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Das geht mit durch den Tag

Samstag, 28.3.2020

Liebe Menschen im Volmetal und woanders - guten Morgen!

„Wer Klang wirklich in seiner ganzen Dimension aufnehmen will, muss Stille erfahren haben“, sagt der große Geiger Yehudi Menuhin.

Wir leiten in diesen Tagen viel Musik weiter, hören am Computer oder Handy besondere Lieder. Wir sehen und hören Musiker an verschiedenen Orten zuhause vorm Fenster oder Balkon spielen. Wir spüren die Kraft, die von einer Musik zur selben Zeit an unterschiedlichen Orten ausgeht und wir vermissen gemeinsames Singen und Musizieren, den Besuch von Konzerten und Musikunterricht.

Jetzt gerade sitze ich bei aufgegangener Sonne hier und schreibe in der Stille, die erst ganz vorsichtig von Vogelstimmen gefüllt wird und denke:

Die Stille möchte ich gern weiterleiten.

Ich bin in einem Haus mit viel Musik großgeworden. Meine Mutter ist Musikerin, meine Schwester hat Klavier studiert und Musik war immer da. Es wurde Flöte unterrichtet, Klavier gespielt, für die nächste Chorprobe singend ausprobiert. Ich bin dankbar für dieses Großwerden und das Erlernen meines Instruments Geige war sicher nicht immer zur Freude aller. Ich habe immer gern gesungen und die Aufführung großer Chorwerke mit dem Chor während meines Studiums gehört zu den guten Erinnerungen.

Wenn ich zurückhöre, sind in meinem Ohr die Momente der Stille vor oder nach Musik besonders bewahrt: Das Warten vor dem ersten gesungenen Ton des „Deutschen Requiems“, aber auch die leise Rückfahrt auf dem Fahrrad nachts nach Tanzen mit viel lauter Musik. Das Atemanhalten auf Konzerten bevor der oder die erwarteten Musiker auf die Bühne gehen, das leise  Spüren beim Geigenbauer ob es wohl die richtige Geige  ist wenn sie noch ohne Ton einfach nur in der Hand liegt.

„Stille ist Klarheit, nie Farblosigkeit, ist Rhythmus, ist Fundament allen Denkens, darauf wächst alles Schöpferische von Wert.“ ( Yehudi Menuhin).

Manche haben auf Haus und die Wohnung begrenzt und allein vielleicht zuviel Stille und spüren wie wichtig Gespräche und Stimmen (nicht nur am Telefon) sind.

Andere sind in den vergangenen Tagen durchgehend mit Umorganisieren und Planen beschäftigt gewesen und wünschen sich Stille.

Gott weiß dass es in unserem Leben beides braucht. Er hat die Welt schon in der Mischung aus klangvoller  Lebendigkeit und Stille geschaffen. Gott beherrscht laute Töne (aufgehoben in den prophetischen Büchern) und das „Leise Streichen des Windes“ in dem Gott erscheint.

In diesen Tagen nehme mehr als sonst die Geige zur Hand, oft nur für ein Lied oder eine halbe Seite Etüde, Bach oder Mozart -  es tut mir gut sie schon in der Stille zu spüren. Manchmal nehme ich mir Zeit die Psalmen zu lesen und versuche es in der klösterlichen Weise aus Stille und Klang: nach jeder Zeile eine Pause - Einatmen und Ausatmen in Ruhe - und dann erst die nächsten Worte.

Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig!-
Denn auf Dich traut meine Seele,

                und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht,-
                bis das Unglück vorübergehe.

Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten,-
zu Gott, der meine Sache zum guten Ende führt.

                Er sende vom Himmel und helfe mir,-
                Gott sende seine Güte und Treue.    (aus Psalm 57)

Einen Tag aus Stille und Klang wünscht

Ihre/ Eure Pastorin Katrin Hirschberg-Sonnemann