerissen bin ich oft, zwischen der Bewunderung einerseits für soviel Anteilnahme, so viel Gemeinschaft. - Und der Wut über die offenbare Bevormundung, das Gängeln der jungen Erwachsenen und diese mich teilweise sprachlos machende strenge Hierarchie.

"Die Liebe zu den Brüdern und Schwestern soll bestehen bleiben.", so lesen wir im Predigttext.

Und es ist diese Liebe, die unsere Partnerschaft mit Leben füllt. Es ist diese Liebe die uns Mut macht, Unterschiede wahrzunehmen, diese auch zu benennen, ohne überheblich zu sein, ohne beleidigt zu sein oder gar verletzt. Und es ist spannen, zu erleben, was uns gegenseitig auffällt, was Menschen aus Simalungun an und bei uns entdecken, was sie nicht verstehen und wo sie denken: "Was machen denn die Deutschen da?" - „Ich habe gehört, Eure Kirchen sind leer, stimmt das? Warum ist das so?"

Oft kann ich nur antworten: "Wenn wir darauf eine Antwort wüssten, wir würden es ändern." Und in den Momenten erfreue ich mich einfach an den vollen Kirchen in Indonesien, an mehr als 100 Jungen und Mädchen im Kindergottesdienst beispielsweise, - an übervollen Kirchen beim Jugendgottesdienst  und an Menschen, die sich auf den Kirchplatz setzen, weil die Kirche bereits überfüllt ist. Ich erfreue mich an der unbeschreiblichen Gastfreundschaft, die immer da am stärksten scheint, wo das Leben selbst, am schwersten ist.

Ich denke an die Nächte in den Einraum-Holzhäusern, in den Bauerndörfern, mit 10, 15, 20 Menschen dichtgedrängt und daran, mit einem sicherem Gefühl von Geborgenheit einschlafen zu können. Oder an die Nacht mit 3 Personen auf einer dreckigen Pritsche mitten in einer Reifenwerkstatt, wo die jungen Leute Tag und Nacht einsatzbereit sein müssen, falls Kundschaft kommt. - Der Verdienst oft wenig mehr als eine tägliche Mahlzeit und diese Unterkunft. Und doch ist es ein Kampf, dass ich wenigstens am 2. Tag das gemeinsame Essen bezahlen darf.

Vergesst die Gastfreundschaft nicht...

Aufeinander achten, Mitgefühl zeigen,aber auch Schwierigkeiten begegnen, davon lebt das Miteinander der angesprochenen Hebräer im unserem Predigttext. Und von gegenseitigem Lernen, vom Annehmen und Abgucken, aber auch vom sich aneinander reiben und sich dennoch achten und lieben können. Davon leben unsere Gemeinden und lebt unsere Partnerschaft mit der GKPS. - Dass wir uns dabei in der Fürbitte begleiten, über 12.000 Kilometer hinweg Kontakt halten und miteinander im Gespräch bleiben können, ist ein Geschenk Gottes.

Ich habe mir fest vorgenommen: wenn unsere Reisemöglichkeiten das wieder zulassen, und wir wieder Gäste haben, dann kommen wir gemeinsam auch wieder in die Auferstehungskirchengemeinde. Wir alle können nur gewinnen, im Austausch mit unseren Geschwistern im Glauben.

Dalam Yesus kita bersaudara, in Jesus sind wir Geschwister. Hier im Volmetal, im Kirchenkreis Hagen und in Indonesien.

"Tuhan memberkati kita semua. Gott segne uns alle."

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbittengebet

Lasst uns Gott danken und Fürbitte halten:

Gott, du bist nicht müde geworden, deine Gaben auszuteilen, damit wir leben. Lass sie gedeihen in unserer Hand. Mache uns glaubwürdig in der Nachfolge Jesu. Erfülle uns mit seinem Geist.

Vergib uns unsere Schuld, die uns hart macht und unsere Hände verschließt. Belebe uns, dass wir mit offenem Herzen geben, was wir empfangen haben.

Hilf uns, Verbitterte zum Frieden zu führen. Hilf uns, Ängstliche zu trösten. Hilf uns denen, die an ihr Ende kamen, den weiten Raum des Glaubens aufzutun.

Gott, alle, die wir lieben, bewahre. Alle, die uns fremd sind, segne. Alle, die wir nicht verstehen, schütze.

Erbarme dich dieser Erde, dass sie nicht zerstört werde und niemand verloren gehe, sondern die Vielfalt deiner Schöpfung ein Zeichen deiner Liebe und Güte bleibe.

Wir danken Dir Gott, für unsere Partnerschaft mit der GKPS. Wir bitten Dich für die Menschen in Indonesien, unsere Geschwister im Glauben. Stärke und bewahre sie.

Alles, was uns sonst noch bewegt, bringen wir vor Dich mit den Worten, die du selbst uns geschenkt hast:

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Sendung und Segen

Geht in Frieden und glaubt fest,
dass Gott euch bei eurem Namen gerufen hat.
Geht in Frieden und entdeckt, wie schön es ist,
Gottes Liebe weiterzugeben.
Geht in Frieden, denn Gott ist bei euch
mit seinem Trost und mit seiner Liebe.

So segne dich Gott,
der Allmächtige und Barmherzige,
der Vater,
der Sohn
und der Heilige Geist.

Amen.

Musik zum Ausgang

Antienne - Louis Lepage

Orgel: Dr. Birgit Kordt

Partnerschaftsbesuche in Indonesien

Begegnungen in Deutschland