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2. Sonntag nach Trinitatis - 21. Juni 2020

Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Wochenspruch aus Mt 11, 28

Musik zum Eingang

Herr Jesu Christ, dich zu uns wend - J. G. Walther

Orgel: Dr. Birgit Kordt

Psalm 143

Ich stehe und strecke meine Hände zu Dir, Gott.
Meine Seele hat genug geträumt
und dürstet nach dir wie dürres Land.

            Herr, erhöre mich und wende deine Augen nicht von mir,
            denn du bist mein Licht. 

Lass mich am Morgen hören deine Gnade,
denn ich hoffe auf dich. 

            Zeig mir heute den Weg, den ich gehen soll,
            denn ich bin ziellos ohne dich. 

Bewahre mich vor Feind und Gefahr,
denn du bist mein Schutz.

            Lehre mich tun, was du segnest, denn du bist mein Gott.
            Dein Geist leite mich auf ebner Bahn. 

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. 

Amen. 

Kyriegebet

Gott, Sehnsucht bestimmt unser Leben.
Nach Deinem Eingreifen in unsere Welt,
nach Gesundheit und Heilung.
Sehnsucht danach, dich zu spüren, nicht allein zu sein.
Sehnsucht nach Aufatmen, Auftanken und Loslassen. 

Wir bitten dich um Dein Erbarmen. 

Gloriazusage

Menschen vor uns haben es erfahren:
Gott, deine Güte reicht so weit der Himmel ist
und deine Wahrheit so weit die Wolken gehen.“
Gott, Ziel unserer Sehnsucht : ist da.
Nichts soll uns ängstigen.

Nada te turbe

Tagesgebet

Treuer, unbegreiflicher Gott, du birgst uns in deiner Liebe.
Gib uns, an dir festzuhalten in Vertrauen,
wenn wir uns mühselig und beladen sind
und deinen Namen zu preisen.

Du wirst uns erquicken
von Ewgkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesungstext - Lukasevangelium 14, 16-24

Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist schon bereit!

Da fingen sie alle an, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und ein andrer sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Wieder ein andrer sprach: Ich habe eine Frau geheiratet; darum kann ich nicht kommen.

Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen herein.

Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Denn ich sage euch: Keiner der Männer, die eingeladen waren, wird mein Abendmahl schmecken.

Predigt

Pfrin. Hirschberg-Sonnemann

Ich trete aus der Kirche. Viele Kilometer Autobahn liegen hinter uns, eine Fahrt quer durch den Süden Deutschlands, Autobahnkirchen besuchen. Diese hier lag nicht direkt an der Bahn, ein kleines Stück entfernt. Treppen führen hoch. 32 Grad im Schatten, hohe  Luftfeuchtigkeit, es ist mühselig. Die Kirche selbst ist hell, lichtdurchflutet und auch nicht kälter. Ich kehre ihr den Rücken auf der Suche nach Kühle. Um die Kirche finde ich ein Wildblumengarten, kleine verschlungene Pfade, hohe Gräser und  weit hinten eine kleine Bank an einem Brunnen. Ich setzte mich, es ist etwas schattig und vom Brunnen spüre ich ein wenig frische Luft, um mich zu erquicken.

„Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will Euch erquicken!“

Ich lese aus dem Buch Jona, Predigttext  für den 2. Sonntag nach Trinitatis: Ich lese ihn in den Worten von Klaus Peter Hertzsch:

„Da hatte Jona alles satt
und ging verdrießlich aus der Stadt.
Er hat sich auf dem freien Feld
Ein kleines Häuschen aufgestellt.

Doch als er schlief die nächste Nacht,
hat Gott ihm ein Geschenk gemacht.
Als früh er aus der Türe trat,
-ein heißer Morgen war es grad-,
da traut er seinen Augen kaum,
da wars gewachsen wie ein Baum.

Ein Rizinus, ein grüner Strauch,
mit festem Stamm und Zweigen auch;
und weil die breite Blätter hatten,
lag seine Hütte nun im Schatten.
Da freute sich der Jona sehr
und dacht an keinen Ärger mehr.

Er streckt sich aus im Sommerwetter
und sah die Sonne durch die Blätter.
Ja, sagt er, so ist s gemütlich!
Der ganze Tag war blau und friedlich.

Die Geschichte des Propheten Jona kennen viele von uns seit Kindertagen, vor allem den Wal, der Jona erst verschluckt um ihn zu retten und dann wieder ausspuckt, damit er Gottes Auftrag ausführt. Jona geht also nach Ninive und predigt das, was Gott ihm gesagt hat: Dass Gott Ninive vernichten wird, weil die Menschen unsozial, gemein und egoistisch sind. Die Niniveer erschrecken, Reue, Umkehr stellt sich ein, sie ändern sich, Gott verschont sie. Alles ist gut aber Jona ist sauer. Er versteht Gott nicht, fühlt sich von ihm benutzt und sucht sich einen Ort weit weg vom Ärger. Und leidet dort unter der Hitze. Über Nacht wächst ein Baum vor seiner Hütte und Jona  freut sich, ein Rizinus.

Bäume in Wüstengegenden sind großes Glück: es ist heiß, weit mehr als 32 Grad  im Schatten, gar kein Schatten – es ist mühselig. Ein altes Wort: man braucht sehr viel Mühe um an diesem Ort Seligkeit zu erreichen. „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid – ich will euch erquicken.“ 

In der Wüste ist der kleine geschenkte über Nacht gewachsene Baum Jonas Erquickung, macht ihn schnell wieder lebendig – quicklebendig. Er freut sich, es geht ihm gut. So sollen Orte zum Auftanken sein.

Was sind Ihre und Eure Sommerorte an denen  das Mühevolle und Schwere abfällt- Orte zum Auftanken? Unter einem Baum , auf einer Bank , an einem Brunnen? Am Meer? Zuhause im Garten oder weit weg?

Wir haben viele Kirchen gesehen damals in diesem heißen Sommer. Diese mit der Wildblumenwiese, dem Brunnen und der Bank war meine Erquickung. Margeriten überall, und Lichtflecke auf der Wiese, frische Luft. Vieles fiel ab, fällt ab wenn ich die Fotos heute noch ansehe.

Zweiter Sonntag nach Trinitatis, am Samstag beginnen bei uns die Sommerferien nach belastenden Monaten. Viele von uns wünschen sich ein paar Tage unbeschwerte Zeit. Orte, wo wir wie Jona altes vergessen und glücklich unter dem Baum im Schatten sitzen. Neue Kraft tanken an  hier oder endlich weg. Gestärkt und erquickt zurückkommen und Sorgen und Ängste in unseren Leben mit den gestellten Aufgaben besser meistern  können.

Klaus Peter Hertzsch erzählt Jonas Geschichte gedichtet und lässt uns Jonas Freude  über den  Baum spüren und auch seine Traurigkeit am kommenden Morgen, denn:   

Doch, ach schon in der nächsten Nacht,
noch ehe Jona aufgewacht,
da kam ein giftiger Wurm gekrochen
und hat den Rizinus gestochen.

Als Jona vor die Türe trat
ein heißer Morgen war es grad –
erschrak er sehr und er sah sofort:
Sein Rizinus ist ganz verdorrt.
Die Sonne stach. Ein Wind ging heiß
Der arme Jona stand im Schweiß.

Da weinte er. Da sagte er:
„Ach wär ich tot, ich kann nicht mehr.“

Gott sprach zu ihm ein gutes Wort:
„Jetzt weinst du, weil dein Baum verdorrt,
den du nicht wachsen lassen kannst
und den du nicht mal selbst gepflanzt.
Da sollte ich nicht traurig werden,
wenn meine Kinder dort auf Erden
verderben und zugrunde gehen
weil sie mein Wort nicht gut verstehen?“

Der erquickende Baum war nicht von langer Dauer und in seiner Traurigkeit versteht Jona erst, wie traurig Gott war über Ninive. Jetzt  versteht er seine Entscheidung, anders als er- Jona – in der Predigt androhen sollte: Gott verschont. Gott will Rizinus schenken, durch einen Wal retten, auf richtige Wege zurückbringen. Er will unser Einsehen und unsere Umkehr. Er hat die Schöpfung und uns gut geschaffen, er will: Alles wird gut. Jonas Buch  erzählt von Rettung, von Gott, der uns Menschen –Niniveer- zurückbringen und  unbedingt unsere Verschonung will. Gott, der gute Worte sagt.

Die Halterner Erlöserkirche hat ihren Namen von Ihrem Altarbild. Groß ist es an die Rückwand der Kirche hinter dem Jugendstil-Altar gemalt: Jesus, der Erlöser vor der Silhouette einer Stadt. Er hat die Arme ausgebreitet - weit, es schimmert hell und golden um ihn. Unterhalb sind Stufen gemalt und Menschen stehen dort nah an den Stufen. Sie sind gebrochen, gezeichnet, traurig – müheselig und beladen. Sie stehen rechts und links von Jesus, in der Verlängerung seiner zu beiden Seiten ausgestreckten Arme. Sie sehen ihn an, manche fast noch aufrecht, andere vom Boden her. Hinter Jesus leuchtet das Licht im Rund des Bogen, es erreicht die am Rand der Stufen erst ganz vorsichtig aber ich kann ihren  Weg sehen. Der Weg geht zu Jesus, der aufrichten kann, erquicken.

Unter das Bild sind in goldener Schrift Jesu Worte  geschrieben: 

„Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will Euch erquicken.”

Ich bin mit der Halterner Kirche großgeworden und habe sehr oft auf das Bild gesehen, auf den Christus und ich habe ihm seine Worte geglaubt.

Unsere Erquickungsorte müssen wir  wieder verlassen, Jesus bleibt. Sein Versprechen bleibt. Wenn ich wie Jona Gottes Auftrag nicht hören will, eigene Wege will, vor meinem Weg davonlaufe. Wenn ich mich fühle wie eine Ertrinkende und gerettet werde. Wenn ich Gottes Entscheidungen nicht verstehe und wütend bin. Wenn ich meinen  Ort weg von allen anderen suche. Jesus Versprechen bleibt. Seine weit ausgestreckten Arme bleiben. Ich fühle Jesus Arme und das Versprechen  an besonderen Erquickungsorten oder manchmal, wenn ich morgens vor die Tür trete und die Veränderung wahrnehme kann: ein Rizinus, einfach so – über Nacht. Gott will unsere Rettung, wenn wir an den untersten Stufen in unserem Leben  stehen, uns zu ihm emporziehen, in seine hellen Arme. 

Gott spricht:

„Vielleicht für Dich, Jona, zum guten Schluss,
wächst bald ein neuer Rizinus.
Bestimmt, Du wirst Dich an dem neuen
genauso wie am alten freuen.

Kommet her zu mir alle, die Ihr mühselig und beladen seid- ich will Euch erquicken!“

Amen.


 

Fürbittengebet

Herr, wir bitten Dich:

Um Frieden in der Welt und die Befreiung aller Menschen,
um Gerechtigkeit in der Gesellschaft,
um Aufrichtigkeit im politischen Leben,
um Weitsicht in Forschung .

Herr, wir bitten Dich:

Für die Christen, dass sie unermüdlich nach Frieden suchen,
für alle, die kein Zuhause , kein Obdach haben,
für alle, die missbraucht oder verleumdet werden.

Herr, wir bitten Dich:

Für alle, die unter Einsamkeit und Verlassenheit leiden,
für alle, die trauern,
für Mühselige und Beladene

Erquicke uns - 

- mit Jesu Worten:  

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne und behüte Dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leichten über Dir und sein Dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht über Dich und schenke Dir Frieden. 

Amen. 

Musik zum Ausgang

Meinen Jesus lass ich nicht - J. G. Walther

Orgel: Dr. Birgit Kordt

Die Jona-Geschichte von Klaus-Peter Hertzsch