Willkommen!

Septembermorgen

 

Im Nebel ruhet noch die Welt,
noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
den blauen Himmel unverstellt,
herbstkräftig die gedämpfte Welt
in warmen Golde fließen. (
Eduard Mörike)

Wochenspruch für den 15. Sonntag nach Trinitatis:

„All eure Sorge werft auf Gott, denn er sorgt für euch“ (1 Petr 5)

Musik zum Eingang

Nun danket alle Gott - Arr.: Cindy Berry

Piano: Dr. Birgit Kordt

Eröffnung

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde:             der Himmel und Erde gemacht hat.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen.

Gemeinde:             Und mit deinem Geist.

Psalm 34

Ich will den Herrn loben allezeit;
sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.
     Meine Seele soll sich rühmen des Herrn,
     dass es die Elenden hören und sich freuen.
Preiset mit mir den Herrn
und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!
     Als ich den Herrn suchte, antwortete er mir
     und errettete mich aus aller meiner Furcht.
Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude,
und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.
     Als einer im Elend rief, hörte der Herr
     und half ihm aus allen seinen Nöten.
Der Engel des Herrn lagert sich um die her,
die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.
     Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist.
     Wohl dem, der auf ihn trauet!
Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen!
Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.
     Reiche müssen darben und hungern;
     aber die den Herrn suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.

[Gesprochen:] Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit Amen.  




Kyrie-Gebet

Gott,
du Anfang und Ende,
wir kommen zu dir mit unseren Gedanken, mit allem, was uns bewegt.
Wir denken an die Tage der vergangenen Woche, an die Zeit, die davonfließt, mit der wir selber vergehen.
Wir kommen zu dir, weil du der Herr der Zeiten bist.

Du hälst in deinen Händen, was wir aus dem Blick verlieren:

Ruhe und Gelassenheit,
Einsicht und Weisheit,
das Ziel unserer Tage
und die Mitte unseres Lebens.

Bei dir können wir allem standhalten:
Den Lasten, die uns drücken,
der Vergangenheit, die uns einholt,
und der Zukunft, die für uns im Dunkeln liegt.

Gib uns deinen Geist, der uns zur Ruhe bringt.
Öffne unsere Sinne für dich und für uns.

Dein Wort ist alle Tage neu.
Lass uns heute deine Stimme hören.
Komm du in deinem Wort zu uns.

Herr erbarme dich: Kyrie eleison.

Gnaden-Zuspruch

So heißt es im 145. Psalm :

Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen.

Darum:
Ehre sei Gott in der Höhe
und auf Erden Fried.
Den Menschen ein Wohlgefallen.

Tagesgebet

Gott, du Beschützer aller, die auf dich hoffen,
wir bitten dich:
Mache uns frei von der Sorge um unsere Zukunft,
dass wir auf dich schauen
und uns alle Zeit auf deine Güte verlassen.
Durch Jesus Christus, unsern Herrn.

Lesung aus dem Matthäusevangelium [Mt 6, 25-34]

Darum sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um euer Leben –was ihr essen oder trinken sollt. Oder um euren Körper –was ihr anziehen sollt. Ist das Leben nicht mehr als Essen und Trinken? Und ist der Körper nicht mehr als Kleidung?
Seht euch die Vögel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln keine Vorräte in Scheunen: Und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?

Wer von euch kann dadurch, dass er sich Sorgen macht, sein Leben nur um eine Stunde verlängern?
Und warum macht ihr euch Sorgen, was ihr anzieht? Seht euch die Wiesenblumen an: Sie wachsen, ohne zu arbeiten und ohne sich Kleider zu machen.
Ich sage euch: Nicht einmal Salomo in all seiner Herrlichkeit war so schön gekleidet wie eine von ihnen.
Gott macht die Wiesenblumen so schön. Und dabei gehen sie an einem Tag auf und werden am nächsten Tag im Backofen verbrannt. Darum wird er sich noch viel mehr um euch kümmern. Ihr habt zu wenig Vertrauen!
Macht euch also keine Sorgen! Fragt euch nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Um all diese Dinge dreht sich das Leben der Heiden. Euer himmlischer Vater weiß doch, dass ihr das alles braucht. Strebt vor allem anderen nach seinem Reich und nach seinem Willen – dann wird Gott euch auch das alles schenken.
Macht euch also keine Sorgen um den kommenden Tag – der wird schon für sich selber sorgen. Es reicht, dass jeder Tag seine eigenen Schwierigkeiten hat.«

Lied: Du Licht des Morgens

Orgel: Florian Sorgenfrei

Du Licht des Morgens, Halleluja - Du Anfang und Ende
Halleluja - Du Anfang und Ende der Zeit, Halleluja.
Du Schöpfer des Lebens Halleluja,
Du Quelle der Freude Halleluja
Du unermessliches Licht Halleluja.

Predigt

Pfarrerin Hirschberg-Sonnemann

Freitag - Erster Abend des Bibelkreises seit März .

Wir sitzen mit Abstand im Gemeindehaus Rummenohl-  anders als sonst ist es kein Treffen bei jemandem von uns zu Haus. Nun bemühen wir uns, die räumliche Distanz wenigstens innerlich zu überwinden.

„Wie geht es Euch?“

Manche habe ich lange nicht gesehen, einige seit Anfang März nicht mehr. In den Gesichtern Vertrautes, aber auch Spuren einer anstrengenden Zeit, die Gewohntes in Frage gestellt hat. Wir erzählen uns, was uns beschäftigt, wie sich Entschleunigung in Einsamkeit verwandelt hat. Durst nach Kontakt besteht neben dem  Wissen, dass körperliche Nähe gefährlich sein kann. Wir sind interessiert aneinander über die zwei Meter hinweg.

Das Johannesevangelium haben wir uns vorgenommen und stellen schon bei der ersten Geschichte fest: Jesus  kennt uns bis auf den Grund und bleibt doch Geheimnis, wir gehen in den Abend mit Fragen.

Ich lese aus dem 4. Kapitel des Johannesevangeliums: Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von dem langen Weg und setzte sich an den Brunnen. Es war um die sechste Stunde. Da kam eine Samariterin, um Wasser zu schöpfen. Jesus bat sie: »Gib mir etwas zu trinken.« Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zu essen zu kaufen. Die Samariterin sagte zu ihm: »Du bist ein Jude und ich bin eine Samariterin. Wie kannst du mich um etwas zu trinken bitten?«

 „Frau, gib mir zu trinken.“ Da sitzt ein Mann in der Mittagshitze irgendwo neben einem Brunnen, durstig. „Gib mir zu trinken.“ Kurz und direkt  ist Jesus, mehr eine Aufforderung als eine  Bitte. Und – eine Kontaktaufnahme.  

„Gib mir zu trinken.“ So beginnen Liebesgeschichten.  Mit diesen Worten wirbt der Knecht Isaaks um die Hand der schönen Rebekka. „Gib mir zu trinken,“ lässt  Goethe seine Liebesgeschichte am Brunnen zwischen Hermann und Dorothea beginnen. 

„Gib mir zu trinken.“ Mit diesen kurzen  Worten nimmt Jesus Kontakt zu der fremden Frau auf, die zufällig zur gleichen Zeit wie er an diesen Brunnen kommt. Für einen  Mann war es damals undenkbar, sich selber Wasser aus einem Brunnen zu schöpfen. Ungewöhnlich trotzdem, eine völlig fremde Frau anzusprechen und sie um Wasser zu bitten. Zumal von einem jüdischen Mann an eine samaritanische Frau. Hier war sonst Abstand, Nichtbeachtung üblich.

Am Anfang steht die Überwindung von Distanz und dem, was wir gewohnt sind . Kein: „Das geht doch nicht, das war doch nie.“ Kontakt teilen mit Menschen, die wir kennen und uns vertraut sind,  ist nichts  Neues und verändert nicht . 

Johannes erzählt hier eine andere Geschichte. Keine vertraute Nähe, sondern Kontaktaufnahme als Veränderung.

Das fehlt mir oft in dieser Zeit. Als ob wir zu sehr mit der Corona – bedingten Umwandlung  von schon vorhandener  Nähe in  andere Formen beschäftigt sind: Schutzkonzepte; Abstandsregelungen, Faustcheck;  das andauernde Bedauern darüber, dass es anders ist als gewohnt.

Wo entsteht neuer Kontakt? Reisen in andere Länder, das Kennenlernen anderer Menschen ist schwieriger geworden durch Quarantäneauflagen und Einreisebeschränkungen.

Wo entsteht neuer Kontakt in unseren Gemeinden? Noch mehr als sonst scheint jeder in seinem „Land“ zu sein – Sonntagsmorgens in Rummenohl sind wir unter denen, die wir kennen. Treffen am Brunnen mit Fremden sind seltener geworden. Mich dürstet nach neuen Begegnungen.

„Gib mir zu trinken.“, sagt Jesus und geht in den ungewohnten  Kontakt. Die Frau benennt das Neue:  „Wie kannst du als Jude von mir zu trinken erbitten, wo ich doch eine samaritanische Frau bin?“ 

Gemeinsam stellen wir schon am ersten Abend zum Johannesevangelium im Bibelkreis fest: Jesus ist ein Geheimnis, kennt uns Menschen bis auf den Grund (Joh 2, 25) , durchbricht gewohnte Regeln, schafft Kontakt und bleibt trotzdem in seinem göttlichen Raum.  

„Wenn Du wüßtest, was für ein Geschenk Gott den Menschen macht und wer dich hier bittet um etwas zu trinken, dann würdest du ihn bitten: Gib mir zu trinken!“ sagt er.

Die samaritanische Frau muss den rätselhaften, ungewöhnlichen Mann erneut fragen, sie  versucht Ihn zu verstehen: „Wie willst Du ohne Eimer Wasser nehmen? Bist Du bedeutender als unser Stammvater Jakob?“ Nachfragen, Neues erfahren wollen, interessiert sein an Ungewohntem. Das sind Begegnungen, aus denen wir verändert, mit „mehr“ herausgehen.

Jesus antwortet: »Wer von diesem Wasser hier trinkt, bekommt wieder Durst. Aber wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird nie wieder Durst haben. Denn das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer Quelle: Ihr Wasser fließt und fließt– bis ins ewige Leben.«

In der Symbolsprache ist Wasser das Zeichen der Fülle aller Möglichkeiten. Im Wasser ist der Ur-Anfang alles Seienden enthalten. Die Erde war wüst und leer und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser,’ so beginnt die biblische Schöpfungsgeschichte. Fließendes Wasser ist immer wieder neu. Ich halte meine Hand in den Fluss, jeden Augenblick ein neuer Kontakt.

Jesus sagt, er ist die Quelle. Durch den Glauben an ihn sind wir nicht auf Vertrautes beschränkt. Er sagt: auch in Unsicherheit und wenn wir Sorge haben vor dem was kommt, brauchen wir nicht an Gewohntem, Vertrautem festzuhalten, das ist wie trinken und wieder Durst bekommen und erneut trinken und wieder Durst bekommen.

Jesus durchbricht andauernde Wiederholungen, schafft Veränderung. Sein Wasser wird zur Quelle – immer fließend.

Die Frau aus Samaria versteht jetzt. Jesus und die Frau erfahren voneinander und sie verstehen sich. Die Missverständnisse, die zu Beginn  das Gespräch prägen, sind  aufgehoben und in die starren, gewohnten Verhältnisse kommt Bewegung. Neues entsteht, das Gespräch wird lebendig. Die Frau aus Samaria ahnt dass durch die Begegnung mit Jesus etwas ins Fließen kommt in Ihrem Leben. Sie muss nicht weiter fragen. Sie bittet : "Herr, gib mir dieses Wasser. Dann habe ich nie mehr Durst"

Lebendiges Wasser ist fließend und flüchtig, wir können es in uns aufnehmen, aber nicht festhalten. Es ist nie dasselbe, und nicht gewohnt. Jesus gibt uns wenn wir am Brunnen begegnen und ihn fragen dieses Wasser. Er bringt unser Leben wieder in den Fluss - öffnet uns für neue Begegnungen, verändertes Leben.

Ich wünsche mir das Vertrauen der Frau am Brunnen: frei von aller Angst vor Neuem und frei vom Festhalten am Gewohnten Jesus bitten: "Gib mir dies Wasser!"

Schnell, bevor ich zum Bibelkreis aufbreche, sehe ich noch einmal in meine Mails und lese die Nachricht: „Ich komme doch zum Bibelkreis. Ich brauche geistige Nahrung!“

Jesus spricht:

Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, wird nie wieder Durst haben. Denn das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer Quelle: Ihr Wasser fließt und fließt...“.

Fürbittengebet

Wie Kinder zu Vater und Mutter,
so kommen wir, Gott, zu dir.
Wir kommen mit unserer Freude und allem, was uns bedrückt,
mit vielen Möglichkeiten und doch immer wieder am Ende,
nicht frei von Angst, aber auch nicht ohne Hoffnung.
Wir kommen zu dir, in Gedanken an Menschen,
denen wir verbunden sind:
Wir bitten dich um deine Hilfe:

Gemeinde: Herr, erbarme dich!

Wir denken an die Traurigen und Trauernden,
wir denken an alle, die sich einsam und verlassen fühlen.
Lass uns nicht achtlos aneinander vorbei leben,
sondern aufmerksam, behutsam und geduldig
miteinander umgehen.
Wir bitten dich um deine Hilfe:

Gemeinde: Herr, erbarme dich!

Wir sind in Gedanken bei allen, die an ihrer Ohnmacht leiden,
bei den Kranken, denen niemand mehr helfen kann,
und bei denen, die ihnen nicht helfen können,
bei denen, die gegen Haß und Ungerechtigkeit angehen
und doch nichts ausrichten.
Wir bitten dich um deine Hilfe

Gemeinde: Herr, erbarme dich!

Du willst uns trösten, Gott, wie einen seine Mutter tröstet.
Du bist wie der Vater, der seinen Sohn gehen lässt
Und wartet, bis er zurückkommt.
Dir vertrauen wir uns an, unsere Welt und uns selbst.
Alles legen wir ein in das Gebet, das Jesus Christus uns gelehrt hat:

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Sendung und Segen

Geht nun hin in diesen Tag, in die vor uns liegende Woche
als Gesegnete Gottes.

Geht – und nehmt mit Euch
den Frieden Christi, die Liebe Gottes
und die Stärkung des Heiligen Geistes
in aller Anfechtung und Freude.

 

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden.

Amen.

 

Musik zum Ausgang

Whispering Hope - Arr.: Jerry Ray

Piano: Dr. Birgit Kordt