Willkommen!

Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

[2. Timotheusbrief 1,7]

Musik zum Eingang

Turn Your Eyes Upon Jesus (arr. Jerry Ray)

Piano: Dr. Birgit Kordt

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde:             der Himmel und Erde gemacht hat.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit uns allen.

Psalm 121 nach eg 631

1. Ich schau nach jenen Bergen gern.
Mein Heil, das ich begehr,
kommt’s von den Bergen her?
Nein, meine Hilf ist von dem Herrn,
der schuf durchs Wort: »Es werde!«
den Himmel und die Erde.

2. Er lässt nicht gleiten deinen Fuß,
dein Hüter schlummert nicht,
wenn dirs an Kraft gebricht,
er schläft nicht, wenn er helfen muss;
sieh, Israels Gebieter
ist auch dein Gott und Hüter.

4. Der Herrscher, der die Welt regiert,
wacht über Leib und Seel,
dass dir kein Gutes fehl.
Beim Ausgang und beim Eingang wird
der Herr dich selber leiten
bis in die Ewigkeiten.

Kyriegebet

Menschen sind wir, gerecht und ungerecht, gut und mit Schuld.
Gott, wir wollen das Beste, aber manchmal verkehrt sich unsere gute Absicht ins Gegenteil.
Trägheit lähmt uns.
Ratlosigkeit gebietet uns Einhalt.
Eigennutz hält uns auf.

Und es kommt vor, dass wir fürchten,
unter unseren Lasten zusammenzubrechen.

Wo bleibst du mit deiner Hilfe?

Wir bitten dich, erbarme dich unser.

Gnadenzusage

Gott hat uns mit dem Geist erfüllt,
einem Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Wir können alles zurücklassen, was uns lähmt:
Trägheit, Ratlosigkeit; Eigennutz und Zweifel.

Mit Gott schauen wir das Leben und freuen uns.

Gloria in excelsis Deo!

Gebet

Gott, auch dieser Tag ist wieder ein Geschenk von dir an uns,
ein besonderer Tag, ein Sonntag.

Gib, dass wir ihn recht verbringen,
zu deiner Ehre und zu unserer Freude.
Darum bitten wir dich in Jesu Namen. Amen.

Lesung des Evangeliums: Lukas 7,11-17

Erweckung des Jünglings zu Nain: (Basis Bibel)

Dann, bald darauf, zog Jesus weiter zu der Stadt Naïn. Seine Jünger und eine große Volksmenge zogen mit ihm.Als Jesus sich dem Stadttor näherte, sieh doch: Da wurde ein Toter herausgetragen. Er war der einzige Sohn seiner Mutter und sie war eine Witwe. Viele Leute aus der Stadt begleiteten sie.

Als der Herr die Witwe sah, bekam er Mitleid mit ihr und sagte:»Weine nicht!« Dann trat er näher heran und berührte die Bahre. Die Träger blieben stehen. Jesus sagte:»Junger Mann, ich befehle dir: Steh auf!« Da richtete der Tote sich auf und fing an zu reden. Und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück.

Alle wurden von Furcht gepackt. Sie lobten Gott und riefen:»Ein großer Prophet tritt unter uns auf. Gott ist seinem Volk zu Hilfe gekommen.« Die Nachricht darüber, was Jesus getan hatte, verbreitete sich überall in Judäa und in der ganzen Umgebung.

Halleluja.
Wir haben einen Gott, der da hilft,
und den HERRN, der vom Tode errettet.

Halleluja.

Predigt

von Pfarrerin Hirschberg-Sonnemann

Eduard Mörike: Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmen Golde fließen.

 

Liebe Gemeinde –

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Ganz vorsichtig ist es spürbar und sichtbar – es wird Herbst. So wie Eduard Mörike es beschreibt. Morgens kann man es riechen und fühlen, der Nebel, die Kühle. Und dennoch hat die Sonne noch Kraft, fließt ihr Licht in warmen Gold.
Es gibt wunderschöne Herbstgedichte – Septembermorgen, eines davon.

Ein anderes: Herbsttag, von Rainer Maria Rilke:

Herr: es ist Zeit.
Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren
Und auf den Fluren Laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie bis zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat,
baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist,
wird es lange bleiben,
wir wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

„Herbsttag“ geschrieben Ende September des Jahres 1902. Auch im September. Ende September in Hagen vielleicht eine gute Zeit es zu hören, dem Gedicht nach - zu denken.

Herr: es ist Zeit.
Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Der Sommer war nicht so übergroß wie letztes Jahr, aber warm, sonnig. Das war wichtig in diesem besonderen Sommer. Corona-Sommer. Alles draußen ist ungefährlicher und wir waren dankbar über das schöne Wetter der letzten Monate. Aber auch wenn die Temperaturen gerade in den verangenen 2 Tagen abkühlen, davor war noch einmal richtig Sommer. Ich finde : Rilke hat recht, wenn er zu Gott sagt: Herr, es ist Zeit. Es nun Zeit für den Herbst. Rilke war im September 1902 voll von Sonne und Leben, er sehnte sich nach Veränderung, nach Schatten und Wind. Kindlich fast wirkt das Bild, das er in diesen Zeilen von Gott malt. Gott legt seinen Schatten auf die Sonnenuhren und läßt die Winde los, hält sie nicht mehr zurück. Gott legt selbst Hand an. In Gottes Hand liegt es: Schatten wird sein, wo Licht war und Wind und Unruhe träges Sonnenflimmern ablösen.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
Gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Herbst soll werden. Herbst, das ist der Beginn einer ruhigeren Jahreszeit. Die Ernte ist eingebracht – das feiern wir dann, ruhiger als sonst, in unseren Kirchen. Am Erntedankfest der Altarraum hier gedeckt und geschmückt. Der Herbst ist eine reiche Zeit. Reich auch an Farben, die beginnende Laubfärbung erinnert uns daran, wieviel Schattierungen Bäume an einem sonnigen Herbstttag zeigen. Der Herbst ist eine reiche Zeit. „Goldener Herbst“ sagen wir ja auch. Äpfel sind reif und Birnen. Die Trauben sind süß, vollgesogen mit Sonne. Überall kann man jetzt Federweißen kaufen – Wein: süß und schwer. Rilke spricht von Vollendung in diesen Zeilen. Gott soll sein sommerliches Werk vollenden; er soll die letzten Früchte reifen lassen unter den letzten Sommerstrahlen.

Wer jetzt kein Haus hat,
baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist,
wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Das sommerliche Werk ist vollbracht. Und – wer sich auf den Herbstanfang nicht rechtzeitig eingestellt hat, für den ist der Zug nun abgefahren. Der wird lange unbehaust und allein bleiben. Der vorher in dem Gedicht so schön beschriebene „goldene Herbst“ wird auf einmal ganz ungemütlich. Die Atmosphäre des Gedichts verändert sich. Auch Reiner Maria Rilkes Situation im Herbst des Jahres 1902 war ungemütlich. Er hatte kein festes Einkommen, seine Ehe war zerbrochen, der gemeinsame Haushalt aufgelöst und er mußte allein von Hotel zu Hotel ziehen. So beschreibt er hier in diesem Gedicht auch seine Situation: unbehaust war er, allein, und hat das getan, was manche von uns vielleicht auch tun, wenn sie allein sind: lesen, spazierengehen, schreiben.

Doch – frage ich mich, wie weit gilt uns auch dieses Gedicht.

Ist Rilkes „Herbstttag“ auch mein oder ihr Herbsttag? Bleiben wir stehen in Einsamkeit, in Heimatlosigkeit? Und treffen dann auf Rilke, wenn wir allein die herbstlichen Alleen entlang wandern?

„Unsere Heimat ist im Himmel“ heißt es im Philipperbrief, im 3. Kapitel.

„Unsere Heimat ist in Himmel“ – diese Worte begegnen uns v.a. im Zusammenhang mit dem Tod, auf Beerdigungen wird dieser Vers goft gelesen. Das heißt dann: Der Tote/ die Tote ist aufgehoben in den mächtigen und barmherzigen Händen unseres Gottes. Er oder sie sind nun angekommen, zu Hause, geborgen bei ihm.

Doch gilt diese Botschaft auch uns Lebenden. Uns allen wird gesagt: „Ihr habt Heimatrecht an dem Ort, den wir Himmel nennen.“ Wir Lebenden werden zusammen gesehen, zusammengeschlossen mit den Toten. Unser aller Heimat ist bei Gott. Unser irdisches Leben, unser vom Tod begrenztes Leben hat nicht das Ziel des Todes. Wir haben ein anderes Ziel. Wir gehen in diesem Leben dem Versprechen Gottes entgegen, das der Tod nicht das letzte Wort hat. Daß wir ein neues Leben haben.

Ein Leben ohne Erdenschwere, ohne Endlichkeit, ohne Trauer, Verlust, ohne Krankheit, ohne Schmerz hat Gott uns versprochen. Eine neue, eine wirkliche Heimat. Eine Heimat, die wir nicht mehr verlassen müssen, gerade im Blick auf sehnende, hoffende geflüchtete Menschen – was für ein großes Versprechen!!

Einige aus unserer Gemeinde haben noch erlebt, wie es ist, Heimat verlassen, alles zurücklassen zu müssen, Es ist eine Erfahrung, die bestimmend wird für das ganze Leben, egal wir lange die Flucht zurückliegt. Heimatverlust schafft große Unsicherheit. Das hat auch Rilke so erlebt. Heimat verlieren, das heißt nicht immer: das Haus, der Ort, das Land verlieren. Das kann auch heißen: einen Menschen verlieren durch Tod oder so, wie Rilke es erlebt hat. Weil man sich auseinandergelebt hat weil es gemeinsam nicht mehr geht.

Heimat verlieren heißt wohl immer: den Boden unter den Füßen zu verlieren, sich wieder ganz neu orientieren müssen. Ein neues Fundament legen – für ein neues Haus, ein neues Leben. Ein neues Fundament legen mit der Hoffnung daß dieser Ort, dieser Mensch, diese Menschen nun auch Heimat bleiben mögen und nicht wieder verloren gehen. Aber sicher ist das nicht - in dieser Welt. Jesus ging es da auch nicht viel anders. Es ist uns überliefert, daß er gesagt hat: „ Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester, aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.“ Der Menschensohn ist unbehaust, so steht es im Matthäusevangelium, im 8. Kapitel. Jesus hat diese Heimatlosigkeit in der Welt ausgehalten, weil er um seine Heimat bei seinem Vater, bei Gott wußte.

Wir sind nicht Jesus. Unsicherheiten auszuhalten ist sehr schwer. Die meisten von uns bauen ihre Nester und hängen auch sehr an diesen. Der Gedanke, sie zu verlieren, verlassen zu müssen, fällt schwer. „Unsere Heimat ist im Himmel.“ Das heißt: auch wenn wir uns für dieses Leben, in dieser Welt sehr an vorübergehende Heimaten binden, so steht die wahre Heimat noch aus. Vielleicht kann uns das hier ein wenig beruhigter sein lassen.

Als Christin möchte ich Rilkes Gedicht eine weitere Strophe hinzufügen, nicht stehen bleiben in herbstlicher Melancholie. Diese neue Strophe würde erzählen vom Haus Gottes, das warm ist und hell, dessen Tür uns immer offen steht. Wenn es nun bald dunkler wird, die Tage kürzer werden und sich der graue Nebel und der Regen vielleicht auf unsere Seelen legt, dann sagt Gott: Du bist nicht allein auf dieser Welt. Ich bin dein Begleiter, wenn es ungemütlich wird, du einsam bist, den Boden unter den Füßen verlierst, wenn du deine Heimat suchst. Gott wandert dann mit uns durch die Alleen, er hält unsere Hand.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbittengebet (nach reformierter Agende)

Gott, du Licht auf unseren Wegen,
wir danken dir, dass wir nicht allein sind
mit unserem Glauben.

Es tut gut, in der Gemeinde einen Ort zu haben,
wo wir eigene Erfahrungen teilen
und wo wir gemeinsam die Botschaft der Bibel
hören können.

Wir bitten dich für alle, die an den Ungewissheiten ihres Lebens leiden:

Gib, dass dein Zuspruch sie erreicht,
lass sie wissen, dass du in Treue zu ihnen stehst.

Wir bitten dich für alle, die die Orientierung verloren haben,
die Angst haben vor dem nächsten Schritt,
die nicht wissen, wohin sie sich wenden sollen:
Lass deine Weisungen ihnen Hilfe zum Leben werden.

Wir bitten dich für die, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit,
die etwas ändern wollen an unserer Welt:
Ermutige sie durch deine Verheißungen,
weiter zu kämpfen
und nicht zu resignieren vor der Macht derer,
die den Ton angeben.

Wir bitten dich für alle,
die von Schicksalsschlägen getroffen sind und an dir verzweifeln:
Richte sie auf durch die biblischen Geschichten von Leidensgenossen,
die deine Hilfe erfahren haben.

Für uns alle bitten wir:
Erschließe uns die Bibel
Als Buch voller Leben,
das deine Lebendigkeit bezeugt und uns erfrischt.

Amen.

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Sendung

Geht – und nehmt mit euch:

Die Liebe Gottes,
die Gemeinschaft Jesu Christi und
die Kraft des heiligen Geistes
in aller Anfechtung und Freude.

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Musik zum Ausgang

To God Be the Glory (arrang. Jerry Ray)

Piano: Dr. Birgit Kordt