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11. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst mit Matthias Mladek

"Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade."

Mit dem Wochenspruch aus dem 1. Petrusbrief begrüße ich Sie herzlich zum Gottesdienst am 11. Sonntag nach Trinitatis.

Am 11. Sonntag nach Trinitatis hören wir die Erzählung vom Pharisäer und Zöllner und erfahren, dass unser Glaube nicht unser Verdienst, sondern die Gabe Gottes ist. Wir freuen uns an dieser Gabe, aber wir erkennen auch, dass wir dennoch fähig sind, gegen den Willen Gottes zu handeln. Darum sind wir froh und dankbar, dass Gott uns immer wieder die Möglichkeit zur Buße, zur Umkehr schenkt.

Eröffnung

P             Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gemeinde:             Amen.

P             Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
Gemeinde:             der Himmel und Erde gemacht hat.

P             Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
               und die Liebe Gottes
               und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
               sei mit euch allen.

Gemeinde:             Und mit deinem Geist.

Psalmgebet im Wechsel - Psalm 145 [E.EG 111]

Ich will dich erheben, mein Gott, du König,
und deinen Namen loben immer und ewiglich.

            Ich will dich täglich loben
            und deinen Namen rühmen immer und ewiglich.

Der HERR hält alle, die da fallen,
und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.

            Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen
            und gnädig in allen seinen Werken.

Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen,
allen, die ihn mit Ernst anrufen.

            Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren,
            und hört ihr Schreien und hilft ihnen.

Der HERR behütet alle, die ihn lieben,
und wird vertilgen alle Gottlosen.

            Mein Mund soll des HERRN Lob verkündigen,
            und alles Fleisch lobe seinen heiligen Namen
            immer und ewiglich.

Gemeinde:    Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.           

Sündenbekenntnis

Lassen Sie uns vor Gott bekennen, dass wir gesündigt haben, er will sich unser erbarmen:

Ich bedenke mein Leben vor Gott: Vater im Himmel, was kann ich dir sagen, was du nicht schon weißt? Ich habe anderen das Leben schwergemacht, und es waren doch oft nur Kleinigkeiten, um die es da ging:

Ich wollte Recht behalten,
aber ich vergaß die Liebe,
die du geboten hast.

Ich bin unfair gewesen,
ich bin böse geworden,
wo ich hätte Geduld aufbringen müssen.

Ich war so mit mir selbst beschäftigt,
dass ich kein Ohr und kein Herz hatte für die,
die Verständnis und Hilfe von mir erwarteten.

Ich habe geschwiegen,
wo ich hätte reden sollen,
ich habe den Dingen ihren Lauf gelassen,
weil meine Angst größer war
als mein Vertrauen zu dir.

Deinen Geboten habe ich wenig Gewicht gegeben
und deine Güte missachtet.
Ich habe dich vergessen, Gott,
bei vielem, was ich tat und dachte.

Ich lasse mich gefangennehmen
von meinen Wünschen und Ängsten
und sehne mich doch danach,
frei und geborgen zu sein bei dir.

Herr, ich bin erschrocken,
wie schwierig es ist,
im Alltag aus dem Glauben an dich zu leben.

Ich bekenne dir mein Unvermögen und meine Schuld:

                (Gebetsstille und eigenes Bekenntnis)

Wir rufen zu Dir:

Herr, erbarme dich.

Gnadenzusage

So fern der Morgen ist vom Abend, lässt Gott unsre Übertretungen von uns sein. (Ps. 103:12)

Tagesgebet

Herr Jesus Christus,
wir möchten "Ja" sagen zu deinem Ruf,
Du hast und frei gemacht.

Wir bitten dich:öffne unsere Herzen, dass wir umkehren und den Weg zu dir finden.

Das bitten wir dich,
der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist
lebst und regierst in Ewigkeit.
Amen.

Evangeliumslesung [Lukas 18, 9-14]

9 Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis:

10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.

11 Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner.

12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.

13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!

14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Predigt

von Matthias Mladek

Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt. Amen.

Liebe Gemeinde,
Sie waren so unterschiedlich, diese beiden Männer  aber sie hatten beide dasselbe Ziel: Beide stiegen sie in Jerusalem den Tempelberg hoch.  Sie wollten zum Tempel. Sie wollten beten. Allein an ihren Schritten merkte man schon den großen Unterschied: Der erste ging aufrecht. Den Kopf hatte er erhoben. Mit festen Schritten ging er auf den Tempel zu.
Der wusste, wohin er wollte.

Dort im Tempel fühlte er sich wohl, hier war er gerne. Schließlich wollte er Gott gefallen. Er kannte Gottes Gebote und sie waren ihm wichtig. Regelmäßig kam er zum Beten. Aber das war nicht alles. Er fastete sogar. Das heißt, er verzichtete immer wieder auf das Essen, um mehr Zeit für Gott zu haben. Und er gab Gott von seinem Geld den zehnten Teil ab. Ja, er konnte sein Leben sehen lassen.

Die Welt ist nicht genug, ich erobere das All
Yeah, es ist Sonny Black, guck jetzt ist der Promi back

Für deutschen Rap bin ich der Papst - Pontifex
Sag was hättest du schon ohne mich geschafft?

Warum machst du auf König, wenn die Krone dir nicht passt

Was ist passiert, dass zwei Freunde sich trennen
Alles was dich interessiert ist ob die Leute dich kennen

Du bist kein A, B, C, du bist ein Z – Promi
In meinen Augen bist du nur ein Depp – Johnny

Warum alles öffentlich, lese deine Kommentare wöchentlich
Könnte vieles sagen doch ich möchte nicht

Ende ohne Krieg, denn wie hoch du fliegst
Merkst du selbst wenn du am Boden liegst

(aus dem Rap: „Hochmut“ von Bushido)

„Tja, hier in der Frauenhilfe tut die, (nennen wir sie Ilse), immer so fromm, aber wann war die denn das letzte Mal am Sonntag im Gottesdienst?“ Das Tuscheln der beiden Frauen ist kaum zu überhören. Und der abschätzige Blick noch viel weniger zu übersehen.

Der zweite ging eher langsam und gebeugt. Er schien sich gar nicht so sicher zu sein, dass er das Richtige tat. Eigentlich passte er gar nicht zum Tempel. Und das wusste er genau. Gott ist doch heilig und gerecht. Aber er war eigentlich eher ungerecht und so ganz und gar nicht heilig.
Er war ein Sünder. Ja, er hatte oft andere Menschen betrogen. Und um Gottes Gesetze hatte er sich auch nicht wirklich gekümmert. Aber trotzdem wollte er nun in den Tempel gehen und dort beten.

Ilse pflegt zu Hause Ihren Mann, mit dem Pflegedienst hat sie abgesprochen, dass er am Mittwochnachmittag gebadet wird, die Verbände werden gewechselt. dann hat Ilse mehr als eine Stunde Zeit. Zeit für die Frauenhilfe.

Feingefühl abgelegt, selbstbezogen, ich meide das Licht von der Welt da oben
Meine Geschichte ist schnell verflogen, aus Leiden gedichtet zerschellt am Boden

Zwischen Selbstmitleid und Selbstüberschätzung, Egoismus und Geltungsdrang
Schlittert meine äußere Hülle nach dem Sprung von der Klippe erstmal am Fels entlang

Lächerlich, ich hielt mich für klug,
was Besseres, doch war mir niemals genug
Es fesselt mich, liegt auf mir wie ein Fluch,
ich breche mich, hoffentlich siehst du mir zu

Mmh, wär' vielleicht doch nicht so gut, alleine ist peinlich genug
Mich demütigt Demut, bis ich am Boden liege, doch wenigstens weicht meine Wut

Ich bin einsam, kann viele Dinge nur mit mir selbst teilen,
schaff's weder dich noch mich, doch würde gerne die Welt heilen

(aus dem Rap: „Demut“ von Amewu)

Dem ersten Mann nickten die Leute zu, die ihn sahen. Und er grüßte zurück. Er war bekannt und jeder mochte ihn gern. Heute würde man vielleicht sagen: "Er ist ein guter Mensch." So stand er beim Tempel und sah sich um. Er sah die anderen, die so waren wie er. Aber dann sah er auch den zweiten Mann, der zum Tempel gekommen war. "Was will der denn hier?", dachte er sich.
Dann schaute er auf zu Himmel, zu Gott und betete: "Herr, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie die anderen Leute. Wie die Räuber, die Ungerechten, die Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort."
Dabei schaute er kurz zu dem zweiten Mann hin. Denn das war sein Beruf. Er war Zöllner. Also einer, der für die Römer arbeitete und am Zoll saß. Kein guter Israelit hätte diesen Beruf freiwillig gemacht. Nicht nur, dass man für die Feinde arbeitete. Nein, die Zöllner waren meist keine guten Menschen. Sie betrogen die Leute. Sie waren einfach Sünder.
"Danke, dass ich nicht so ein Sünder bin", betete der erste Mann.

Er war Pharisäer, also einer, der sich gut in den Schriften auskannte. Einer, der Gottes Gebote sehr ernst nahm. "Ich faste zweimal in der Woche", erklärte der Pharisäer in seinem Gebet, "und ich gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme." Als der Pharisäer fertig gebetet hatte, ging er wieder. Er war zufrieden mit sich. Und er war stolz, was er alles getan hatte.
Gott konnte mit ihm zufrieden sein, dachte er.

Erst kommt der Hochmut, dann kommt der Fall
Erst kommt die Ruhe vor dem Sturm, dann der Knall
Es ist nur ein schmaler Grat zwischen Frieden und Gewalt
Du bleibst entweder hart oder liegst auf dem Asphalt

Der Besuch der Frauenhilfe, die kleine Auszeit am Mittwoch, die Andacht, die Gespräche, das Gebet. Das alles ist Ilse wichtig. Von ihrem Alltag, über ihren Mann, und wie sie ihn schon seit so vielen Jahren pflegt, davon erzählt Ilse nicht gern: „Dann sagen immer alle, wie gut und stark ich bin, mit über 80 Jahren, so viel zu leisten. Das ist mir peinlich“

Ganz anders ging es dem Zöllner. Er stand nun dort beim Tempel. Er hatte sich irgendwo in eine Ecke gestellt, nicht so nah bei den anderen. Irgendwie fühlte er sich gar nicht wohl. Er traute sich gar nicht, zum Himmel aufzuschauen. "Ich passe nicht zu Gott", dachte er sich. " Ob Gott mich überhaupt hier haben will, so einen Sünder?"
Deshalb betete er: "Gott, sein mir Sünder gnädig." Mehr betete er nicht.


Liebe Gemeinde, 

Die Geschichte von den zwei Männern, die zum Tempel gingen, hat Jesus erzählt. Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis. Wir haben den Text aus dem Lukasevangelium als Lesung und in der Nacherzählung gehört. Jesus warnt uns davor, hochmütig und arrogant zu sein. Er ruft uns zur Demut.
Eigentlich ein Predigttext, der sich selbst erklärt. In zwei Sätzen abgehandelt: Der hochmütige Pharisäer macht alles falsch. Der reumütige Zöllner hat alles richtig gemacht. So, fertig, das war's.

Oder?

Nicht wirklich! In dem Text ist weitaus mehr zu entdecken. In dem Text steht viel mehr über jede und jeden von uns, als wir vielleicht auf den ersten Blick ahnen. Ob Gott mich überhaupt hier haben will, so einen Sünder?" Die Frage des Zöllners klingt nach... Was meinen Sie?

Will Gott solche Sünder haben? Solche Leute, die sich oft nicht nach seinen Geboten gerichtet haben? Und noch eine Frage kommt in mir auf: Wo ist mein Platz in der Geschichte? Wie viel Pharisäer steckt in mir, in jeder und jedem von uns. Und wie gut schaffen wir es, ein Stück der Reue des Zöllners für uns anzunehmen? Zu Hause, im Büro, auf der Straße, in der Gemeinde, schnell sind wir dabei, die Fehler des Anderen, die Schwächen der Anderen zu sehen, und ebenso schnell haben wir auch unser Urteil gefällt.
Ich behaupte einfach mal, so ganz unbekannt und fremd ist uns der Pharisäer nicht: „Gut, dass ich mit dem oder der nichts am Hut habe...“

Wer hat das nicht schon einmal gedacht.

Und wie falsch wir dabei liegen können, macht das Beispiel der Frau aus der Frauenhilfe, wir haben sie Ilse genannt, deutlich: Oft kennen wir nur die halbe Wahrheit. Was weiß der Pharisäer wirklich über die Leute, über Räuber, Betrüger und Ehebrecher?
Was wissen wir wirklich, wenn wir über diese oder jenen urteilen?

Jesus macht mit seinem Gleichnis deutlich: Es ist nicht unsere Aufgabe, andere zu beurteilen. Jesus hat es uns vorgemacht: Er macht keine Unterschiede, bei ihm ist jeder willkommen, mit allen seinen oder ihren Fehlern. Bei Jesus sind wir willkommen, mit all unseren Schwächen und Unzulänglichkeiten. Das ist tröstend und ermutigend.


Und dann ist da der Zöllner. „Gott, sei mir Sünder gnädig“ betet er.

Ich selbst benutze das Wort Sünde nicht oft, ja sogar sehr ungern. Zu oft wird es, finde ich, missbraucht. Missbraucht, als Mittel zur Unterdrückung, um Macht auszuüben, als Rechtfertigung für Strafe, als Mittel für religiösen Fanatismus. Auf einer Internetseite beispielsweise, die Menschen beim Ausstieg bei den Zeugen Jehovas helfen will, habe ich Folgendes entdeckt:

Bei schweren Verfehlungen wird, wenn eine vorangegangene Untersuchung ergeben hat, dass es sich um eine solche handelt, ein aus drei Ältesten bestehendes Rechtskomitee gebildet. Der Sünder sitzt diesem Komitee allein gegenüber. Drei Männer reden also abwechselnd auf den Sünder ein, mit dem Ziel seine Sünde zu bekennen, zu bereuen und Taten der Reue zu zeigen.
Am häufigsten werden von Rechtskomitees Fälle von Ehebruch, vorehelichen sexuellen Handlungen und heimlichen Rauchens behandelt.

Will der „Sünder“ sich äußern, so wird ihm nahe gelegt sich nicht zu rechtfertigen, sondern zu bereuen und Einsicht zu zeigen. Bereut er jedoch nicht, wird ihm die Gemeinschaft entzogen. Er ist fortan kein Zeuge Jehovas mehr, wird nicht mehr gegrüßt.

Innerhalb einer Hausgemeinschaft vermeidet man alles, was nicht unvermeidbar ist.

Tragisch ist diese Konsequenz besonders für Jugendliche, die noch nicht zuhause ausziehen können. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch! Dass ich hier das Beispiel der Zeugen Jehovas gewählt habe, bedeutet nicht, dass ich diesen Menschen das Recht abspreche, frei über ihren Glauben zu entscheiden. Ich maße mir selbst nicht an, dass mein Glaube der einzig richtige, der bessere, der wahre Glaube sei. So bewundere ich jeden Menschen, der seinen Glauben überzeugt und aufrichtig lebt, egal ob er den, an den er glaubt, das woran er glaubt nun Gott, Allah, Jahwe, Jehowa, Budda oder sonstwie nennt.

Ich bin aber der festen Überzeugung: Religion hat den Sinn und Zweck, uns zu freien, hoffnungsvollen, nächstenliebenden Menschen zu machen. Religion ist niemals und darf niemals gegen Menschen gerichtet werden, niemals Grund und Rechtfertigung für Ausgrenzung, Benachteiligung Hass und Gewalt sein.

Und deshalb passt es nicht zu meinem Glauben, Angst zu schüren, mit der Verdammnis zu drohen und Menschen als Sünder abzustempeln.
Deshalb rede ich lieber von Fehlern und Schwächen, die ich habe, die wir haben, die jeder Mensch hat und begeht. Als Menschen sind wir weit davon entfernt, perfekt zu sein. Immer und immer wieder begehen wir Fehler, immer und immer wieder, sind wir nicht da, wenn Mitmenschen unsere Hilfe brauchen. Immer und immer wieder schweigen wir, wenn wir Ungerechtigkeit und Unrecht beim Namen nennen müssten. Immer und immer wieder pflegen wir unsere Vorurteile und schweigen, wenn wieder einmal jemand sagt: Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber ...

Als Christinnen und Christen versuchen wir uns das immer wieder bewusst zu machen. Jeden Sonntag bekennen wir vor Gott, dass wir schwach sind, dass wir Fehler gemacht haben. Aber als Christinnen und Christen kennen wir auch den Ausweg: Wir beten zu Gott mit den Worten, die uns der Zöllner im Gleichnis vorspricht: Gott sei mir Sünder gnädig, sagt er, der allmächtige Gott erbarme sich unser, beten wir.

Wir dürfen auf Gottes Liebe und Güte hoffen: Gott vergibt, wo Menschen das oft nicht schaffen. Gott verzeiht, wo Menschen starrköpfig bleiben. Gott tröstet,wo Menschen einander verletzen. Aus diesem Glauben heraus, können wir leben wagen, können wir unseren Weg gehen, frohen Mutes sein.
Mit dem Versprechen Gottes, das mit Jesus lebendig und spürbar wurde, mit dem Versprechen, das unsere Fehler und Schwächen uns niemals für immer von Gott trennen können, können wir unser Leben frei, glücklich und mutig leben.

Dietrich Bonhoeffer hat das einmalherrlich auf den Punkt gebracht:

Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.

Oh prima, dann mal los, richtig einen drauf machen, ohne Rücksicht auf Verluste, wider besseres Wissen. Am Ende wird schon alles verziehen. - Neeee, so nicht.

Gott schenkt uns Freiheit, einen eigenen Willen, die Möglichkeit selbst zu entscheiden, was wir tun und lassen. Gott gängelt uns nicht, nimmt uns nicht an die Leine. Aber diese Freiheit ist eben nicht der Freifahrtschein. Diese Freiheit heißt nicht: "Mach watte willst." Gottes Freiheit ist Verantwortung. Sie ist Ermutigung und Auftrag, verantwortungsvoll mit ihr umzugehen. Es immer wieder zu versuchen, ohne diese Fehler auszukommen, an unseren Schwächen zu arbeiten. Eben nicht wieder und wieder den gleichen Mist zu bauen.

Dass es uns nicht immer gelingt, vernünftig und verantwortungsbewusst zu sein, weiß Gott sehr genau. Und für diese Situationen gilt sein Versprechen: Er wendet sich nicht ab, auch wenn wir zu weit gehen. Also nur Mut! Leben wir! Ohne Angst vor Fehlern, aber bereit sie zu erkennen und daraus zu lernen. 

Ich denke auch Gott sieht manchmal schmunzelnd auf uns, und denkt bei sich so, wie Pearl S. Buck es einmal gesagt hat:

Die großen Tugenden machen einen Menschen bewundernswert,
die kleinen Fehler aber machen ihn liebenswert.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne, in Jesus Christus, unserem Bruder.
Amen.

Fürbitten

Lasst uns Gott danken und Fürbitte halten:

Gnadenlos ist die Macht,
gnadenlos ist die Wirklichkeit.
Aus einem folgt das andere,
kein Entrinnen
kennt das Gesetz der Fakten.

Du aber bist die Gnade, Gott.

Wir bitten dich
angesichts bitterer Not, in der unerbittlichen Welt:
Unterbrich die Logik,
dass auf einen Schlag der andere folgt,
dass auf Gewalt die Gewalttat antwortet,
das die Rache auf den Fuß folgt,
dass Feind und Freund zu unterscheiden sind.
Wir rufen:
Aus tiefer Not schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen.
(EG 299,1, die erste Zeile)

Wir bitten dich:
Unterbrich den Gang der Welt,
dass auf Krieg der Hunger
und auf Hunger der Krieg folgt,
dass Schuld sich fortpflanzt und ausbreitet,
dass Menschen der Menschen Wölfe werden,
dass Terror und Fanatismus stärker sind
als die Sehnsucht der Vielen nach Frieden.
Wir rufen:
Aus tiefer Not schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen.

Wir bitten dich:
Löse die ehernen Strukturen auf
in denen die Sprachlosen sprachlos bleiben,
in denen die Etablierten bewahren, was ihnen nutzt,
in denen die Rücksichtslosen den größten Erfolg haben
und die Feigen sich bereichern,
in denen die Schwächsten,
die Armen und alle Geschöpfe ohne Anwalt
immer nur verlieren können,
in denen die Bildungsfernen, die Langsamen, die Untergebutterten
Verachtung erfahren.
Wir rufen:
Aus tiefer Not schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen.

Wir bitten dich
um das Wunder deiner Gnade,
dass Kranke Heilung
und die Sterbenden Leben finden,
dass den Verblendeten Einsicht
und den Radikalisierten Zweifel widerfährt,
dass im immer schnelleren Hamsterrad der Pflichten
deine Stille aufscheint,
dass in Selbstsucht und der Gier nach mehr und mehr
deine Stimme laut wird und sagt:
„Gott widersteht den Hochmütigen,
aber den Demütigen gibt er Gnade.“
Wir rufen:
Aus tiefer Not schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen.

Gnadenlos ist die Wirklichkeit.
Kein Entrinnen
kennt das Gesetz der Fakten.
Du aber bist die Gnade, Gott.
Wir rufen:
Aus tiefer Not schrei ich zu dir, Herr Gott, erhör mein Rufen.

Alles, was uns sonst noch bewegt, bringen wir vor Dich mit den Worten, die du selbst uns geschenkt hast:

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Sendung und Segen

Und nun geht in die vor euch liegende Woche unter dem Segen Gottes:

Gott segne dich und behüte dich,

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,

Gott erhebe sein angesicht auf dich

und schenke dir Frieden.

Amen.