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Das geht mit durch den Tag


Tür zu - Tür auf ?!...

Liebe Menschen im Volmetal und überall,

ich habe einen Text gefunden, der mir und meiner Art, aufs Leben zu blicken entgegen kommt. Ich liebe es, wenn Türen für mich aufgehen und ich die nächsten Schritte als Beginn einer neuen Chance gehen kann.

Herzlichen Dank an Katrin Achterfeldt, die diese Andacht geschrieben hat. [janda!]

Haben Sie ein besonderes Foto von einer Tür? Oder haben Sie Lust, ein Foto von einer besonderen Tür zu machen? Dann schicken Sie es mir gerne (Foto per Mail an die Internet-Redaktion).

Ich wünsche Ihnen und euch einen gesegneten Tag. Ihr/euer Markus Wessel

Tür zu - Tür auf ?!

"Wenn sich eine Türe schließt, geht eine andere dafür auf." Sagt man ja so. Bisher wusste ich damit aber nie wirklich etwas anzufangen. Wenn ich eine Tür schließe, dann öffnet sich da eigentlich nix anderes. Aber dann traf ich meine Freundin Ellen wieder.
Wir hatten uns längere Zeit nicht mehr gesehen. Aber ich wusste noch, dass sie in ihrer Freizeit Gitarre in einer Band spielt. Leider waren die anderen Bandmitglieder nicht so berauschend. Es gab regelmäßig Knatsch. Bei einem unserer letzten Treffen erzählte Ellen mir deshalb von ihren Gedanken die Band zu verlassen. Auch, wenn sie dadurch erst einmal nicht mehr die Möglichkeit hätte öffentlich aufzutreten. Damals war sie noch ziemlich hin und her gerissen. Gestern aber stand sie mit leuchtenden Augen vor mir: "Ich hab Schluss gemacht! Endlich Ende mit diesem Zickenterror.“ Kurz: Ellen hatte die Band verlassen. Aber Ellen war nicht traurig, denn das scheint ihre größte Chance gewesen zu sein. Denn: Kaum hatte sie gekündigt, rief ein Bekannter von ihr an. Der kannte ihre Musik und wollte sie für seine Hochzeit als Solokünstlerin engagieren! Aus einem Auftritt wurden mehrere. Jetzt singt sie übers Jahr schon bei ner Menge Hochzeiten. Hätte Ellen die Band nicht verlassen – hätte sie das zeitlich nie hinbekommen.
Für Ellen hat sich die eine Tür geschlossen, aber sie hatte keine Angst eine Zeit lang vielleicht im Dunkeln zu stehen. Für sie überwog die Neugier auf das, was sich hinter der nächsten Tür verbirgt. Und das kam dann schneller, als gedacht. Ist vielleicht doch was dran mit den Türen…

Montag, 22. Juni 2020

Gott gehört der Kosmos und alles, was darin ist:
die Erde und alles, was auf ihr lebt.

Über den Tiefen des Weltraums
hat Gott die Erde gebaut,
inmitten des Chaos
zum Garten sie fest gegründet.
Wer darf auf den Berg Gottes steigen,
wer darf heiligen Boden betreten?
An ihren Händen darfkein Unrecht kleben,
und ihr Gewissen sei befreit von Schuld,
und ihr Wesen sei ohne Falschheit
und ihre Lippen ohne Meineid.
Gottes Segen werden sie empfangen,
Gerechtigkeit und Erfüllung ihrer Gebete.
So sind die Menschen, die nach Gott fragen
und suchen nach Gottes Spuren.
Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch.

Holger Mingram

Freitag, 19. Juni 2020

Liebe Menschen im Volmetal und an anderen  Orten - guten Morgen!

„Singen!“ ist die große Überschrift bei einem Zeitungsartikel. Chorleiter* innen und Sänger*innen wenden sich gegen das Proben- und Auftrittsverbot, sie versuchen Hygiene Konzepte zu erstellen und ahnen doch: eine Genehmigung für das Proben in Innenräumen wird es nicht geben. Sopran, Alt, Tenor und Bass - Stimmen nah beieinander sitzend und stehend um chorischen Gleichklang der jeweiligen Stimme und gemeinsame Mehrstimmigkeit zu erreichen - undenkbar für eine ganze Zeit. Wir wissen es aus der Forschung,  die immer mehr herausfindet über das Corona Virus: beim Chorgesang teilen wir denselben Atem und das ist sehr gefährlich. Menschen haben sich in Chorproben infiziert am Beginn der Pandemie,  einige Sänger oder Sängerinnen so schwer, dass sie an den Folgen der Infektion starben.

Wir sind vernünftig, Singen fehlt trotzdem. Im Gottesdienst und im Chor.

Unser Kirchenchor hätte viel gemeinsam gesungen in diesem Jahr anlässlich seines 100. jährigen Bestehens. Die Konzerte und Gottesdienste sind verschoben, ein Internetgruss als Lebenszeichen.

Chorarbeit ist mehr als Singen, es ist Verbundenheit und Gemeinschaft (über Jahrzehnte), manchmal Geselligkeit, oft auch geteiltes Schweres oder Schönes. All das fehlt.

Umso mehr genießen wir es, nach den Gottesdiensten in Rummenohl draußen vor der Kirchentür einen großen Kreis mit viel Abstand zu bilden und zum Klang der Orgel, die fast schüchtern aus der Kirche zu hören ist, noch ein Loblied zu singen. So haben wir, mit Sicherheit, eine besondere Gemeinschaft mit Gott und als seine Gemeinde.

Ihre Katrin Hirschberg-Sonnemann und Markus Wessel

Montag, 15. Juni 2020

Abendsegen - Kirche Rummenohl

Gott, zu dir rufe ich in der Frühe des Tages.
Hilf mir beten und meine Gedanken sammeln zu dir;
ich kann es nicht allein.
In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht;
ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht;
ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe;
ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden;
in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld;
ich verstehe deine Wege nicht,
aber du weißt den Weg für mich.
Vater im Himmel,
Lob und Dank sei dir (...)
für alle deine Güte und Treue
in meinem vergangenen Leben.
Du hast mir viel Gutes erwiesen,
lass mich nun auch das Schwere aus deiner Hand hinnehmen.
Du wirst mir nicht mehr auferlegen, als ich tragen kann.
Du läßt deinen Kindern alle Dinge zum besten dienen.

Amen.

(nach: Dietrich Bonhoeffer, Morgengebet)

Freitag, 12. Juni 2020

Liebe Menschen im Volmetal und anderen Orten - guten Morgen!

Mir sind die Nachrichten der vergangenen Tage vor Augen und ich hatte mir vorgenommen darüber zu schreiben. Warum nehmen Menschen Menschen das Leben? Die Bibel erzählt, dass wir erst durch Gottes eingeblasenen Atem das Leben bekommen. Ich kann die Bilder in den Zeitungen und in meinem Kopf schwer aushalten.

Es gibt viele theologische Überlegungen zu dem alten Wort „Sünde“- Warum tragen wir Menschen böses Denken und Handeln in uns? Was führt dazu, Mitmenschen, Kindern den Lebensatem zu nehmen? Versuche von Antworten gibt es.

Ich finde oft keine und mich machen viele Nachrichten der vergangenen Tage stumm.

Für mein Gebet helfen dann Worte anderer:
Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens;
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Freude bringe, wo Traurigkeit wohnt;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert.

Jesus- Meister,

lass mich trachten,
dass ich mehr tröste, als dass ich getröstet werde;
dass ich mehr verstehe, als dass ich verstanden werde;
dass ich mehr liebe, als dass ich geliebt werde.

Denn wer gibt, der empfängt,
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

(aus der Tradition des Franz von Assisi)

Montag, 8. Juni 2020

Ein Stein auf der Seele ist etwas Bedrückendes. Ein Stein im Herzen ist schwer zu ertragen. Aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, soll man etwas Schönes bauen. Stein auf Stein, Stein auf Stein….

In unserem Leben und auf unseren Wegen begegnen uns viele Steine.

In letzter Zeit seit Corona begegnen uns auf der Dahler Brücke einige mehr, die farbenfroh angemalt sind. Sie liegen in einer Reihe, versehen mit einem Schild, dass diese Steinschlange in den dunklen Zeiten von Corona Mut und Hoffnung symbolisieren soll. Dass sie uns hilft, Trennung von lieben Dingen wie Freunden, Vereinen, Institutionen zu überwinden. So finden wir Steine, auf denen „TSV Dahl“, „ Vormann Brauerei“ oder „Feuerwehr Dahl“- aber eben auch Steine mit Botschaften wie „Frieden“, „Sei stolz auf dich“, „ Ich glaube an den Herrn Jesus“ oder „Gott liebt dich“.

Die Steinschlange bildet wunderbar unsere Gemeinde und die Gemeinschaft im Volmetal ab.

Umso trauriger, dass sie bereits mehrfach zerstört wurde. Jemand hat eine Menge Steine genommen und in die Volme geworfen.

Viele Kinder und auch Erwachsene versetzt dies in melancholische Stimmung. Haben doch die Leute Recht behalten, die von Anfang an dachten oder sagten „Das geht nicht lange gut“. Es ist lange gut gegangen, drei Monate lang hat die Schlange Freude bereitet, Gesprächsanlässe auf der Brücke geschaffen. Neben den OGS Kindern der GS Volmetal haben viele andere Kinder und Erwachsene sie regelmäßig „gefüttert“, sodass sich die Schlange zuletzt über eine komplette Seite der Brücke schlängelte.

Schade, dass es Menschen gibt, denen die Freude anderer und auch die Mühe, die in vielen von diesen Kunstwerken steckt, nichts bedeutet.

Ins Wasser fällt ein Stein. Ganz heimlich, still und leise… und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise.

Bereits zweimal wurde die Steinschlange gerettet. Mit Wathose und Eimer, (auch ) mit Wut im Bauch und dem festen Willen, nicht aufzugeben, sich nicht unterkriegen zu lassen, sind Menschen unserer Gemeinde, der Dorfgemeinschaft, in die Volme gestiegen und haben die Steine geborgen und die Steinschlange erneuert.

Mal sehen, wie lange es diesmal gut geht….

Wenn du an der Schlange vorbeikommst, sieh dir die Steine doch mal genau an! Erkenne, dass jeder Stein ein Stück von dem Maler repräsentiert, dass Herzblut drinsteckt. Leg doch einen Stein dazu und zeige damit, dass das Gute immer siegen wird. Es wird immer mehr Steine geben, die wir anlegen, als Steine, die jemand in die Volme werfen kann.

Und wenn du wen siehst, der gedankenlos oder gelangweilt Steine in die Volme wirft, fass dir ein Herz und sprich ihn oder sie an.

Vielleicht braucht derjenige einfach ein Gespräch, jemand, der ihm oder ihr Mut macht, der ihm einen Stein von der Seele nimmt.

Katharina Döring

7. Juni 2020 - Sonntag Trinitatis

Predigt

Freitag, 5. Juni 2020

Liebe Menschen im Volmetal und an anderen Orten - guten Tag!

Ich sehe auf die zu Ende gehende(n) Woche(n)  zurück und denke: Es geht wieder ums Rechthaben. In den ersten Wochen der Corona- Pandemie war es still. Wir sind denen gefolgt, die sich besser auskannten als wir mit unbekannten Viren und haben denen vertraut die Entscheidungen über unser gesundheitliches und unser wirtschaftliches Leben treffen mussten. Jetzt ist es wieder laut und es geht wie so oft um das Recht-haben.

Viele meinen das Recht auf virologische Beurteilungen zu haben, obwohl sie weder Medizin studiert noch in dem Fachgebiet zu Hause sind. Wenn es wieder laut wird, scheint auch keiner mehr abwarten zu wollen, wie sich normale wissenschaftliche Diskussionen  entwickeln und welche Erkenntnis am Ende Konsens findet. Vieles muss wieder schnell gehen und Recht wird sich oft durch Lautstärke und Verkürzung verschafft. Wem gehört die Deutungshoheit über unsere verschiedenartige Welt?

Bunte Farben auf dem Regenbogen haben wir gern gesehen, jetzt geht es oft wieder um klares Schwarz oder Weiß. Und ein guter Umgang mit denen, die anderer Meinung sind, ist selten.

Ich denke an Salomo, den König der mit dem Titel „weise“ in der Bibel ausgezeichnet wurde. Damals waren Könige auch Richter und Salomo hat Gott darum gebeten, ihm Weisheit für kluge rechtliche Entscheidungen zu geben. Seine berühmteste Verhandlung ist die zwischen zwei Müttern, von denen jede behauptet, ihr gehöre das zu Salomo gebrachte Kind. Eine von beiden war nicht im Recht aber welche? Salomo schlägt zum Schein vor das Kind zu zerteilen und die Bibel erzählt, dass die wirkliche Mutter ihm ins Wort und Schwert fällt und ihr Kind lieber der anderen Frau überlassen will als ihm Schaden zuzufügen. „Da befahl der König: Gebt jener das lebende Kind und tötet es nicht; denn sie ist seine Mutter.“ Recht hat wer Leben bewahrt.

Ihrer/Eure Katrin Hirschberg-Sonnemann

Richtung: Pfingsten

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.

Was macht, dass ich so fröhlich bin
im meinem kleinen Reich?
Ich sing und tanze her und hin
vom Kindbett bis zur Leich.

Was macht dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen?
Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen.

Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsinn hält?
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.

(Hans Dieter Hüsch nach Ps. 126)

Gebet

Vater, dein Kind ruft zu dir,
denn du meinst es ja gut mit ihm
und es erkennt dich als Gott.

Vom Tau deines Segens trinke ich
und lächel dir zu aus zerknirschtem Herzen.
Noch unter Tränen freu ich mich deiner
und rufe zu Dir: Gott, komm mit zu Hilfe!

Mit Harfenklang antworten mir Engel,
sie loben dich, wenn ich rufe.
Das Morgenrot deiner Gnade strahlt auf,
die Speise des Lebens reichst du mir,
weil ich dich bat um Stärkung.

(Hildegard von Bingen)

Sonntag Exaudi - 24. Mai 2020

Zu Psalm 27

Du
bist die Kraft meines Lebens
vor wem sollte mir bangen

Wenn unerträgliche Tage nicht enden wollen
wenn mein Atem der Hoffnung zu ersticken droht
wenn alles sinnlos und leer erscheint
Suche ich umso mehr
nach Berührungspunkten mit Dir
wenn auch hier sich im Moment
keine Spur abzeichnet
so bin ich einfach da
versuche Deine Abwesenheit auszuhalten
Bilder von Dir loszulassen
um Dich neu zu entdecken
um Dir neu begegnen zu können

Kommst Du mir entgegen

(Nach Psalm 27,2 - Pierre Stutz)

Audio-Predigt

Himmelfahrtstag - 21. Mai 2020

Allmächtiger Gott,
manchmal empfinde ich dich so: weit weg von mir, im Himmel.
Nicht auf dieser Erde, in meiner Welt.
Fern von meinen großen und kleinen Sorgen, von dem, was auf mir lastet.

Manchmal sperre ich dich aus aus meiner Welt,
bin zu beschäftigt oder einfach achtlos.

Aber du willst nicht sein in einer Sonderwelt, sondern mir nah.
Deine Größe hat dich nicht gehindert daran,
in Jesus klein für unsere Welt zu werden.

Hilf, dass ich dich einlasse in meine Welt,
hilf dass ich den Himmel in mir, in deiner Schöpfung suche.

Erbarme dich meiner,
dass du Platz hast
in meinem Leben
zwischen Himmel und Erde.

Amen.


Aktuell

Ab Montag, 20.4.2020 verändert sich die Rubrik "Das geht mit durch den Tag".

Im Menue finden Sie die Rubrik nun bei "Gottesdienste und Andachten". Die Andachten, Gottesdienste und Impulse der vergangenen Wochen bleiben dort nachzulesen, zu hören und zu sehen.

Montags können Sie an dieser Stelle ein Psalmwort in einer Übertragung lesen sowie einige kurze Gedanken oder Musik dazu.

An Freitagen sollen hier die bekannten Impulse "Das geht mit durch den Tag" zu lesen sein.

Sonntags erscheinen die Texte zum Sonntag und eine kurze Predigt als Video oder Audio.

Wir freuen uns über Ihren Besuch auf unserer Internet-Seite!


Musik aus der Gemeinde

Komm, lieber Mai

Trompete: Viktoria Kordt

Piano: Birgit Kordt


Montag, 18. Mai 2020

Psalm 121 nach Huub Oosterhuis

Kommst du hoch von den Bergen
mir zu helfen -
was sehen meine Augen?

Den Schöpfer von Erde und Himmel,
meinem Helfer,
das weiß meine Seele,
das weiß mein Fuß, der nicht wankt.

Er wird nicht schlafen, Israels Hüter.
Er wird mich hüten, ich geh in seinem Schatten:
kein Sonnenstich am Tag,
und nachts kein Schlag vom Mond.

Er wird deine Seele bewahren,
ist mir gesagt.

Ich gehe meinen Weg,
komme sicher an.

Mein Helfer, ist der Name,
der Schöpfer von Himmel und Erde.

Gebet :

Gott gebe dir Frieden mit dir selbst,
sodass deine Zerrissenheit überbrückt wird,
deine Verwundbarkeit geheilt
und du deine Unsicherheit lachend beiseitelegst.

Der Friede in dir selbst
wird wie durch Zauberhand
das Verhalten der Anderen
verwandeln.

(Hildegunde Wöller)

Sonntag Rogate - 17. Mai 2020

Pfarrerin Katrin Hirschberg-Sonnemann


Freitag, 15. Mai 2020

Liebe Menschen im Volmetal und anderswo - guten Morgen!

Wieder ein besonders  Wort in dieser besonderen Zeit : Präventionsparadox oder: Wie mit Verschonung umgehen?

„Wer durch einen Regenschirm von einem Schauer geschützt war, wird doch trotzdem nicht den Regenschauer anzweifeln.“ Doch das passiert an vielen Stellen im Netz oder auf den Strassen. Statt Dankbarkeit und Zustimmung für überlegtes politisches Handeln der Vorwurf von Hysterie und Falschinformation. An vielen Stellen kommt der Alltag mit seinen Vorurteilen und Egoismen zurück, scheint es mir.  Schade.

Manchmal fällt es mir schwer, mich auf unsere ersten Gottesdienste in der Kirche Rummenohl zu freuen. Ich frage mich leise: War der gesellschaftliche Zusammenhalt in den vergangenen Wochen doch in der je eigenen Angst vor Ansteckung begründet? Und fußt die viel zu schnelle Rückkehr zur Normalität auf der Überzeugung, nicht so sehr gefährdet zu sein?

Ich mache mir nach wie vor  Sorgen, wie in unseren Gottesdiensten, Beerdigungen, Taufen und Trauungen  der wichtige, schützende Abstand gewahrt bleiben kann und ich hoffe sehr, dass wir uns in unserer Gemeinde immer wieder freundlich und aufmerksam an die Schutzmaßnahmen erinnern - gerade um andere zu schützen.

„Ich kenne Menschen, die hatten sich mit Corona infiziert und haben es nicht gemerkt.“, höre ich und denke: Genau deshalb ist die Situation so gefährlich - nicht nur für ältere und kranke Menschen. Ich lese die ersten Meldungen über die mit einer Coronainfektion einhergehenden schweren Erkrankung von Kindern.

Präventionsparadox - viele von uns sind bewahrt worden in den vergangenen Wochen, hatten milde Verläufe, haben sich gar nicht angesteckt; aber das rechtfertigt keine Leichtfertigkeit, keine Rückkehr zu unbesorgter Nähe wie früher. Einer erzählt mir stolz, dass man sich doch die Hand gegeben habe, eine sagt, dass es doch nur um ein bisschen Zusammenstehen geht - „wo wir uns schon nicht umarmen können“. Ich zucke zusammen. Es ist schwer, über einen langen Zeitraum achtsam zu bleiben wenn die Gefahr unsichtbar und surreal wirkt. „Ich kenne überhaupt niemanden wirklich, der Corona hatte.“ höre ich oft.

Präventionsparadox: Je besser die Prävention, umso entspannter wirkt die Situation. Sie trotzdem ernst zu nehmen, ist jetzt die Aufgabe. „Ich bin es müde so  Unterschiedliches, Paradoxes  zusammendenken zu müssen." lese ich in einer Mail.

Dabei  haben wir als Christ*innen doch Jahrtausende Übung darin: Leben aus dem Tod, Licht inmitten von Dunkelheit, Freude im Leid. Gerade wir kennen uns mit Paradoxen aus, das hat Jesus uns zugetraut. Jesus - selbst ein Paradox: wahrer Mensch und gleichzeitig wahrer Gott.

Ihre/Eure Katrin Hirschberg-Sonnemann

Montag, 11. Mai 2020

Psalm 31 nach Huub Osterhuis

Liebe beginnt mit Singen.
Sind dein Lied, meine Stimme.
Singen macht glücklich.
Noch nie hab ich dir so gesungen,
wie ich es mir vorgenommen hatte.

Lass es nun gelingen- deinen Traum will ich besingen.
Du bist ein Liebhaber der Menschen.
Du sprichst den Himmeln täglich zu,
dass sie morgen wieder da sind.
Du hältst die Fluten zwischen den Schleusen,
verschließt die Urflut zu in deinem Keller.
Du willst das Glück aller Erdenbewohner.
Und immer kommt dein Wort,
und es wird gut - du weichst nicht ab
von deinem Herzen.

Du Aufmerkender, der unser Angesicht sucht,
der größer ist als unser Herz -
du kennst mein Herz, du ergründest mich.
Allein das Auge des Lebenden
wird meinen Tod wenden, dass ich lebe.

Gebet ( Jörg Zink)

Lebe du in mir, heiliger Gott.
Ich möchte nichts als da sein
und durch dich leben.
Ich will mich lassen, mich freigeben.
Ich möchte mich öffnen
und mich geöffnet in der Hand halten,
dir entgegen.
Wirke du in mir so,
dass du mein Leben bist.
Sei du um mich so,
dass du meine Welt bist.
Durchdringe mich,
dass ich selbst unwichtig werde
und du allein bleibst.
Amen .

Freitag, 8. Mai 2020

Guten Morgen liebe Menschen im Volmetal und an anderen Orten!

In meinem Flur hängt ein Fotokalender mit Wegmotiven. Ich hatte über die vergangenen Tage vergessen umzublättern und heute morgen erst den Mai aufgeschlagen: Ich sehe auf einen Treppenweg mit einem Zaun aus Ästen gerahmt und an Bäumen entlang. Es geht bergauf.

Ich spüre die Unruhe der Menschen um mich herum, beim Einkaufen, in Telefonaten, Zoomsitzungen und Mails. Wann ist wieder mehr Leben wie vorher möglich? Kanzlerin Merkel sagt, die Pandemie sei „einigermaßen“ unter Kontrolle, und „einigermaßen“ beschreibt die Unsicherheit der Situation. Das Risiko von Entscheidungen ist jetzt auf die Landesregierung übertragen.

Der Weg geht bergauf durch flache Steigung, gerahmt von einem Geländer - aber was hinter der Kurve liegt ist nicht zu sehen. „Manchmal ist der Glaube wie ein Geländer“, sagt eine Freundin zu mir. Ohne so eins zu gehen ist bei großer Steigung schwerer.

Ich hoffe, Ihr und Euer Geländer hat in den vergangenen Wochen Stütze und Kraft gegen Angst und Sorge gegeben und ist auch jetzt spürbar, wo wir auch als Kirche Wege gehen, deren Biegungen wir noch nicht sehen. Gottesdienste mit nur wenigen und mit oder ohne Abendmahl? Wie gehen Taufen bei zwei Meter Schutzabstand, wie Trauungen - mit oder ohne Handauflegung? Wie gestalten wir unsere Gottesdienste, Kirchen- und Sitzungsräume so, dass wir dem Wunsch nach Nähe neue Formen geben, die aber kein Ansteckungsrisiko bergen? 
Wie bleiben wir verantwortungsvoll - ermöglichen Vertrautes, ohne einfach nur in alte Formen zurückzufallen, die jetzt für Menschen gefährlich sein können?

Ich sehe auf mein Kalenderbild und bin froh über das Geländer.

Einen behüteten Tag wünscht
Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann

Montag, 4. Mai 2020

Zu Psalm 143:

Du Gott am Morgen und am Mittag bis zum Abend unseres Lebens
Höre mein Rufen, achte auf mein Bitten!
Früh morgens schon umhülle mich
mit dem Mantel deiner Güte,
damit ich nicht friere.
Sei mein Licht,
damit ich nicht umherirre,
wenn die Nacht mit ihren Schatten
über mich fällt.
Zeige mir den Weg,
der ins Leben führt.
Und wenn ich auf Umwegen bin,
in die Irre gehe
und die Nacht nach mir greift,
dann stärke mir Herz und Sinn.
Sei mein Weg und mein Licht,
Gott, trage und leite mich.
Entzünde in mir deinen guten Geist,
damit ich sicher meinen Weg finde.
( I. Scholz, P. Horst)

Gebet:

Guter Gott, am Beginn dieser Woche lese ich die Überschriften in der Zeitung von geplanter vorsichtiger „Rückkehr zur Normalität“, von der Situation in anderen Ländern und ich lese diese: „Dem Terror entflohen, dem Virus erlegen.“ Ich lese von dem  jungen afghanischen Mann, der in München zu spät aus der Flüchtlingsunterkunft ins Krankenhaus gebracht wurde.
Gib mir in den Gebeten dieser Woche den Blick für andere. Lass mich mich sorgen um die, die nicht allein zu meinem Familien- und Freundeskreis gehören und lass mich nicht nur mit der Organisation meines Alltags beschäftigt sein.
Sei mein Weg und mein Licht und entzünde deinen Geist in mir, dass ich den Weg zu deinen Menschen in Gebet und Tat finde.
Amen.

Online-Andacht Jubilate 03.05.2020

mit Matthias Mladek

Musik zu Beginn: "Let All Things Now Living" Musik zum Ausgang: "Christ is Made the Sure Foundation"

Piano: Dr. Birgit Kordt

Freitag, 1. Mai 2020

Liebe Menschen im Volmetal und überall,

"Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht."

Immer, wenn ich einen Regenbogen sehe, gehen mir diese Worte aus dem ersten Buch Mose durch den Kopf.

Ich denke dann daran, wie sehr Noah und alles Leben um ihn herum gelitten haben unter dem nicht enden wollenden Regen, der Enge auf der viel zu kleinen Arche, dem Durcheinander und darunter, dass nicht abzusehen war, wann und wie es weitergeht.

Der Regenbogen am Ende dieser Erzählung macht die Sache rund. Gott sagt: So etwas soll nie wieder geschehen. Er sagt nicht: Ab sofort läuft alles nur noch rund. Er setzt seinen Bogen in die Wolken als Zeichen, dass es eine Verbindung, einen Bund zwischen Himmel und Erde gibt.

Berühren sich Himmel und Erde dort, wo der Regenbogen nicht mehr zu sehen ist?

"Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns."

Ich freue mich auf den Neubeginn nach dem großen Shutdown. Und als dann gestern dieser traumhaft schöne Regenbogen über Dahl strahlte, doppelt sogar, da konnte ich mich freuen über meinen Gott, der so wunderschöne Zeichen setzt, damit wir die Hoffnung nicht verlieren.

Ich wünsche uns allen eine hoffnungsvolle Zeit, viele Regenbögen und Gottes Segen.

Ihr/Euer Markus Wessel

Montag, 27. April 2020

Psalm 89 von Huub Osterhuis

Du warst - du bist - du wirst.

Höre mein Lied, mein Herz ist voll,
mein Mund läuft über:
Deine Freundschaft reicht hinauf bis in die Wolken.
Kein Göttersohn ist dir vergleichbar.

Der Luftraum ist voll von Göttern,
doch niemand ist wie du.
Anführer, sanftmütig,
kein Meer schäumt dir zu hoch.

Du hast ihre Monster gezähmt.
Nun wanderst du über ihre Fluten.
Die Erde, wüst und leer,
wurde volle Erde und Acker.

Nordpol, Südpol, Monte Rosa,
durch deine Hände gemacht -
dort aus der Höhe
strahlst du Liebe aus und Treue.

Du warst, wirst sein, du bist
unsere Kraft, um den Weg zu gehen,
um zu bestehen den Tag,
den Mittag, dunkle Nächte.


Gott sagt nicht: „Das ist ein Weg zu mir, das aber nicht,“ sondern er sagt: „Alles was du tust, kann ein Weg zu mir sein, wenn du es nur so tust, dass es dich zu mir führt.“

Martin Buber

Predigt zum 1. Petrusbrief (1. Petr 2, 18-25)

Freitag, 24. April 2020

Liebe Menschen im Volmetal und an anderen Orten,

heute, Freitag morgen, liegt in meiner überregionalen Tageszeitung zusätzlich das Magazin. Die Überschrift auf dem Deckblatt: „Das Gute in der Welt“ vor einem Foto von einem Clown auf dem Dach über den leeren Strassen in New York. 20 bekannte Fotografinnen und Fotografen haben Momente festgehalten, die Ihnen in der Krise Hoffnung geben. Krise, griech. crisis  heißt Unterscheidung, Wendung. Die Fotografinnen und Fotografen berichten zu ihren  Bildern was sich gewendet hat in ihrem Leben und im Unterschied zu  vorherigen Zeiten jetzt für sie zu sehen ist.

Ich blättere durch die Hoffnungsbilder: Ein Picknick auf dem Dach in Athen - eine Mutter mit zwei Kindern, die sonst zu fünft auf sechzig Quadratmetern leben.

Junge Menschen in Teheran, die freiwillig Desinfektionsmittel der Regierung in Teheran an Menschen in leere Wasserflaschen verteilen.

Ein Rabbi in der Leipziger Synagoge stellvertretend für seine Gemeinde (die am Bildschirm zuhause teilnimmt) ins Gebet vertieft.

Eine italienische Zirkusakrobatin die draussen mit fliegender Leichtigkeit trainiert und Kinder in Spanien singend mit der Flagge ihres Landes abends wie viele andere Nachbarn auch auf dem Balkon.

Manchmal ist das „Gute in der Welt“ jetzt besser zu sehen, wie eine Nachricht über WhatsApp am 22. April berichtet. Im Unterschied zu früher sind in diesem Jahr die Lyriden besonders gut am Himmel zu sehen. Lyriden sind Sternschnuppen, verglühender Sternenstaub, dem Mythos nach von uns Menschen mit Wünschen nach Veränderungen / Wendungen belegt. Sonst ist unser  Himmel durch die Verschmutzung der Luft viel schlechter zu erkennen. Diesmal war er klar.

Ich habe gelesen, manche Kinder sehen in den Metropolen Chinas das erste Mal den Himmel.

Crisis heißt Unterscheidung und anders als vorher verbringen auch Fotografinnen und Fotografen, vor der Krise oft viel unterwegs, jetzt mehr Zeit mit ihrer Familie. Ein österreichischer Fotograf schreibt: „Ich war schon in vielen Krisen als Fotograf unterwegs. Aber jetzt habe ich überhaupt keinen Drang zu reisen. Ich dokumentiere aktuell mein eigenes Leben, die kleinen Momente, geniesse Zeit mit den Kindern.“ Ich lese, dass wieder mehr gemeinsam gesungen wird - Abendlieder und anderes. Vielleicht war „Weißt Du wie viel Sternlein stehen“ am 22. April dabei. Für mich klingt in keinem anderen Lied so klar das Vertrauen mit, dass Gott zu jeder Zeit und auch in jeder Krise weiß wie viel Sterne am Himmel sind. Ich nehme die Sternschnuppen mit in diesen Tag und die Bitte um Bewahrung der Kinder unserer Welt.

Ihre und Eure Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann

Psalm 116

Ich bekam große Angst.

Die Dunkelheit schluckte alles,
auch die vertrauten Bilder meines Glaubens.

Bis meine Augen sich gewöhnten:
Dann ahnte ich Umrisse,
ich tastete weiter,
fand mich langsam zurecht.

Ich spürte:
Du brauchst dich nicht zu fürchten.
So habe ich mein Leben gefunden,
nehme auf mich,
was vor mir liegt.

Denn in allem,
was überstanden werden muss,
wird es Glauben geben.

(aus: Gottesdienst menschlich)

Musik: I Love The Lord (Richard Smallwood)

Gottesdienst zum Sonntag Quasimodogeniti

Pfarrerin Katrin Hirschberg-Sonnemann

Predigt

Samstag, 18. April 2020

Liebe Menschen im Volmetal und an anderen Orten - guten Morgen!

ich habe viel von  Sehnsucht war in den letzten Tagen gehört und gelesen: Von Sehnsuchtsorten und der Sehnsucht nach Normalität, die mehr ist als ein Haarschnitt (Kopfkino: Fehlender Haarschnitt), von Sehnsucht nach Freunden oder der Schule oder nach wirtschaftlichem Handlungsraum. Es gibt Sehnsucht nach dem  „wie vorher“  auch wenn wir wissen, dass Annäherungen an „wie vorher“ bis zur Entwicklung eines Impfstoffes mit der Gefahr von mehr Ansteckungen verbunden sind.

Von Dietrich Bonhoeffer habe ich auch viel gelesen und gehört in diesen Tagen weil sich sein Todestag zum 75. mal gejährt hat.

„Wer leistet sich heute noch ein starkes, persönliches Gefühl, eine  wirkliche Sehnsucht?“ hat Dietrich Bonhoeffer im Frühjahr 1944 aus dem Gefängnis geschrieben.

Eine besondere  Sehnsucht galt in seinen Briefen seiner Verlobten Maria von Wedemeyer. Ihr und seinen Eltern und Geschwistern hat er das Gedicht „Von guten Mächten“ zu Weihnachten 1944 geschenkt. In seinem Brief vom 19. Dezember 1944 (zitiert nach Renate Wind, Wer leistet sich heute noch eine wirkliche Sehnsucht?) schreibt Dietrich Bonhoeffer an Maria von Wedemeyer:

„Du darfst also nicht denken, ich sei unglücklich. Was heißt denn glücklich und unglücklich? Es hängt ja so wenig von den Umständen ab, sondern eigentlich nur von dem, was im Menschen vorgeht. ich bin jeden Tag froh, dass ich Dich, Euch habe und das macht mich glücklich froh ….“

Einen behüteten Tag wünscht Ihnen und Euch
Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann

Von guten Mächten wunderbar geborgen

Piano: Dr. Birgit Kordt

Freitag, 17. April 2020

Liebe Menschen im Volmetal – und überall!

Ich sitze wie gebannt beim Geburtstag einer guten Freundin (noch vor der Corona Zeit). Ein Kollege von ihr kann zaubern. Sowas macht mich wahnsinnig. Immer, wenn ich denke, ich hätte einen Trick verstanden, passiert wieder etwas, was ich nicht verstehe.

Selbst die Kinder in unserem Jugendzentrum kennen Tricks, bei denen mir außer Kopfschütteln nichts übrig bleibt. Ich verstehe es einfach nicht.
Aber es macht mir auch Spaß, mich verblüffen zu lassen. Toll! Wo die ganzen Tücher bloß herkommen? Und woher wusste die, welche Karte ich aus dem Kartenstapel ausgesucht hatte?

Wenn ich doch auch bloß zaubern könnte …

Wenn ich zaubern könnte, würde erst einmal alles verschwinden, was mir nicht so gut gelungen ist, oder wo ich jemandem mit einer doofen Bemerkung wehgetan habe.

Wenn ich zaubern könnte, würde ich bei manchen Menschen ihre unentdeckten Talente hervorholen.

Wenn ich zaubern könnte, wäre die Welt ein bisschen bunter und voller Musik.

Auch wenn ich bete geschieht etwas, was ich nicht immer erklären kann und auch nicht erklären muss. Kein Automatismus - ich wünsche mir von Gott etwas und, zack, geschieht genau das. So ist es nicht. Aber es verändert sich etwas, oft unerwartet.

Wenn ich mehr beten würde …

Wenn ich mehr beten würde, wäre die Welt vielleicht ein bisschen bunter und voller Musik.

Ich werde es mal versuchen und darauf achten, was geschieht.

Ihr/Euer
Markus Wessel

Donnerstag, 16. April 2020

Das Rätsel der Zeiten (aus dem Buch Salomo)

Ein jegliches hat seine Zeit,
und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:

geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit;

pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;

töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit;

abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;

weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit;

klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;

Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit;

herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;

suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit;

behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;

zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit;

schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;

lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit;

Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.

Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon. Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen. Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

Dieser Text erscheint auf den ersten Blick langatmig. Warum, fragt man sich, hat der Autor sich nicht mit ein, zwei Beispielen begnügt und ist dann zügig zum Eigentlichen gekommen?
Wahrscheinlich liegt die inhaltliche Tiefe, die der Text ausstrahlt und die ihn so bekannt und beliebt gemacht hat, genau darin: Der Schreiber hat sich die Zeit genommen, das Leben in seiner Gegensätzlichkeit darzustellen und macht durch die scheinbaren Wiederholungen klar: Das Leben hat es nicht eilig. Es ist, wie es ist.

Die Zeit bestimmt nur vordergründig unser Leben. Genauer betrachtet, hat aber alles im Leben seinen Sinn durch Gottes Wirken. Gott bestimmt unser Leben und er ist in dem, wie er ist und handelt, ewig und verlässlich. Gottes Wirken und seine Verlässlichkeit tragen uns durch unsere Höhen und Tiefen.

Zu jeder Zeit ist Gott Teil unseres Lebens in allem, was wir tun und erleben.

Ich wünsche Ihnen und euch allen heute viel gute Zeit

Ihr/Euer Markus Wessel

Mittwoch, 15. April 2020

Im letzten Jahr habe ich mir mehrere dicke Notenbücher mit geistlichen Liedern aus dem englischsprachigen Raum bestellt. Jetzt spiele ich sie nach und nach durch und überlege, zu welchen Anlässen welche Stücke besonders gut passen würden.

In der letzten Woche bin ich dabei auf eine sehr schöne Klavierbearbeitung zu dem Lied „God will take care of you“ gestoßen. Dieses Lied entstand am Anfang des 20. Jahrhunderts, als Civilla Martin, angeregt durch einen Kommentar ihres kleinen Sohnes, ihr Vertrauen zu Gott in Worte fasste und ihr Mann diesen Text mit einer eingängigen Melodie versah. Das gesamte Lied kreist im Grunde um einen sehr bekannten Bibelvers: Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch“ (1 Petr 5, 7). Die zentrale Aussage „Gott sorgt für dich“ erscheint in jeder der fünf Strophen zweimal, und außerdem beherrscht sie den Refrain:

Gott wird für dich sorgen,
jeden Tag, überall;
er wird für dich sorgen;
Gott wird für dich sorgen!

Über diesem Text steht zwar „Das geht mit durch den Tag“, aber in manchen amerikanischen Familien hat das Lied „God will take care of you“ einen Platz als Gute-Nacht-Lied bekommen. Vielleicht kann es ja auch Sie ein bisschen begleiten. Mir geht die Melodie jedenfalls nicht mehr aus dem Kopf, seit ich die Klavierbearbeitung für Sie eingespielt habe.

Es grüßt Sie musikalisch
Birgit Kordt

Piano: Birgit Kordt

Dienstag, 14. April 2020

Liebe Menschen im Volmetal und an anderen Orten - guten Morgen!

Ich hoffe, es waren behütete Ostertage - anders, natürlich, als gewohnt.

Vielleicht lag in dem nicht gewohnten, also nicht gewöhnlichen Ostern auch die Chance auf einen besonderen Moment - allein oder mit anderen und vor allem mit Gott. Ich habe zwei besondere Momente gezählt: Der Ostermorgen, als ich statt eines Osterbesuches nur etwas vor die Tür stellen konnte und auf dem Weg an einem leeren Patz vor einer leeren Kirche aber mit geöffneter Tür gehalten habe. Plötzlich laute Orgelmusik von drinnen bis draußen.

Und gestern Abend, müde in der Küche:  Ich hatte das Bedürfnis doch nochmal mit den Kindern über Ostern zu sprechen - vielleicht aus Angst bei viel „beruflichem“, das „private“ Ostern zu vernachlässigen. Ich fragte meinen kleinen Sohn, ob er denn wirklich genau wüßte was Ostern passiert sei und er winkte lässig ab:

„Klar! Jesus ist gestorben und dann hat er wieder gelebt - das war doch der Plan.“ So sicher zu sein, was Gottes Pläne angeht, das wünsche ich mir oft. Deshalb der Hinweis von Jesus, auf die Kinderstimmen zu hören.

Einen guten Tag mit dieser lässigen Oster-Sicherheit wünscht

Ihre/Eure Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann


13. April 2020 - Ostermontag

Audio-Gottesdienst mit Markus Wessel

Audio-Gottesdienst

Prädikant Markus Wessel


Sie haben Post: Osterbrief der Auferstehungsgemeinde


12. April 2020 - Ostergottesdienst aus der Dahler Kirche

Samstag, 11. April 2020

Liebe Menschen im Volmetal und woanders - guten Morgen !

Am  Samstag vor Ostern bereiten wir das Osterfest vor  - auch wenn in diesem Jahr alles anders ist.  Kein großes Familienfest, wenig Besuche, kein Gedrängel an den Ruhrseen oder anderen schönen Orten. Ostern wird anders .

Am ersten Samstag vor Ostern damals war alles anders.
Langsam kam bei denen, die zu Jesus gehören, das Begreifen, was passiert ist.
Jeder reagiert in einer Krise anders. Manchmal greifen alte bekannte Muster - weil sie ja auch schon vorher geholfen haben. Erprobtes trägt. Manchmal funktioniert auch nichts von früher. Die neue Situation braucht neues Verhalten.

Ostern ist das Fest mit dem für die Menschen von Jesus alles anders wurde. Denn die Situation einer Auferstehung hatte es noch nie vorher gegeben.

Maria von Magdalena steht unter dem Kreuz, weinend und weiß nicht weiter. Ich bin sicher, dass Tränen ihren Samstag vor Ostern bestimmt haben.

Petrus, der Jünger, der die Sicherheit des festen Steins  im Namen trägt - macht es wie immer.
Keine Tränen, stark sein, sich nichts anmerken lassen. Angst hat er in der Krise aber doch. Die Angst ist stärker und er verrät Jesus . Die Bibel weiß dass ihm das - vielleicht das erste Mal - die Tränen in die Augen treibt.

Maria weint noch auf dem Weg zum Grab, vor Tränen nimmt sie nichts wahr: den weggerollten Stein erst spät, den Engel wenig. Eine Ostergeschichte  erzählt, wie sie vor lauter Tränen den auferstandenen Jesus für den Gärtner hält.

Und dann  nennt Jesus ihren Namen, Maria Magdalena weiß dass Jesus da ist und sie nie allein lässt.

Maria ist anders durch Ostern.

Petrus, der Fels, ist angeschlagen, seitdem der Hahn gekräht und er Jesus verraten hat. Über Jesus Tod und sich selbst ist er zu Tränen erschrocken. Die Nachricht von der Auferstehung erreicht ihn -verändert. Vielleicht war er unter den ersten, die Jesus begegnet sind , vielleicht erst am See als Jesus seine Gefühle wissen will. Simon Petrus, liebst du mich und Petrus antwortet:  Ja, Herr.

Petrus ist anders durch Ostern.

Am morgigen Sonntag nach den Vorbereitungen heute feiern wir Ostern, anders als die Jahre zuvor.

Mein Osterwunsch ist, dass es nicht nur um uns, sondern auch in uns anders wird.

Ihre und Eure Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann

10. April 2020 - Audio-Gottesdienst zum Karfreitag

Prädikant Matthias Mladek

9. April 2020 - Gründonnerstag - Audiogottesdienst mit Christin Hick

Mittwoch, 8. April 2020

Psalm 31

in einer modernen Übertragung (Verfasser*in unbekannt)


Gott, auf Dich vertraue ich.
Bei Dir suche ich Halt.
Wenn rings um mich das Meer tobt,
bist Du mein Fels.
Wenn ich vom Sturm überrascht werde,
bist Du meine feste Burg.

Gott, auf Dich verlasse ich mich.
Leite mich, wenn es dunkel um mich ist,
führe mich, wenn ich keinen Weg mehr sehe.
Wie in ein Netz verstrickt,
das plötzlich über mich geworfen wurde,
so fühle ich mich.

Hilf mir heraus, denn ich habe Angst.
Wenn Einsamkeit mich überfällt
und ich mich gefangen fühle:
Du bist doch da.

Du bist meine Stärke.
Ich vertraue darauf:
Du lässt mich nicht fallen.
In Deine Hände befehle ich meinen Geist.
Du holst mich heraus
aus meiner Machtlosigkeit.

Du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Dienstag, 7. April 2020

Liebe Menschen im Volmetal und an anderen Orten - guten Morgen!

Ich habe Sehnsucht nach anderen Orten. Wie viele Andere auch hatte ich in den kommenden Tagen (nach Ostern) Urlaub genommen um an einem andern Ort aufzutanken.

Vielleicht auch um an einem anderen Ort meinen Geist  und meine Seele wieder freier zu  bekommen als es im Alltag möglich ist, auch freier für Gott, Ich habe Sehnsucht nach dem Meer - in meiner Küche hängt eine Postkarte mit Meer und  Strandkorb: „Es lebt sich besser mit Sand unter den Füßen.“ Manchmal reicht auch ein Fluss oder ein See um den Kopf im Blick darauf wieder freier zu bekommen.

Bei einem Urlaub auf Usedom in einer kleinen Wohnung unmittelbar an der Ostsee und Sturmwarnung zeigt sich auch die anderen Seite.

Wasser und Meer in der Bibel begegnet als Sehnsuchtsort und um Abstand zu haben - von Jesus wird oft erzählt, dass er auf dem See ist und am See und um den See herum geschieht vieles. Das Meer in der Bibel ist Rettung und Bedrohung zugleich, wenn es sich für die einen teilt und über den anderen zusammenschlägt.

Mein Urlaub ist abgesagt - aus guten Gründen. Wir akzeptieren vieles Abgesagte in dieser Situation weil wir wissen, dass es Leben rettet und die Vorbereitung des Gesundheitssystems ermöglicht. Gleichzeitig ahnen wir, dass es auch eine andere Seite gibt - in der die Bedrohung nicht in der hohen Infektionsgefahr allein liegt, sondern in der schnellen Preisgabe der Grundrechte liegt. Heribert Prantl (Redakteur der Süddeutschen Zeitung, Christ und Jurist) erinnerte  am Wochenende am Jahrestag des Grundgesetzes daran, dass es wichtig ist, dass eine „demokratische Gesellschaft nicht nur auf Epidemiologen hört“. Wir haben aus Angst vor einer noch weitgehend unbekannten Virusinfektion, aus Sorge um die Gesundheit anderer und unserer eigenen in den vergangenen Wochen Einschränkungen in hohem Ausmaß akzeptiert als medizinisch einzig richtigen Weg. Heribert Prantl schreibt, dass es jetzt wichtig  ist den Blick zu weiten und  zu den medizinischen Beurteilungen die der psychologischen, sozial und wirtschaftswissenschaftlichen und juristischen Disziplinen dazu zu holen. Und der „Experten aus Kunst, Kultur und Religion“, um „den guten Weg aus der Krise zu finden“.

Wir sind Experten für Religion und Ostern ist in Sicht - nicht mit Sand an den Füßen aber mit dem Wissen, dass Gott durch große Krisen gut führt.

Ich nehme Psalm 139 mit in den Tag - meinen Lieblingspsalm - weil er vom Meer erzählt und dass Gott uns in seinem weiten Blick hat. 

 

"HERR, du erforschest mich und kennest mich.
Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;
du verstehst meine Gedanken von ferne.
Ich gehe oder liege, so bist du um mich
und siehst alle meine Wege.
Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,
das du, HERR, nicht alles wüsstest.
Von allen Seiten umgibst du mich
und hältst deine Hand über mir.
Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch,
ich kann sie nicht begreifen.
Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,
und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?
Führe ich gen Himmel, so bist du da;
bettete ich mich bei den Toten, siehe,
so bist du auch da.

Nähme ich Flügel der Morgenröte
und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort
deine Hand mich führen
und deine Rechte mich halten."

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen und Euch
Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann 

Montag, 6. April 2020

Liebe Menschen im Volmetal und woanders - guten Morgen!

Als Kind bin ich gerne auf die Birke in in unserem Garten geklettert. Fast ganz nach oben - da, wo die Äste schmaler wurden und sich bewegten, war eine Verzweigung und ich hatte einen Platz. Ich habe dort gesessen und den Wind gespürt, die Blätter im Frühling hell und flirrend. Wenn der Wind etwas stärker wurde, habe ich mein Gesicht in den Wind gedreht; dem Wind Nase, Mund, Augen und Ohren hingehalten.

Das tue ich bis heute, wenn Wind kommt. Gestern war so ein Tag, an dem der Wind in der Sonne spürbar war.

Kar- (Kummer) Woche, Passions- (Leidens) Zeit - in einer bedrückenden Zeit schwere Worte. Gestern Abend noch kamen drei Nachrichten aufs Handy von Menschen, die Kummer haben weil Angehörige als Ärzte arbeiten und die an den Einschränkungen jetzt leiden weil die soziale Isolation schwer zu tragen ist.

Vielleicht ist in dieser Karwoche 2020 nicht die Betonung des Kummers und Leids, dass wir vor Augen haben - weltweit - allein christliche Aufgabe, sondern das Sammeln von tröstenden Gottespunkten.

Ein tröstender Gottespunkt ist für mich der Wind. 

Wind spüren - schmecken, riechen, die Augen versuchen offen zu lassen wenn der Wind stark weht und sein Geräusch zu hören - gibt mir ein sicheres Gefühl der Anwesenheit Gottes.

In „ruach“, dem hebräischen Wort für Wind klingt sein Geräusch mit. Ruach heißt Verschiedenes gleichzeitig: Wind, Atem, Hauch, Geist. Als Gott uns handgefertigten Menschen in der Schöpfungsgeschichte den Atem einblies, damit wir leben - in Mund, Nase, Ohren und Augen - da wurde sein Wind spürbar. Das ist sein Geist.

Die Bibel erzählt, dass Gott sich verschieden zeigt. In Träumen, wundersamen Feuer, in der Wüste und im Wind. Nicht oft im großen Wind, eher im „stillen sanften Sausen“.

Ein Kollege erzählte mir, dass er sich nach seinem Umzug aus der Stadt mit viel Wind - Hamburg - in eine kleinere Stadt zwischen den Bergen manchmal auf die Autobahnbrücke stellen musste, weil dort wenigstens ein bisschen Wind zu spüren war.

Einen Tag mit verschiedenen Augenblicken von Gottes Nähe wünscht

Ihre und  Eure Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann

 

„einen engel

wünsch ich allen

die ohne grund

lächeln: aus

gottes grazie

allein“

                               (Kurt Marti) 

5. April 2020 - Gottesdienst zum Palmsonntag

Predigt

Haben Sie schon einmal mit Sehnsucht und Begeisterung auf der Straße gestanden, um einem berühmten Menschen zu begegnen? Haben Sie sich,  habt ihr euch schon einmal auf den Weg gemacht, um bei dem Auftritt dieses Stars dabei zu sein? Dann ist das Gefühl von Spannung und Erwartung bekannt. Vielleicht ist da Erinnerung an die Freude ihn oder sie kurz gesehen zu haben.  Die Sehnsucht nach Begegnung ist der Antrieb. Die Hoffnung auf ein Autogramm, eine Berührung, manchmal erst nach langem  Warten. Vielleicht ist das alles gerade erst gewesen oder nur ferne Erinnerung. Bei mir ist es auch schon länger her,  dass ich  durch die Kölner Südstadt gezogen bin in der Hoffnung dem Sänger meiner damaligen Lieblingsband zu begegnen. Oder dass ich in Hamburg zur obersten Etage des Luxushotels hochgesehen habe, ob er sich Udo Lindenberg  wohl am Fenster zeigt – allein schon dass jemand es sich leisten kann immer im Hotel zu wohnen hat mich sehr beeindruckt.

Träume von Begegnung haben mich damals bestimmt, und ich habe mir ausgemalt wie eine solche Begegnung mit meinem Sehnsuchtsmenschen wohl aussehen wird. Ohne dass ich wirklich wusste wie er ist – nur aus Interviews, Liedtexten und Fotos habe ich mein Bild gemalt.

Ähnlich war es als Jesus nach Jerusalem kam, um das Passahfest mit seinen Freunden  zu feiern.

Die Nachricht spricht sich schnell herum. Die Menschen  haben  gehört dass er  Wunder vollbringt, Kranke heilt, Tote auferweckt, die Gesetze manchmal  auf seine eigene Art auslegt. Sie wissen dass ihn viele Menschen hören und sehen wollen – und dass das andere ärgert.

Neugierige kamen zusammen. Kritiker und Skeptiker blieben stehen, um ihn zu taxieren.  Gleichgültige gingen vorbei vielleicht, andere gingen einfach in dem Strom der Menschen mit, ließen sich treiben von der Stimmung der Freude, Neugier  und Erwartung. Sie alle waren gespannt darauf, diesem Mann zu begegnen. Hatten lang gewartet, und manche sicher auch sehnsüchtig und waren voller Hoffnung für sich auf Heilung oder Glück.

Einige haben das Ersehnte gefunden durch Jesus, andere nicht. Waren enttäuscht oder blieben skeptisch weil Jesus nicht ihren Vorstellungen entsprach mit seinem Einzug auf dem Esel. 

Ich stehe an der Straße nach Jerusalem und sehe dem Mann auf dem Esel entgegen. Entspricht er meiner Vorstellung, so wie der da kommt?

Es ist nicht leicht in der Zeit von Mindestabstand und zuhause bleiben sich Menschen ganz nah im Gedränge vorzustellen. Ich versuche es –

Bin ich sehnsüchtig, aufgeregt? Frage ich mich, ob das den Aufwand und die Enge lohnt?  Kann ich mich von dem Mann auf dem Esel noch überraschen lassen in meinen seit über 2000 Jahren gewachsenen festen Vorstellungen?

Wer ist Jesus?

Einige sagen: Jesus zeigt mir, wie ich leben soll. Er ist mir eine Orientierungshilfe. Durch ihn weiß ich, wie ich mein Leben gestalten kann.

Andere sagen vielleicht: Jesus ist für mich Halt und Trost. Wenn es mir schlecht geht, dann bete ich zu ihm, er gibt mir das Gefühl von Halt und Hilfe, er sagt mir:  es wird alles gut werden.

Und einige sehen in Jesus ein Vorbild für das persönliche und das politische Leben.

Viele unterschiedliche Vorstellungen.

Auch von meinen Idolen damals gab es unterschiedliche Vorstellungen – wir tragen unser Leben immer mit ein in unsere Sehnsucht.

Jesus wusste das – deshalb ist er Menschen so unterschiedlich begegnet und hat sich ihnen unterschiedlich gezeigt:  deutlich und vorsichtig, mutig und im Garten ängstlich, zurückgezogen und zugewandt, seelsorglich oder mit klaren Anweisungen, fragend und immer mit einer Antwort, er feierte, lachte und weinte. In all dem zeigt sich die Liebe Gottes. In ihm – das hat Jesus in all seiner Unterschiedlichkeit immer gleich gesagt: in ihm zeigt sich Gott.  Das ist besonders und eigentlich nicht vorstellbar. In Jesus zeigt sich gleichzeitig Gott.

Damit ich das nicht übersehe , muss ich im Gedränge oder auf Abstand auch noch 2000  Jahre später genau hinsehen zum Mann auf dem Esel, also genau  hin – hören und  hin – lesen. Damit ich nicht nur bei einer, also meiner Vorstellung von Jesus  bleibe.

Udo Lindenberg, der Mann aus dem Luxushotel in Hamburg ist einer, dem viele vielleicht mit falschen Vorstellungen begegnet sind. Weil sie ihre Wünsche auf ihn übertragen haben oder er skurril wie aus einer anderen Welt erschien.

Sein Leben hat sich in diesen Tagen auch verändert. Im obersten Stock des Hotels ist er nicht mehr zu finden.  Er schreibt: „Wie aussichtslos die Lage auch scheint, versuchen wir vielleicht trotzdem irgendwas Gutes zu finden  (...) volle Verantwortung, zwei Meter Abstand, come on, volle Souveränität. Aber besser bleib zuhause.“

Manche von Udo Lindenbergs Liedern berühren auch mein Leben, manchmal meinen Glauben und eines meine Vorstellung von Jesus.

Eines besonders: es heißt „Nimm Dir das Leben“ und erzählt – anders als die erste Vorstellung beim Hören des Titels – gerade nicht vom Tod, sondern nur vom Leben:

„Die Welt da draußen mach dich fertig

Und Du sagst Du hast genug

Ey Amigo, guck nach vorn

Denk an unsern alten Spruch

 

Nimm dir das Leben

Und lass es nicht mehr los

Denn alles, was du hast

ist dieses eine bloß

 

Greifs dir mit beiden Händen

Machs wieder stark und groß.“

 

In meiner Vorstellung ist Jesus genauso nach Jerusalem hinein geritten.

Groß und stark, wissend dass er hier auf unserer Welt dieses eine Leben nur hat und  dass er sich jeden Augenblick nimmt bis zuletzt.

Er hat es mit beiden Händen gegriffen und groß gemacht, in Udo Lindenbergs Worten:  „mit Power bis zum letzten Atemzug“ ...

... und darüber hinaus.

Denn darin  bin ich mir ganz sicher. Jesus  Kraft war die Kraft der Auferstehung schon auf dem Weg zum Kreuz. Jesus war sich ganz sicher, dass Gott  das will für ihn, aber eigentlich für uns: dass Leben festhalten, auch durch den Tod. Nicht loslassen, sondern großmachen.

Amen.

Samstag, 4. April 2020

2 Meter?

Liebe Menschen im Volmetal und anderswo - guten Morgen!

Morgen beginnt die Karwoche - 

„Kar" -  das kommt aus lang vergangenem Deutsch und heißt Kummer. Es ist die Woche, an deren Ende Karfreitag steht und die Stille des Karsamstag (zumindest früher) bevor am Ostersonntag im Gegensatz dazu Freude und Lachen ist. Wir hören es immer wieder vom Leiter des RKI:  Voraussagen darüber wie es Ostern sein wird, sind schwierig. 

Jesus hat seinen Jüngern oft Voraussagen gemacht über das, was kommt und woran wir in der Karwoche denken.

 

Jesus sagt: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte gibt  sein Leben für die Schafe.(Joh 10,11) 

 

An Hirten muss ich mich erst wieder erinnern, Hirtinnen und Hirten sind nicht so häufig in unserer Gegend zu sehen.

Kinder haben genauere Vorstellungen: 

"Da muss man immer gut aufpassen, vielleicht kann man dann gar nicht schlafen." 

"Und wenn es kalt ist müssen alle eng zusammensitzen".

"Der Hund passt mit auf."

"Und wenn eines verloren ist, muss man es ganz lange suchen." 

"Wie geht man denn einkaufen? Mit den Schafen?" 

 

Gemütlich und romantisch ist dieser Beruf sicher auch heute nicht. Jesus Jünger hatten Hirten im Alltag vor Augen und wussten wie viel Angst und Sorge um die Gesundheit der Herde den Hirten täglich begleiten. Jesus hatte vor Augen, dass ein Hirte eigene Gefahr auf sich nimmt um die Geschöpfe, für die er Verantwortung trägt, aus Gefahr zu befreien und sich bei Krankheit um sie zu sorgen. 

 

"Ein Hirte kennt jedes Schaf, auch wenn es ganz viele sind.“

„Ein Hirte weiß den Namen von jedem Schaf“.

„Er beschützt die Schafe wenn Wölfe kommen.“

„Er hat alle lieb und er weiß immer den Weg.“

 

Jesus sagt: Ich bin der gute Hirte und kenne die meinen, und die meinen kennen mich. Und ich gebe mein Leben für die Schafe. (Joh 10,14) 

Ich nehme die Gedanken und Gefühle der Kinder mit in meine Karwoche und ich bitte darum, dass diese Woche vor allem für die Menschen, deren Gesundheit bedroht ist - hier und anderswo - nicht nur eine Woche mit Kummer ist. 

Ihre und Eure Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann  

Freitag, 3. April 2020

Liebe Menschen im Volmetal und an andern Orten - guten Morgen!

Im Bücherschrank meines Vaters stand das Buch „Sorge Dich nicht – lebe! Die Kunst zu einem von Ängsten und Aufregungen befreiten Leben zu finden.“ Das Buch des Autors Dale Carnegie war von seinem Erscheinen an umstritten, sein Ansatz des „Positiven Denkens“ galt vielen als schlicht und vereinfachend.

Mein Vater war Pfarrer und sein Bücherschrank war angefüllt mit guter theologischer Literatur. Er ist vor über 20 Jahren im Alter von 53 Jahren an einer sehr schweren Krankheit gestorben. „Sorge dich nicht – lebe“, das war für ihn kein leichter Rat, gerade in den letzten Monaten. Gesund ist es immer leichter von dem Jesus zu erzählen, der allen Ängsten die Stirn geboten hat, frei von aller Bindung lebte ohne Sorge vor Existenzverlust, Krankheit oder Nähe. Vermutlich war dieses Buch für meinen Vater gerade in der letzten Zeit vor seinem Tod ein Halt, ich weiß es nicht genau.

Jesus hat seine Sorglosigkeit mit unserem Mensch-Sein begründet. Wir haben die Welt nicht geschaffen und wir werden die Wege von Gottes Schöpfung und seinen Geschöpfen nie ganz bestimmen können. Gleichzeitig sagt Jesus: Als Geschöpfe Gottes und in seiner Obhut sind wir versorgt.

Ostern ist DAS Fest des „positiven Denkens“, in der kommenden Woche feiern wir das Ostergeschehen - gehen den Weg nach vom Kreuz zur Auferstehung.  

Und auch wenn wir uns auch aus guten Gründen nicht versammeln dürfen, so können wir es trotzdem feiern. Wir können jeden Tag Ostern feiern und unser Wissen von der Auferstehung allen Ängsten entgegenstellen: “Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter den Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden ...“ (1 Kor 15,19). In unseren Ostergottesdiensten lesen wir aus dem ersten Korintherbrief des Paulus, Kapitel 15. Wir lesen von den Ängsten der Menschen damals vor ihnen unheimlichen Mächten, dem Schicksal und dem Tod. Paulus nimmt die Angst ernst, aber er schreibt den Korinthern auch seinen Glauben gegen die Ohnmacht: Ostern.

"Ostern ist für Paulus die Gegenbewegung, die Demonstration Gottes gegen alles, was Angst macht. Letztlich können sie uns nicht festhalten, die Ängste und Mächte unserer Welt.“ *

In 10 Tagen feiern wir Ostern und vielleicht ist es in diesem Jahr anders wichtig die Osterbotschaft nicht nur zu hören oder zu sehen, sondern wie die Menschen in Korinth als Brief geschickt zu bekommen. 

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen und Euch
Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann 

 

*Aus: Rolf Sonnemann, Christus möchte unter uns lebendig sein, Bielefeld 2014

 

 

Donnerstag, 2. April 2020

Liebe Menschen im Volmetal und anderswo - guten Morgen!

„Die Sorge ist das Verhältnis zum Leben.“, schreibt der dänische Philosoph und Theologe Søren Kierkegaard. Kierkegaard scheint sehr in diese Zeit zu passen, er war vor allem in seinen letzten Jahren ein auf seine Wohnung - außer wenigen Spaziergängen - bezogener Mensch mit wenig Kontakt in seiner Stadt Kopenhagen.
Kierkegaard war in Vielem ein ängstlicher Mensch, Angst um sein Leben aber auch vor dem Leben (und der Liebe) haben ihn bestimmt. Vielleicht konnte er deshalb so genau darüber schreiben. Er zeigt  auf wie wir aus Angst vor Unbekanntem Sorge entwickeln.
Wir sind von vielen Krankheiten umgeben, sie haben Namen, die wir kennen: Grippe, Krebs. Auch hoch ansteckende Krankheiten kennen wir. Covid 19 ist neu und unsere Sorge ist groß, weil Vieles im Verlauf unbekannt ist.
„Die Sorge ist das Verhältnis zum Leben“, sagt Søren Kierkegaard. Kann man sich vor Sorge schützen? Durch einen übergroßen Vorrat an Sanitärartikeln und haltbaren Lebensmitteln im Keller oder durch das Nähen von Schutzmasken?
Es ist absolut unerlässlich dass Menschen in medizinischen und pflegenden Berufen besonders jetzt ausreichend medizinische Schutzkleidung haben. Sorge um Menschen in der Pflege und in der Medizin ist eine berechtigte Sorge. Dass es nicht ausreichend Schutzkleidung auf dem Weltmarkt zu kaufen gibt, weil jedes Land versucht für sich zu horten, zeigt eine Bewegung die wir hier von leergekauften Regalen kennen. Die Sorge um Andere hört bei der Sorge um sich selbst auf.
„Die Sorge ist das Verhältnis zum Leben.“ Sorge endet nicht durch Schutzkleidung, aber medizinische Schutzkleidung ist jetzt dringend notwendig für alle Mitarbeitenden in Medizin und Pflege.
Einen genähten Mundschutz zu tragen ist eine gute Sorge um Andere, denn es ist der Versuch die Übertragung von eigenen (vielleicht noch nicht erkannten) Infektionen an Mitmenschen zu verhindern.
Im Miteinander auf Abstand ist auch viel Gutes entstanden. Wenn Sorge uns in unserem Menschsein bestimmt und wir uns nicht vor ihr schützen können, liegt in der jetzigen Situation die Chance, dass auch etwas Gutes entsteht: wenn die Sorge um Andere größer wird als die Sorge um uns selbst.
Søren Kierkegaard war selten frei von Sorgen, aber an Gott hat er sich festhalten können, wenn sie zu groß wurden. Das war sein Schutz, denn : „Das Gebet ändert nicht Gott, sondern den Betenden."

Einen behüteten Tag wünscht Ihnen und Euch Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann

Mittwoch, 1. April 2020

Liebe Menschen im Volmetal und an anderen Orten - guten Morgen!

In der nächsten Woche endet die Passionszeit.

Das Motto der evangelischen Aktion „ 7-Wochen- Ohne“ war dieses Jahr: „Zuversicht-7 Wochen ohne Pessimismus“.

Zuversicht zu behalten und Pessimismus aus dem Weg zu gehen bei den Nachrichten  der vergangenen Tage wurde schwerer.

In der nächsten Woche endet die Passionszeit und der an dessen Leiden wir denken- Jesus - blieb Optimist in jeder Passion.

Seine Übersetzung für Zuversicht war der Blick auf das Kommen des Reiches Gottes.

Er hatte das Wissen, dass Gott es gut machen will für seine Schöpfung und uns dazu braucht.

Jesus hat seine Zuversicht behalten und den Blick frei für das Leiden anderer Menschen.

Manchmal ist unser Blick eng geworden im diesen Tagen, beschränkt auf unsere Innenräume und bestimmt von den Nachrichten, die wir sehen.

Wir schauen auf unser Land, unserer Stadt - auf die Zunahme der Infektionen, lesen und hören von geplanten politischen Massnahmen, versuchen herauszufinden welche medizinischen Einschätzungen uns hilfreich und sinnvoll erscheinen.

Ich merke, dass mein Denken und Beten einen kleineren Radius als sonst einnimmt, die Welt rückt ferner.

Jesus hat Menschen über Grenzen hinweg in ihrem Leiden und mit ihren Bedürfnissen gesehen und gehört und es ist wesentlicher Teil unsres christlichen Glaubens von Beginn an über Landesgrenzen hinauszugehen mit Jesu Botschaft.

In Ihrem Podcast "Kopfkino" erinnert uns  die Hagener Superintendentin Verena Schmidt an die Situation der Menschen in den Flüchtlingslagern auf Lesbos.

Die seit gestern unsere Medien bestimmende Diskussion um Schutzmaskenpflicht für alle ist dort weit weg, ein Mindestabstand von 2 Metern in der Enge und dem Elend dort für die Menschen nicht möglich. Es fehlt an allem Notwendigen zur Vorsorge und Versorgung.

Mit dem nahen Ende der Passionszeit erinnert mich Jesus heute an zweierlei -

Menschen über unsere Grenzen hinweg nicht aus dem Blick zu verlieren in meinem Gebet und meiner versuchten wenigstens finanziellen Hilfe und mit Zuversicht und Maß unserer Situation hier zu begegnen -  in einem der reichsten Länder der Welt mit gut ausgebildeten Ärzten und Ärztinnen in einem Gesundheitssystem, dass allen zur Verfügung steht.

Ich nehme einen Vers des Hebräerbriefes mit in meinen Tag und das Wissen und die Sorge um Leid, weit über meine und unsere Innenwelt hinaus.

„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ ( Hebr 11,1)

Ihre/ Eure Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann

Dienstag, 31. März 2020

Liebe Menschen im Volmetal und überall - guten Morgen!

Gestern ist das Kreuz wieder auf die Kirchturmspitze gekommen.

Im 2.Versuch - Freitag hat es noch nicht geklappt - wurde das restaurierte und reparierte Kreuz oben auf der Kirchturmspitze angebracht.

Die Renovierung des Daches der Dahler Kirche geht voran, der Turm ist schon fast fertig. Wir sind den Handwerkern und Architekten sehr dankbar, dass die Renovierung bisher trotz aller Einschränkungen stetig weitergeht. .

Das Kreuz auf der Turmspitze weist uns jeden Tag im Jahr auf Ostern hin. Das Kreuz ist Zeichen des Christentums, ein offenes Zeichen anders als der Fisch, der im Verborgenen heimliches Erkennungszeichen unter den verfolgten Christinnen und Christen war. Ein offenes Zeichen, dass auf Jesus weist, der die Arme weit offen hatte in seinem Leben und am Kreuz für uns Menschen.

Es gibt viele Kreuze - aus Gold und Silber; Metall oder Holz. Manche haben ein Kreuz an einer Kette oder an einem Armband oder an der Wand oder auf einem Bild gemalt. Vielleicht ein geerbtes oder geschenktes Kreuz, in meinem Büro steht noch das Tischkreuz meines Großvaters.

Das leere Kreuz ist Ausdruck unseres Glaubens an die Auferstehung - deshalb halten wir es ganz hoch, auf Turmspitzen, damit das alle sehen können : Jesus ist auferstanden, wir werden auferstehen.

Das Kreuz erinnert wie der Hahn auf der Turmspitze aber auch noch einmal besonders an die Tage vor Jesus Auferstehung.

An dem leeren  Kreuz ist Jesus vorher sehr schmerzvoll gestorben und aus Angst vor demselben Tod hat Petrus ihn vor dem Krähen des Hahns morgens verraten: „Ich kenne Jesus nicht.“ Unser Blick auf die Kirchturmspitzen erinnert also an beides,  an Hoffnung, Glaube und Leben und an Angst, Schmerzen, Schuld und Schwäche.

Mein eigenes  Kreuz ist eines aus einem Antikladen, ich weiß nicht wer es vorher getragen hat. Ich mag die Vorstellung, dass es ein Mensch war die auch unterschiedliche Tage und Zeiten im Leben erlebt hat. Für mich ist es wesentlich und wichtig im christlichen Glauben, dass ich an das Leichte und Schwere durch das Kreuz zugleich erinnert werde. Beten tue ich lieber vor dem leeren Kreuz - die Auferstehung im Blick. Manchmal ist es dann so, als ob ich in den Achsen des Kreuzes  Jesus weit geöffnete Arme sehen und spüren kann.

Einen  gesegneten Tag wünscht Ihnen und Euch

Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann

Montag, 30.3.2020

Liebe Menschen im Volmetal und anderswo . guten Morgen!

Manchmal bin ich müde in diesen Tagen,
müde der Nachrichten, müde der Bilder aus anderen Ländern und der Interviews, müde des  Wissens dass „wir erst am Anfang der Kurve“ stehen, müde der Gespräche auf Abstand und des Regeln-Müssens und Anders-Arbeitens, müde meiner Ängste und Sorgen.

Und ich frage mich, wie müde jetzt Politiker und Politikerinnen, Mediziner und Medizinerinnen und Mitarbeitende der Post und des Lebensmittelhandels sein müssen … Eine Freundin, deren Mann Mediziner ist, sagte: „Es ist wie eine Sturmwelle, man sieht dass sich das Wasser zurückzieht und weiß dass die Welle kommt“.

Anspannung bestimmt uns. Bilder aus anderen Ländern gehen uns nach und das Wissen, selbst wenn wir versuchen alles richtig und vernünftig zu machen: Eine Garantie auf Gesundheit gibt es nicht - auch schon vor dieser Zeit, die bestimmt ist durch einen Coronavirus, gab es diese Garantie nicht.

Glaube ist Anglauben gegen Angst und Sorge, Glaube ist oft das „Dennoch“ oder das „Trotzdem“ in unserer Welt. Ich lerne in diesen Tagen noch einmal besonders auf Zeichen zu achten. Auf den Frühling als Lebenszeichen, die warme Sonne, den Schnee gestern - ich lerne nochmal mehr,  Gott in beidem zu finden - in der Bibel und in der Natur. Gott selbst hat uns Menschen immer schon mit  beidem begleitet, mit Worten und Zeichen.  Wir selbst geben beides weiter, Worte und Zeichen. Wir schreiben und telefonieren, wir zünden eine Kerze im Fenster an und singen vom aufgegangenen Mond. Wir malen den Regenbogen (mit Radio Hagen) und hängen ihn ins Fenster .

Der Regenbogen ist ein besonderes Zeichen. Gott hat mit dem Bogen in den Wolken nach Enttäuschung, Leid und Gefahr uns Menschen - so wie wir sind- versprochen, trotzdem und dennoch bei uns zu sein und unsere Welt zu erhalten. (1. Mose 8,22). Ich bleibe in meinem Alltag schon lange stehen, wenn ich den Regenbogen sehen kann, für einige Extra-Minuten Gott. Zeit für Gott, um nicht nur zu bitten, sondern auch zu danken.

Am Beginn dieser Woche mit allem, was in ihr geschehen wird, will ich meinen in der Küche gefundenen Bogen, mein kleines Zeichen Gottes  weitergeben. Und Worte von Hilde Domin:

Nicht müde werden

Nicht müde werden

sondern dem Wunder

leise

wie einem Vogel

die Hand hinhalten.

 

Ihre/Eure Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann

29. März 2020 - Sonntag Judika - Predigt

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus

„Heute will ich aber einen schönen Traum.“

Mit diesem Satz ist mein kleiner Sohn vorgestern ins Bett gegangen. Er hatte in der Nacht davor einen Alptraum, von dem er den ganzen Tag über erzählen musste. Auch ich träume schlecht im Moment. Anspannung und Sorge bestimmt bis in die Nacht oft auch unseren Traum.

Die Bibel ist an manchen Stellen wie ein Traum Tagebuch, es gibt gute und schlechte, warnende und befreiende Träume

https://www.ekd.de/best-of-bible-traeume-32421.htm

Mein Lieblingsträumer ist Jakob, der Traum von einer Leiter zwischen Himmel  und Erde begleitet als Sehnsucht mein Leben.

Die Geschichte ist bekannt und nachzulesen in der Bibel (1Mose 28,10-22)

Beim Nachdenken über Jakobs Traum habe ich ein Gedicht erinnert: „Between the lines“ – zwischen den Linien von Paul Auster. Ich lese Teile meiner deutschen Übersetzung:

Zwischen den Linien

Kopf auf Stein gebettet, die Wege

der Entlegenheit. Und in deine Handfläche geschrieben:

die Straße.

 

Heimat ist also nicht Heimat,

sondern die Entfernung

gesegnet

und ungesegnet. Und wer auch immer sich

in die Haut seines Bruders gibt, wird wissen,

was Leid ist

 

Und im Finstern ringen

mit einem Engel.

 

Stone – pillowed, Kopf auf Stein gebettet – nach Alpträumen und schlechten Nächten ist da oft das Gefühl, hart auf einem Stein gelegen zu haben. Aber hier: auf einem Stein gebettet, vorsichtig gelegt auf einen festen Untergrund, geschützt. Nach seinem Traum von Gott  hat Jakob am Morgen aus einem Stein ganz viele Steine gemacht und einen Altar gebaut. An dem Ort, wo Himmel und Erde sich berühren, Beth-El genannt, das heißt Haus Gottes.

Jacob ist nicht nur  ein sympathischer Träumer, sondern auch ein unsympathischer Lügner. Er hält fest an seinem Plan, wichtig will er sein und der Erste, notfalls mit Lügen.

Wir Menschen bestehen nicht nur aus hellen Seiten, sondern auch aus dunklen, verborgenen. Es entsteht viel Gutes im Miteinander auf Abstand in dieser besonderen Zeit. Aber ungeschönt zeigt sich auch Vorteilssicherung in Hamsterkäufen und Neid – der Erste sein wollen, wie bei Jakob.

Und wer auch immer sich

in die Haut seines Bruders

gibt, wird wissen,

was Leid ist

 

Die Lüge fliegt auf, Jakob hat sich durch Lüge gesichert was er wollte, sein Erbe aber genießen kann er das nicht

Er muss fliehen vor der Wut des Bruders, ist stone pillowed, der Stein als Kopfkissen – Enttäuschte Pläne, harte Wege und hart liegt der Kopf.

Jakob träumt:

„Und ihm träumte, siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. Und der Herr stand oben darauf und sprach: Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden ..., und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden“ (aus 1Mose 28,12 ff)

Jakob verliert seine Heimat, der getäuschte  Erstgeburtssegen hat nicht zur Erfüllung seines Traums geführt. Es kommt anders als er denkt.

Vieles kommt anders als wir dachten in der jetzigen Situation.

Stell Dir vor es ist Frühling und keiner geht hin, Konfirmationen, Taufen und Geburtstagsfeiern aufgeschoben. Passt nach verschobenen Schulabschlüssen überhaupt noch alles danach: Ausbildung, Studium, das Jahr im Ausland?

Urlaube – abgesagt oder die bange Frage: Wie komme ich jetzt nach Hause? Auch Operationen, auf die lange gewartet wurde, hinten angestellt. Anderes ist jetzt wichtig.

Unsere Heimat verändert sich, wir bleiben hier und sind trotzdem fremd.

Heimat ist also nicht Heimat,

sondern die Entfernung  

gesegnet

und ungesegnet.

 

Zwischen den Linien, between the lines, an einem vielleicht zufälligen Ort zeigt sich der Himmel offen. Überraschend, ungeplant ein Traum, der Gottes Segen birgt.

In der Erfahrung des Scheiterns eigener Pläne, dem  Verlieren des eigenen Boden unter den Füssen, stone-pillowed, den Kopf auf dem Stein – liegt  die Öffnung des Himmels.

Als Jakob aufwacht, zweifelt er keinen Augenblick daran, dass Gott  ihn hat träumen lassen, er kann Gott vertrauen. Ohne Zweifel und ganz selbstverständlich. Jakob  rechnet damit, dass es Orte gibt, an denen wir dichter dran sind an Gott als an anderen Orten. Orte, an denen der Himmel irgendwie die Erde berührt, nicht der Himmel auf Erden, aber immerhin eine Leiter zum Himmel.

Die Geschichte von Jakob ist keine gute Familiengeschichte, sie ist eine Schuldgeschichte und es gibt erst spät Versöhnung.

In dieser Zeit die durch Sorge vor Ansteckung und Krankheit geprägt ist, sind wir auf familiäre Kontakte begrenzt. Und unsre Familiengeschichten sind wie die Jakobs nicht immer helle und leichte Geschichten.

Manchmal findet man gerade jetzt wieder zusammen, aber oft bleiben die gefühlten Entfernungen voneinander bestehen.

Die Sorge um Familien, die jetzt auf engsten Raum zusammen sind und deren Miteinander bisher gestützt war durch die Hilfe anderer  (Lehrender , ganztägiger Betreuung, Unterstützung des Jugendamtes) wächst.

Jakob muss nicht in seiner Wohnung bleiben, er kann sich aus seinem mitverschuldeten Alptraum in ein neues Leben aufmachen. Und er weiß nach seinem Traum in Bethel, dass Gott – obwohl er ein Träumer und Lügner ist – mit ihm geht. Und in deine Handfläche geschrieben: die Straße.

Jakob mit der Himmelsleiter im Herzen findet als Gesegneter Gottes einen guten Weg. Er findet Liebe, eine Familie, Kinder. Aber  dann muss er zurück. Die  Begegnung mit dem damals belogenen  Bruder steht bevor. Und Gott schickt sich selbst in einem Engel, nachts ins Dunkle – Jakob muss Gott mit aller Kraft aushalten. Das Recht auf sein Erbe hatte er sich genommen, um den Segen Gottes kann er nur bitten.

Und im Finstern ringen

mit einem Engel.

Und kann ihn nicht besiegen.

 

„Schaffe mir Recht, Judica me deus“- Judika heißt dieser Sonntag nach dem Psalm. In allen biblischen Texten, die wir sonst am Sonntag Judica in der Kirche lesen, spüren wir das Vertrauen zu Gott. Gott kann recht schaffen und wird es tun- in seiner Weise.

Jesus weiß darum und geht deshalb den Weg ans Kreuz, nicht wie ein unbesiegbarer Held, sondern mit Fragen und Bitten und Schmerzen. Für mich heißt „recht schaffen“ an die richtige Stelle gesetzt werden von Gott. Durch seinen Segen. Das ist oft nicht die Stelle, die ich mir ausgesucht, die ich geplant habe, - es ist Gottes Stelle für mich: Bet-el.

An diese Stelle finde ich oft nicht leicht und weich gebettet, manchmal bin ich im Dunkeln und oft kämpfe ich mit Gott. Meine Familiengeschichten, meine Begegnungen mit Menschen gelingen nicht immer, manchmal muss ich weitergehen oder zurückkehren wie der Träumer Jakob. Ich lerne von Jakob, dass Gott den Weg für mich weiß und ihn mir zeigen will. In Gottes Handfläche bin ich geschrieben.

Jakob ist ein Planer, auf seinen Vorteil bedacht und ängstlich, aber auch mit Mut zu Neuem und dazu, Dinge in Ordnung zu bringen. Er ist ein Träumer immer mit Vertrauen zu Gott. „Ich lasse dich nicht, Du segnest mich denn“ –

Es gibt Orte der Berührung zwischen Himmel und Erde in unserem Leben. Orte , die nicht planbar sind . Oft sind sie stone-pillowed. Sie sind nicht weich gebettet. Die Leiter zum Himmel zeigt sich im Dunklen, in Angst und Sorgen, in  geplatzten Plänen und in bestehenden Sehnsüchten, auch in Schuld. Eben zwischen den Linien - between the lines.  

Die Leiter zum Himmel zeigt sich im Vertrauen zu Gott und Vertrauen ist im Traum manchmal leichter. Gott weiß das.

„Heute will ich aber einen schönen Traum.“ Ich habe am Morgen meinen Sohn gefragt, ob es geklappt hat mit dem schönen Traum. „Klar“, hat er gesagt.

Amen.

Musik zum Tag

"Darkest side" - (c) Laura Wessel

Gebet

Gott des Lichts und der Hoffnung,

durch dich erfahren wir,
dass Leid, Tod und Trostlosigkeit
nicht bis in deine Ewigkeit reichen.

Du schaffst Gerechtigkeit.
Dein Licht und deine Liebe zu uns
machen unsere guten Seiten sichtbar;
lassen Schuld
und Schuldgefühle verblassen.

Wir wollen uns aufmachen, dich zu suchen.
Bei dir wandelt sich Trauer in Lachen.
Du bist unsere Hilfe.

Amen

Psalmübertragung

Lieber Gott,

setz Du Dich doch bitte für mich ein
und nimm meine Sorgen in Deine Hand.
Ich möchte nicht immer so traurig sein,
weil ich nicht zurechtkomme im Alltag.

Mach es hell vor meinen Augen,
lass mich einsehen, was Du sagst,
damit ich immer wieder zurückfinde
auf Deinen Weg
und aufblicken kann zu Dir
und Deine Stimme in meinem Herzen höre.

Ich möchte immer wieder zurückfinden
in die Kirche, hin zum Altar,
von dem soviel Segen ausgeht,
Deine Nähe, guter Gott;
denn durch Dich lerne ich wieder lachen,
so dass ich Dir danken kann.

(aus Psalm 43 in der Übertragung v. Peter Spangenberg)

Samstag, 28.3.2020

Liebe Menschen im Volmetal und woanders - guten Morgen!

„Wer Klang wirklich in seiner ganzen Dimension aufnehmen will, muss Stille erfahren haben“, sagt der große Geiger Yehudi Menuhin.

Wir leiten in diesen Tagen viel Musik weiter, hören am Computer oder Handy besondere Lieder. Wir sehen und hören Musiker an verschiedenen Orten zuhause vorm Fenster oder Balkon spielen. Wir spüren die Kraft, die von einer Musik zur selben Zeit an unterschiedlichen Orten ausgeht und wir vermissen gemeinsames Singen und Musizieren, den Besuch von Konzerten und Musikunterricht.

Jetzt gerade sitze ich bei aufgegangener Sonne hier und schreibe in der Stille, die erst ganz vorsichtig von Vogelstimmen gefüllt wird und denke:

Die Stille möchte ich gern weiterleiten.

Ich bin in einem Haus mit viel Musik großgeworden. Meine Mutter ist Musikerin, meine Schwester hat Klavier studiert und Musik war immer da. Es wurde Flöte unterrichtet, Klavier gespielt, für die nächste Chorprobe singend ausprobiert. Ich bin dankbar für dieses Großwerden und das Erlernen meines Instruments Geige war sicher nicht immer zur Freude aller. Ich habe immer gern gesungen und die Aufführung großer Chorwerke mit dem Chor während meines Studiums gehört zu den guten Erinnerungen.

Wenn ich zurückhöre, sind in meinem Ohr die Momente der Stille vor oder nach Musik besonders bewahrt: Das Warten vor dem ersten gesungenen Ton des „Deutschen Requiems“, aber auch die leise Rückfahrt auf dem Fahrrad nachts nach Tanzen mit viel lauter Musik. Das Atemanhalten auf Konzerten bevor der oder die erwarteten Musiker auf die Bühne gehen, das leise  Spüren beim Geigenbauer ob es wohl die richtige Geige  ist wenn sie noch ohne Ton einfach nur in der Hand liegt.

„Stille ist Klarheit, nie Farblosigkeit, ist Rhythmus, ist Fundament allen Denkens, darauf wächst alles Schöpferische von Wert.“ ( Yehudi Menuhin).

Manche haben auf Haus und die Wohnung begrenzt und allein vielleicht zuviel Stille und spüren wie wichtig Gespräche und Stimmen (nicht nur am Telefon) sind.

Andere sind in den vergangenen Tagen durchgehend mit Umorganisieren und Planen beschäftigt gewesen und wünschen sich Stille.

Gott weiß dass es in unserem Leben beides braucht. Er hat die Welt schon in der Mischung aus klangvoller  Lebendigkeit und Stille geschaffen. Gott beherrscht laute Töne (aufgehoben in den prophetischen Büchern) und das „Leise Streichen des Windes“ in dem Gott erscheint.

In diesen Tagen nehme mehr als sonst die Geige zur Hand, oft nur für ein Lied oder eine halbe Seite Etüde, Bach oder Mozart -  es tut mir gut sie schon in der Stille zu spüren. Manchmal nehme ich mir Zeit die Psalmen zu lesen und versuche es in der klösterlichen Weise aus Stille und Klang: nach jeder Zeile eine Pause - Einatmen und Ausatmen in Ruhe - und dann erst die nächsten Worte.

Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig!-
Denn auf Dich traut meine Seele,

                und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht,-
                bis das Unglück vorübergehe.

Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten,-
zu Gott, der meine Sache zum guten Ende führt.

                Er sende vom Himmel und helfe mir,-
                Gott sende seine Güte und Treue.    (aus Psalm 57)

Einen Tag aus Stille und Klang wünscht

Ihre/ Eure Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann

Freitag, 27.3.2020

Liebe Gemeinde im Volmetal und anderswo - guten Morgen!

Gestern stand am Ende einer Mail: “wir wünschen Ihnen Geduld, starke Nerven und jeden Tag mindestens ein Lächeln …“. Das hat mir gut getan, denn manchmal habe ich mit der Schwere der Nachrichten schon den Eindruck dass das Lachen weniger wird. Auch die Erleichterung der Kinder über zusätzliche „Ferien“ ist weniger geworden, wenn Gespräche mit Freunden nur per Handy oder auf über 2m Abstand vor der Haustür gehen.

Auch gestern schrieb ich einem Freund, dass es mir angesichts der vielen bedrückenden Nachrichten nicht immer leicht ist,  mit den Gedanken zum Tag Hoffnung zu produzieren und bekam diese Antwort: „Jetzt musste ich zumindest Lachen !!!…Hoffnung produzieren…“ - damit ging es mir gleich viel leichter in den Tag.

Wir wissen nicht erst seit Eckhard von Hirschhausen- den einige Menschen unserer Gemeinde mit viel Lachen und Lächeln auf dem Kirchentag in Dortmund erlebt haben- dass Lachen Medizin ist. Mir fehlt Roger Willemsen als Stimme und mit seiner Weise die Welt zu sehen und zu beschreiben in diesen Tagen besonders, ich habe ihn noch wenige Monate  vor seiner Krebserkrankung auf der Bühne sehen können und er ist mir sehr in Erinnerung geblieben. Ich bin mir sicher, dass er, der lachen und lächeln konnte in warmherziger, intelligenter und deutlicher Weise  jetzt auch genaue Worte für unsere Sorgen und Ängste gefunden hätte.

Wer hilft Ihnen und was bringt Sie und Euch trotz aller Sorgen und Ängste momentan zum Lachen?

ich habe während meines Studiums in der Pflege gearbeitet und in dieser Zeit gelernt, wie wichtig das Lachen gerade während und in dieser Arbeit ist.

Und ich freue mich über alles zum Lachen jetzt gerade besonders - über eine absurde Geschichte von Markus Wessel, der unsere Internetseite erstellt und jeden Morgen aktualisiert ( Danke!) . Über die selbst ausgedachten Witze meiner Kinder, die wahrscheinlich sonst keiner lustig findet und über den vorgezogenen Osterwitz, den eine Kollegin weiterleitet. „Josef von Arimathäa trifft seine Schwester am Ostermontag. Die schimpft los: „Du hast einen Fremden in unser Familiengrab gelegt?“ Sagt er :“Na ja, es war ja nur übers Wochenende.“

Ich denke an Saras Lachen , eine meiner Lieblingsgeschichten   in der Bibel ( 1. Mose 18)  - dass Gott für Überraschungen gut ist und es manchmal ganz anders kommt.

Heute mindestens ein Lächeln wünscht

Ihre / Eure Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann

Donnerstag, 26.3.2020

Guten Morgen liebe Menschen im Volmetal und woanders -

vieles fällt aus und wird verschoben oder findet nicht statt.

Auch Taufen dürfen wie Gottesdienste nicht stattfinden. Das finde ich besonders schwer. Jesus hat uns die Aufgabe in der Bibel gegeben, zwei Zeichen seiner Nähe zu feiern. Zeichen, in denen er jetzt spürbar ist auch wenn er lange schon nicht mehr sichtbar hier in unserer Welt ist: Taufe und Abendmahl.

Keine Gottesdienste an Ostern heißt: keine gemeinsame Erinnerungsfeier an das erste Abendmahl Gründonnerstag - „Solches tut zu meinem Gedächtnis“.

Keine Taufen, unser Auftrag „macht die Menschen zu meinen Jüngern, tauft sie“  ist ausgesetzt zurzeit.

Einer der nach wie vor am häufigsten von Eltern ausgesuchte Taufspruch wird seit Beginn der Corona Infektion häufig zitiert  in den Medien oder  wenn wir uns schreiben und  telefonieren: Bleib behütet, bleiben Sie behütet. „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen Deinen Wegen.“ ( Ps 91,11)

Wenn ein Kind zur Welt kommt, ist das der ganz große Wunsch: Dass es heil und behütet groß wird, von Gott und seinen Engeln bewacht.

Wir sorgen uns oft um unsere Kinder, in diesen Tagen sorgen wir uns um unsere Familien und besonders um die, deren Immunsystem einem unbekannten Virus nicht standhalten kann. Aber dass auch bisherige Gesundheit keine Garantie ist für einen leichten Verlauf ist, wird immer klarer.

Behütet sein, von Engeln begleitet - ich mag das Lied „Abends wenn ich schlafen geh“. Die Vorstellung von 14 Engeln, die um mich stehen und alles Wichtige regeln ist eine sehr beruhigende. In der Dahler Kirche schauen freundliche Engel vom Altarbild auf uns herunter wenn wir um den Altar Abendmahl feiern, im Münsteraner Dom stehen sie rund um den Altarraum.

Wir wünschen uns Engel, „die sich wie eine eine Wagenburg um uns lagern“ (M. Luther) bei Gefahr,  und es gibt ja auch wunderbare Erfahrungen des Behütet-Seins.

Aber es gibt sie nicht immer und nicht immer so wie gewünscht und erbetet.

Ich glaube dennoch, dass die Abwesenheit von Heilung nicht die Abwesenheit von Engeln bedeutet. Alle 14 Engel des Abendliedes haben je zu zweit eine Funktion, sie sind an verschiedenen Stellen unseres Körpers, decken oder wecken und zwei von ihnen weisen auch den Weg ins Paradies.

Die Zahlen der Menschen, deren Körper nicht mehr die Kraft hatte- trotz aller möglichen medizinischen Hilfe - dem Virus zu trotzen, steigen. Und es wird wie bei vielen anderen Krankheiten auch keine logische und gerechte Erklärung für das „Warum ich?“ geben. Aber Engel stehen um uns „auf all unseren Wegen“.

Ich mag den Wim Wenders Film „Der Himmel über Berlin“ sehr, ein Fotobuch über den Film steht in meinem Regal. Mein Lieblingsbild ist das des verwischten Engelsflügels - eine Momentaufnahme, in der die Ahnung mit der Kamera festgehalten ist: der Engel ist da .

Seien Sie begleitet und behütet

Ihre und Eure Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann

Mittwoch, 25.3.2020

Liebe Gemeinde im Volmetal und anderswo - guten Morgen

Zwei Nachrichten des gestrigen Nachmittages sind mir in die Nacht gefolgt bis heute morgen.

Zum einen die Nachricht eines Kollegen, der wie ich ich in Haltern groß geworden ist und mich an den traurigen Jahrestag erinnerte; an das Flugzeug dass nicht zurückkehrte sondern zerschellte. Ein Mensch in verantwortlicher Position wollte den Tod und entschied denselben für alle, die mit ihm geflogen sind: Kinder, Jugendliche, viele Menschen. in Haltern haben gestern am 24. März - 5 Jahre danach - um 10.41 Uhr zur Absturzzeit alle Glocken geläutet .

Etwas später die Nachricht einer ökumenischen Freundin, ob ich den Tag heute - den 25.März vor Augen habe. An diesem Tag wird in vielen christlichen Kirchen aus dem 1. Kapitel des Lukasevangelium gelesen. Die Verse 26-38 erzählen von der Nachricht des Engels an Maria: Du wirst schwanger!

Am Abend saß ich zwischen diesen beiden Nachrichten: der Erinnerung und dem Wissen um furchtbaren Verlust und Trauer und dem durch das Kirchenjahr gelenkten Blick auf neues Leben. So viel Widerspruch.

Ich finde es oft schwer - beruflich aber auch privat - mit dem Gegenüber von Schwerem und Schönem zu leben. Auch in dieser Zeit wo wir anhand der täglich neuen Zahlen wissen, wieviel Menschen das Ringen um Atem verloren haben. Gleichzeitig wärmt und scheint die Sonne und in der ungewöhnlichen Situation unserer Gesellschaft entstehen viele gute neue Formen des Miteinanders (auf Abstand).

Wir leben  im Widerspruch - sonst auch, vielleicht bewusster im Moment.

 

"Wer bin ich" mit meinen Widersprüchen? - Dietrich Bonhoeffer weiß in seinem Gedicht dass nur Gott sie halten kann.

Einen behüteten Tag wünscht

Ihre und Eure Pfarrerin Katrin Hirschberg-Sonnemann

Dienstag, 24. März 2020

Guten Morgen liebe Menschen im Volmetal und anderswo,

ich denke über Nähe nach. Was genau sind 1 1/2 Meter? Darf ich meine studierenden Töchter noch besuchen? Wie erkläre ich meinem kleinen Sohn, dass Freunde nicht zum Spielen kommen können? Wie geht digitale Nähe, die jetzt häufig  für die Kirche und Ihre Mitarbeitenden gefordert wird? In welcher Art kann sich Nähe jetzt ausdrücken?

Eine Mitarbeiterin unserer Gemeinde, die sich ehrenamtlich bei der Notfallseelsorge der Feuerwehr einbringt, erzählte mir (am Telefon) von der besonderen Herausforderung im Moment. „Wie soll ich jemandem, der gerade den oder die Liebste verloren hat nah sein mit Mundschutz und Handschuhen?“

Pflegende auf Intensivstationen oder in der Versorgung anderer ansteckender Krankheiten kennen diese Situation schon lange - nah sein in Schutzkleidung.  Für uns ist vieles jetzt neu.

Im Nachdenken über meinen beruflichen Alltag wird mir klar,  wie selbstverständlich ich bisher die Nähe Gottes auch durch meine eigene Nähe symbolisiert habe  mit  Besuchen und/ oder Gesprächen  selten mit bis zu 2 m Abstand voneinander. Mir fehlt der Kontakt durch das Handgeben, und ich weiß,  dass es lange dauern kann, bis wir das wieder zurück  bekommen werden. Wir lernen von den Hausärztinnen und Hausärzten, die uns auch vor dieser  Situation ja nah waren in ihrer Versorgung und Zugewandheit ohne uns die Hand zu geben.

Nähe auf Distanz - darum geht es jetzt. Auch wenn ich zu Ihrem und Eurem eigenen Schutz keine Besuche machen kann oder darf  in der jetzt aktuellen Situation, erreichbar sein. Ich versuche in Telefonaten, Mails und hier auf dieser Seite für etwas Nähe zu sorgen, wir versuchen in unserer Gemeinde füreinander da zu sein. Wir üben alle Nähe AUF Distanz.

Jesus hat Nähe UND Distanz gelebt. In den vergangenen Monaten  haben einige Menschen unserer Gemeinde gemeinsam im  Markusevangelium gelesen. Jesus Zusammentreffen mit uns Menschen und sein Leben in unserer Welt zeigt Nähe UND Distanz in häufigem Wechsel.  Nah ist er Menschen, die um Heilung suchen, nah sicher auch den Jüngern. die seine Kernfamilie waren. Manchmal wirkt er in Gesprächen und Zusammentreffen aber auch sehr bei sich, als würde er den Mindestabstand waren, dann wieder ist er mittendrin. Oft braucht er nach viel Nähe Distanz - zieht sich zurück, fährt auf den See. Er konnte, anders als wir momentan, selbstbestimmt über Nähe und Distanz entscheiden. Wir stehen vor der Aufgabe viel stärker als gewohnt Nähe zueinander in Telefonaten, Mails, Briefen und Gebeten füreinander zu erhalten.

Meine Gedanken und Gebete sind nicht nur heute  bei allen, die nah in der Pflege von Menschen sind, bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Diakoniestation Süd und des Altenwohnheim Dahls und überall wo es zum Beruf gehört Menschen nah zu sein auch unter der Gefahr von Ansteckung-  ohne Mindestabstand.

Ihre/Eure Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann

23. März 2020

Liebe Menschen im Volmetal und woanders - guten Morgen!

Die neue Woche beginnt mit Einschränkungen, von denen wir alle hoffen dass damit  eine nicht mehr medizinisch begleitbare hohe Anzahl von schweren Erkrankungen verhindert werden kann .

Also war ich gestern  zuhause im Garten. Die japanische Kirsche beginnt zu blühen. Das Blühen ist früher als ich es gewohnt war aus den zurückliegenden Jahren. Ich habe im April Geburtstag, meiner Erinnerung nach blühte immer dann die Kirsche vor meinem Fenster. Am schönsten finde ich, wenn die Blüten später wie Schneeflocken zu Boden fallen.  Ich mag Schnee sehr. Wenn es weiß und still wird,  habe ich das Gefühl dass Gott nah ist. Gottesbegegnungen sind individuell und manchmal mehr Ahnung als Gewissheit.  Bei mir hatten sie  mit Schnee zu tun aber das ist bei uns allen verschieden.

Gemeinsam wichtig ist, den Ahnungen vorsichtig zu trauen und nicht alles als Zufall zu deklarieren. Gott findet sehr unterschiedliche Formen uns nah zu sein - vielleicht und hoffentlich auch in dieser Woche.

Ihre/Eure Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann

Erhalte dir die Freude

22. März 2020 - Gebet und Psalm

Wir beten:

Guter Gott,
in diesen Tagen spüren wir besonders,
wie gut es tut,
einen Ort zu haben,
an dem wir uns dir nahe fühlen.
Auch wenn die Türen unserer
Kirche nun geschlossen sind
und wir nicht zusammenkommen können:
Unser Herz ist offen für dich
Komm du jetzt zu uns.
Lass uns zur Ruhe kommen,
mit allem, was uns gerade bewegt.

Stille

Wir bitten dich: Höre uns
Amen

(von Kathrin Oxen)

 

Psalm 84 in der Übertragung von Huub Osterhuis

Das prachtvolle Haus,
das da steht, auf grünem Hügel,
weite Flügel schattenreiche Veranden,
hohe Fenster tiefe Räume,
dieses dein Haus.

wo alles willkommen ist, wo alles wohnt-
die Sperlinge dürfen mit an den Tisch,
die Schwalbe baut unter der Rinne ihr Nest-
ich bin eines ihrer Jungen.
Unruhig ist mein Herz, ungestüm habe ich
nach diesem Ort verlangt.

Menschen, wo auch geboren,
wissen nicht was sie treibt,
sind unterwegs hin zu dir.
Quer durchs leere Land
über dunkle Gewässer, durch Wälder,
über den Bergkamm,über den Gipfel
gehen sie blindlings.

Und dann eines Tages
stehen sie da. Dürfen wir bleiben? Ihr dürft.
Sie schlagen die Zelte auf
zwischen deinen Zedern, unter deinen Eichen,
liegen ausgestreckt im hohen Gras-
ganz selig.

Lieber einen Tag nah bei dir
als Tausende weit von dir weg,
lieber einen, als Tausende weit von dir weg. 

22. März 2020 - Predigt

Predigt über Joh 12, 20-24

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Passionszeit ist nicht nur eine feste Zeit im Kirchenjahr - Passionszeiten gibt es immer wieder in unserem Leben.

Gerade ist so eine Zeit - jeder und jede verfolgt die Zahlen der steigenden Infektionen mit Angst. Ebola, Sars, Thyphus, Diphterie – bisher waren hochansteckende Krankheiten ebenso wie Hunger weit weg, in anderen Teilen der Erde. Jetzt sind sie hier. Globalisierung heißt sich nicht, sich nur an der Welt bedienen können, Globalisierung heißt auch, Angst und Krankheit zu teilen. Gerade mit Sorge vor dem neuen Coronavirus ist mir bewusst, dass wir die große Gnade haben, hier in einem auch medizinisch weit entwickelten Land zu leben. Ich verstehe jede Mutter in anderen Ländern, die sich das für ihre Kinder auch wünscht.

Krankheit heißt Leiden und Leiden ist Passion. In der Passionszeit vor Ostern hören wir in den Gottesdiensten Lesungen aus den Evangelien - Erzählungen über das, was passiert Richtung Kreuz. Aber heute – Lätare – machen die Zeichen Richtung Leiden eine kleine Pause. In die dunkle Passionszeit leuchtet der heutige Sonntag. Lätare – das heißt übersetzt: Freut euch! Freut euch, er wird auferstehen. Lätare – früher hat man diesen Sonntag auch „Klein Ostern“ genannt und die liturgische Farbe war nicht violett für die Passionszeit, sondern rosa, aufgehelltes Lila - Freude mitten in der Traurigkeit.

Jesus ist in Jerusalem. Umjubelt von vielen Menschen ist er wie ein König in die Hauptstadt eingezogen. Doch Jesus weiß: Seine Gegner haben beschlossen, ihn zu töten.

Trotz des Zulaufs der Menschen scheint der Tod Jesu unvermeidbar, der Schatten des Kreuzes liegt über allem. Im Moment des Einzugs hören wir von der Bitte einiger Griechen: “Wir wollen Jesus sehen“. Kein oberflächlicher, sensationsgieriger Wunsch, sondern tiefe Sehnsucht. Die Sehnsucht, in Jesus Gott zu begegnen, Gott zu spüren. Sehnsucht danach, dass dieses „Sehen“ ihrem Leben Sinn, Heilung gibt.

Jesus erfährt durch seine Jünger Philippus und Andreas von diesem Wunsch und reagiert geheimnisvoll. Er antwortet: „Die Zeit ist gekommen, dass der göttliche Glanz, die Herrlichkeit des Menschensohnes sichtbar wird. Amen ich sage euch: Wenn das Weizenkorn, das in die Erde fällt, nicht stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“

Jesus geht auf den Wunsch, die Sehnsucht der Griechen ein, sein göttlicher Glanz wird sichtbar werden, sie werden ihn sehen, sich daran freuen können. Aber es ist ein anderer Glanz als wir es erwarten: kein Glanz des ungetrübten Erfolges, des ungebrochenen Glücks. Sondern ein Glanz, der mit dem Tod verbunden ist. Dieser Satz: Wenn das Weizenkorn, das in die Erde fällt, nicht stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. Das ist nicht nur für uns heute geheimnisvoll, das  war  mit Sicherheit auch geheimnisvoll für die Jünger Jesu und erst recht für die griechischen Männer. Ihre Sehnsucht, Jesus zu sehen, die Sehnsucht nach Leben, nach Freude, nach Glück beantwortet Jesus  mit dem Hinweis auf seinen Tod. Denn er wird sterben, so wie die Menschen das damals vom Weizenkorn geglaubt haben.

Antike Biologie – wir wissen es heute anders – aber die Menschen damals haben wirklich geglaubt, dass das Korn in der Erde sterben muss, damit aus ihm neues Leben entstehen kann.

Jesus sagt: Der Tod des Weizenkorns ist ein Tod, der neues Leben schafft. Das Ende erscheint als neuer Anfang. Der Halm wächst aus der Erde, Heilung und Freude werden sichtbar.

Aber: All dies gibt es nicht am Kreuz vorbei. Das ist die Nachricht an die Griechen, an die Jünger, an uns. Passionszeiten gibt es immer wieder in unserem Leben.

Jetzt gerade  erleben wir eine kollektive Passionszeit, aber eigene Geschichten von Angst und Verlust haben wir alle.

Passionszeit ist nicht vergangen, war damals und weit weg.

Passionszeiten sind auch heute nicht weit weg – bei anderen, in anderen Ländern, anderen Kontinenten.

Passion ist auch bei uns. Unser Leben ist Passionszeit, wenn wir loslassen müssen, Angst haben, Schmerzen ertragen müssen.

Der Gott, an den wir glauben, ist der Gekreuzigte. Ist der, der erlebt hat, was wir alle uns nicht wünschen: Schmerzen, Einsamkeit, einen furchtbaren Tod. Gleichzeitig ist er eben auch der Auferstandene, der erlebt, was wir alle uns wünschen: neu und heil mit Freude bei Gott zu leben, ohne all das, was das Leben schwer macht,  

Lätare – „Klein Ostern“ ist ein Sehnsuchtssonntag. Er erzählt von der Sehnsucht nach Heil mittendrin in Unheil und Angst. Lätare – sich freuen geht trotzdem.

Dietrich Bonhoeffer schreibt aus dem Gefängnis am 9. März 1944: „Zum zweiten Mal erlebe ich die Passionszeit hier. Ich wehre mich innerlich dagegen, wenn ich in Briefen...Wendungen lese, die von meinem `Leiden` sprechen. Mir kommt das wie eine Profanisierung vor. Man darf diese Dinge nicht dramatisieren. Ob ich mehr `leide` als Du oder als die meisten Menschen heute überhaupt, ist mehr als fraglich. Natürlich ist vieles scheußlich, aber wo ist es das nicht? (...) Wir betonen so gern das seelische Leiden; gerade dieses aber sollte uns Christus abgenommen haben. (...) Nun genug für heute! Wann werden wir uns wieder sprechen können? Bleib gesund, freue Dich an dem schönen Land, verbreite hilaritas (lat.: Freude) um Dich und erhalte sie Dir selbst!...“ (Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung).

„Amen ich sage euch: Wenn das Weizenkorn, das in die Erde fällt, nicht stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“

Ich erfahre nicht, wie es den Griechen mit dem Satz vom Weizenkorn ging. Vielleicht waren sie erschreckt. Ihre Sehnsucht danach, Jesus zu sehen war gestillt, aber dieses Sehen hat nicht alles in ihrer Welt heil und gut gemacht. Sie kamen am Kreuz nicht vorbei. Trotzdem: Lätare: Freut euch!

„Nun genug für heute !Wann werden wir uns wieder sprechen können? Bleib gesund, freue Dich an dem schönen Land, verbreite hilaritas ( lat.: Freude) um Dich und erhalte sie Dir selbst!...“

Amen.

21. März 2020

Liebe Menschen im Volmetal und woanders - guten Morgen!

Ich stehe vor dem Regal  im Supermarkt und schüttel den Kopf - ich habe mir nicht vorstellen können das Menschen das tun: Toilettenpapier hamstern. Manchmal reagieren wir Menschen wieTiere im Herbst.  Angst davor, nicht mehr alles in den gewohnten Mengen zu bekommen, hat viele zu den Regalen getrieben. Angst ums Überleben wie bei den Tieren kann es doch in unserem wohlhabenden Land nicht sein.

Wir legen Vorräte an, um uns sicher und jeder Situation gewachsen zu fühlen. Gleichzeitig aber ahnen oder wissen wir: gegen eine schwere Krankheit hilft das nicht.

Sollten wir uns in unseren sozialen Kontakten in den nächsten Wochen deutlicher einschränken müssen, werden wir auch von anderen Vorräten zehren müssen:

Von Abenden mit Freunden, die jetzt gerade nicht stattfinden können, aber die wir doch so viel hatten, dass wir davon schreiben und  uns davon am Telefon erzählen können.

Von Reisen nach denen wir Landschaften und Erlebnisse mit nach Hause genommen haben. 

Von Orten, die wir mögen und jetzt gerade nicht mehr so selbstverständlich aufsuchen können, aber vor Augen haben.

In einem Kinderbuch erzählt der Autor von der Maus Frederick, die wie andere Mäuse gemäß ihrer Art Vorräte anlegte aber es waren andere Vorräte: Nicht Nüsse und Nahrung , auch kein Stroh zum Wärmen, sondern Licht und Farben und Wörter für Geschichten.

Ich trage auch viele solcher Vorräte mit mir und sie lassen mich jetzt getrost zuhause blieben.

Wir können uns gegenseitig von unseren Vorräten erzählen, besonders auch denen, die weder Zeit noch Kraft haben Regale leerzukaufen, weil sie selbst an den Kassen der Supermärkte sitzen oder Regale einräumen, weil sie die Krankenhäuser intensivmedizinisch vorbereiten oder sich auf eine längere Zeit der Pflege von Menschen.

Fredericks Vorräte werden mehr durch das Teilen, er lässt die Sonnenstrahlen beim Erzählen wärmen, die Farben leuchten und seine  Worte und Geschichten machen andere stark.

Ich finde solche Vorräte anzulegen, von denen wir alle in unserem „Miteinander auf Abstand“ etwas haben, lohnt viel mehr als ein großer Vorratsstapel Toillettenpapier.

Ihre Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann