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6. Sonntag nach Trinitatis - 19. Juli 2020

Musik zum Eingang

Lobe den Herren - Bearb.: Ruth Elaine Schram

Orgel: Dr. Birgit Kordt

Predigt von Pfarrerin Hirschberg-Sonnemann

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,
hinter mir liegt eine Reise, andere von uns haben eine Reise noch vor sich oder sehnen sich danach. Wir haben das erste Mal für viele von uns erfahren dass Reisen nicht selbstverständlich ist und wieviel es bedeutet: Heraus aus dem Alltag, einen anderen weiten Horizont sehen; Neues entdecken, kultureller oder sportlicher sein als sonst, vielleicht auch neue Menschen kennenlernen oder sich selbst woanders neu.

In unserer Welt, unserer Wirtschaftswelt war Reisen selbstverständlich, das hat Corona verändert. Ich habe meine zurückliegende Reise auf eine Insel diesmal als großes Geschenk erlebt.

6. Sonntag nach Trinitatis, für mich der erste nach der Reise – Ein Paulustext zum Predigen liegt nahe, denn Paulus ist Berufener und beruflich viel Reisender mit dem Glauben an Jesus im Koffer.

Heute nun ist er in Athen, damals schon Weltstadt, Großstadt. Viele Menschen, viele Gespräche, damals noch Treffen ohne Abstandsregel. Aber auch schon arm und reich, unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Leben und unterschiedlichem Glauben, Auf den Märkten und dem Areopag, wo auch der Rat der Stadt tagte wurde über die Lehre von Gott und der Welt gesprochen. Heute Morgen nun darf Paulus – Jesus im Gepäck – auf dem Felsen in Athen sprechen:

»Ihr Männer von Athen! Ich sehe, daß es euch mit der Religion sehr ernst ist.

23 Ich bin durch eure Stadt gegangen und habe mir eure heiligen Stätten angesehen. Dabei habe ich auch einen Altar entdeckt mit der Inschrift: 'Für einen unbekannten Gott'. Was ihr da verehrt, ohne es zu kennen, das mache ich euch bekannt.

24 Es ist der Gott, der die Welt geschaffen hat und alles, was darin lebt. Als Herr über Himmel und Erde wohnt er nicht in Tempeln, die ihm die Menschen gebaut haben. a

25 Er ist auch nicht darauf angewiesen, von den Menschen versorgt zu werden; denn er selbst gibt ihnen das Leben und alles, was sie zum Leben brauchen.

26 Er hat aus einem einzigen Menschen die ganze Menschheit hervorgehen lassen, damit sie die Erde bewohnt. Für jedes Volk hat er im Voraus bestimmt, wie lange es bestehen und in welchen Grenzen es leben soll.

27 Und er hat gewollt, daß die Menschen ihn suchen, damit sie ihn vielleicht ertasten und finden könnten. Denn er ist ja jedem von uns ganz nahe.

28 Durch ihn leben wir, regen wir uns, sind wir! Oder wie es einige eurer Dichter ausgedrückt haben: 'Wir sind sogar von seiner Art.'

29 Wenn wir Menschen aber von Gottes Art sind, dann dürfen wir nicht meinen, die Gottheit gleiche den Bildern aus Gold, Silber und Stein, die von Menschen mit ihrer Erfindungskraft und Kunstfertigkeit geschaffen wurden!

30 Nun, Gott ist bereit, mit Nachsicht über das hinwegzusehen, was ihr bisher aus reiner Unwissenheit getan habt. Jetzt aber fordert er alle Menschen überall auf, umzudenken und einen neuen Anfang zu machen.

31 Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er über die ganze Menschheit ein gerechtes Gericht halten will, und zwar durch den Mann, den er dazu bestimmt hat. Ihn hat er vor aller Welt dadurch ausgewiesen, daß er ihn vom Tod auferweckt hat.«

32 Als sie Paulus von der Auferstehung reden hörten, lachten ihn einige aus; andere sagten: »Darüber mußt du uns ein andermal mehr erzählen.«

33 Als Paulus darauf die Versammlung verließ,

34 schlossen sich ihm ein paar Männer an und kamen zum Glauben, darunter Dionysius, der dem Areopag* angehörte, außerdem eine Frau namens Damaris.

Die religiöse Situation in Athen damals war vielleicht nicht ganz so unterschieden zu unserer heute. Nicht mal mehr die Hälfte der Menschen in Deutschland ist bald noch Mitglied einer christlichen Kirche. Es gibt Menschen anderer Kulturen und Glaubensrichtungen zumeist aus dem Islam, es gibt eine zu schützenden ganz vorsichtig etwas größer werdende jüdischen Gemeinde und es gibt viele, bald die meisten Menschen, ohne ein Bindung an eine Religionsgemeinschaft oder Kirche aber oft auch religiös.

Die Taufe garantiert schon lange nicht mehr eine Lebenslange Reise mit Gemeinde und Kirche, aber wir hoffen eine Reise durchs Leben trotzdem mit Gott. Es gibt auch bei uns wie damals in Athen verschiedenen Lehren von Gott und der Welt. Neben den großen Weltreligionen, die gerade im Innenstadtbereich oft nebeneinander zu stehen scheinen, gibt es viele andere Weltanschauungen, Lebensformen- vieles berührt sich auch. Wenn ich in Bonn/ Bad-Godesberg am Rhein entlang laufe, ein kleines Stück den Weg nach oben an sehr teuren Häusern und ehemaligen Botschaften vorbei, steht in einem Park mit alten Bäumen und einer alten Villa die kleine Kirche der Christengemeinschaft, eine Form christlich – gemeindlichen Lebens im Rahmen der Anthroposophie. Eigentlich, so sagen unsere Lehrbücher, eine Sekte, wir erkennen Ihre Taufe nicht an. Der Pfarrer der Christengemeinschaft kam und öffnete die kleine Kirche, wir konnten hinein – Es roch noch nach Weihrauch von der Menschenweihehandlung am Morgen, manches vielleicht fremd, aber vieles auch sehr nah – der freundliche Raum, das Bild in Waldorff-Farben, das Holz, die geschwungenen Linien. Ich konnte Gott auch dort spüren.

Es gibt viel auf dem religiösen Markt heute und in Athen. Paulus verurteilt nicht, schafft keine Abgrenzung, trennt nicht zugehörig und nicht–zugehörig, er nimmt die Bedürfnisse nach Religion, nach einem Sinn in derLebensreise ernst. Damals gab es das Christentum erst neu, es war frisch und unbekannt. Heute in einer Gesellschaft – postchristlich – nach dem Christentum als Selbstverständlichkeit, kommen wir zurück zum Areopag. Es gibt schon lange keine grundlegende christliche Kenntnis mehr. Wir- Kirche - sind viele Lebensreisen der Menschen nicht mehr mitgegangen, haben gewartet, dass sie unsere eine gemeindliche Form des christlichen Lebens teilen, sonntags und in unsere Kreise kommen. Paulus lädt nicht ein zu sich, Paulus reist zu Ihnen.

Er sieht die Stadt der Athener, ihr Leben auf seiner Reise und beginnt da sein Gespräch: „Ich bin durch eure Stadt gegangen und habe mir Eure heiligen Stätten angesehen. Dabei habe ich auch einen Altar entdeckt mit der Inschrift: ^Für einen unbekannten Gott^. Was ihr da verehrt, ohne es zu kennen, das mache ich euch bekannt.“ Paulus stellt den Menschen in Athen seinen Glauben und seinen Gott vor – in ihrer Stadt, in ihrem Leben. Er zeigt Ihnen, dass Sie Gott doch immer schon kannten. Keine große theologische Predigt, sondern die Kurzform für kleines Gepäck:

Gott hat die Erde und Menschheit geschaffen und will, dass wir Menschen ihn suchen. Er ist den Menschen nahe, weil wir nach seinem Bild geschaffen sind. Gott, der will dass wir mit ihm leben, umdenken durch den Mann, den er vom Tod auferweckt hat. Jesus Christus.

Glauben in Pocketform zum Mitnehmen auf die Lebensreise.

Der 6. Sonntag nach Trinitatis ist ein Taufsonntag und es ist schön, dass wir unter Corona-Bedingungen, die unser Leben weiterhin bestimmen werden, wieder Taufen können auch in größeren Kreisen mit aller Vorsicht. Wir freuen uns über jeden kleinen oder größeren Menschen, wenn mit der Taufe die Reise mit Gott beginnt. Diese Reise kennt viele Orte und Wege, sie finden nicht alle in gemeindlichen und christlichen Räumen statt. Ich bin Gott in meinem Urlaub an anderen Orten begegnet, draußen am Meer und vielleicht in dieser kleinen anthroposophischen Kapelle in Bad Godesberg.

Gott, der, wie Paulus es weiß, immer unbekannt bleibt, lässt sich – Gott sei Dank – nicht auf unsere vorgezeichneten Wege und Orte begrenzen. Die Taufe verliert durch nichts ihre Gültigkeit. Davon hat Paulus in vielen Briefen erzählt.

Die Reaktion auf Paulus Rede am Areopag ist verhalten. Die Menschen kommen nicht in Scharen zum Glauben, gerade als er zum theologisch Eigentlichen kommt,– Lächeln und Vertröstung. Eine Frau und ein paar Männer schlossen sich ihm an, als er ging und fanden zum christlichen Glauben.

Wie beruhigend.

Keine Massenevangelisation und der christliche Glauben ist trotzdem ein Reisebegleiter der Menschen über Jahrhunderte geworden.

Der unbekannte Gott findet seine Wege. Paulus sagt in der Areopag-Rede: „Wir dürfen nicht meinen, die Gottheit gleiche den Bildern aus Gold, Silber und Stein, die von Menschen geschaffen wurde.“ Gott ist anders, als wir es sind, anders, als unser begrenzter menschlicher Geist es fassen kann. Seine Wege mit uns sind keinen menschlichen Regelungen unterworfen. Gott will, daß wir ihm begegnen, so sagt es Paulus, daß wir ihn ertasten und finden können. Paulus hat das erfahren und seine Reisen zu den Menschen sind darin begründet. Er will dass jeder diese Erfahrung mit Gott erlebt. Denn: „Durch ihn leben wir, regen wir uns, sind wir!“

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Musik zum Ausgang

Andante in G - Robert Führer

Orgel: Dr. Birgit Kordt