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10. Sonntag nach Trinitatis - 16. August 2020

Israelsonntag

Musik zum Eingang

Kommt herbei - EG 577

Interpreten: Lutherana (Karlsruhe)

Eröffnung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat. 

Die Psalmen: gemeinsame Gebete von Juden und Christen, ein jahrhundertealtes Gebetbuch; ich lese Psalm 138 in der Übersetzung von Martin Buber.

Psalm 138 - nach Martin Buber

Von David

Danken will ich dir mit all meinem Herzen,
Göttern gegenüber will ich dir harfen.
Ich will mich hinwerfen zu deiner Heiligtumshalle
und will deinem Namen danken um deine Huld und um deine Treue.
Denn großgemacht hast du deinen Zuspruch über all deinen Namen hinaus.
Am Tag, da ich rief, hast du geantwortet mir,
du hast ich erkühnt, in meiner Seele ist Macht.

Dir danken, DU, alle Könige der Erde,
denn sie hörten die Sprüche deines Munds!-
Sie singen von SEINEN Wegen, denn groß ist SEINE Ehre.
Denn ER ist erhaben, und sieht den Niedern,
und den Hochfahrenden erkennt er von fern.-

Muss ich gehen durch das Innere der Drangsal, belebst du mich,
wider den Zorn meiner Feinde schickst du aus deine Hand,
und mich befreit deine Rechte.
- Er vollbringt es für mich!-
DU, deine Huld währt in Weltzeit:
was deine Hände haben bereitet,
lasse nimmer davon!

Musik: Hewenu Schalom Alechem

Hevenu schalom alechem (Michael Schlierf, Piano)

Kyriegebet

Gott, ich sehe, erlebe deine Welt
und vieles ist nicht richtig.
Ich kann nicht immer wie die Beter der Psalmen
mich mit Sicherheit und Vertrauen, ohne Zweifel an dich wenden.
Wo bist du Gott, wenn Menschen in der Welt ohne Hoffnung sind,
das Leben bedroht ist, Unschuldige sterben müssen.
Wo bist du, wenn der Tod zu Menschen kommt
und Liebende traurig zurücklässt?
Hilf uns, dich zu erkennen und an Dich zu glauben.
Gib uns die Sicherheit,
das Vertrauen der Psalmbeter,
unserer Vorfahren im Glauben.

Text: Wer wirft uns aus der Bahn [Ruhama]

Wer wirft uns aus der Bahn?
Wer fängt den Frieden an?
Kyrie eleison, Kyrie eleison,
Gott erbarme dich unser.

Wer stört die Müden auf?
Wer bremst den alten Lauf?
Kyrie eleison, Kyrie eleison,
Gott erbarme dich unser.

Wer geht mit uns ein Stück?
Wer wird für uns zum Glück?
Kyrie eleison, Kyrie eleison,
Gott erbarme dich unser.

Gnadenzusage

So verspricht Gott es seinem Volk Israel durch das Wort des Propheten
und so gilt es auch uns:

Siehe, ich will heilen und gesund machen,
Zuflucht will ich dir sein.
Ich bin immer bei dir.

Ich sage dir: Fürchte dich nicht.

"Fürchte dich nicht" - von Fritz Baltruweit

Interpret*in: Kantorei Marienfelde

Tagesgebet

Treuer Gott,
in Jesus bist du Mensch geworden,
inmitten des jüdischen Volkes, zum Heil der Welt;
du bist treu geblieben dem Volk, dass du erwählt hast.
In Jesus Christus hast du Menschen aus allen Völkern zu deinem Volk berufen.
In Jesu Auftrag taufen wir.
Wir legen dir Jari ans Herz und bitten dich.
Mach spürbar, was du zusagst: Du rufst uns bei unserem Namen,
wir gehören zu dir
durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herren,
der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Lesung - Markusevangelium 12, 28-34

28 Und es trat zu ihm einer der Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen?

29 Jesus antwortete: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein,

30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft« (5.Mose 6,4-5).

31 Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3.Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese.

32 Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Ja, Meister, du hast recht geredet! Er ist einer, und ist kein anderer außer ihm;

33 und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und mit aller Kraft, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.

34 Da Jesus sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.

Halleluja [Psalm 33, 12]

Halleluja.
Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist,
dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!
Halleluja.

Musik vor der Predigt - Das Zeichen

Interpret: David Qualey

Freunde, dass der Mandelzweig
wieder blüht und treibt,
ist das nicht ein Fingerzeig,
dass die Liebe bleibt?

Dass das Leben nicht verging,
soviel Blut auch schreit,
achtet dieses nicht gering,
in der trübsten Zeit.

Tausende zerstampft der Krieg,
eine Welt vergeht,
doch des Lebens Blütensieg
leicht im Winde weht.

Freunde, dass der Mandelzweig
sich in Blüten wiegt,
bleibe uns ein Fingerzeig,
wie das Leben siegt.

Predigt

Pfarrerin Hirschberg-Sonnemann

Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt.

Liebe Gemeinde –
Noch eine kleine Weile, dann...
Warte nur noch ein bisschen, gleich ist es soweit-.

Warten auf eine Ankunft, auf einen Menschen, auf den Geburtstag, den Urlaub, den neuen Stellenbeginn, auf das Gesundsein, auf das Glück, das Ende der Corona-Pandemie, auf die Wahl.
„Warte, warte nur ein Weilchen, dann kommt auch das Glück zu dir....”
Diejenigen, die mich kennen oder schon einmal mit mir zu tun hatten wissen, warten fällt mir sehr schwer. Meistens bin ich irgendwo zu früh und manchmal können mir die Dinge nicht schnell genug gehen. Können Sie, könnt Ihr gut warten? In Ruhe und Gelassenheit? Abwarten, bis die kleine Weile vergangen ist und das Er-wartete eintrifft? Das Ersehnte.

Ich lese aus dem Buch des Propheten Jesaja aus dem 29. Kapitel:

Wohlan, es ist noch eine kleine Weile, so soll der Libanon fruchtbares Land werden, und was jetzt fruchtbares Land ist, soll wie ein Wald werden. Zu der Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkelheit und Finsternis sehen; Und die Elenden werden wieder Freude haben am Herrn, und die Ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels. Denn es wird ein Ende haben mit den Tyrannen und mit den Spöttern aus sein, und es werden vertilgt werden alle, die darauf aus sind, Unheil anzurichten...

Der Libanon – wieder blühendes Land: ein Traum.

Wir bitten Gott darum.
Wir bitten Gott um Vieles: um Frieden, Gesundheit, die Erfüllung von Sehnsucht nach Liebe und Heimat. Vieles davon ist in der Bitte des Vater unser: Dein Reich komme!
Warte nicht, Gott, komm!

Manchmal haben wir auch aufgehört zu warten, Warten auf Gottes Reich und damit ja dem Ende unserer bekannten Welt - das scheint eher etwas für Sekten zu sein. Landeskirchlich sind wir nicht geübt darin. Wir warten lieber klein: Mach die Welt besser. Gott, lass uns ein bisschen spüren dass Du da bist.
Auf Gott richtig zu warten heißt sein Fehlen spüren, die schmerzhafte Sehnsucht. Dadurch, dass Jesus Teil unserer Welt war, ist ja nicht alle Hoffnung schon erfüllt - so viel steht aus.

Der Libanon - wieder blühendes Land.

Auf Gott warten will gelernt sein. Darin ist uns das Volk Gottes, Israel bis heute Vorbild und Wegweiser. Denn: Menschen jüdischen Glaubens haben eine jahrtausende alte Erfahrung mit dem Warten auf den Messias.
Jesaja wartet auf eine neue Welt, er träumt von ihr. Träumt, dass sie besser wird.

Die Realität schön träumen, damit wie sie ertragen können. Manchmal helfen Träume weiterzuleben, zu überleben; Manchmal hindern sie auch am Leben. Dann, wenn wir nur träumen. Dann hat die Realität keine Chance mehr. Träume entstehen aus Sehnsucht, aus Schmerz und dem Wunsch nach Veränderung.

So auch damals – drängende Sehnsucht nach Sicherheit, denn alles ist ein Durcheinander von Meinungen und Religionen, Reich und Arm weit auseinander, jeder ist sich selbst der Nächste und es gibt viel die Angst: Angst voreinander, Angst zu verlieren, abzurutschen. In die Unsicherheit und Angst erzählt Jesaja seinen Traum, er hat den Traum vor Augen: der Libanon, der Berg Karmel –blühendes, wachsendes Land.

Jesajas Traum von einer neuen Welt - er verändert die Natur, verändert die Menschen:
die Armen, die am Boden ... aufgerichtet
die Machtvollen, die Ungerechten ...bestraft.
Dazwischen die Tauben und Blinden, blind und taub für Gott ... für sie gibt es Hoffnung auf einen neuen Anfang.

Der Traum von einer veränderten Welt, von veränderten Menschen.
Wo sind wir darin? Am Boden oder manchmal ungerecht oder gleichgültig? Was sind unsere Träume? Welche Veränderungen ersehnen wir? 

Jesaja, der Prophet – ein Träumer. Er nimmt Gottes Versprechungen ernst, auch wenn sie unbequem sind, welt-fremd. Jesaja nimmt seine Träume ernst und erzählt davon, damit sie Wirklichkeit werden. Prophetisch träumen von einer gerechten und guten Welt heißt mit der Realisierung dieses Traums in unserer Wirklichkeit zu rechnen. Nicht nur einfach so: „Dein Reich komme“. Sondern mit dem Schmerz des Fehlens von Gott in unserer Welt gesprochen. Mit Sehnsucht. Und mit ein bisschen Angst, denn wahrgewordene Träume verändern alles.

Jesaja sagt: hör zu, ich erzähle dir meinen Traum: Die Natur wird den Menschen nicht mehr bedrohen, sondern beglücken, es wird keinen Neid, keinen Vorteil mehr geben unter uns Menschen, Kranke werden geheilt und Frieden wird sein.
Warten auf diese neue Welt, träumen von ihr.

Prophetisch träumen heißt sich nicht vor der Realität zu drücken, sie nicht zu verklären, aber sie auch nicht als gott-gegeben hinzunehmen, denn so – wie sie jetzt ist, die Welt – hat Gott sie nicht gewollt. Er will sie anders, verändert und er will von uns, dass wir sie mit ihm verändern. Er will nicht, dass wir blind und taub sind, sondern aufmerksam. Er schenkt uns Träume, Sehnsucht, damit wir wissen worauf wir warten.

„Wer einmal mit Jesaja gelernt hat, dass ein Land versprochen ist, in dem auch der Lahme springt, in dem die Blinden sehen, in dem auch die Stummen sprechen, der wird nicht völlig zuhause sein in einer Gegenwart, in der die Sprachlosigkeit so vieler als gegeben hingenommen wird und die für die meisten Menschen nicht mehr als eine Wüste ist.... Erinnerung an die Träume - das schuldet die Kirche sich selber und einer traumlosen Gesellschaft.“
( Fulbert Steffensky)

Wohlan, es ist noch eine kleine Weile, so soll der Libanon fruchtbares Land werden, und was jetzt fruchtbares Land ist, soll wie ein Wald werden. Zu der Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkelheit und Finsternis sehen; Und die Elenden werden wieder Freude haben am Herrn, und die Ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels.

Amen.

Gebet: Wochenrückblick [von Georg Rieger]

Gott, du Planer unseres Lebens!
Wir wüssten gerade so gerne, wie es weitergeht. Unser Leben schwebt zwischen Sorgen und Zuversicht. Die schlimmste Phase der Pandemie scheint überwunden. Doch die Aussichten sind ungewiss.

Verbreitet sich das Virus noch einmal übers ganze Land? Wird es wieder unser Leben bestimmen, wie hoch die Infektionszahlen steigen? Müssen viele von uns um Arbeit und Verdienst fürchten?
Können die Kinder nach den Ferien wieder in die Schulen und Kindertagesstätten? Müssen sich wieder Junge und Alte voneinander fernhalten?

Werden wir jemals wieder dicht gedrängt zusammen sitzen, singen und tanzen können? Oder müssen wir uns mit der Distanz untereinander als Normalität abfinden?

Gott, du Tröster unseres Lebens!
Auch wenn wir die Nerven bewahren und uns nicht in wilde Theorien verlieren, macht uns die Ungewissheit doch zu schaffen. Im Hintergrund stehen diese Fragen und Sorgen.
Wir bitten dich um Ideen, wie wir damit fertig werden können. Schenke uns Geduld, damit wir uns an das gewöhnen, was nötig ist. Verstärke in uns das Interesse, dass wir uns kundig machen und Sinn und Unsinn voneinander zu unterscheiden wissen.

Lass uns auch die vielen anderen wichtigen Themen nicht vergessen, die gerade immer noch überlagert werden, wo es aber oft um wichtige Dinge geht – auch um Menschenleben, die bewahrt werden sollen. Lass uns Zusammenhänge erkennen und mutig sein, sie anzusprechen.
Schenk uns die Gewissheit, dass wir mit allen unseren Gedanken und Ängsten bei dir aufgehoben sind. Lass uns allem zum Trotz dankbar sein für die Liebe, die nicht vergeht und alles umfasst.
Amen!

Vater Unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Sendung und Segen

Gott segne dich und behüte dich.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden.

Amen.

Musik zum Ausgang

Allein Gott in der Höh sei Ehr - J. G. Walther

Orgel: Dr. Birgit Kordt