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4. Sonntag nach Trinitatis - 5. Juli 2020

Online-Gottesdienst mit Markus Wessel - Lektorin: Sabine Peddinghaus

Musik zum Eingang

Lobet den Herren, alle, die ihn ehren - Bearb: J. G. Herzog

Orgel: Dr. Birgit Kordt

„Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“

Mit dem Wochenspruch aus dem Galaterbrief begrüße ich Sie herzlich in diesem Gottesdienst.

Wie kann ein friedliches Zusammenleben gelingen? Am Ende der neutestamentlichen Briefe werden oft Ratschläge gegeben, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben. So auch heute: „Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

Wir feiern Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde: Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,

Gemeinde: der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalmgebet

2 Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser,
so schreit meine Seele, Gott, zu dir.

3 Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gott.

Wann werde ich dahin kommen,
dass ich Gottes Angesicht schaue?

4 Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht,
weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?

5 Daran will ich denken
und ausschütten mein Herz bei mir selbst:

wie ich einher zog in großer Schar,
mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes

mit Frohlocken und Danken
in der Schar derer, die da feiern.

6 Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er mir hilft mit seinem Angesicht.

Gemeinde:      Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.         

Sündenbekenntnis

Gott, oft urteilen wir hart über andere.
Nichts können sie uns recht machen,
an allem haben wir etwas auszusetzen.
Den Blick auf uns selbst wagen wir nur selten.
Unser eigenes Tun und Lassen schauen wir nicht an.

Schenke uns Aufrichtigkeit.
Lehre uns, nicht alles zu beurteilen.
Hilf uns, auf deine Gerechtigkeit zu vertrauen.
Barmherziger Gott, erbarme dich.

Gnadenzusage

An jedem neuen Morgen
Gottes Güte und Gerechtigkeit erwarten
und auf seine Treue bauen.

Das öffnet den Tag, erfüllt mit Zuversicht.

Tagesgebet

Barmherziger Gott,
du bist geduldig von großer Güte.
Gib uns Anteil an der Weite deines Herzens.
Öffne unsere Ohren für dein Wort,
unseren Verstand für deine Güte,
unser Herz für deine Gerechtigkeit.
Das bitten wir dich im Namen Jesu.

Amen.

Lesung aus dem Lukasevangelium (Kapitel 6)

36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.

38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen.

39 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann denn ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?

40 Ein Jünger steht nicht über dem Meister; wer aber alles gelernt hat, der ist wie sein Meister.

41 Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr?

42 Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, der da war, der da ist und der da kommt.

Liebe Gemeinde,

streiten Sie gerne - oder ist es Ihnen lieber, wenn alles immer harmonisch verläuft? Haben Sie vor kurzem einen Streit beenden können – oder kommen Sie aus dem Konflikt in der Familie oder in der Nachbarschaft einfach nicht heraus?

Ich persönlich finde Streit manchmal hilfreich, weil er mir hilft, die Position meines Gegenübers überhaupt wahrzunehmen. Als streitsüchtig würde ich mich allerdings nicht sehen. Auch mir ist es erheblich lieber, friedlich miteinander unterwegs zu sein und so versuche ich, wo es sinnvoll ist, Streit zu vermeiden.

Unser heutiger Predigttext steht im Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom:

17 Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

18 Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

19 Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

20 Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22).

21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Es gibt Gegensätze im Leben, die mehr sind, als Streit. Unfrieden. Das ist mehr, als uneins über eine Sache zu sein. Das ist der Wunsch und manchmal auch der Versuch, es anderen mal so richtig heimzuzahlen. Rache ist süß.

Das war auch schon so, als Paulus an die Gemeinde in Rom schrieb. In dem Auszug aus seinem Brief, den wir gerade als Predigttext gehört haben, ist kein konkreter Konflikt beschrieben.

Paulus beschreibt eine Grundhaltung, die uns Christen wie ein Grundgesetz gegeben ist.

Es gibt aber diese Fälle, wo Menschen so tief verletzt werden, dass sie nur noch um sich schlagen, ihre Peiniger vernichten, ihrer Opferrolle endlich ein Ende setzen wollen.

So ist es in Rom den frühen Christen ergangen: Leben im Untergrund, Verfolgung und Tod, Folter, Erniedrigung.

Da wurden natürlich Gedanken wach, sich nicht mehr alles gefallen zu lassen und endlich zurückzuschlagen. Rachegefühle oder sogar Rachepläne. Das wäre es gewesen: das Böse. Und tatsächlich wird von Fällen berichtet, in denen Christen böse Rache genommen haben.

In den unterirdischen Höhlen von Rom, den sog. Katakomben, da hatten sich die Christen verkrochen. Da hockten sie zusammen, zitternd vor Angst und vor Wut. Man hatte ihre Väter und Mütter, man hatte ihre Töchter und Söhne verbrannt, geschändet, erschlagen oder von wilden Tieren in der Arena zerfleischen lassen.

Die meisten träumten von Rache: Tod für Tod, Schmerz für Schmerz, Blut für Blut. Einer von ihnen stand auf, ballte seine Faust und sagte: Wenn es dunkel wird, gehe ich nach oben. Und dann: Wehe dem Römer, der mir begegnet.

Ein paar Jahre später in Alexandrien: Christen schmiedeten einen Komplott gegen eine antichristliche Philosophin namens Hypatia. Sie lauerten der Frau auf, zerrten sie aus der Sänfte und schleiften sie zur Kirche. Dort haben sie die Frau entkleidet und gesteinigt. Danach rissen sie sie in Stücke, häuften die Körperteile aufeinander und verbrannten sie.

Daraufhin schrieb ein Richter diese Worte: „Hütet euch vor den Christen, wenn sie die Katakomben verlassen. Hütet euch vor ihnen, wenn sie beginnen, Böses mit Bösem zu vergelten!“

Auf diesem Hintergrund begreifen wir sehr wohl, wie nötig es war, die Rachsucht und die Grausamkeit der Christen mit strengen Worten einzudämmen. Diese Worte sollten allen Christen ins Gewissen geschrieben werden:

“Vergeltet nicht Böses mit Bösem! Habt mit allen Menschen Frieden! Rächt euch nicht selbst! Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!“

Das Böse können wir vielleicht besser verstehen, wenn wir über den Begriff „Bosheit“ nachdenken.

Bosheit sieht sehr unterschiedlich aus, betrachtet man sie aus verschiedenen Perspektiven.

Aus der Täterperspektive macht Bosheit stark. Die Tat wird belohnt durch Machtgewinn. Die Opfer verlieren Macht. Bosheit kann sich zunächst einmal gut anfühlen. Man findet in der Bosheit sogar Gefolgsleute, die bereit sind, vieles in Kauf zu nehmen, um an der Macht teilzuhaben.

Wie sieht es dagegen aus der Opferperspektive aus? Bosheit macht schwach. Das Gefühl von Ohnmacht ist erniedrigend und bedrückend. Bosheit fühlt sich für Opfer immer schlecht an. Sie macht hilflos und einsam.

Ein besonders bewegender Moment in meinem Leben war, als ich eine Arbeitseinheit zum Thema „Mobbing“ für eine Mitarbeiterschulung vorbereitet habe. Bis dahin hatte ich schon einiges gelesen, doch dann fand ich authentische Berichte, in denen Opfer über ihr Leid, ihre Not, ihre Einsamkeit und Hilflosigkeit berichteten. Auch über ihre Versuche, selbst so zu agieren, so hart zu sein, wie ihre Peiniger und darüber, wie wenig Erfolg das brachte.

Ein Positionswechsel, Feindschaft von unten gegen Feindschaft von oben auszutauschen ist ein fruchtloses Unterfangen. Es funktioniert nicht. Welchem Opfer sollte es helfen, selbst Täter zu werden? Was bringt es, wenn aus Tätern nun Opfer werden?

Hilfreich, so habe ich damals bei meinen Recherchen gelernt ist vielmehr ein Perspektivwechsel. Abstand nehmen, sich einfühlen und hineindenken in die andere Seite. Das Ablegen der Gleichgültigkeit.

Hierbei ist nicht mehr allein die Beziehung zwischen Tätern und Opfern wirkungsvoll. Auch die scheinbar Unbeteiligten bekommen Gewicht, müssen Position oder besser: Perspektive beziehen.

Sie können sich entscheiden, dem kleinen Machthunger zwischendurch nicht nachzugeben. Sie haben die Möglichkeit, Täter zu entmachten, indem sie die Erfolgserlebnisse nicht mehr liefern.

Man sagt, der Römerbrief sei, gemeinsam mit den Worten, die von Jesus selbst überliefert wurden, die Essenz des christlichen Glaubens. Alles, was Christentum ausmacht sei dort zu finden.

Und so findet man auch das gewichtige Wort der Feindesliebe hier wieder. „Überwinde das Böse mit Gutem.“

Paulus und Jesus gehen bei der Feindesliebe völlig konform miteinander und die Wirkungsgeschichte dieser ethischen Forderung ist enorm. Uns stehen vor allem die großen Helden des 20. Jahrhunderts vor Augen, die sich auf das Gebot der Feindesliebe berufen haben: Mahatma Gandhi, Martin Luther King und zuletzt Nelson Mandela, zunächst Freiheitskämpfer und später Präsident von Südafrika.

Nelson Mandela, ließ sich auch durch jahrzehntelange Gefangenschaft nicht verbittern. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis setzte er unablässig Zeichen der Versöhnung.

1993 erhielt er den Friedensnobelpreis. Zu seinem Begräbnis im Dezember 2013 kamen Staatschefs aus aller Welt. In seiner Autobiografie schreibt Mandela über seine Erfahrungen aus der Haft: „Ein Mensch, der einem anderen die Freiheit raubt, ist ein Gefangener des Hasses […] Der Unterdrückte und der Unterdrücker sind gleichermaßen ihrer Menschlichkeit beraubt. Als ich das Gefängnis verließ, war es meine Aufgabe, beide, den Unterdrücker und den Unterdrückten zu befreien.“

Da steht sie plötzlich vor uns: unsere Verantwortung. Nicht mitzumachen beim Schlechtreden. Den Opfern zu helfen und den Tätern zu vergeben. Perspektiven zu suchen, die heraushelfen aus der Eskalation von Macht und Gewalt.

Es kostet Überwindung, dem Bösen, sei es durch Tun oder durch Unterlassen, entgegenzutreten. Und es tut im wahrsten Sinne des Wortes gut, Opfern beizustehen und Tätern zu vergeben oder sie zumindest der Gerechtigkeit Gottes zu überlassen.

Gottes Frieden und seine Gerechtigkeit sind Grundlage für unseren Perspektivwechsel in der Gegenwart und unsere Perspektive der Zukunft.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.  Amen.

Musik nach der Predigt - Das Zeichen

Interpret: David Qualey

Freunde, dass der Mandelzweig
wieder blüht und treibt,
ist das nicht ein Fingerzeig,
dass die Liebe bleibt?

Dass das Leben nicht verging,
soviel Blut auch schreit,
achtet dieses nicht gering,
in der trübsten Zeit.

Tausende zerstampft der Krieg,
eine Welt vergeht,
doch des Lebens Blütensieg
leicht im Winde weht.

Freunde, dass der Mandelzweig
sich in Blüten wiegt,
bleibe uns ein Fingerzeig,
wie das Leben siegt.

Fürbittengebet

Gott, wir denken vor dir an Menschen,
die unbarmherzig sind mit sich selbst und anderen,
die sich hart und stachelig geben.

Stille

Berühre sie mit der Milde deiner Barmherzigkeit.

 

Gott, wir denken vor dir an besonders belastete Menschen,
die erdrückt zu werden drohen.

Stille

Stärke sie mit deiner Kraft.

 

Gott, wir denken vor dir an Menschen,
die in Armut leben.

Stille

Lass deine Gerechtigkeit wirksam werden in der Welt.

 

Gott, wir denken vor dir an uns, an deine Kirche,
die manchmal so klein und mutlos ist.

Stille

Lass uns um Gerechtigkeit kämpfen für die, die bedrückt und bedrängt werden.

 

Gott, wir denken vor dir an Täter und an Opfer,
die tagtäglich in ihrer Position gefangen sind.

Stille

Schenke du ihnen Veränderung und neue Perspektiven.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Lied: Herr, wir bitten, komm und segne uns

Refrain: Herr, wir bitten: Komm und segne uns;
lege auf uns deinen Frieden.
Segnend halte Hände über uns.
Rühr uns an mit deiner Kraft.

In die Nacht der Welt hast du uns gestellt,
deine Freude auszubreiten.
In der Traurigkeit, mitten in dem Leid,
lass uns deine Boten sein.

In die Schuld der Welt hast du uns gestellt,
um vergebend zu ertragen,
dass man uns verlacht, uns zu Feinden macht,
dich und deine Kraft verneint.

In den Streit der Welt hast du uns gestellt,
deinen Frieden zu verkünden,
der nur dort beginnt, wo man wie ein Kind
deinem Wort Vertrauen schenkt.

In das Leid der Welt hast du uns gestellt,
deine Liebe zu bezeugen.
Lass uns Gutes tun und nicht eher ruhn,
bis wir dich im Lichte sehn.

Nach der Not der Welt,
die uns heute quält,
wirst du deine Erde gründen,
wo Gerechtigkeit
und nicht mehr das Leid
deine Jünger prägen wird.

Segen

Der Herr segne dich und mache die Wege hell, die er dich führt.
Er lasse dich seine Nähe spüren, wenn du dich ängstigst,
und öffne deine Augen und dein Herz für die Freude
und für die Menschen, die er dir schenkt.

Musik zum Ausgang

Nun danket all und bringet Ehr - Bearb.: Ferdinand Saffe

Orgel: Dr. Birgit Kordt